Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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Hoheslied. 39 Sechstes Kapitel. Das Hohelied bei den jüdischen Mystikern. §. 24. Einleitung. Wie die Philosophie des jüdischen Mittelalters will die Geheimlehre den Hintergrund der Bibel erforschen, ihre tiefer lieg enden Gedankenschätze heben. Jene unternimmt diese Arbeit mit den Werkzeugen der Wissenschaft, dringt mit Begriffen und Denken in das innere Wesen und spricht keinem mühsam arbeitenden Forscher den endlichen Erfolg, die Erkenntniß ab; diese, wenn auch — namentlich bei ihren Vertretern in Spanien — philophirend, legt ihr Hauptgewicht auf die Phantasie, die allein begnadigt sei, zum wahren Verständniß sich hindurchzuarbeiten und hält nur die des höher» Aufschtounges fähig, die vermöge einer besonder» göttlichen Weihe dazu auserwählt seien. Diese Auserwählten begreifen allein, daß die Bibel das gar nicht sagen wolle, was sie für den Uneingeweihten enthält, sie sehen im Bibel- Worte die größten Geheimnisse, lesen aus ihm die tiefste Erkenntniß und erblicken in dem geheimen Sinne den Schlüffel zur Lösung der wichtigsten Fragen über Gott, Welt und Menschenschicksal. In diesen Kreis ihrer Forschung zieht die Geheimlehre auch das Hohelied, nicht um es zu erklären, sondern die mystisch-mathemalischen und dann die mystisch-grammatischen Anschauungen an seine Verse zu reihen, um sie unter diesem Aushängeschilde vortheilhafter verwerthen zu können. Für die Exegese des Hohenliedes haben diese Commentare nicht die mindeste Bedeutung, denn Wort- und Sacherklärung schreiben sie älteren Autoren nach; weil aber ihr Hauptaugenmerk auf die Auseinandersetzung kabbalistischer Lehren sich richtet, so ist ihnen eine größere Bedeutung für die Geschichte der Kabbala nicht abzusprechen. Die deutsche Mystik, vertreten durch Elasar aus Worms,