Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neueste Hypothese über den Priestercodex. 7 ganze Thora zu halten, und dabei werden besonders diejenigen Gebote hervorgehoben, welche in jener Zeit vernachlässigt und die durch die damaligen Zeitverhältnisse besonders dringend gefordert wurden (vgl. Esra 9—10, Neh. 13,15 ff., Neh. 5, 10, Maleachi 3, 8—10). Nehemia 9—10 beweist hiernach das Gegentheil von dein, was W. darin bezeugt sehen will, daß in der dort beschriebenen Versammlung der Priestercodex ebenso wie die übrigen Theile des Pentateuchs als ein altes bekanntes Gesetzbuch galt. Sowie die anderweitigen Gesetze nicht erst damals sanktionirt wurden, ebenso nicht der Priestercodex. Mit Beseitigung dieses angeblichen Zeugnisses äst mehr ge- Wonnen, als es im ersten Augenblicke den Altschein hat; denn wenn einmal zugegeben werden muß, daß die Geschichte von der Einführung eines neuen Gesetzbuches nach dem Exil nichts weiß, so ist die Thatsache an sich höchst unwahrscheinlich. Wenn W. es unbegreiflich findet, daß der Priestercodex vorher existirt habe, aber latent und in der Geschichte nicht wirksam gewesen sein sollte, so wäre es noch unbegreiflicher, wie ein solches Gesetzbuch latent und ganz unbemerkt in die Geschichte eingetreten sein konnte. Doch wollen wir auf dieses Gegenargument kein zu großes Gewicht legen. Wir wollen vielmehr die andern zahlreichen Gründe, die W. für die Jugend und den nachexilischen Ursprung des PC geltend macht, prüfen und dabei dessen Untersuchuirgen in der ״Geschichte Israels" Schritt für Schritt folgen. Die Hauptbeweise liefert ״die Geschichte des Cultus" (S. 17—174), daß in der Aufeinanderfolge der Schichten der pentateuchischen Gesetzgebung JE die erste, Dt die zweite und PC die letzte Stelle eiilnehme. Dabei kommen fünf Punkte zur Erörterung: 1) der Ort des Gottesdienstes, 2) die Opfer, 3) die Feste, 4) Priester und Leviten, 5) die Ausstattung des Klerus. 1) Den Ort des Gottesdienstes betreffend, meint W., lasse sich für die älteste Periode der israelitischen Geschichte vor dem Tempelbau nicht die Spur von einem ausschließlich berechtigten Heiligthume auffinden. Für diese Pe-