Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 5 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 197)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Bacher kann sagen, daß die babyl. Agada ihrem größten Theile nach nur eine Umprägung der palästinensischen Schriftauslegungen und Sagen bildet. In welcher Weise diese Umbildung stattgefunden, wie hierbei die localen Verhältnisse von Einfluß waren, weist der Verf. an einzelnen Beispielen schlagend nach. Vgl. besonders S. 122 A. 35. Freilich mußte sich der Verf. auch in solchen werthvollen Untersuchungen große Selbstbeschränkung auferlegen und sich oft nur mit einzelnen Andeutungen und Streiflichtern begnügen. Die ausführliche Beleuchtung des Abhängigkeitsverhältnisses der babyl. Agada von der palästinensischen gehört eben zur Aufgabe einer speciellen Untersuchung. Der fruchtbarste unter den babyl. Agadisten war Rab, der zu den Füßen palästinensischer Lehrer gesessen. Die zahlreichen Ausspräche Rab's gruppirt der Verf. um einzelne Themata, als welche sich ergeben: Die Erzählungen und Personen der bibl. Geschichte, das Volk Israel und seine Lehre, das sittliche Leben und die Be- Ziehungen der Menschen zu einander, das Gebet, die Natur. Endx lich hat sich Rab auch kosmogonischen und metaphysischen Spekulationen hingegeben, wie einige von ihm erhaltene, bisher wenig verstandene Sätze über das Schöpfungswerk und über den zweiundvierzigbuchstabigen Gottesnamen andeuten. Hier ist es dem Verf. gelungen, eine wissenschaftliche Entdeckung zu machen, die schon allein geeignet sein dürfte, seinem Buche eine bleibende Stätte in der jüd. Literatur zu sichern. Bekanntlich bilden das Tetragrammaton, der zwölf- und zweiundvierzigbuchstabige Gottesname, von denen im Talmud die Rede ist, den Ausgangspunkt der später sich entwickelnden Buchstabenmystik. Was die beiden Letztem bedeuten, war bisher ein ungelöstes Näthsel. Der Gaon Haja giebt in einem Responsum (טעם וקנים S. 57 a) an, daß die Buchstaben des שם בן מ״ב אותיות bekannt seien, aber die dort angedeutete Erklärung giebt ein neues Räthsel auf und zeigt, daß der sonst rationalistisch gesinnte Gaon denn doch auch eine stark mystische Ader hatte. In neuerer Zeit versuchte Franck (die Kabbala S. 46) eine Erklärung zu geben, von der er mit Recht voraussetzt, daß sie ״der gesunde Verstand in Zweifel ziehen wird." Für die Richtigkeit der Erklärung Bachers bürgt die Einfachheit. Es ist näm-