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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1878-01-01 · 1 (1878) · p. Seite 161

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
5 (1878)
Issue
1 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 161 (sequence 164)
Language
German
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Hoheslied. 161 Viertes Kapitel. Erklärungen aus der spanischen Schule. 8 13. Abraham ibn Esra.*) Umfassende sprachwissenschaftliche Vorarbeiten, Bekanntschaft mit der jüdischen und arabischen Literatur, seltenes Sprachgefühl und feine Beobachtungsgabe erhellten Ibn Esra's Blick, so daß er in dem biblischen Worte den darin verkörperten Gedanken erfassen konnte. Deshalb gewahren wir auch in allen seinen Arbeiten die Kraft eines genialen Meisters. Ibn Esra — er starb im Alter von 75 Zähren um 1167 — bietet in seiner Exegese alle Resultäte seiner Zeit, seine Sacherklärung ist vernünftig und hält sich fern von erkünstelten Interpretationen. Trotzdem darf man aber Grätz' Ansicht hinsichtlich der Ibn Esraischen HL.-Erklärung nicht beistimmen. Grätz jagt* 2): ״Dieser (Z. E.) hatte das volle Bewußtsein, daß das HL. in seinem einfachen Wortsinne eine Liebesgeschichte enthalte; aber er war nicht unabhängig und nicht muthig genug, dieser Erkenntniß Folge zu geben und daher hat er bei der Auslegung dieses Buches wie anderer Bücher der heiligen Schrift, namentlich des Pentateuchs, allerlei Blendwerk angewendet, um nicht als Rationalist verketzert zu werden. Das HL. erklärte er in seinem einfachen Sinne als Liebeslied, und deutete es zugleich im allegorischen Sinne auf die Synagoge. Ernst war es ihm aber lediglich mit der ersten Erklärung s.. הפעם השנית ....). In dieser Auslegung faßte er das HL. als Lied der Liebe zwischen einein jungen Mädchen und einem Hirten auf. Da Ibn Esra einen feinen exegetischen Takt besaß, so enthält seine ״zweite" Erklärung viel Richtiges, das, wenn es von den Späteren benutzt worden wäre, zur sinngemäßen Auslegung des HL. hätte führen *) Vgl. Friedländer, Essays on the writings of Abraham Ibn Esra, 4. B. der Publications in the society of hebrew literature in London. — Das Bibliographische siehe Hebr. Bibl. 1869, 111 Nr. 4 und am Schlüsse dieser Arbeit; über die Auslegung des HL. vgl. Uhlemann, De varia Cant. Cant, interpr. etc. 2) Grätz, Schir Ha-Schirim 119.

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