Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 5 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 115)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Salseld dem einfachen Wortverständniß Nahrung gegeben.®) Die allegorische Auffassung, von welcher wir reichliche Spuren in der Midrasch- und Talmudliteratur autreffen, hob bald über diese Zweifel hinweg. Denn wenn die Toßifta Synhedrin XII namens des R. Akiba dem die ewige Seligkeit abspricht, der das HL. nach Art eines profanen Gesanges vorträgt, wenn derjenige die Sintfluth (nach Trakt. Kalla) oder Unheil (nach bab. Tr. Synhedrin 111 a) der Welt bringen soll, welcher nur einen Vers nach Art eines weltlichen Liedes citirt oder ihn unzeitgemäß bei Gelagen vorträgt, so kann man aus solchen Aussprüchen doch nur vermnthen, daß die erotische Aussassung etwas Geltung hatte"), aber bestimmt annehmen, daß sie die allgemein gültige Ansicht vertreten, dem HL. sei eine allegorische Deutung zu geben. Daß eine solche schon vor der letzten Hälfte des ersten Säculum unserer Zeitrechnung angewandt worden sei, scheint mir nicht unglaublich. Aquila weiß freilich von einer solchen nichts; aber der wohl jüngere Text der LXX®), der 4,g מראש אמנה mit a7t'o aQyjjg 7tLotung und 6,4 כתרצה durch c5g svöokLcc wiedergiebt, scheint, wenn man namentlich die Auffassung von Amana in der talmudischen Literatur vergleicht4 * 6 7), von der Allegorie beeinflußt. In den letzten Jahrzehnten des ersten Jahrh. unserer Zeitrechnung stand diese Auslegung bereits mit dem Grundsätze fest, das HL. sei zu den heiligen Schriften, welche die Hände verunreinigen 8), zu rechnen. Mit diesem Principe war gleichzeitig die in den palästinensischen Schulen lange Zeit schwebende, die öffent- 4) Abot de R. Natan 1. °) Geiger, Urschrift u. Uebers. 399 f.; Grätz, Schir Ha-Schirim, 115. 6) S. Grätz a. a. O. 116. 7) Die Stellen s. n>. u. u. bei Grätz a. a. O. 8) In diesem, Jadajim III, 5 ausgestellten Grundsatz, der durch R. Akiba und seine Schule aus alle heil. Schriften ausgedehnt wurde, sollte die Vorschrift für den Priester enthalten sein, während des Genusses der T'ruma sich von den heil. Pergamenten fernzuhalten, um nicht durch abgefallene Speisereste Mäusefraß herbeizuführen. Der Vollständigkeit halber verweise ich auf Delitzsch in Luth. Zeitschr. XV, 280, woselbst eine früher gegebene Erklärung nach Mittheilung Biesenthal's verbessert ist, vorzüglich aber auf Levy, Neuhebr. u. chald. Wörterb-, II, 163, und auf Geiger, Nachgel. Schriften IV, 14, der den vom Talmud (bab. Schabbat 14 a u. jerus. Sota 2, 3) angegebenen Gründen entgegen das Verunreinigende in dem zu den Büchern verwendeten Materiale sieht.