Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 5 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Hohelied bei den jüdischen Erklärer« des Mittelalters. Von Dr. S. Salfeld. Erstes Kapitel. Das Hohelied in der hagadischen Literatur. 8 1. Einleitung. Der alte Satz aus den Sprüchen der Väter: ״Wende das Gotteswort nach allen Seiten — es ist Alles darin!" findet sich in der Geschichte der Bibelforschung nirgends mehr bewahrheitet, als bei den zahlreichen Versuchen, das liebliche Hohelied, diese Perle morgenländischer Dichtung, zu erklären. Denn soweit wir Spuren der Auslegung hinabverfolgen können, gewahren wir, wie menschlicher Scharfsinn sich unablässig müht, diese klare, gluthreiche Perle auf den Goldgrund des Glaubens zu befestigen, und erkennen, wie sich auch in dieser Geistesarbeit, um mit den Worten Zunz") zu sprechen, ״Leiden und Wissen der Vorfahren abspiegeln." Denn ״was sie geglaubt und einpfunden, was sie errungen und erduldet, ward, in die flammenden Worte heiliger Liebe übertragen, zu neuer Gluth, zu neuer Liebe" 2). — Daß die jüdischen Erklärer, die, treu den geschichtlichen Ueberlieferungen, vorwiegend der Allegorie — sei diese nun je nach der Individualität des Autors oder nach einer bestimmten geistigen Zeitrichtung historisch, mystisch oder philosophisch — dienen und viele derselben die künstlerische Anläge des Hohenliedes nicht ahnen, geschweige denn erkennen; daß ״wir oft genug aus den Commentarien der Vorzeit — beschwichtigten Groll, zertrümmerte Systeme, verschollene Scholastik auftauchen sehen"/) in denen wir das Lied der Lieder nicht wiederl) a) s) Zunz, Vorwort z. A. Rebenstein (Bernstein), Das Lied der Lieder, S. 1; Zunz, Ges. Schriften 1, 142.