Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 5 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Präsidentur im Synedrium. 99 Präsidium des Synedriums führte, während der pharisäische Nasi bei religiösen Dingen den Vorsitz hatte. Noch ein Punkt verdient hinsichtlich der Nast-Würde in Erwägung gezogen zu werden. R. Juda berichtet (Nedarim 48 a): ״die Galiläer waren jähzornig, und der Eine pflegte sich durch ein Gelübde jeden Genuß vom Andern zu versagen. (Ein solcher durfte dann auch die Geineinde-Jnstitute, woran auch sein Gegner Theil hatte, nicht benutzen). Es traten daher ihre Väter (Stammhäupter) auf und verschrieben alles Gemeindeeigenthum dem Nasi. Von welchem Nasi ist nun hier die Rede? Da der Talmud nur einen Nasi während jener Zeit kennt, so nahmen wir im Prograinm S. 34 ohne Weiteres an, es sei hier vom Nasi des großen Sanhedrin die Rede. Indessen kann bei einer solchen alterthümlichen Nachricht vom anderweitigen Sprachgebrauch im Talmud kein sicherer Schluß gezogen werden. Es hatte aber jede größere Stadt ihren ciq%10v, der die oberste Magistratsperson war. Josephus ermähnt häufig (vita 27, 54, 57) den Archonten von Liberias, Jesus den Sohn Sapphia's, der auch dem Rathe vorstand (vita 58), ein eifriger Gegner des Josephus war, und ein Schriftgelehrter gewesen zu sein scheint (vgl. vita 27).*) Diese Archonten hatten wahrscheinlich auch den hebräischen Titel נשיא, und von einem solchen Nasi wird wohl in der Tradition des R. Juda die Rede sein. In jeder galiläischen Stadt hatte man also dem Archonten das Gemeindeeigenthum verschrieben. *) Diese Archonten scheinen nur auf eine bestimmte Zeit gewählt gewesen zu sein. Auch die Gemeindevorsteher der Juden in Rom hießen Archonten, wie aus den Grabschriften hervorgeht, wo auch von einem Sls aq%on> (der zweimal Archont war) die Rede ist (vgl. Jahrbuch für die Geschichte der Juden II, S. 309 und Magazin III, S. 162).