Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 5 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Trostschreiben Samuel Haganids an Chananel. 71 Es ist dem Herrn bekannt, daß, obwohl sein Loos zertrümwert (?) ist, die Zeit ihr Netz über ihn geworfen hat und sein Schmerz groß ist gleich dem Weltmeer, da zur Versammlung der Himmlischen sein Vater berufen wurde, doch nicht ihm allein die Leuchte entrissen und die Fackel verglüht und der Tisch gelöst und umgestoßen ist, sondern allen Bewohnern der Erde, die da sich besetzt haben unter dem Himmel, da es ihnen klar geworden, daß Unglück die Welt betroffen, und Alle zu Verwandten werden, wenn ein Weiser gestorben ist. Und wie erst uns, den Pflegern der Lehre, uns ist das Ehrenkleid genommen, die Perle verborgen worden, uns ist die Krone vom Haupte gefallen, alles Schöne ist geschwunden aus unserer Mitte, wir haben einen Mann verloren; um unserer Sünde willen ist er in den Staub gebettet worden. O! daß ich mit meinem Leben auslösen könnte meinen (entschlafenen) Meister, Edelsteine in Menge gäbe ich hin zum Kaufpreise für ihn, um mir ein Verdienst zu erwerben für Viele, reich wollte ich machen den Arzt, hingeben meine Güter und sie vertheilen (? ומכרזי] unter die Menge, nach dem Worte der Schrift: Dieweil du theuer bist in meinen Augen und ausgezeichnet u. s. w. u. s. w. Was kann ich jedoch thun gegen den Beschluß des himmlischen Gottes und gegen das Verhängniß des höchsten Herren, heißt es doch: Es kann der Bruder nicht auslösen den Mann, nicht von Gott den Loskauf durch Spenden erwirken. Ist es doch männiglich bekannt, daß mir, als ich die Nachricht davon vernahm und sein Hinscheiden mir mitgetheilt wurde, das Herz zerschmolz, der Geist verging, die Kniee schlotterten, mein Haupt sein Wasser entströmen ließ und mein Auge Thränen vergoß, daß wir die Kleider zerrissen, daß ich die Genossen versammelte und über ihn mich aussprach, von seiner Würde Jedem Kenntniß gab, der ihrer entbehrte, und Jedem seinen Ruhm verkündete, dem er unbekannt geblieben war und um ihn in den Klageruf ausbrach: Würdig wäre unser Meister gewesen, daß Gottes Herrlichkeit auf ihm ruhete, aber Babylon hat es verhindert. Darauf erhob ich meine Stimme und rief: Du, unser Meister Chuschiel, mußtest aus unreiner Erde sterben; wir alle wissen es und fühlen es tief, daß der Freundschaftsbund gelöst und das Volk Israel um einen Mann ärmer geworden ist. (Darauf berief ich]