Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 4 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 167)
- Language
- German
- Belongs to
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Moca tta: Die Juden Spaniens. 165 Spanien Hingaben, das Studium der heiligen Schriften sowie der traditionellen Werke, welche sie lehrten, immer die Grundlage ihrer Geistesthätigkeit bildete. Ganz im Geiste des Propheten Jeremiahs und der Dichter einiger Klagelieder für den 9. Ab. schickt der Verfasser in der Vorrede einen Paragraphen voraus, der gleichsam eine Rechtfertigung der Vorsehung für die bittern Leiden, die später die Juden in Spanien und Portugal treffen sollten, bilden. Er sagt: ״Hätten die Juden in den ersten Zeiten, da Noth und Elend über sie hereinbrach, mehr Takt besessen und sich mehr an ihre wissenschaftlichen und literarischen Bestrebungen gehalten, statt sich der Anhäufung von Reichthümern hinzugeben, so hätten sie ihr endliches Schicksal wahrscheinlich hinausgeschoben und möglicherweise ganz abgewendet." Herr Mocatta fügt jedoch hinzu, daß es kaum wahrscheinlich ist, daß eine Bevölkerung von beinahe einer Million Juden je hätten in Frieden leben können in einem Lande, das von Monarchen, wie dem bigotten Philipp II. und seinen Nachfolgern regiert wurde und in welchem eine ebenso despotische wie grausame Institution wie die Inquisition bis in die neuere Zeit unbeschränkte Herrschaft hatte. Im Verlaufe einiger Jahrhunderte wurden bekanntlich die Mauren in Spanien immer mehr zurückgedrängt, und die über das ganze Land zerstreuten Juden wurden von den christlich-germanischen Edelleuten, die ganz dem Ehrgeiz und kriegerischen Unternehmungen ergeben waren, als Verwalter ihrer Güter, überhaupt für Alles, was Geschäft und Finanzen betraf, verniandt. Die Anhäusung von Reichthum und Macht, die eine Folge dieses Umstandes war, und das Amt der Steuereinnehmer, das sie gewöhnlich pachteten, und das an sich unter allen Völkern von allen Aemtern das unpopulärste ist, erregten de« Haß und Neid der großen Menge, von der sie an Abstammung und Geist so sehr verschieden waren. Die Geistlichkeit benutzte die immer größer werdende Unbeliebtheit der Hebräer, Aufreizungen und Drohungen wurden von der Kanzel aus geschleudert, während den Bekehrten die größten Vortheile dargeboten wurden. Gewaltsame mit Plünderung und Blutvergießen verbundene Ausbrüche zeigen sich schon am Anfänge des vier׳ zehnten Jahrhunderts, obgleich die Juden in diesem Zeitalter noch