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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1877-01-01 · 1 (1877) · p. Seite 115

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
4 (1877)
Issue
1 (1877)
Date
1877-01-01
Page
Seite 115 (sequence 117)
Language
German
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Lervy: Fragmente. 115 spricht S. 19, den Nachweis zu führen, ״daß dem Verfasser unserer Mischna (R. Jehuda Ha-Nasi) eine Mischnasammlung von Abba Saul Vorgelegen, die er mit andern Sammlungen verglichen und aus der er an einigen Orten Varianten mitgetheilt hat." Nun ist es allerdings wahr, daß Abba Saul seine Mischna hatte, denn jeder Tana ohne Ausnahme hatte seine Mischna, da Mischna im weiteren Sinne die auswendig zu lernende Traditionslehre bedeutet (ähnlich Mikra, die zu lesende Schrift), wie dies Friedmann (Einleit, zur Mechilta, S. 38) überzeugend nachgewiesen. So lehrt R. Meir (Abot 3, 10): Jeder, der ein Wort von seiner Mischna (ממשנתו) vergißt, der wird betrachtet, als hätte er sein Leben verwirkt. Hatte Einer so viele Traditionen auswendig gelernt, daß sie die Kraft seines Gedächtnisses überstiegen und ihm entschwanden, so sagte man von einem solchen: תקפה עליו משנתו (seine Mischna hat ihn überwältigt). Zn diesem Sinne hatte jeder Gesetzeslehrer seine Mischna, und nicht blos beinah von allen hervorragenden Lehrern jener Zeit wurden Mischnasammlungen angelegt, wie der Vers, zum Schlüsse (S. 36) bemerkt, wenn un׳ ter Mischnasammlung weiter nichts verstanden wird, als die Mischna, die jeder Tana von seinen Lehrern als Tradition empfangen und die er seinen Schülern weiter tradirte. Daß aber gerade eine Mischna des Abba Saul als besondere Sammlung dem R. Zehuda Ha-Nasi Vorgelegen habe, ist unwahrscheinlich. Hat denn Rabbi vor allen den Tanaim, deren Ansichten er in der Mischna citirt, besondere Mischna-Sammlnngen gehabt? Nach R. Scherira (Sendschr. ed. Goldberg II, S. 11) hat er die Mischna des R. Meir seiner Sammlung zu Grunde gelegt, deren Text nach eigenem Ermessen festgestellt, erkürende Anmerkungen (wie z. B. die Worte וכל אדם bis בהוה in Sabbat 6, 9) und die verschiedenen Ansichten seiner eigenen Zeitgenossen hinzugefügt (1.(ואוסיף מה דהוה ביומיה) Diese ב) Wenn Scher. (I. c. S. 10) beim Traktate עדיות sagt: .-תנא לן רבי בגוד בתר הכין מילי דאתנה בימי אביו, so meint er nur, daß der alte Traktat Edujoth damit erweitert wurde, ohne aber die Annahme anszuschließen, daß dies bereits von R. Meir geschehen ist. Jedenfalls aber hat Rabbi nur die Lehren, die er selbst gehört, zu Edujot hinzugefügt, und es wäre auch hier unangemessen zu behaupten, Rabbi habe den Traktat durch Mittheilungen aus andern Sammlungen ergänzt.

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