Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 4 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Hoffmann zeit theilnehmen. Wir wollen nun, um im Gegensätze zu dieser Ansicht die Integrität unseres Textes und die Einheit der darin enthaltenen Gesetze nachzuweisen, zuerst untersuchen, ob wir denn wirklich in Lev. 6—7 zwei einander widersprechende Gesetze über die Antheile der Priester an den Opfern vor uns haben. Von vorne herein wird gewiß jeder zu der Annahme von zwei einander widersprechenden Gesetzen ungläubig den Kopf schütteln. Wie, zwei einander entgegengesetzte Verordnungen sollten nebeneinander gestellt, ja ineinander verflochten worden sein? Sogenannte Redactoren des Pentateuchs, Priester, Gesetzeslehrer sollten den Widerspruch nicht bemerkt haben, bis die Kritik der neuesten Zeit ihn mit ihrem Scharfblicke entdeckte? Das klingt allerdings sehr unglaublich. Doch die Freunde der kritischen Analyse der heiligen Schriften haben auf solche Fragen schon eine Antwort in Bereitschaft. In der protestantischen Kirchenzeitung Zhrg. 1865, Nr. 17 wird den Vertheidigern der Authentie des Pentateuchs (Ranke, Hengstenberg,, Hävernik, Keil u. A.) das Verdienst zuerkannt, den einheitlichen Redactionsplan ans Licht gebracht zu haben. Ein einheitlicher Redactionsplan wird also zngestanden, es wird nur hinzugefügt, daß aus einer vorliegenden Einheit der Redaction noch durchaus nicht die Einheit der Conception folgt. Diesen Satz auf unfern Fall angewendet, wird die Kritik zngestehen, daß der Redactor sich den Widerspruch der beiden Gesetze ausgeglichen gedacht habe; allein diese Ausgleichung findet vor ihrem Forum keine Berücksichtigung, die Kritik erklärt sich die Gegensätze auf eine viel leichtere Weise durch die Annahme einer Abfassung durch perschiedene Concipienten. Wollen wir daher der Kritik gegenüber die Einheit unseres Gesetzes beweisen, so genügt es nicht, wenn wir den vorgeblichen Widerspruch lösen, wir müssen vielmehr nachweisen, daß die betreffenden Vorschriften nicht nur nicht entgegengesetzt sind, sondern sogar einander ergänzen, daß das Gesetz unvollständig wäre, wenn man den einen oder andern Theil sich von demselben losgetrennt dächte und daß demnach alle Vorschriften integrirende Bestandtheile des einen Gesetzes über die den Priestern zukommenden Opfertheile bilden. Bevor wir jedoch diesen positiven Beweis für die Einheit unseres Gesetzes antreten, mag