Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 4 (1877)
- Issue
- 1 (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Opfergesctze. 13 das Recht haben, sich den besten Theil der Opfergaben anzueignen. Wir finden da nur den Ausspruch der jüdischen Tradition bestätigt, welche lehrt: כהן גדול מקריב חלק בראש ונוטל חלק בראש (Joma 14a). Es ist außerdem sehr wahrscheinlich, daß der jedesmalige Hohepriester auch durch Reichthum vor seinen Brüdern ausgezeichnet war, wie dies ausdrücklich von der jüdischen Ueberlieferung behauptet wird (Joma 18a). Das große Ansehen der Hohepriester in Israel datirt nicht erst von der Zeit des zweiten Tempels, sondern schon in der Thorah wird angeordnet: ״Vor dem Priester Eleasar soll er (Josua) stehen uud ihn fragen nach dem Nechtsspruch der Urim vor dem Ewigen, nach dessen Bescheid sollen sie ausziehen, und nach dessen Bescheid sollen sie einziehen, er und alle Kinder Israel mit ihm und die ganze Gemeinde". Der Hohepriester Eli stand vierzig Jahre an der Spitze des israelitischen Staates (1. Sam. 4, 18), und der Hohepriester Jojada stürzte die Königin Athalia vom Thron und setzte den rechtmäßigen König Joas auf denselben (2. Kön. 11, 4 ff.). Der Hohepriester hatte nicht nur die Verwaltung des Tempels und der Tempelschätze in seinen Händen, sondern vollzog auch die Krönung und Salbung der Könlge (1. Kön. 1, 30; 2. Kön. 11, 12). Angesichts dieser Thatsachen wird die Behauptung nicht wenig befremden, daß die Hohepriesterwürde zur Zeit des ersten Tempels nicht zu großer Bedeutung gelangte. Diese soll sie erst zur Zeit des zweiten Tempels erhalten haben. Nun soll aber schon in Nehem. 10, 34 von der täglichen Hohepriester-Mincha die Rede sein. Wenn also dieses Gesetz nachexilisch wäre, so müßte es in der ersten Zeit des zweiten Tempels entstanden sein. Wenn aber das Einkommen des Hohepriesters zur Zeit des ersten Tempels zu geringe war, als daß ihm die tägliche Abgabe hätte auferlegt werden können, wie wäre dann die Entstehung dieses Gesetzes zur Zeit der Rückkehr aus dem Exils möglich gewesen, wo nur eine kleine arme Colonie die Bevölkerung des Landes ausmachte, die noch obendrein unselbstständig, einem fremden Fürsten steuerpflichtig und in großer Bedrängniß war (Neh. 9, 36 f.)?