Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 3 (1876)
- Issue
- 1 (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Alter des BersöhnuugsfeÜes. 7 söhnungstag weder exilisch noch nachexilisch sein kann. Denn wurde im Exil am Versöhnungstag gefastet, so kann doch das betreffende Gesetz des Pentateuchs, das noch dazu für den Versöhnungstag so viele Opfer vorschreibt, nicht erst im Exils entstanden sein. Außerdem ist ja aus der oben angeführten Stelle (C. 61, 1—2) deutlich zu ersehen, daß dem Propheten auch das Gesetz vom Jobeljahr vorschwebt. Das Gesetz vom Jobeljahr setzt aber, wie bereits bemerkt, den Versöhnungstag voraus, so daß, wollte man auch den יום צום des 58. Cap.'s für einen andern als den Versöhnungstag erklären, dennoch mit zwingender Nothwendigkeit anerkannt werden muß, daß der Versöhnungstag wenigstens einem exilischen Propheten bekannt war*). Wechsler will jedoch (in der Geiger'schen Zeitschrift 1863 S. 133 ff) deutliche Spuren gefunden haben, daß der Versöhnungstag während der ganzen Zeit des ersten Tempels und noch in den ersten Zeiten nach dem Exils nicht bekannt war. Wir wollen uns diese deutlichen Spuren ansehen; jedoch eine Bemerkung vorausschicken, die einigermaßen den Zweifel an das hohe Alter des Versöhnungstages Niederschlagen wird. Wechslers Worte l. c. S. 123 sollen diese Bemerkung einleiten. ״Die Verkündigung und der Anfang des Jubeljahres" heißt es das. ״ist also hier (näml. Lev. 25, 9 ff) in Verbindung gebracht mit der Versöhnungsfeier. Die ideelle Verbindung springt in die Augen. Beide haben die tiefste Innerlichkeit, die unbedingteste Hingebung und Entäußerung der Subjektivität zur Voraussetzung. Das Jubelgesetz fordert im Interesse der Freiheit, der Ausgleichung, zur Versöhnung der Gegensätze und Verschiebungen des Schicksals, des Besitzthums einen so hohen Grad von Hingebung und Selbstentäußerung, ein so großes Gottvertrauen — zwei Jahre nach einander sollte nicht gesäet und nicht geerntet werden — daß wohl selbst der Culmi- *) Geiger in seiner Urschrift drückt allerdings diese Theile des Jesajas noch weiter herab. Nach ihm sollen sie lange nach Erbauung des zweiten Tempels geschrieben sein. Doch ist dies eine so wenig anerkannte Willkürliche Hypothese, daß sie gar nicht berücksichtigt zu werden verdient.