Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1933-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1933) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1933
Issue
Heft 1-2 (Januar 1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2571117-2571199-2571200--703-2572057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

4 Tatei 4 1898 1913 Rechts . . . . 24,0 22,0 Mitte . ... 9,0 .11,0 Links . . . . 21,3 10,4 Neutral . . . 45,0 49,2 1917 1926 1930 1932 10,9 23,0 24,7 27,9 13,8 12,8 13,0 12,8 19,0 1J,2 8,5 8,3 49,8 52,4 53,8 51,0 zählen \mi citlc§ links vom Zentrum, also die Organe, die sich kommunistisch, sozialistisch, republikanisch, demokratisch, staatsparteilich, links oder ähnlich nennen. Zur „Mitte" ml,* neu nur die Blätter des Zentrulns und der Bayerischen Bolkspartei. Unter Jl entra 1" schließlich verstehen wir die Zeitungen, die sich neutral, unpolitisch, unabhängig, amtlich oder ähnlich bezeichnen und die. die keine Angaben gemacht haben, sowie einzelne Splitter. Dann ergibt sich: Rechts: 1280. Links: 399, Mitte: 609, 44 Prozent und von der neutralen Presse 42 Prozent ihre Auflage. Ein Vergleich zwischen Rechts und Links ist also recht gut möglich (vgl. Tafel 8). Rechte. . . ea. 5,5 - 38% 3,5 39% 0,52 39% Li.rke . . . ca. 4,0 28% 2,5 28';;. o,15 - 11% Mitte . . . ea. 1,5 - 10% 1,0 - 11% 0,30 22% Neutr. usw. ca. 3,5 - 24%2,0 - 22%_0.38 28% Sa. 14/5 =100% 9,0 =100% 1,35 =100%’ großen Werk „Die Zeitung" angegebenen Ziffern auch heilte noch im wesentlichen stimmen, sich wahrscheinlich sogar auch hier zugunsten dev Rechten verschoben haben. Unabhängig von der politischen Einstellung können noch die in Tafel 6 genannten Zahlen interessieren. Die Verteilung auf die einzelnen Parteirichtungen im Reich und den größten deutschen Ländern wird aus den in Tabelle 6 angegebenen Zahlen (in Millionen ausgedrückt) ersichtlich. Sachsen Wttrttva. Baden Hessen 0,72 51% 0,20 30% 0,17 25% 0,16 50% 0,42 30% 0,21 31% 0,13 19% 0,025 ,9% — — 0,11 16% 0,12 17% 0,033 11% 0,26 19% 0,15 23% 0,27_ 39%_ 0,092 30 JJ 1,4 =100% 0,67 =100% 0,69 =100% 0,31 =1Q0^ TaM 5 Reich Breitsten Bauern Neutral: 2415, Summa: 4703. Von der Gruppe „Neutral" ist ohne Zweifel die überwiegende Mehrzahl der N ech t e n znznzählen. Vergleichen wir diese Zahlen mit denen früherer Jahre, so erhalten nur, in Prozenten gerechnet, das in beit Tafeln 3 und 4 wiedergegebene Bild: Das schon in früheren Jahren beobachtete Anwachsen der Rechtspresse auf Kosten der demokratisch-sozialistischen Linkspresse hat sich also weiter fortgesetzt. Den größten Prozentsatz an Rechtsblättern weist Mecklenburg-Strelih auf, dem Lübeck, Lippe- Detmold, Schleswig-Holstein und Ostpreußen folgen. lieber 30 Prozent weisen immer noch auf: Berlin, Hannover, Niederschlesien, Provinz Sachsen, Anhalt, Braunschweig, Bremen, Hamburg und Thüringen. Den geringsten Prozentsatz zeigen Baden, Hessen und Oberschlesien. Den größten Prozentsatz an Littksblättern finden wir in Berlin. dem Bremen folgt, beide bleiben aber unter 40 Prozent, und über 10 bis 25 Prozent haben nur noch Niederschlesien, Anhalt, Brauüschweig- Hamburg, Lübeck und Württemberg. Den g e r i n g ft e it Prozentsatz weisen die Pfalz und Bayern auf. Die Presse des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei erreicht. ihren Höchststand in Hohenzoüern, der Rheinprovinz, Westfalen, Bayern und Badens den geringsten Stand in Provinz und Freistaat Sachsen, völlig fällt sie aus in Brandenburg/ Pommern, Schleswig-Holstein, Anhalt, Braünschweig, Bremen, den beiden Lippe/ Lübeck, den beiden Mecklenburg und in Thüringen. Die sogenannte neutrale Presse schwankt zwischen rund 70 Prozent in Grenzmark, Hessen und Mecklenburg-Schwerin und nur rund 20 Prozent in Berlin und Mecklenburg-Strelitz, Daß also die Zahl der rechtsstehenden Zeitungen die der linksstehenden Presse bei weitem übersteigt, steht auch für das Jahr 1932 fest, wobei man nicht übersehen darf, daß die Presse der NSDAP, immer weiter i in A n - wachsen ist. Wie sieht es aber nun ans, wenn man die A u f 1 n g e n h ö h e n betrachtet? Wir haben in der Einleitung schon darauf hingewiesen, warum die hier errechneten Ziffern nur als Schätzungen gewertet werden dürfen. Zunächst muß gesagt werden, daß in Preußen nur 41,5 Prozent, im'Reichsdurchschnitt, nur 45,5 Prozent aller Zeitungen eine Anflageziffer genannt haben. An erster Stelle stehen hier Oberschlesien, Oldenburg, Thüringen, Hessen, Sachsen mit einer Auflagenennung von etwa 60 Prozent, an letzter Stelle die Rheinprovinz, Berlin, Westfalen, Braünschweig mit etwa 30 Prozent. Bon der Rechtspresse nannten 51 Prozent, von der Linkspresse ebenfalls 61 Prozent, von der Mitts Die Gesamt-Tagesauflage der Hälfte aller deutschen Zeitungen beträgt unter Berücksichtigung aller notwendigen Gesichtspunkte zurzeit etwa 14,5 Millionen. Mit diesen Zahlen ist also zum erstenmal ein stichhaltiger Beweis dafür geliefert, daß die Rechtspresse in Deutschland die Linkspresse auch in der Auflagenhöhe ü b e r t r i f f t. Das gleiche gilt, da es za im engsten Zusammenhang mit der Berechnung der Auflagenhöhe steht (Grundlage W och e n anflage!), auch für die Häufigkeit des Erscheinens. Stichproben haben ergeben, daß die für 1927 von Groth in seinem Talei 6 Auflagen Ohne Angaben 2472 Bis 500 69 501 dis 1 000 195 1 001 bis 2 000 488 2 001 bis 5 000 740 5 001 bis 10 000 359 10 001 bis 20 000 205 20 001 bis 50 000 119 50 001 bis 100 000 33 über 100 000 23 Erscheinungsweise 1 mal 424 2 mal 287 3 mal 640 4 mal , 72 5 mal 14 «mal 3001 7 mal 222 über 7 mal 39 ohne Angab. 4 Wir sind am Ende unserer Untersüchuüg. Wird sie den erhofften Erfolg haben, wird das Schlagwort von der „Judenpresse"' aus dem Arsenal der Judenfeinde verschwinden? Hans Oppenheimer (Beplin). Ai',liege in Millionen Rechts 5.5 Links 4.0 Neutral 5,5 Mittels Reichskanzler Marx an öen Centralverein Zum 70. Geburtstage ves Politikers Am 16. Jaiiuar vollendete der frühere Reichskanzler Dr. Wilhelm Marx sein 70, Lebensjahr. Er gehört einer Generation von Männern an. die man so gern als unmodern und überholt belächeln möchte, die aber heute auf Schritt und Tritt entbehrt werden. Die Eigenschaften dieser Männer: charakterliche Sauberkeit, sachliche Tüchtigkeit, menschliche Zuverlässigkeit, wahre Toleranz, echte Liberalität, tief eingewurzelten Humanisrnus, hat auch Marx allezeit bewiesen. Ein treuer Sohn seiner katholischen Kirche, ist er zugleich opferbereiter Bürger des deutschen Vaterlandes. Als. Führer des Zentrums war er nienials Parteimann. Er hatte den Mut, eine Knlturschande eine Knltnrschande zu'-nennen. Bereits un Sommer 1922 hatte er dem Centralverein als Erster Vorsitzender der Deutschen Zentr.umspci.rtei die grundsätzliche und bewußte Ablehnung, des Antisemitismus durch die Katholiken erklärt. Als die Entwicklung der politischen Verhältnisse Marx veranlaßte, aus dem Vordergrund der politischen Bühne abzntreten, hat er als Vorsitzender des „Bölksvereins für das katholische Deutschland" die Aufklärung auch der katholischen Massen über den Nationalsozialismus als wesentliche Aufgabe betrieben. Den Bestrebungen des Eentralvereins hat Reichskanzler Marx stets lebhaftes Interesse und starke Zustimmung gewidmet. Seine ebenfalls schon 1922 formulierte lleberzeugung, „daß der Antisemitismus sich fast inaner auch als eine Gegnerschaft gegen däs Chvistentnny speziell gegen, die katholische Konfession,. entwickelt", war hierfür Grundlage. In jüngster Zeit erst, als ihm das sogenannte „Weißbuch" des Centralvereins, jene Dokumentenmappe über die Stellung des NationalsozialisryuL zur Judeufrage übermittelt worden war, /hat er dem Centralverein in folgendem Schreiben gedankt: „ . . Ich habe mich bei.meinen Versammlüngsreden sehr ausgiebig mit-den GedankeNgängen dieser neu auftauchenden Bewegung beschäftigt und auch dabei die oft geradezu, unsinnigen und sich widersprechenden Ausstchrungen sogar der offiziellen Programme feststellen können. Es ist mir geradezu.unfaßbar, wie ein sonst so kluges und beherrschtes Volk wie das deutsche, wenigstens zw' sinem so großen Teile, auf so viel Unsinn eingehen konnte. Eine Erklärung habe ich nur; in dem Umstande finden können, daß wir infolge der wirtschaftlichen Not geistig zerrüttet und verwirrt worden sind. Eine Besserung scheint ja auf dem Marsche zu sein. Die von blindem Haß begleitete antisemitische Einstellung der Nationalsozialisten habe ich. schon kraft meiner Weltanschauung ' für ebenso verwerflich wie töricht und unsinnig, aber ebenso auch für undeütsch und antinational angesehen und bekämpft/wo ich nur immer dazu Gelegenheit gefunden habe. Ihr wertvolles Material wird mir bei meiner weiteren Abwehr und Bekämpfung wertvolle Dienste leisten." ' Wir wünschen dem ausrechten Manne, einen ‘ Lebensabend, der ihm die Wiederkehr seiner: Ideale in die Politik und in das Mamte Ge- ' melnschaftsweseli dringt,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.