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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-01 · Heft 12 (Dezember 1932) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 12 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Um Sie Staatsautorität Z Die neue wen-ung im „Zoll Lohn" Niederlage eine Schuld jüdischer Schieber und Meuterer sei. Von der jüdischen Dolchstoßlegende über den Programm-Antifemirismus der Hitler-Partei bis zur Brandmarkung des Herrn Reichspräsidenten als „Judenknecht" führt die gerade Linie dieser bequemen Diffamierungsmethode. Wen man „politisch" treffen will, den braucht man nur als „Judenknecht" abzustempeln, und er gilt als „verdächtig". Selbst die adlige Papen-Regierung unb die judengegnerische Deutschnationale Volkspartei haben im letzten Wahlkampf Proben dieser Kunst erlebt. „Franz von Papen . . „ ein Jude!" knallte es aus den nationalsozialistischen Plakaten. Es läßt sich unschwer errechnen, wann Herr von Schleicher dein deutschen Volke als „Jndenpopanz" vorgeführt werden wird. Man hat in den ©nippen der Gutgesinnten das Treiben zwar erkannt, aber man hat seine Gefahr unterschützt. Mail hat nicht deutlich genllg geseheli, daß hier eine überlegene, ironisierende Nichtachtung des Diffamierungssystems nicht am Platze ist. Niemals Hütten proletarisierte Massen mit dem Schlagwort vom „jüdischen Marrismus" gegen die marristische Bewegung m so großem Maße gewonnen iverden können, Hütte nicht das Stigma „ jüdisch" bei diesen Massen eine Abschreckung bewirken können. Weil inan nie eine ernsthafte Gegenrvehr gegen einen, ivie inan meinte, so unernsten Angriff für notwendig hielt, hat sich gelegentlich selbst im eigenen Lager einmal ein Ueberrest jenes judengegnerischen Gefühls geltend gemacht, das freie Menschen überwunden haben sollten. Der Schristsleller Hermann U n g a r hat uns das Problem des „Noten Generals" geschildert, der in der russischen Armee trotz jahrzehntelanger Bewährung und hervorragender Erfolge sich nicht halten kann; denn von dein uralten Vorurteil, das ein Kommunist als gegenrevolutionär empfinden sollte, lebt' nach der Schilderung Ungars so viel in den Massen der Arbeiter und Bailern, das; die kommunistische Führimg ihren Grimdsützen zum Trotz den roten General jüdischer Abstammung opfert unb einen Bauerngeneral an seine Stelle setzt. Es ist kein Zufall, sondern em Symptom, daß auch in den Kreisen der Gutgesinnten und Vorurteilsfreien, die eine Judenfrage nicht zu kennen glauben, die terminologische Wertung der deutschen Inden fehlt. Gerade weil das Problem für die politische Führung dieser Gruppen offiziell nicht besteht, hat man sich um die Terminologie nicht gekümmert. Man spricht vom „jüdischen Volk", unterscheidet auch gelegentlich zwischen „Deutschen" und „Juden" und verkennt, daß die Durchsetzung des Begriffs „jüdische Deutsche" gleichzeitig die Quelle jenes emotionalen judengegnerischen Gefühls abgraben könnte, das zu empfindlichen politischen Schädigungen der eigenen Bewegung führen kann. Denn es ist kein Geheimnis, daß gerade die Weckung des judenfeindlichen Gefühls den antisemitischen Parteien die beste Diskussionsgrundlage bietet: auf ihr wird das Hinüberziehen des Gegners ins eigene, etwa. das nationalsozialistische Lager begonnen. V. Man wird uns vielleicht entgegenhalten, daß diese Betrachtung einseitig vom Blick- Rei. Tie Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ist reich in Versprechungen nnb arm an Erfolgen Ihre Anhänger an den Universitäten aber sind tatendurstiger als die Führerschaft. Sie treiben im engen Rahmen ihres Wirkungskreises eigene Politik. Resolutionen genügen ihnen nicht mehr. Deshalb haben sie sich schon öfters vorgewagt, um den Universitätsbetrieb zu beeinflussen. Die zahlreichen Demonstrationen und Skandale sind bekannt. Berlin hat fast in jedem Semester der letzten zwei Jahre mindestens einmal Polizei in seinem Universitätsgebäude gesehen. Der Fall der Professoren Lessing, Dehn und Gumbel ist durch das unermüdliche Treiben der Studentenschaft zu einem wirklichen Fallen dieser Universitätslehrer geworden. Die Aktivität aber fordert neue Opfer. Jetzt ist der ordentliche Professor der Rechte Dr. Ernst C o h n in Breslau als Opfer ausersehen. An seinen wissenschaftlichen Qualitäten zu zweifeln hat die Studentenschaft, wenn ihr überhaupt ein Recht zur Kritik zustände, keinen Anlaß. Nach einer hervorragenden Laufbahn ist dieser Mann in jungen Jahren durch das Vertrauen der juristischen Fakultät zum ordentlichen Professor ernannt worden. Er ist auch kein „Parteibuchbeamter". Er heißt - nur Cohn, und er ist ein jüdischer Deutscher. Das genügt, gewisse Teile der Studentenschaft in Aufruhr zu bringen. Ihre Parteipresse schürt die Erregung, die bei manchem der randalierenden jungen Leute gewiß nicht eigenes tiefes Erlebnis ist. Man steht in der Menge, man läßt sich aufhetzen, so wie etwa im Sommer dieses Jahres die Beuthener Nationalsozmlisten gegen das Potempapunkt des angegriffenen Objekts bestimmt ist. Man wird darauf Hinweisen, daß jede Minderheit verdächtigt und bekämpft wird: die Katholiken in Protestantischen Gegenden, die Protestanten in katholischen, der Adel als Clique. Man könnte die Juden für überempfindlich halten, weil sie jede antisemitische Bemerkung als Dokumentation einer Haßgesinnung betrachten, während etwa die mindestens ebenso oft zitierten Sachsen den Spott so hinnehmen, wie er gemeint ist: als harmlosen Witz. Bedarf es wirklich der Polemik gegen solche Vereinfachung des Problems, das von der größten deutschen Partei als „Schlüssel der Weltgeschichte" ausgegeben wird? Steht nicht hinter der angeblich so harmlosen antisemitischen Gefühlsäußerung der Haß, der Massen zu politischen Aktionen zusammenführt und den Erfolg großer politischer Bewegungen bestimmend beeinflußt hat? Darüber muß Klarheit herrschen: Wer politische, vom antisemitischen Gefühl getragene Bewegungen bekämpfen will, muß gegen judengegnerische Stimmungen nicht nur selbst gefeit sein, sondern die Auseinandersetzung mit dem sogenannten Judenproblem in feinen vielen Verästelungen, vor allem aber mit jenem rational nicht faßbaren „antisemitischen Grundgefühl" aufnehmen und durchführen. Er muß auch den Begriff§ „jüdische Deutsche", der unsere tatsächliche und staatsrechtliche Stellung festlegt, durchsetzen. Urteil bis zur Pogromhetze aüfgestachelt wurden. - Die staatlichen Gewalten:-MhnienPdietz selbstverständliche Haltung eirsi die Wahter des Rechts allein vertreten können. Man hat sich in Berlthen der tobenden Menge nicht gefügt, und Kultusminister wie Rektor der Breslauer Universität beugten sich bisher auch in Breslau den Protesten und Demonstrationen nicht. Selbst die deutsch-' nationale Studentenschaft rückte in einem Flugblatt von dein Straßenradau ab, wenn sie auch entsprechend ihrem antisemitischen Parteiprogramm gegen die Erhebung eines jüdischen Deutschen auf den Professorenstuhl protestierte. Inzwischen kommt Professor Dr. Cohn seiner Lehrpflicht nach. Die Angriffswelle ebbt ab. Da wird am 22. Dezember in, die Privatwohnung des - Rektors durch die Fenster hindurch eine Flasche mit stinkender Flüssigkeit geschleudert. Der bejahrte Rektor und seine Gattin fühlen sich selbst in ihre persönliche. Sphäre hinein von feigen Schandbuben verfolgt. Wenige Tage zuvor hatte die nationalsozialistische Landtagsfraktion eine große Anfrage an das Staatsministerium gerichtet und das Eintreten des Rektors „für seinen Freund Cohn" scharf angegriffen. Am 23. Dezember veröffentlicht die mit den Nationalsozialisten sympathisierende „Schlesische Zeitung" einen Artikel „Trotzt! oder der Kaiser?". Sie greift Professor Cohn an, weil er sich zu einer Umfrage der Berliner überparteilichen Zeitung „M. M. (Der Montag Morgen") geäußert hat. So erlebt der durch das zermürbende, jedem kultivierten Menschen widerstrebende Straßengeheul der Nationalsozialisten be- Diese begriffliche Wertung fordern wir nicht, weil sie allein unseren Wünschen und unserer Auffassung von der eigenen Stellung entspricht. Die Emanzipationsgesetze aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben die staatsrechtlichen Hemmnisse beseitigt, die der Einbürgerung der deutschen Juden entgegenstanden. Die Gleichordnung aller Staatsbürger ohne Rücksicht auf Konfession und Abstammung sollte die rechtliche Bestätigung eines Zustandes schaffen, Pen die kulturelle Emanzipation der deutschen Juden gezeitigt hatte. Sie wurden Deutsche, weil sie bereits Deutsche waren. Diese staatsrechtliche Einordnung der deutschen Juden in den deutschen Volkskörper wurde durch die Verfassung des Kaiserreiches und selbstverständlich durch die Weimarer Verfassung anerkannt. Aber, wendet der Antisemit ein, die formelle Gleichstellung des Staatsrechts ist ein blutleerer Begriff. Wir fordern ein Dolksbürgertum, das sich mit jedem Volksgenossen verbunden fühlt und das die Verantwortung für eine deutsche Zukunft zu tragen bereit und berechtigt ist. Die Frage, was ein Volk sei, ist bisher von allen berufenen wissenschaftlichen Theoretikern so beantwortet wordenMenschen, die auf gleichem Boden in. Micher^ Kultur und gemeinsamer Spräche'tzdie gleiche historische Entwicklung erlebt Md

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