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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-01 · Heft 11 (November 1932) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 11 (November 1932)
Date
1932-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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70 Nation, und sie u>irb immer wieder gegen Frankreich geltend gemacht werden, gleichviel ob Deutschland es will oder nicht null, Ihm jedem, der mit Frankreich einen Zwist hat. Unter Geschöpfen, die so nahe leben wie die Glieder einer Familie, der europäische,! Fannlie, stirbt die Erinnerung an eine Blutschuld iiicht ans, bis sie durch gilteii Witten gejiihnt ist. Sie schreit zum Himmel, und die Bulker konunen nicht zur Nrche. Frankreich ist heule politisch sehr stark* durch eine grosse und siegreiche Armee und durch mächtige Bündnisse. Auch wenn diese Bündnisse fünfhundert Jahre lang mit IIahen, England, Amerika standhalten, ohne sich einen Augenblick, zu lockern, wird jeder weitsichtige Mensch Frankreich nur den einen Rat geben können: Verlasst euch nicht darauf. Vernichtet Deutschland im eigentlichen Sinne, tötet seine Menschen, besiedelt sein Land mit anderen Völkern. Es genügt nicht, dass ihr das Reich in kleine Staaten zerstückelt Den hier kursiv gesetzten Absatz reißen die Nationalsozialisten nun aus dem Zilsamnienhang und stellen es gegenüber der Öffentlichkeit so dar, als ob Nathenau lediglich diese Worte an Frankreich geschrieben und also Franzosen in das deutsche Land gerufen habe, um das deutsche Volk restlos zu vernichten und sogar die Erinnerung an das deutsche Volk auszulöschen. „So schreibt ein Jude", heißt es in dem nationalsozialistischen Flugblatt, „der in sührender Stellung in Deutschland tätig war. Die Sätze sind so ungeheuerlich, daß man sich an den Kopf greift und sich fragt: Ist so etwas denn wahr? Es ist wahr und möglich deshalb, weil der Jude, obwohl er die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ein Jude ist und bleibt, weil kein deutsches Blut in ihm fließt und er als Jude daher auch nicht deutsch fühlen und denken kann. Deshalb konnte der Jude Nathenau Wollt ihr eure Nachbarnation entehren, sq vernichtet sic, damit ihr Gedächtnis zugrunde gehl. Es hiedien genug mächtige Völker übrig; wenn sich eines gegen eitrh erhebt in einem Aug^tdru k, wo ihr nicht auf der Höhe eurer Politischen Stärke seid, so wird es mit der Erinnerung der deutschen Schmach gegen euch kämpfen und diese Fj'nnerung gegen euch geltend machen. Vernichtci die Erinnerung, indem ihr das deutsche Volk vernichtet. Seid ihr euch dessen bewußt? Wollt ihr das? Ist das die Mission Frankreichs? Gut. Was wir »loch zu verlieren haben, einschließlich des Lebens, lohnt kaum der Mühe. Eure Heere sind bereit, marschiert! Wollt ihr es iiicht? Daun, Mäniier lind Frauen Frankreichs. schasst t>ni Frieden. Der aber kann nicht beruhen nuf Entehrung und Unrecht, sondern ans dem, was ihr bisher vertreten habt: deiii Gedanken der Menschlichkeit und der Menschenrechte. 6. Februar 1920." » auch schreiben: ^Vernichtet das deutsche Volk!' Nicht sein Volk wäre vernichtet worden sonderii eben nur das deiltsche Volk!! Wie steht es heute? Der Jude Nathenau ist tot. Ueberall haben aber seine Volks- und Blutsgenossen hervorragende Stellen. Seht die jüdischen Polizeipräsidenten, die jüdischen Intendanten lind Schauspieler an den deutschen' Theatern. . . . Das muß anders werden. Unsere Losung muß heißen: Deutschland den Deutschen, nicht den Juden'. Kaust nicht bei Juden, beschäftigt keine Juden, seht euch keine jüdischen Theaterstücke an. dann grabt ihr den Juden das Wasser ab und der jüdische Schmarotzer kann sehen, wo er andere Völker ausbellten kann/" Wer Nathenaus Ausruf vollständig liest, muß von der h o h e n E t h i k und der glühenden Vaterlandsliebe seiner Beweisführung, wie „höchstes Recht höchstes Unrecht werden kann", im tiefsten ergriffen sein und die Fälschung als bösartige Totenschmähung empfinden. Der erfundene C. V.-Brief liehe Gesetze, die der Nützlichkeit dienen, der scheinbaren oder der wahrell Nützlichkeit, llnd es gibt übermenschliche Gesetze, die dem göttlichen Wesen der Menschheit entfließen Ihr selbst habt die Menschenrechte aufgeftctlt als eine Norm, die der nleuschlichen Würde entspringt, und von keiner Nützlichkeit beschräilkt wird. Shakespeare hat das Prvblenl des Nleilschlichen wld überrnenschlichen Rechts erörtert itnö entscheidet: Though justice be plea, consider this, — That in the course of justice none of us Should 866 Salvation: we do pray for . merey, And that same prayer doth teach us all to render The deeds of nierey1). Das Gesetz der Juden verbot nicht, das Bett des Armen zu pfänden, doch der Zorn Gottes kam auf den, der nicht im Namen des höheren Gesetzes vor Solmeuuntergang es znrttckgab. Im Namen des übernlenschlichen Gesetzes darf es nicht geschehen, daß ein Volk das andere zwingt, ehrlos zu werden. Ihr antwortet und weist auf die furchtbaren Taten des Krieges, auf die Zerstörung eures Landes. „War das nicht auch gegen das ewige Gesetz?" Ja, der Krieg war gegen das ewige Gesetz, und aller Schrecken, der ttu Taumel des Krieges geschah, war gegen das ewige Gesetz. Kann jemals Unrecht durch Unrecht gesühnt werden? Deutschland wird seinen Teil am Unrecht sühnen durch Wiedergutmachung. Die zerstörten Landstriche sollen wieder aufgerichtet werden, blühender, als sie jemals waren. Deutschland wird jeden seiner Staatsbürger zur Verantwortung ziehen, der die Kriegsgesetze verletzt hat, gleichviel, ob die anderen Staaten das gleiche tun oder nicht. Durch Unrecht aber wird Unrecht nie gesühnt Weder dadurch, daß Deutschland sich selbst entehrt, noch dadurch, daß Angeklagte vor Richter geführt werden, die Partei sind. Ihr sagt, es soll ein abschreckendes Beispiel gegeben werden für alle Zeiten. Unrecht schreckt nicht ab, sondern erbittert. Der Deutsche neigt nicht zur Ranküne und zur Rache. So wenig, daß er manchem träge und indolent scheint. Sagen nicht heute schon viele, daß wir die Zerstückelung unseres Landes, die Vernichtung unserer Geltung in der Welt mit Gleichgültigkeit ertragen? Ja, wir sind geneigt, das Schwerste als Schicksal hinzunehmen, die Schuld in uns zu suchen und den Gegner von der Verantwortung zu befreien. Die Gewissen, in. denen bisher ein Rachegesühl lebendig war, waren nicht das Gewissen des Landes. Deutschland will keinen Rachekrieg und wird keinen Rachekrieg führen. Dennoch muß Frankreich, wenn es auf der Selbstentehrung Deutschlands besteht, seiner eigenen Sicherheit wegen die logische Konsequenz ziehen: es muß sechzig Millionen Deutsche vernichten. Zieht es diese Konsequenz nicht, so gibt es kein Mittel, die Sicherheit und Existenz Frankreichs auf Jahrhunderte zu schützen. Denn die Erinnerung eines furchtbaren und beispiellosen, nicht in der Leidenschaft des Krieges, sondern in der kühlen Ueberlegung des Friedens begangenen Unrechtes.bleibt in Europa lebendig. Sie bleibt lebendig durch die Fortexistenz der deutschen *) Suchst du um Recht schon an, erwäge dies: Daß nach dem Lauf des Rechtes unser keiner zum Heile kam; wir beten all' um Gnade, und dies Gebet muß uns der Gnade Taten auch üben lehren. „Kaufmann von Venedig" IV, 1. In den letzten Tagen vor der Wahl wurde ein angebliches Rundschreiben des Centralvereins, Ortsgruppe Berlin, verbreitet, in dem es hieß: An alle Vertrauensleute! Streng vertraulich zu behandeln! Jeder Empfänger ist für die Geheimhaltung verantwortlich! Ter Inhalt dieses Rundbriefes ist an unsere Glaubensgenossen nur mündlich weiterzugeben! Wir deutschen Juden müssen unser augenblickliches Schicksal als sehr ernst und unsere Zukunft als wirklich beunruhigend betrachten. Aus dem internationalen Kongreß in Gens ist es endlich gelungen, eine Einheitsfront gegen den Nationalsozialismus zu bilden. Tie Hitler-Bewegung, die uns entrechten will, ist heute nicht mehr eine rein deutsche Angelegenheit, sondern ihre Ausstrahlungen erstrecken sich auf etwa 50 Länder durch Afrika und die beiden Amerika bis nach China imb Japan Wir haben beschlossen zu handeln, ehe es zu spät ist Wir haben einen Plan ausgearbeitet, dank dessen wir in Zusammenarbeit mit den judensreuüblichen Christen tatkräftig an dem Wiederaufbau der internationalen Wirtschaft teilnehmen können. Die erste Gelegenheit zur aktiven Arbeit bietet die bevorstehende Wahl. Das große Volllverk gegen die Machtergreifung des Nationalsozialismus in Deutschland ist geschaffen. Wir Haben deshalb mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln diese Negierung zu unterstützen. Hinter der Negierung von Papen steht als einzige Partei die Deutschnativnale Vvlkspartei. Die Negierung von Papen steht uns, wie wir ausdrücklich versichern, durchaus wohlwollend und freundschaftlich gegenüber, im Herrenklub sitzen namhafte Finanzlente unseres Vereins. Immer wieder versichern sie uns, daß die Zusammenarbeit mit den Freunden der gegenwärtigen Regierung intim und wohltuend sei Wrr deutschen Juden wählen deshalb am 6. November deutschnational, denn dies ist unseres Erachtens die Partei, die augenblicklich den Nationalsozkalismus mit Erfolg bekämpft und die vertrauensvollste Zusammenarbeit mit uns gewährleistet. Centralvereir. deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Dieser Brief wurde als anonyme Drucksache ins Haus geschickt und in vielen Teilen des Reiches, auf dem flachen Laude wie in Groß- und Kleinstädten unter die Massen der Bevölkerung verteilt. Nationalsozialistische Zeitungen veröffentlichten das „Dokument" in aller Breite und Ausführlichkeit mit entsprechenden politischen Kommentaren. Die Ueberschriften waren recht verschieden: „Die Wahlparole der Juden", „Das wahre Gesicht des Herrenklubs und der D. N. B. P.", „Alle Juden wählen deutschnational. Die Negierung von Papen steht ihnen intim, wohl,vollend und freundschaftlich gegenüber", „Wir Juden ' wählen deutschnational. Ein bezeichnendes Geheimschreiben des C. B.". Und dabei hieß es zuweilen in den einleitenden

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