Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 11 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I (y'Ö Fälschungen aus letzter Zeit In den letzten Wochen haben die judenfeindlichen Parteien wiederum mit den niedrigen Mitteln der Fälschungen gearbeitet. Dass der Wahlkampf . eine rauhere Tonart verlangt und rechtfertigt, sei zugegeben. Aber Fälschungen gehören zu den Methoden, die nicht nur grundsätzlich unanständig sind, sondern auch ein merkwürdiges Licht auf die Güte der Sache werfen, deren Vertreter sich ihrer bedienen. Drei der schlimmsten judenfeindlichen Fälschungen der letzten Wochen seien hier entlarvt. Ein Bild — zwei Unterschriften m Zwei Generationen — Zwei Welten Für den Sabbath in Warschau — für den ersten Mai in Moskau Ganz Polen demonstriert Ohne Unterschied sind alle Ridiiungen in der Ablehnung der deuisdien Reditsansprüdie auf den Korridor einig ff Was schrieb der Jude Rathenau Die unübersehbare Schar von Rathenau- Zitaten, die, entstellt oder aus dem Zusammenhang gerissen, seit einem Jahrzehnt die Lesfentlichkeit vergiften, weil sie die angebliche Gefährlichkeit des toten Juden und Ministers Walther Nathenau dartun sollen, ist um eine -- neue besonders schändliche Fälschung vermehrt worden. In einigen nationalsozialistischen Zeitungen erschien am Tage vor der Wahl ein Hetzartikel, der auch als Ausschnitt die Fenster > einiger nationalsozialistischer Buchhandlungen zierte und zahlreiche Leser anlockte: „Was schrieb der Jude Nathenau an Frankreich?" In diesem Atlfsatz werden Inhalt und Absicht einer Veröffentlichung Walther Rathenaus „An Frankreich", die im ersten Band seiner „Nachgelassenen Schriften" (Verlag S. Fischer, Berlin) abgedruckt ist, in das Gegenteil verkehrt. In Wirklichkeit schrieb Rathenau: „Männer und Frauen Frankreichs! Turch die Jahrhunderte trugt ihr die Fackel des klaren Gedankens. Ihr habt Europa die Formen und Normen einer starken und freien Zivilisatron gegeben. Ihr glaubt, dast nur formlosen Gefühlen und dunklen Negnngen der Seele hingegeben sind, und weil ihr unser Volk als willenlose Kriegs- Jn der illustrierten Beilage des Hamburger „Israelitischen Familienblattes" vom 30. Juli 1931 wurden die oben wiedergegebenen Abbildunyen zweier Demonstrationen: Für den Sabbath m Warschau — für den ersten Mai in Moskau veröffentlicht. Die fünf ruhig schreitenden Rabbiner demonstrieren für die Einhaltung des religiösen Gesetzes, die jüdischen Kinder in Moskau nehmen an einem Politischen Umzug teil. Die Unterschrift: „Zwei Generationen — Zwei Welten" macht diesen Gegensatz noch besonders klar. Das Bild mit den Rabbinern finden wir in dem soeben im Verlag W. G. Korn (Breslau) erschienenen Buch: „Polen greift an" von Dr. T h i e l e wieder. Hier trägt es die Unterschrift: „Ganz Polen demonstriert. Ohne Unterschied sind alle Richtungen in der Ablehnung der deutschen Rechtsansprüche auf den Korridor einig." In perfider Weise wird hier der Sinn der Demonstration verkehrt und durch die Unterschrift der Eindruck erweckt, als ob lediglich die Juden, und zwar alle Juden in Polen gegen die deutschen Ansprüche demonstriert hinten. So wird der judenseindlichen Agitation in Deutschland Vorschub geleistet. Die „Beweiskraft" des Bildes ist um so stärker, die Irreführung tun so gefährlicher, als der Herausgeber des Buches Leiter der .Kulturabteilung' des „Deutschen Ostbundes" ist und somit den amtlichen Stellen nicht ganz fernsteht. an Frankreich?“ Maschine empfandet, nennt ihr uns mit barbarischen Namen. Laßt uns in der Sprache des klaren Gedankens reden, ohne dunkle Gefühle, ohne heiße Leidenschaften und ohne Hintergedanken. Die Forderung, achthundert deutsche Männer, vom Feldherrn bis zum Soldaten, auszuliefern, ist gesetzlich begründet. Denn sie ist durch die Unterschrift des deutschen Volkes anerkannt. Wir wollen nicht erörtern, ob wir sie erfüllen müssen, sondern ob ihr sie stellen dürft. Wie? Man sollte eine Forderung nicht stellen dürfen, aus die man gesetzlichen Anspruch hat? Nein. Es gibt Fälle, in denen man solche Forderungen nicht stellen darf. Es gibt mensch-