Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 11 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Denkmal für die gefallenen deutschen Juden 6 bund jüdischer Frontsoldaten sowie allen Behörden und Organisationen, die ihn dabei unterstützten, ist das deutsche Judentum für diese ansgezeichnete Leistung, die in ihrer Auswirkung auf die ansklärmlgsbereite Masse der deutschen Bevölkerung nicht hach genug eingeschäht werden kann, zum größten Dank verpflichtet" Ueber den ethischen Werl dieses Gedenkbuches schreibt Reichswehrminisler cu D. Gr 0 ener: Berlin-Steglitz, 1. November 1932. Sedanstraße 16. Sehr geehrte Schriftleitung! Für die freundliche Uebersendung des Gedenkbuches sage ich meinen verbindlichsten Dank. Der Neichsbund Jüdischer Frontsoldaten hat damit den gefallenen Kameraden ein ehrendes und schönes Denkmal gesetzt. Ich begrüße das sehr, weil dem ganzen deutschen Volke in eindringlichster Weise gezelgt wird, daß auch unsere Mitbürger jüdischen Glaubens im Kriege ihre vaterländische Pflicht in vollstem Maße erfüllt und durch schwere Blutopfer ihre Volksverbundenheit besiegelt haben. Das Gedenkbuch spricht für sich selbst und bedarf keines Kommentars. In einer Zeit irrsinniger politischer Zerrissenheit des deutschen Volkes sollte die Ehrfurcht vor den Gesallenenein unzerreißbares Band bilden, das uns alle eint. Möge das Gedenkbuch in diesem Sinne wirken, das ist mein aufrichtiger Wunsch. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Zn diesen Tagen ist das vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten herausgegebene Gedenkbuch: „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und' der deutschen Schulztruppe 1914—1918" erschienen. Ueber die Entziehung des Ruches schreibt uns der bekannte Statistiker Dr. Jakob Segall: „Bald nach Kriegsausbruch, noch im Jahre 1914, traten alle maßgebenden jüdischen Organisationen in Deutschland unter der Führung des im Jahre 1917 verstorbenen ^Geheimrats Maretzki, Vorsitzenden des Verbandes für Statistik der Juden, zusammen, um mit gemeinsamen Kräften die Leistungen der deutschen Juden als Soldaten im Weltkrieg festzustellen. An eine Verwertung des Materials im Kampf gegen antisemitische Angriffe dachte man damals nicht. Der Judenhaß schien . in den ersten Monaten des Krieges völlig erloschen zu sein, und es gab Abwehrorganisationen, die ernstlich und sreudig mit der Einstellung ihrer Tätigkeit in der Zukunft rechneten. ' Man wollte aber, gewissermaßen als kulturhistorisches Dokument, ein möglichst erschöpfendes Bild von der Anteilnahme der deutschen Juden am Kriege gewinnen. Leider hat bereits die „Judenzählung" im Jahre 1916 gezeigt, daß die Hauptaufgabe der jüdischen Kriegsstatistik in Zukunft darin bestehen würde, als Waffe gegen judenseindliche Angriffe zu dienen. In nahezu siebenjähriger Tätigkeit ist vom Ausschuß eine Waffe geschmiedet worden, die absolut sicher ist. Trotz ungeheurer Schwierigkeiten ist es gelungen, in fast allen Landesteilen eine Zählung der Kriegsteilnehmer wiederholt durchzuführen. In Groß-Berlin wurde die Zählung von Haus zu Haus dreimal vorgenommen. Das gesammelte Material wurde noch zwei Jahre lang nach Kriegsende sorgfältig durchgeprüst, ehe es in der Schrift „Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914 bis 1918" im Jahre 1921 der Oeffentlichkeit übergeben wurde. Zwei Zahlen dokumentieren die Hauptergebnisse der Arbeit: 100 000 jüdische Soldaten und 12 000 jüdische Gefallene. Zahlen, deren Zuverlässigkeit durch eine ganze Reihe von Einzelerhebungen in der Folgezeit bestätigt wurde. Ein ganz besonders wertvolles und wichtiges Dokument für die Unantastbarkeit der jüdischen Kriegsstatistik bildet das soeben vom Reichshrrrrd jüdischer Frontsolvaten herausgegebene Gedenkbuch der jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres, der deutschen Marine und der deutschen Schutztrnppen .1914 bis 1918. Es enthält nicht weniger . als 10 623 Namen jüdischer Gefallener, von denen 10 060 in den amtlichen Verlustlisten und -karteien des Spandauer Zentralnachweiseamts für Kriegerverluste und Kriegergräber vollkommen identifiziert werden konnten. Noch weitere 94 konnten bei den in Betracht komrnenden Standesämtern als Kriegerverluste des Weltkrieges festgestellt werden; es sind demnach etwa 96 v. H. aller namentlich ermittelten Gefallenen behördlich nachgewiesen. Das Buch bringt also die einwandfreie a m t l i ch e B e st ä t i g u n g der privaten Erhebung. Dein Reichs¬ Fortsetzung von , Seite 66. und Hosmanns die Gründung Benno Orensteins und Arthur Koppels, als eine der ersten deutschen Lokomotivfabriken? Die Entwicklung des deutschen Eisenbahnwesens ist ohne Henry Bethel Strousberg undenkbar. Neben Werner von Siemens steht ebenbürtig E m i l N a t h e n a u. Er wird der Schöpfer der deutschen Elektrizitätswirtschaft. Er allein erkennt die wirtschaftliche Bedeutung der geheimnisvollen Kraft der Elektrizität für die Menschheit. So steigt er auf' zu den ganz großen Führern der neuen deutschen Wirtschaft. Ihm vergleichbar unter den modernen deutschen Juden ist nur A l b e r t B a l l i n , der Admiral der größten Handelsflotte der Welt. Die Juden in Deutschland schwimmen also in i t im S t r o m des Kapitalismus. Mit all den Millionen reißt er auch sie fort. Einige Wirtschaftszweige bleiben jahrzehntelang ihr besonderer Wirkungskreis. Ueberlieferung und Begabung lassen sie hier Besonderes leisten. Sonst verteilen sie sich auf alle Gruppen: sind Führer von Organisationen sowie gewöhnliche Soldaten. Aber wie stets sind es auch unter ihnen nur wenige, die mit dem Blick des Genies der Zeit vorauseilen und der Entwicklung der Wirtschaft den Stempel ihrer Persönlichkeit aufzwingen. Sind nicht auch die christlichen Heroen schnell aufzuzählen? Gibt es so viele Männer vom Schlage eines Thyssen, eines Kirdorf, eines Borsig, eines Krupp? Der Hochkapitalismus erzeugt den M i r t s ch a f t s f ü h r e r, der zum Repräsentanten deutscher Weltgeltung wird. Der K a p i t a l i s m u s soll eine „jüdische Erfindung" sein. Die Juden die Kapitalisten trat exoeben. Sie sind es nicht. Denn sollten sie allein es gewesen sein, die diese Wirtschaftsrichtung in alle Gebiete der Welt gebracht haben? Die gleichsam mit der Stärke eines Simson die Wirtschaft aller Länder in den Bann des Kapitalismus zwangen? Die Frage stellen, heißt schon sie ad absurdum führen. Aber daß sie erhoben wird, erklärt sich aus dem Geist, der stets nach der Devise des Patriarchen handelt: „Tut nichts, der Jude wird verbrannt!" Und selbst wenn die Juden „schuld" am Kapitalismus hätten? Hat es Zweck. Epochen der Menschheitsgeschichte nachträglich zu richten? Sollte nicht das Zeitalter des Kapitalismus auch seine Bestimmung gehabt haben? Hat es nicht die Menschen viel reicher gemacht, als sie' früher waren? Ihren Lebensstandard auf eine Hohe gehoben, die er vorher niemals besaß? Damit auch den weitesten Volksschichten die Möglichkeit gegeben, an den Gütern der Kultur teilzunehmen? Auch in früheren Zeitläuften gab es Menschen, die vom goldenen Zeitalter träumten und eine Aenderung der bestehenden Verhältnisse herbeiwünschten. Niemand ist ein strengerer Richter des kapitalistischen Systems gewesen als der Jude Karl Marx. Niemand ein begeisterterer Apostel des Sozialismus als der Jude Ferdinand Lassalle. So klaffen also unter den deutschen Juden schon im 19. Jahrhundert die schärfsten Gegensätze. Weder Kapitalismus noch Sozialismus sind ein jüdisches Dogma. Dem liberalen steht der sozialistische. dem konservativ-orthodoxen der liberale Jude gegenüber. Im allgemeinen aber ist der deutsche Jude in dieser Zeit der Prototyp des Bürgers. In kaum einem anderen Lande rekrutiert sich die jüdische Bevölkerung so stark ans dem bürgerlichen Mittelstand wie in Deutschland. Der Kaufmann, der Gewerbetreibende, der Arzt, der Rechtsanwalt und die meisten anderen Berufsstände, in denen die Juden überwiegend ihre Tätigkeit ausüben, sind Mitglieder dieses Bürgertums. Die gesellschaftliche Stellung mag sich im Lause dieses Jahrhunderts verändern. Wer immer wieder bildet die bürgerliche Existenz den Nährboden