Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Hreiber um seines Amtes willen volles Ber- Riien entgegenbringen, der hat die vielfache Nicht, sich vorher im Sinne ernster Wissen-- Mst mit seinem Thema zu befassen. Sonst «rd die Wahrheit erschüttert, mit der er selber ließlich steht und fällt. Eine besondere Note Mt die Angelegenheit übrigens nocl; dadurch, ß der Verein für Innere Mission als Ge- Msstelle den „Sonntagsgrus;" vertreibt. I In; Punkte der Waluheit versündigt sich ttch das „Kasseler o n n t a g s b l a t t" fit der Behauptung, S ch l e s i n g e r sei u d e gewesen. Bis zmn Ueberdrnß hat man innner wieder it aller Oesfentlichkeit festgestellt, das; dieser irter katholischen Fannlie entstammt. Und jenn man schließlich auch nicht Nüssen kam;, b er dem angestammten Glauben treu gebliejn ist, so dürste doch ein Uebertritt znn; u»dentun; kam;; stattgesunden habe;;, lieber e Stellung des „Berliner Tageblattes" zur linrichtung der Benthener Mörder läßt sich licht reden, wenn man die betreffenden Nnmftern nicht im Original vor sich hat. Es bedarf dessen hier jedoch gar nicht. Denn wenn zugegeben wird, das; die „Frankfurter Zeitung" in'diesern Punkte anders urteilt, so ist eben schon damit erwiesen, das; von einer Stellungnahme des g e s a m t e n Judentums im allgedeuteten Sinne nicht die Rede sein kann. Daß übrigens die Begnadigung Schlesingers wegen des „Berliner Tageblattes" Mld seiner Leser erfolgte, sollte wirklich nicht behauptet werden. Es sind doch wahrlich nicht n u r Inder;, die sich für die Abschaffurlg der Todesstrafe einseßen. Tie Jrideil sind auch gewiß nicht die geistigen Urheber der auf sie' abzielen-den Bewegung, wie das Beispiel von Schlveden, Norwegen Ml-d Dänemark beweist, wo die Todesstrafe abgeschafft ist, ohne daß - man sagen dürfte, das; Inden dort die geistige Führung hätten. Das hier vorliegende wirkliche tiefe und ernste Problem mit dein Hinweis auf die Inden abzlltuu, ist zwar billig, aber unwürdig. Wozu also der Lärrn der Jndenhehe in einem ^onntagsblatt, welches seiilem Wesen nach der Besinnung und der Erbauung bienen soll? Das Christentum und nicht weniger das Judentmn stehen mU der ganzen geistigen Welt in einer schweren Krise. Die gewaltige seelische Unsicherheit läßt von beiden, die sich jedes u\ seiner Weise bestreben, ihre Bekenner aus den Niederungen eines rein diesseitigen Lebens in die Welt des Göttlichen hinaufzuheben, an allen Ecken mld Enden unendlich viel abbröckeln. Die, sich daraus für das Judentum ergebende ernste Sorge drückt^ wie viele Aeußerungen kundtml, hart auf die ^celen der für jüdische Belange verantwortlichen Mällller. Auf christlicher Seite ist es nicht anders. Aber eben deshalb gilt den Pfarrern und allen berufenen Bertretern evangelischer Gesinnung ein sehr nachdrückliches Villeant eonsulL8! Noch sind es Entgleisungen einzelner, die hin nnb her sichtbar werden; aber solche Entgleisungen bereiten den Boden für einen schlimmen Zusammenbruch. Tenn fallen die beiden Hauptstützen Liebe und Wahrheit dahin, so wird allch für das weitgespannte Christentum die Gefahr drohend, daß erst aus den; Trünnnerhanfen des Alten du_ Neues in Liebe nnb Wahrheit sich erheben muß. Professor Pastor O. Wmdt’uhr, Hamburg. Die Fuöen im Geschichtsunterricht Vergiftung oöer Wissenschaftlichkeit! Die Geschichte der deutscheu Inder; findet irn 8 e s ch i ch t s u n t e v r i ch t der h ö h e r e >; schulen nur eine geringe Berücksichtigung, sie kommt nur gelegentlich, etwa bei den kreuzzugsverfolgungen oder beim „schlvarzen dode" sowie bei der Emanzipation, zur Erloä!;- nung. Die diesbezügliche Darstellung der gebräuchlichen Lehrbücher ist im allgemeinen sinnlich imb unparteiisch; sie dient infofern der imu’= ten Befriedung des Heranwachsenden Geschlechts. | Das soll mm offenbar anders werden. In »er „T e u t s ch e n E r z i e h u 11 g", dem Organ »es Nationalsozialistischen Lehrerbnndes, Gan südhainiover-Brannschloeig, das als Beilage »er „Niedersächsischen Tageszeitung" erscheint, hat Professor Tr. K'arl Berger einen Aufsatz Die Jndeusrage im Geschichtsunterricht" (Nr. ü, Jahrgang 198*2) veröffentlicht. Der Berfa per »ringt es fertig,^Lente wie Bartels und Ehamerlain an die ^eite cine3 Herder, Kaut und )oethe zu stellen und zn den hohen Geistern!er Nation zu zählen. Danach kann es nicht bundernchmen, daß er nichts welliger als eine Verankerung des Judenhasses im Geschichtslehrplan der höheren Schuten fordert. Wenn einmal — wie mir wünschen — das Schicksal der deutschen Inder; a n s f ü h r - i ch e r in; Geschichtsunterricht behandelt werfen sollte, so würde die geschichtliche Berganlenheit durchaus 31t ihren Gl in stell Zeugnis abegen. Wenn man aber wie Professor Berger ie Inden als ein „art- und rasfefremdes Elelent" hinstellen will, so muß man zu einem ^erfahren greisen, bei den; entweder leichtfettige Unwissenheit oder bös- Ü l l i g e E n t st e l l u n g im Spiele ist. Professor Berger behauptet, daß die initz- Mgene Eindeutschung der Jndei; zu einer — felbstentdeutschung geführt habe, oblvohl er issen sollte, daß gerade sein Abgott i* e i t f a) f c eine Eindeutschung d e r |u b e n a l s möglich befürwortete. Was Wrde Berger sagen, wollte jemand ans Gr;n;d it deutschfeindlichen Schrift feines Franzosen M deutschen Bolkscharnkter verurteilen; er Wder aber legt eine einzige judengegnerische Mellenschrist zugrunde, um den deutschen Jum des Mittelalters zu verdainll;en. Obgleich M deutsche Jude des frühen Mittelalters Merbau und Gewerbe trieb und erst nach dem Mbot jener Berufe sich den; Geldhandel zu- Mydte, sagt ihn; Berger Scheu vor Handarbeit «d wucherische Ausbeutung nach. Er ver- Wvejgt jedoch, daß die schonungslose Ausplün- MUng der Juden durch die Fürsten die Zinsnalpne ilöiig lilachte; er verhehlt, daß sogar die katholische Geistlichkeit die Geldleihe sietrieb und gerade deshalb die heftige Kritik der Neformatoreu herlnisbeschlvor. Die bllitigen Jndenverfvlgungeu deutet Berger als einen Akt berechtigter Selbsthilfe, inbem die „unterdrückte" Bevölkerung von dein Ijntt so aktnetteil Notwehrrecht Gebrauch gemacht habe. Er bagatellisiert die Leiden des entrechteteil jüdischen Bevölkerung-Keils. Besonders die bürgerliche Glea-Hstellnng der Inden hat Berger erbost. Hier geht er so loeit, von einem „Schiitdkonto" derjenigen Telltschen zu sprectien, die seinerzeit in edler lind humaner Gesinnung die Judeneinanzipaston förderte!;. Der Schaden, den derartige Gedankengänge in; Geschichtsunterricht der delltschei; höheren Schulen an richten würden, dürfte unermeßlich seil;. Sie sind lveder mit den; Artikel 148 der Neichsverfasinng noch mit den Nichtlinien des Neichsinneniniuisters Freiherr;; von Gayt, die eine parteipolitische Beeinflussung der Schnljngend brandmarken, vereinbar. Wenn heute der Nakionalsozialisinns gegen das „Weimarer System" der Humanität Sturm läuft, so tut cs not, an die Mahi;ni;g des größten deutsche!; Erziehers, an Pestalozzi, zu erinnern: „Möchten die Manschen doch einmal fest ins Auge fassen, das; das Ziel altes Unterrichts ewig nichts anders ist und nichts anders sein kann, als die durch die harmonische Ans bildnng der Kräfte und Anlagen der Menschennatnr entwickelte und ins Leben geförderte M e n s ch! i ch feit selbes Nt och ten sie doch bei jedem Schritt ihrer Bildungs- und Unterrichtsmittel sich immer fragen:'Führt es denn wirklich zu diesen; Ziel?" Dr. Fritz Friedländer. Unsere Leser schreiben . . . für Deutschland Ich schreibe heute an Sie unter dem Eindruck der neuesten Nachrichten aus Deutschland, die für jeden Juden dazu führen sollen und müssen, dass er mehr als jemals seine Zusammengehörigkeit mit seinen Stammes- und Glaubensgenossen manifestiert, und nicht nur manifestiert, sondern auch durch Baten zu beweisen bemüht ist. Nach meiner Auffassung bleibt angesichts der lehrreichen Wahlziffern für die Juden nichts anderes übrig, als sieh zu einer energischen Verteidigung zusammenzuschliessen. Ich glaube das Recht zu haben, um so mehr diesen Standpunkt Ihnen gegenüber und auch öffentlich zu vertreten, als ich zehn Jahre lang in meiner Eigenschaft als deutscher Staatsbürger uneigennützig und nur im Interesse meiner deutschen Landsleute, ohne Geld verdienen zu wollen, tätig gewesen bin: Ich habe meine ärztlichen Fähigkeiten der Oeffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ich begann als Chefarzt des Lazaretts in München und Brückenau. Ich war Leiter des Universitäts-Ambulatoriums der zweiten medizinischen Klinik in München, Leiter des Ambulatoriums für deutsche Wehrmänner und Kriegsbeschädigte in Zürich und der Versorgungsabteilung am deutschen Generalkonsulat in Zürich. Ich hin der Vertrauensarzt des Rcichsarbeitsministeriums, des deutschen Generalkonsulats, des Kricgcr-Hilfsbundcs und der deutschen Wohltätigkeits-Vereine in Zürich gewesen. Ich habe in allen diesen Jahren nie nach Verdienst gefragt und meine materiellen Interessen hintangesetzt, weil ich glaubte, dass ich so meinem Vaterland am besten nützen würde. Ich weiss nicht, ob viele akademische deutsche Volksgenossen, die aus der Universität hervorgegangen sind, von sich das .gleiche behaupten können. Ich würde von diesem Umstand weiter kein Aufhebens machen, zumal ja meine Leistungen, soweit dies im offiziellen Betrieb zu geschehen pflegt, von den zuständigen Amtsstellen, sowohl von den Verwaltungsbehörden wie von akademischen Instanzen, stets voll und ganz anerkannt worden sind, wie aus den auszeichnenden öffentlichen Feststellungen, die mir zuteil geworden sind, ohne weiteres hervorgeht. Ich muss aber heute von dem Einsatz meiner Arbeitskraft im Interesse meiner deutschen Landsleute sprechen, ich muss dies .in einem Augenblick tun, der mich nötigt, den Zusammenschluss mit dem Judentum mehr als jemals aufzunehmen. Ich möchte wissen, wie nichtjüdischeStaatsbürger empfinden würden, wenn ihnennach jahrelanger, aufopfernder Arbeit im Dienste des Vaterlandes die Zugehörigkeit zu eben diesem Vaterlande abgesprochen würde, wenn sie sich mit einem mal ihrem eigenen Vator-; land gegenüber als Ausländer und aD Aus:j. gestossene betr a cr ten müssten! An die Stelle, an der die Verhält: und die Gefühle der dcüt Staatsbürger jüdischeil Gh von allen Seiten worden sind, erübr allgemeine Gesicht