Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Widerlegung sämtlicher antierleben muss, dass er durch hätten. Mit Ihnen kann man semitischer Ungerechtigkeiten sein Beispiel nichts aufgehalten, doch mal ein vernünftiges Wort vorzubringen. Mein besonderer nichts verhindert hat, das den reden!“ Fall verdient, wie ich glaube, Weg der vaterländisch empfin- 3. Professor Paul Reingehört zu werden. Ich erhebe denden deutschen Juden zu müllcr, Direktor der Haman dieser Stelle meine Stimme: einer Kette von Ungcrcchtigburger Evangelisch-reformier- Als ein Jude, der seine Dienste keiten, Enttäuschungen und ten Realschule in den achtziger dem Vaterland zur Verfügung Beleidigungen macht. Jahren des vorigen Jahrhungestellt hat und im reifen Alter Dr. med. L. Landecker (Lugano), derts, wollte als Lehrer für Englisch einen jüdischer Kandi- , » a . da ten einstellen, der ihm gefiel. Nicht nur den rl3SS sehen! Als cr von seiner Absicht dem Kollegium Mitteilung machte, Es fehlt auch heute nicht an respondenten“. Chef dieses [uernta man, wenn der Lehrer Edelgesinnten, die in ihrem Teils der Zeitung war damals besonders tüchtig sei, könne Kreise für Recht und Billigkeit, Professor Sittard. Der klagte Ja mit der Tatsache auch Juden gegenüber, einmir einmal: „Mit Ihrem abfmden, aber cs sc, doch pemtreten. Aber manche von diesen Freunde Gerhard ist das ja ',ch' dass man sich dann in der ehrlich Entrüsteten gehören nicht mehr zum Aushalten. Sie Unterhaltung wahrend der leider zu den Klugen, von denen wissen ja, wir sind hier alle } ausen immer Reserve aufer- Amos etwas ironisch meint: „Sie keine Antisemiten. Aber wenn Ic£en müsse. „Dann stelle ich schweigen — denn es ist eine gelegentlich einmal einer von Aen Herrn an. antwortete schlimme Zeit!“ uns auf Jüdisches schimpft oder ..per Lehrer, der . „ nur das Wort Jude gebraucht, bald bei Schülern und Kollegen Absichtlich mit voller Na- Springt er zornig von seinem sehr beliebt wurde, hiess Dr. meusnennung sei hier deshalb Redaktionsscssel auf und tut, Jakob Loewenberg. einiger Männer gedacht, deren als ob yir ihn seibst beleidigt Dr. M. Spanier (Berlin). Andenken in unserem Kreise nicht untergehen sollte! Es handelt sich nicht um weit- . - -- erschütternde Ereignisse; es sind t|f| LGDGriSTGtlGP nur kleine Alltagserlebnisse. heute ein eigentüaüiches3 Lieht . Der 27. , Fcbruar l817 ist Alle waren von seiner tiefa & in der Geschichte der badiempfundenen Rede ergriffen, sehen Landeshauptstadt Karlsdie cr mit den so schönen Wor- 1. Professor Dr. Hermann ruhe ein schwarzer Tag. In ten schloss: F r e e r i c k s, Gymnasiallehrer dem von dem berühmten „Nun, ihr Zeloten, die ihr in Münster, später Gymnasial- Architekten Weinbrenner erjeden, der anders glaubt als ihr direkter in St. Wendel und bauten Theate brach abends gelehrt wurdet, verdammt, nun Wiesbaden. Aufgewachsen in 5 Uhr. als die Posse „Der sucht mir unter diesen vereiner katholischen Familie, die arthcsische Brunnen“ gegeben brannten Gebeinen die des den Fürstbischof Kopp zu ihren werden sollte, durch Entzün- Juden von denen des Christen Freunden zählte. Bei einem düng von ausströmenden Gasen heraus!“ Besuch in Paris führte ihn ein ein furchtbarer Brand aus. Noch ein andermal trat Reut- Bekannter in einen deutschen Mehr als 60 Menschen verloren i;„„er als Lebens^t er auf Klub. Als ein antisemitisches dabei ihr Leben. Bei diesem ün*cr als ^ax^ratcr aui. Lied gesungen wurde, erhob Brande zeichnete sich ein Jude Ein Schulkamerad, der jetzt sich Freericks und bat, vom hervorragend aus. Es war dies wohlbestallte Reichsbahnrat Singen solcher Lieder abzuder Möbelhändler Reut- und Kirchengemcindcrat E. 0. sehen, da es ihn als Juden verlinger aus Karlsruhe. (Karlsruhe), erzählte mir kürzletze. Beim WeggeÄI fragte Mutig erklomm er die schon Reh: ihn der Freund verwundert, wie angesengten Stufen zum vierten So oft der Vater meines er, der hochgewachsene blonde Bang und trat hier in den ver- Freundes Herrn Reutlinger sah, Friesenspross, dazu käme, sich qualmten Räumen die Aussagte cr zu seinem Sohn, auf als Jude zu bezeichnen. „Das gangstüren ein. Viele Zuhörer Reutlinger deutend: „Hier schien mir das am schnellsten verdankten dieser mutigen kommt mein Lebensretter.11 wirkende Mittel, jener Ge- Tat Reutlingers ihr Leben. So Der tapfere Mann hatte, als hässigkeit zu wehren. Ich oft wir als Buben den tapferen vor vielen Jahren der Vater nehme an, dass jeder anstän- Mann sahen, schlug unser Herz, des Herrn E. 0. in Maxau a. Rh. dige Nichtkatholik ähnlich han- Ehrerbietig traten wir zur Seite, badete, gesehen, wie ganz plötzdelt, wem» Katholisches verschauten an dem stattlichen lieh der Badende in den stark höhnt wird.“ Manne empor und zogen unsere strömenden Rheinfluten ver- 2 Dr Hans Ferdinand Ger- Mützen. schwand. Kurz entschlossen h a r d, aus altangesehener pro- Bei dem unübersehbaren sprang Reutlinger in den Rhein, testantischer Familie, war lange Leichenzuge nachdem Theatererfasste m der Tiefe den Erbevor er Leiter des Volksbilbrande gingen friedlich neben- ^^uden und schwamm mit dungswesens in Schleswig-Holeinander die drei Geistlichen. llxm an das weite Ufer, stein wurde, Feuilletonredak- Für die Seinen sprach der Professor Hermann Ernst Maier, teur am „Hamburgischen Cor- Oberrabbiner Herr Willstätter. Ettlingen (Baden). El« offenes LVovt Der Vorsitzende der Ortsgruppe Groß-Gerau des Centralvereins, der Fabrikant Heinrich Hirsch, Wurde kürzlich durch Ueberreichung der Goethe- Plakette besonders geehrt. Bei der feierlichen Uebergabe hielt Heinrich Hirsch eine Ansprache, in der er u. a. aussührte: „Nach dem Schillerschen Wort: ,Ein offenes Herz zeigt auch eine offene Stirn', will ich die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um einmal vor der Oefsentlichkeit zu erklären, warum ich so viele Aemter übernommen habe. Ich bin in Wallerstädten geboren und bis zu meinem 12. Lebensrahre dort ausgewachsen. Die Schule habe ich in Groß-Gerau, später in Darmstadt, besucht. Grundsätze meines Lebens waren die Worte: ,Tue recht und scheue niemand' sowie ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst', die von alters her Grundsätze meiner Familie waren. Lange Jahre habe ich mit Menschen ohne Unterschied der Konfession vetkehrt und nicht gewußt, daß man einen Menschen wegen seiner Konsession ansehen würde. In den Jahren 1882 bis 188b habe ich in Hessen-Kassel eine Lehrzeit durchgemacht. Dort kam im Jahre 1883 eine Welle von Antisemitismus auf, und damals habe ich zum ersten Male kennenvelrrnt, was das ist. Als junger Mensch von 17 Jahren habe ich darunter gelitten, nach meiner Rückkehr in die Heimat im Jahre 1885 hat diese Welle nicht aufgehört, besonders in Trebur und im Odenwald, wohin mich das Geschäft führte. Das hat mich immer mehr betrübt, erniedrigt und gequält. Und damals habe ich mir dann vorgenommen zu zeigen, daß auch die Juden ihre Pflichten als deutsche Staatsbürger zu erfüllen wußten. Deutsche Staatsbürger sind schon meine Vorfahren gewesen; auch meine Urgroßeltern haben in Wallerstädten gewohnt. Das ist das Schlimmste, wenn ein Mensch seine Pflicht erfüllt undwegenseiner Konsession verachtet wird. Mancher wird fragen, ob diese Ausführungen hierher gehörten. Ich habe, was schon lange das Herz bewegt, nicht mit ins Grab nehmen mögen; da ich es ausgesprochen habe, wick> mir leichter. Seit Jahrzehnten stehe ich im öffentlichen Leben. Seit 1902 gehöre ich dem Vorstand des Militärvereins an, im Jahre 1903 wurde ich Vorstandsmitglied der Hassia, dann sind mir noch viele Aemter und Ehren zugefallen, u. a. die Mitgliedschaft in der Jndustrie- und Handelskammer, im Gemeinderat, im Aussichtsrat der Dolksbank sowie in meinen Berufsverbänden. Ich habe stets meine Pflicht erfüllt, und ein Mensch, der Pflichtgefühl hat, wird auch seinen Mann stellen. So ist es auch mir ergangen; ich habe nur noch den einen Wunsch, daß es uns bald wieder besser gehen möge, zum Segen deS deutschen Vaterlandes/ Hast aui den jälisiea filier Bentastel Von Felix Rosenberger (gefallen als Kriegsfreiwilliger 1914 in Fla Hier soll ich ruh'n dereinst, w.enn Den Sinn des Lebens, das mir aufgetr Schön ist’s hier oben — dennoch muss ich Je. Einsam des Zornes bitt’re Träne Auf steinern Tafeln, die zu Der müden Schläfer, steht in Keilbucüsfj Fremdländisch Wort, in fremder Schrift*gj grabel Was sie bedeuten? kaum wüsst ich's zu sagen In lang verschollenen grauen Aeltertageh^ Aus heil’gem Volk, vertrieben und veracht« Von Unglücks Uebermaeht umnachtet, Sich unsre Ahnen in die Welt zerstreuten. Ein Splitter hier — ein andrer dort gelandet—1 Hat bangend ausgesät den edlen Samen J Von alters her gewürdigt hoher Namenü Blieb er doch immerfort von Hass umbrandet Im Leben Fremdling, noch im Tod geschiedej Vom Laudsgenossen —Ob e i n Sprachgeii nährt Des Gastes Seele, die ihn treu bewährt! In ihm die Heimat fand und ihren Frieden^ Ihm sich geweiht im Lied, im Sinn, im'f y Wissen Es blieb umsonst. Das Band, vom Geist \ gewobed Weist uns als Deutsche — ach, es gilt dei Groben Nur Fleisch — nicht Geist — Gestalt — unS nicht Gewisse! 1 „Bist Christ? Bist Deutscher?" blickt iÜ «7T| hämisch Fragst Denk ich kein Deutsch, das Luthers Kral Mit Zions Tochter? Christ, dem ihr beug Ihr lügt’sl Mein Bruder war’s, zu euch vÄ Bleibt ihr im Tal — treibt uns auf steile Ber] In uns den niedern Herdentrieb zu dämv Von Wahn und Irrtum früh uns frei zu kämg Zu keltern Liebeskraft vom Hass der Z? Hier will ich ruh’n dereinst, nachde Den Sinn des Lebens, dass mir Gott.j Ringsum an wald’ger Höhen Saum Im Tal des Stromes heit’res Silberb '-M Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger Glaubens e. B., Berlin W15, Emser Str. j.u-, Adr.: „Centralglauben Berlin". Postscheck: PerzU Hauptschriftleiter: i. B. Dr. Alfred Wre Verantwortlich: Dr. Margarete Beide Berlin W15. — Druck: Rudolf Berlin SW 100.