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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Teil des Kanons, unter den „Schriften", dicht hinter den fünf Nöllen, vor Esra — nebst Nehemia — nnd Chronik. Die Ausnahme Daniels in den Kanon erfolgte so spät, daß dem Prophetenteil nichts mehr znzngesellen möglich war, obschon der gar nicht zu verkennende ebenbürtige Prophet als jüngerer Zeitgenosse Jeremias nnd Ezechiels lebte.) Gesichte und ihre Deutung, Träume mtb ihre Auslegung wie Auswirkung beglaubigen den Gottesbvten. Wir bekümmern uns nicht um die schwierigen textgeschichtlichert Fragen, die an dem Buche haften; wir wollen nicht die Angaben über die Könige Nebrrkndnezar, Belsazar, Darins, den Meder, wiederum die Notizen über Belsazar, Darins, des Lerxes Sohn, Kyros ans ihre literarischen Widersprüche hin ausgleicherr. Wir stellen uns s o z i a l g e s eh i ch t l i ch ein. Antiochus Epiphanas, 175 bis 104 vor Christo,, beschwor als verbrecherischer König des Nordreiches ruchlos und täppisch in seinein Vorstoß gegert die Gottesreligion des Brmdesvolkes den Makkabäeraufstand herauf — dadurch gewann Israel auf ein rundes Jahrhundert seine Selbständigkeit zurück. Bei diesem vierten Antiochus steht das nationale, prophetische, persönliche Erleben des dichterischapokalyptischen Verfassers, der seine Sorgen und Hoffnungen, wie alle Apokalyptiker, einem Manne der Vorzeit zuschiebt, denn durch das - lebendige Wort hat er zu wirken aufgehört. Das sehnlich erwartete Endheil knüpft überall an des Epiphanas Untergang an. Dies Buch, sagt Karl Budde (in den „Literaturen des Ostens"), als Frucht der ersten, ungeahnt glänzenden Erfolge der Makkabäer, „null den Mut starken, die Geduld stählen, die Begeisterung anfachen, den Glauben befestigen". Das schon Erreichte erscheint als so großartig, daß die selige Endzeit sich unmittelbar anschließen muß, damit die begeisterte Bewegung nicht erlischt. Doch alle diese Gesichte und Rätselredeu wollen überwältigend erweisen, daß der Gott Israels allen anderen Göttern und jedweder Erdenmacht schlechthin überlegen bleibt, daß er seine Getreuen nnt seiner Kraft und Güte deckt. Das Daniel-Buch setzt in hebräischer Sprache ein, von Kapitel 2 bis 7 wird, mit und ohne Begründung, aramäisch erzählt, so wie die chaldäischen Weisen des Königs sprachen; von Kapitel 8 bis zum Schluß ist der hebräische Faden fortgesponnen. Das ganze Buch war wohl ursprünglich aramäisch verfaßt; es dem übrigen Kanon anzugleichen, schrieb man verschiedene Buchteile ins Hebräische um. Dieser Liebling der Volkspoesie und Volksvhantasie zaubert die himmlische Hierarchie mit oen vier Erzengeln vor unser Geistesauge, auch eine Lehre der Auferstehung der Toten, die dem ursprünglichen Judentum fremd war, die Idee eines Reiches der Himmel, den Menschensohn als den Messiasherrscher dieses Himmelreiches. .Israel kämpft gegen den Hellenismus für seine Religion. Die politische Lage für die Juden in Palästina im zweiten Jahrhundert wurde nach den laugen Kämpfen zwischen den Ptolemäern von Aegypten und den Seleuziden von Syrien die syrische Oberhoheit. An dem nationalen Unglück erwachte die Prophetie aus langem Schlaf. Die strengen Gesetzesanhänger und die Hellenisten unter den Juden, die den griechischen Gedanken und Sitten sich Hingaben, brachteil durch ihren Gegensatz die Zerrissenheit ins Volk, die zum Versuch reizte, das jüdische Volk zu hellenisieren. Sabbath, Beschneidung, Besitz einer Thorarolle waren verboten, der Tempel auf dem Zion wurde dem Zeus Olylnpios geweiht. Psalm 74 schildert die Tempelschändling vom Dezenlber 168. Der uns unbekannte Dichterprophet des Buches von Daniels Gesichten und Gehörspielell bewertet die Weltgeschichte als Ausgeburt der vorweltlichen, durch Gottes Schöpfung in ihrem Besitz beeinträchtigten Macht der Fillsternis, wie mein origineller Baseler Lehrer, der Alttestanlentler Bernhard Duhm, sagte; sie trachtet das Reich der Erde wieder zu gewinnen. Tie Macht des Chaos und des Himmels befehden sich auf Erden — die Völker kämpfen gegell die Heiligen, alsdann kommen auch die Uebermeu schlichen, wie ans Kaulbachs Riesengemälde, in die Erscheinung. Den Endsieg gewinnen, als Herrschaft über die ganze Erde, die Heiligen des Höchsten. Nachdem der Uralte in feierlicher Sitzung llach beu Himmelsrotten den „Tieren", also den Weltreichen, die Frist ihrer Macht abgesteckt hat iit der Gestalt eines Menschen in den Wolken, um Macht Herrlichkeit, Herrschaft über alle Völker und Zungen zu besitzen. Der messiauische Zukunftsgedanke vermischt sich mit der theokratischen Idee. Die Treue zur Erde ward niedergeworfeu, als der Phantast Antiochus IV. nicht nur andere Götter artgriff, die als „Sterne" erscheinen, sondern auch das Oberhaupt der Sternenwelt: das Wesen, das Gott im Tempel vertritt, das „Angesicht" oder den Engel des Bundes. Die Reinigung des Tempels, drei Jahre nach seiner Schändung, hat unser Verfasser noch nicht erlebt. Doch btc Märtyrer, die für ihre Väterreligion in den Tod gegangen sind, sie werden erweckt werden zu ewigem Lebern Die unter ihnen, die wie Gottes Knecht (Jesaia 53) ihre Mitmenschen zur Gerechtigkeit geführt haben, sie sollen leuchten mit Himmelsglanz. Andere dagegen werden erwacheil zu ewiger Schmach. Es schimmert etwas Magie in dem Glauben, so hat man mit Recht empfunden, daß die Menschengeschichte vorgebildet sei in den Engelwelten; das Spiel der Zahlen, das uns begegnet, ist gleichfalls Magie, die in die Gehennwissenschaft der Kabbala verweist. Wie mahnend und werbend leuchtet dieses wunderliche Daniel-Buch des apokalyptischen 35 Propheten, an dessen Gesicht nnb Gericht sich die lodbereite Heldenschar um Judas Makkabäus, bat Hammerschwinger, zum nationalen Opferweihegang anfrichtete, als ntan ihnett ihr Heiligstes antastete, in unsere unheilschwangere Gegenwart hinein! Es tut wahrlich nicht not, die Einzelzüge attszndentett. Doch fassen wir zurrt Abschied unserer gesarrttert Prvphetenaussprache rtvch eirtmal alle diese seltsantert Heiligert des kleinert Volkes Israel trrs Gesamtbild, so neigen wir rrrrs vor der blrttwarrnert Menscherrhaftigkeit des prophetischert Gottesbildes, die allen abstraktert Mortvtheismus als blasses Gedankerrtheorern weit überbietend beit Menschert in die Nähe und Seelengemeinschast mit der Allseele rückt. Wird der allent Personschicksal und allert Volkskatastrophen wesenhaft überlegene Weltgvtt als der Vater aller Menschenkinder kirndgetan, so blickt die Prophetie in die Helle Zukunft aus der verlorenen Gegemvart vertrauend hinaus. Dieser Univer'salisrnus der Religiort, der mit allert Menschenbrüdern das höchste Gut herzwillig teilt, ist Israel, das eiferte um seinen Brrndesgott, wahrlich nicht leicht geworden — rvir sprachen auch davort gelegentlich des Jort-Büchleins und sonst —, doch sie haben ihren edelsten Schatz durchgetragen bis in unsere Tage. In die jammervolle Parteiteufelei auf allen Seitert in politischer, sozialer, religiöser und kultureller Todfeindschaft der Brüder eines deutschen Hauses und Kinder eines Vaters ruft Israels Prophetie: die sittliche Menschheit der geschichtlichen Zukunft ist der Gesalbte Gottes, ist der Himrnel auf Erden, ist Friede und Freude im Geist! Theaterstanöal in vetmolö Der bekannte jüdische Vortragskünstler Josef P l a n t wurde kürzlich bei seinem Austreten in seiner Vaterstadt, im L i p p i s ch e n Landest h e a t e r zu D e t m o l d, von einem unter Leitung des Ortsgruppenvorsitzenden der Partei stehenden nationalsozialistischen Sprechchor mit der: Rufen: „Deutschland erwache! Juda verrecke!" empfangen. Im Publikum entstand große Erregung, die sich steigerte, als die Ruhestörer auch noch Stinkbomben warfen. Die Ortspresse hat sich mit den beschämenden Vorfällen eingehend beschäftigt. So schreibt die liberale „Lippische L a n d e s - Z e i t nn g" u. a.: „Ausgerechnet der: Vertretern des Dritten Reiches, das ein Reich der Freiheit, Würde und Schönheit sein soll, blieb das Vorbehalten . . . Wenn das der Simr der sittlichen Erneuerung ist, die von jenen Herren Tag für Dag gepredigt wird, dann danken wir bestens dafür. Das Landestheater ist eine Stätte der Kunst und nicht ein Rummelplatz für pöbelhaftes Benehmen." Und selbst die deutschnationale „Lippische T n g e s z e i t u n g" rückt gleichfalls von den unwürdigen Vorgängen aufs energischste ab, wenn sie ihrer Entrüstung mit folgenden Worten Ausdruck verleiht: „Das Erwachert Deutschlands, das in mancher Hinsicht weiß Gott notwendig wäre, könne nicht dadurch gefördert werden, daß man die Aufforderung hierzu mit wutheiserett Stinunen durch ein Theater grölt." Der Landesthoaterskaudal, der Gegenstand einer lebhaften Aussprache im Detmolder Stadtparlameut war und dort fast einmütige Verurteilung fanto, hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel gefunden. Die Täter hatten sich vor dein Detmolder Amtsgericht wegen öffentlicher Beleidigung und rnhestörenden Lärms zn verantloorten. Josef Plaut lvar als Nebenkläger zugelassen. Die zumeist vorbestraften Angeklagten wurden vonr Gericht zu Geldstrafen von 75 bis 200 Mark verurteilt, im Nichtbeitreibungsfalt für je 5 Mark zu einem Tage Haft. Dem Privatkläger wurde Publikativnsbefugnis in den drei Detmolder Zeitungen sowie im nationalsozialistischen „Lippischen Kurier" zuerkannt. Irr der Urteilsbegründung wurde hervvrgehvben, daß die Behauptung der Angeklagten, Plant habe Kmrst in undeutscher Weise Vorgetvagen, uicht bewiesen werden könne. Insofern habe das Gericht das Verhalten der Angeklagten nicht nur als groben Unfug, sondern auch als öffentliche B e l e i d i g u u g auseheu müssen. Es sei unziemlich und ungehörig, in dieser Weise im Theater zu demonstrierert. Das Absingen des „Hvrst-Wessel- Liedes" stelle groben Unfug dar. Weil die Kundgebung öffentlich geschah und weil durch sie ein Mann, der sich immer als Deutscher gezeigt habe, getrosten wurde, habe das Gericht auf eine höhere Strafe erkennen müssen. Der nationalsozialistische „Lippische Kurier ' bezeichnet dieses Urteil als „ein Schandurteil zum Schutze jüdischer Kunst", das auf einen „gehemren Erlaß zum Schutze des Judentums" zurückgehe. Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin sofort gegen den verantwortlichen Redakteur des nationalsozialistischen Organs ein Strafverfahren wegen R i ch te rbele i di g r m g ei n gelei tet. General von Meßner In Heidelberg starb im Alter von 86 Jahren der bekannte Kavalleriegeneral Walter von Mohner. In den Nachrufen, die ihm die verschiedenen Zeitungen widmen, wird die besondere Tapferkeit des Verstorbenen mit Nachdruck betont. Schamhaft verschwiegen wird jedoch in der Rechtspresse, daß der General jüdischer Abstantmung war. Er wurde, wie in den Memoiren des Fürsten Bülow (Bd. IV, S. 231) zu lesen ist, als Sohn eines jüdischen Bankiers geboren. Bereits im Kriege 1870/71 zeichnete er sich durch feilten persönlichen Mut aus. Interessant ist, daß das Offizierkorps der Königshusaren sich zunächst weigerte, den jungen Juden zum Offizter zu wählen. Fürst Bülow schreibt hierüber: „So kam es zu einem der wenigen Fälle, in denen Wilhelnt I. ein Offizierkorps zwang, einen ihm nicht genehmen Avantageur in seinen Kreis aufzunehmen. Der König ließ den Offizieren sagen, er würde die Nichtwahl des Avantageurs Moßner als eine Personliche Kränkung empfinden. Daraufhin zum Offizier gewählt, macht sich Moßner sofort dadurch eine gute Stellung, daß er einem anderen Fähnrich, der sich seiner Wahl besonders lebhaft widersetzt hatte, in einem Duell einen tüchtigen Schwadronshieb über beu Kopf gab." Der junge Offizier avancierte schnell und war zuletzt während des Weltkrieges stellvertretender komntandierender General. Zu seitter Beleihung mit dem Schwarzen Adler-Orden äußert sich Fürst Bülvrv: „Eine wohlverdiente Auszeichnung für einen Mann, der sich in zwei Feldzügen be-

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