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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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36 währt, der ein ausgezeichneter Offizier gewesen war und außerdem einer der besten Reiter der Armee, der zweimal das „Grosze Armee-Jagdrennen" gewonnen hatte. Wenn auch der heutige Kampf der deutschen Juden nicht um außergewöhnliche Gnadenerweise durch Aufnahme in feudale Kastell, sondern um die tatsächliche Gleichberechtigung innerhalb der Volksgesamtheit geht, über den Zeiten und über bcn Verhältnissen steht das Ideal der persönlichen Tapferkeit und des persönlichen Mlites. Daß dieses Ideal auch im Judell verkörpert ist, bedeiltet uns nichts Neues, sondern eine Selbstverständlichkeit. Den völkische!! Heimkriegerpoli- Likern aber sei es an dem Beispiel des Generals Moßner erneut demonstriert. * Im „Nachrichtenblatt der Kameraden des ehemaligen Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92" vom 10. April d. I. Walther Zum 79. An diesem 19. Mai wäre Walther Heymann 50 Jahre alt geworden. Aber er ist seit mehr als 17 Jahren tot. Er ist in der Nacht vom 8. zum 9. Januar 1915 bei einem Sturmangriff vor Soissons gefallen. Wir aber haben heute aus mehr als einem Grunde Anlaß, dieses jungen Dichters zu gedenken, der mit 33 Jahren dahinging und der kurz vorher schrieb: „Mein Leben wäre ganz Anfang, wenn es bald enden sollte." Walther Heymann stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Königsberg. Und die Liebe zu seiner ostpreußischen Heimat war es, die ihn zuerst zum Dichter machte. 1909 erschien im Deutschherrn-Verlag in Königsberg ein Band „N e h r u n g s b i l d e r", in dem beinahe überall die großartige Küstenlandschaft Ostpreußens den Versuchen des jungen Dichters dienen mußte, sein Weltgefühl auszudrücken. Dann hat Walther Heymann bei Lebzeiten nichts mehr veröffentlicht — aber rastlos sortgearbeitet — aus seinem Nachlaß sind noch drei Bände Verse erschienen. Ob der Erfolg nicht ausreichte, ihm Verleger zuzuführen, oder ob sein eigenes, sehr kritisches Bewußtsein die Dinge immer noch nicht zur Öffentlichkeit reif fand, mag dahingestellt bleiben. — Der Krieg kam, Walther Heymann meldete sich als Freiwilliger, ging hinaus und war nach vier Monaten tot. Aus seinem Nachlaß aber erschien ein Band „Kriegsgedichte und Feld- Po st b r i e f e" (ebenso wie die später aus dem Nachlaß veröffentlichten Bände „Die Tanne" und „Fahrt und Flug" bei Georg Müller). — Und dieser Band gehört zu den erschütterndsten Dokumenten der deutschen Kriegszeit. Wir haben seither mehr solche Bekenntnisbucher früh Gefallener kennengelernt, aber keines, das reiner, wahrhaftiger und stärker das Grundgefühl dieser schicksalsschweren Zeit ausdrückt. Es war nicht nur die Liebe zu dem bedrohten Land, die Walther Heymann ins Heer trieb, diese Liebe zu der Landschaft, der Sprache, dem Geist, in dem er lebte. Es war nicht nur die tiefe Sehnsucht des geistig Einsamen, aufzugehen in einem großen „Wir". Es war vor allem jenes Gefühl der tiefsten Solidarität allen Volksgenossen gegenüber, das kein Außenbleiben im Moment der höchsten Gefahr gestattete. Walther Heymann hat dies Gefühl in einem seiner schönsten Gedichte „Die Ausziehenden" ausgedrückt. Und es wird auch in feinen Briefen laut, wenn er schreibt: „Wo steht es geschrieben, daß andere für. widmet die Offiziers-Vereinigung 92 ihrem am 17. Dezember 1931 im 84. Lebensjahre verstorbenen Mitglieds Major d. L. a. D., K o ln - in e r z i e n r a t G u t k i n d, der lange Jahre Schatzmeister der Offiziers-Vereinigung war, einen Nachruf. In ihm heißt es: „Er trat 19jührig am 1. April 1867 als Einjähriger bei unserem Regiment ein und machte den Krieg 1870/71 als Reserveoffizier im 2. Bataillon mit. Bei Kriegsausbruch 1914 stellte er sich trotz seiner 67 Jahre zur Verfügung und war Kompagnieführer im Ersatzbatarllon Jnfanterieregilnents 92 und später Vorsitzender des Einberufungsausschusses Vraunschweig. Er war der letzte altbraunschweigische Offizier, der das E. K. von 1870/71 trug, zu dem er noch die Spange von 1914 erhielt. Der Verstorbene war Gründer und erster Vorsitzender des Braunschweigischen Landlvehrverbandes und Ehrenmitglied des Vereins ehemaliger 92er. Sern Andenken bleibt hoch in Ehren." heymann Mai 1932 michbezahlenund a n m einer Stelle fallen müssen?" Von der Wut eines blinden Hasses war in Walther Heymann sehr wenig. Niemals ist er für „das hohe Wort Menschheit" taub geworden. Und mit Ergriffenheit lesen wir, wie es ihn selbst überwältigte, als am Weihnachtstage zwischen den Schützengräben Plötzlich etwas lvie eine Verbrüderung ausbrach. Aber was ihn trotzdem aufrechterhielt in der Mühsal des Soldatentums, für das er weder körperlich noch geistig vorbereitet war, im Kampf mit den Wanzen und dem Kasernendrill, der Tornisterlast und der körperlichen Fron und dann in den Schützengräben, in den Lehmlöchern, auf Posten im Novembersturm, Wasser schleppend auf Schrapnell bestreuten Wegen, Erdbuden bauend, Kartoffeln schälend — denn all das war viel mehr Soldatenschicksal als das bilderbogenartige Heldentum—, was ihn da aufrechterhielt, das war eben jener religiöse Wille zur Mitverantwortung, der Wille, keinen anderen die eigene Rechnung bezahlen zu lassen. — Walther Heyrüann wußte, was auf dem Spiele stand, und trotzte zuweilen nlit einem düster wilden Fatalismus der Todesgefahr entgegen. Am Ende seines letzten Briefes, drei Tage vor dem tödlichen Sturmangriff, schreibt er: „Drei Mann freuen sich künftiger Taten, schimpfen, daß es ihnen so oft durchs Herz geht. Ich könnte stundenlang noch trinken ohne zuviel. Prost!" Die drei Mann waren drei Tage später tot. „Leben herrlich, verwundet heimkehren — schwer schön. Sterben — schad' um zehn ungeschriebene Bücher. An mein Weib denke ich dabei anders. Als wäre es für mich nicht so schwer, als ohne sie zu leben. Für Hunderte sterben — herrlich!" Auch das steht in Walther Heymanns letztem Brief.-Ist es nicht an der Zeit, heute dieses ostpreußischen Dichters, dieses deutschen Juden 3 u gedenken, der für sein Vaterland so lvissend und frei den Opfertod starb? Soll man sich heute nicht seiner erinnern — heute, da wütende Verleumdung tausendlnal den Anteil der deutschen Juden am Kriegsopfer weglügt, und da Menschen nach der Macht greifen, die den Brüdern und Erben eines solchen Mannes das Recht nehnien inöchten. deutsche Bürger zu fein£! Julius Bab. Gedichte von Walther Sevmann Den Ansziehenden Kennt keiner das Buch, in dem geschrieben steht, daß dieser falle und jener heil heimwärts geht. Doch später ist in Stein und Lied zu lesen, die im Kampfe fielen, sind unsere Vesten gelvesen. Viele aber glauben, es sei vorbestimmt, ob einen die Kugel ausläßt oder hinüberninunt. Und bliebest du zu Hause und wärest nicht dabei, in Kriegszeiten irren viele Kugeln frei. Wo aber steht es geschrieben, frag ich, daß von allen ich übrigbleiben soll, ein andrer für mich fallen? Mer inuner von euch fällt, der stirbt gewiß für mich. Und ich soll übrigbleiben? warum denn ich? Aus dem Band „Kriegsgedichte und Feldpostbriefe Tannenschweigen Wie ich nicht sagen kann, was wohl mag Freundschaft sein, Wie ich nicht wissen will, warum ich liebe alles dein, und wie niemand ahnt, wann ihm der Tod eins geigt, lieb ich den Baum am meisten, der stillehält und schweigt. Ob die Tanne im Nebelgrauen zur Sonne späht oder im Abendtauen ins tiefe Dunkel geht, ob sie leise winket, wenn die Wolke reist, oder grün erblinket und hoch ins Blaue weist; ob sie schwarz hinaufragt zu der Sternenpracht^- oder die grünen Decken in Sternen stuft und facht, ob sie des treibenden Regens Perlen löst und fängO oder sich, grüner Kristall, mit klarem Eis behängt: Sie ist eine kreisende Wiege und ihrer Sprossen Schoß; sie dreht sich, rundum wägend, bei des Zeigers Aufwärtsstoß, hält recht in ihrem Baue ein ruhsam Gleichgewicht, daß sie sich immer traue, zu bleiben aufgericht^. Und doch ist sie so schüchtern, daß fast es verborgen bleibt, wenn sie im Lenz mit Stäuben und Seim ihr Blühn betreibt. Und ihren Zapfenfrüchten ist sie ein Netz, das hütend schwebt, bis jedes wohlgeschuppte Fischlein zu Grunde strebt. Die Buche, die so feierlich ihr Blättervolk in Schwärmen führt, die Birke, Maid in Schleiern, die am Rain der Haare Fließen rührt,. die Eiche, wilder Trotz, der aufbegehrt, sich stemmt und zwängt, und die schöne Linde, die das Herz so süß bedrängt; auch Ahornbaum, der Narrenbaum, voll Nasen und Kragen vielverzackt, die Pappel, welche, riesengroß, ein Flammenstoß mit Strauchwerk flackt, die Weide, die sich weinend geißelt, die Erle — Spuk im Sumpfrevier, die müssen alle blätterlos und kahl zu Zeiten stehn vor ihr. Doch noch an all dies Sommerschön erinnert dann ' ihr einsam Grün, das doppelt glänzt, wenn ihre Stacheln eng umschmiegt schneeweißer Hermelin; sie kann ihr Wesen nicht hehlen, königlich steht sie da. Nun sagt, die Tanne kann erzählen jedem, der sie sah. Wahrlich, kaum wüßte ich, was man sonst lieben soll, als was verschwiegen steht und traut geheimnisvoll; das lehrt uns ja glauben an Liebe, die Treue wahrt. Gut hören, gut schweigen, gut reden, die drei sind einer Art. Aus „Die Tanne \ Verlag: Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W15, Emser Sir. 42. Tel.- Adr.: „Centralglanben Berlin", Postscheck: Berlin 30472. Hauptschriftleiter: Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich für die Schristleitung: Dr. Margarete Edel hei m. Verde Berlin W15* — Druck: Rudolf Mosse, Berlin.

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