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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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31 rarische Konjunktur in grober Menge hervorgebracht hat, in den zwanzig Aenßerungen, in allen möglichen AbwarMurrgen, irnrtrer wie-dor. Willkürliche Vereinerleiimg der' kapitalistischen Großbourgeoisie, angeblich hervorgegangen aus der artfremden bürgerlichen Gesellschaft der sranzösiMn Nevolution, mit den: Judentwn! In einem Aterrr, ohne Wimper^rckerr, Gloichsetzuna ein und dessellrei: „Jrrderüurns" mit den: Marxismus, dem Geist „einebnender Gleichmacherei" urrd fessolloser „Ichsucht"! Dagegen als Ziel Wiederbelebung des entseelten ständischen Gemeinwesens aus der Gesirmrmg der christlichen Gemeinde und der germanischen Genossenschaft mit der Konsequenz der restlosen Ausscheidung ‘ bdr Juden aus dein öffentlichen Leber: in jeder Form! Das sind die jetzt allgemein geläufigen neuromantischen Töne und Formulierungen, die man wie alle literarischer: Moden ablanfen lassen mutz. Einwände, klärende Geschicktster tsachen, Debatte, Durchstoßung der Wortnebel, werden dagegen als echt jüdische, liberalisierende, ewig zu verdammende Mittel einer verständnislosen, absterbenden Gesellschaftsschicht abgewiesen und in Verruf getan. Soviel vom Geist dieser Erwartungen! Was uns mehr interessiert, ist der Schlußbeitrag des Hauptmitarbeiters Wilhelm Stapel, in dem diese Sammlung gipfelt: „Versuch einer Praktischen Lösung der Judensrage". Nach der Lektüre dieses „Versuches" wird hoffentlich von jüdischer Seite jede Neigung verschwunden sein, mit Stapel (wie aus der Nyoner Tagung und auch später öfters) eine Verständigung zu finden. Schon der Anfang ist einladend: „Die Judensrage wird aus den: Stande der Propaganda in den Stand der praktischen Politik übergehen. Tann wird es sich zeigen, daß man die Juden weder stotschlagen' noch Austreiben' kann, erstens, weil es schwer ist festzustellen, wer denn nun wirklich Jude sei und wer nicht, zweitens, weil die außenpolitischen Wirkungen in Betracht zu ziehen sind." Eine stillschweigende Lösung komme nicht in Frage, denn in Deutschland seien die Inder: (im Geoensah zu anderen Ländern) zu laut. Die Juden haben hier jede Verständigung mit dem nationalen und konservativen Deutschland abgelehnt: „In Deutschland hat sich das Judentum als Ganzes mit den Ideen der französischen Revolution verbunden; es pflegt den französisch verstandenen Liberalismus, es hat insbesondere den. militärischen (nicht aber den wirtschaftlichen) Pazifismus ausgebildet. Damit hat es sowohl außenwie innenpolitisch eine ganz bestimmte Parteistellung eingenommen. Es bekämpft den Nationalismus und die konservative Haltung. Die Juden in Deutschland haben ihre soziale Existenz an die Geltung der französischen Ideale geknüpft. Sie sind die intellektuellen Soldaten des französischen Imperiums geworden. Eben darum sind sie, wie die Franzosen selbst, an der staatlichen Schwäche des deutschen Volkes Interessiert., Das hätte nicht so sein müssen. Man könnte sich ein konservatives Judentum deuten, das, sich selbst behauptend, außerhalb der politischen Kämpfe verblieben und mit den konservativen deutschen Mächten in ein Ordnungsverhältnis gekommen wäre. Weil die Juden das verschmäht haben, weil sie Partei in unserer Sache ergriffen haben, darum haben sie bei unserem Vordringen ein schlechtes Gewissen." Den erschöpfenden Gründen Stapels für eine trockene „Lösung der Judensrage" und seiner infamen Aechtung der Juden als Deutsche entsprechen seine praktischen Vorschläge. In der künftigen ständischen Volksordnung ist das Judentum ein 'besonderer Stand, aber nicht inx Sinne einer in anderen Staaten geläufigen Autonomie; der Stapelsche jüdische Stand ist vielmehr aus reinem Haß erzeugt: „Der jüdische Stand hat eine besondere Religion (nicht nur ,ein anderes Bekenntnis'), besondere Gebräuche und Sitten, besondere Anschauungsweisen über gut und schlecht, richtig und unrichtig, ehrenhaft und unehrenhaft, wertvoll und wertlos, zweckvoll und unzweckmäßig ..." ' Ein anderes als ein autonomes Judentum mit - eigener Lebensform und eigenem Sittenkodexeine jüdische Gemeinschaft „in der Anmaßung des Liberalismus" wird nicht geduldet. denn es „erzeugt jenes Gift, welches die Symbiose der Deutlichen und. Juden zerstört". Dementsprechend dekretiert Stapel: „Denjenigen jüdischen Schriftstellern, die das Reich und das Derttschttinr säMäheii, ist die Publizität -n entziehen. Jüdisch Bücher, Zeitschriften und Zeitungen dürfen nicht in Fraktur gedruckt werden." — „DaS Judentuttt ist vorn Kriegsdienst eximiert. Denn wir wollen die Juden nicht ln die Lage zwingen, mit den Juden anderer Länder zu kämpfen." — „Die beiden Hieraräsischen Funktionen deS NiästerS und Erziel)erS sind den Inden für den Bereich deS DeutsästnmS verfchloffen. Die Deutschen sollen nur von DentsllM gerichtet und erzogen werden." Es folgen Bestimmungen über den „Uebertritt vom Judentum zun: Deutschtum"; erst bei der dritten Generation wird die Uebernahme in die erstrebte andere Gemeinschaft wirklich vollzöge::, Vater und Großvater, der oen Willen zum Uebertritt bindend für die nachfolgenden Generationen erklärt hat, bleiben noch im Vorhof „zwischen den Nassen". Der Geist dieser neuen Judenordnuug ist ohne weiteres greifbar, jedes Wort der Kritik, jeder ironische Einwand würde diesen penetranten „Geist" abschwächen. —. Die Sammlung oer zwanzig Antworten aus die Frage „Was wir vom Nationalismus erwarten" ist eine typische Zeiterscheinung, vor der nur einen Zoll von seinen als richtig erkannten Grundsätzen abzuweichen keinem Juden einsallen wird. Diese Zerterscheinung — besonders das neue Stapelsche Judenrecht — sollte hier niedriger gehängt werden. Aus den Dr. Karl Emil Mrkel gestorben An: 13. Mai starb in London Dr. Karl Emil M a r k e l in: Alter von 72 Jahren. Marke! war als Sohn des Pfarrers Wilhelm Marke! in Hochheim bei Worms geboren. Seine Eltern waren 1863 nach Stuttgart verzogen, so daß Markel hier seine Kindheit verlebte. Nachdem er 1872 das Studiun: der Chemie beendet, wurde er Leiter einer chemischen Fabrik in England, wo er im Hinblick aus seine Lebensstellung die englische Staatsangehörigkeit erwarb. Er blieb aber auch als Engländer im Sinne der Herbeiführung guter Beziehungen zwischen Deutschland und England tätig. Die deutsche Kolonie in London und daS deutsche Hospital besaßen in ihm einen großzügigen Förderer. Nach Kriegsausbruch stellte Markel sofort seine ganze Kraft in den Dienst der Fürsorge für die deutschen Kriegsgefangenen und Internierten. Dieses Eintreten hatte sein Ausscheiden aus allen beruflichen Stellungen zur Folge. Nach dem Kriege widmete er sich dem großen Liebeswerk der deutschen Kinderspeisung. 1920 schus er die Marikel- Stiftung, die „bedürftigen und würdigen Kindern aus solchen Berusskreisen, die durch den Krieg oder die Kriegsfolgen in ihren wirtschastlichen Verhältnissen besonders schwer gelitten haben, eine angemessene körperliche, geistige und sittliche Erziehung zu ermöglichen'". Die Stiftung hat unendlichen Segen gewirkt. Die Städte Stuttgart und Berlin ehrten den Stifter durch die Benennung einer Straße als Markelstraße. Die Universität Frankfurt verlieh ihn: ebenso wie die Universität Tübingen den Titel und die Würde eines Doktors. Nun ist Dr. Markel, einer der edelsten Menschenfreunde, von uns gegangen. Der folgende Brief, den er aus London am 28. November 1922 hierher sandte, kennzeichnet die edle Größe des Verstorbenen: „Der Judenhetze müssen wir, soweit uns dies möglich ist, Widerstand leisten, und es ist uns dazu eine Gelegenheit in Württemberg gegeben, indem wir den Beweis liefern, daß wir keine. konfessionellen Unterschiede machen, und daß wir den Kulturwert der Juden für unser Land voll anerkennen . . . Von ihrem Familienleben, ihrer meistenteils mäßigen Lebensweise, wissen Sie ja so viel wie ich. Aber eine Tatsache möchte ich ganz besonders hervorheben, daß d i e hier ansässigen ursprünglich deutschen Israeliten während d e s K r i e - g e s im a l l g e me inen m u t i g e rfür ihr früheres Vaterland m i t Wort und Tat e i n g e st a n d er: sind als die Christen. Der' größere Prozentsatz der Spender' zugunsten zwanzig Antworten soll nur noch als Schlüßanmerkung auf einer: Beitrag gedeutet werden: „Was erwarten die Ausländsdeutschen vom Nationalsozialismus?" von Johann Wilheln: Mannhardt. Hier - weicht zun: Schluß der Mvthennebel und Mannhardt belehrt seine nationalsozialistischen Freunde über das gesamtdeutsche Interesse am Judentum: „In vielen Staaten, in denen es eine deutsche Minderheit gibt, kämpft neben ihr eine jüdische. So verschieden ihre Wege auch, oft gehen, so ost sind beide doch aufeinander angewiesen; denn das Ziel ist gemeinsam, und ost genug kommt es zu verständnisvoller Zusanunenarbeit, deren Störung auch den Deutscher: schaden würde. Dazu tritt noch eüvas anderes: Im europäischen Osten Ist heute noch fast überall das Judentum Mitträger deutscher Zivilisation. Das Deutsche oder das von der: Deutschen ohne weiteres zu verstehende Jiddisch ist die Sprache, in der sich die östlichen Juden untereinander und mit der: Deutschen überall verständigen. Daraus erwächst sowohl den Juden als auch den Deutschen ein großer Vorteil. Es bedeutet sür die deutsche Wirtschaft und darüber hinaus sür die deutsche Politik in Südosteuropa etwas Aehnliches wie die subsidäre Herrschaft der französischen Sprache in: Nahen Osten sür Frankreich oder der englischen Sprache im F e r n e n Osten für England. Die Ausländsdeutschen im Osten erwarten, daß dieser Zustand, der ebenso ihr wie ein gesamtdeutsches und ein gesamtjüdisches Interesse ist, nicht gestört wird." So wird die Stapelsche Judenkhaßpolitik von seinen eigenen Gesinnungsgenossen im. gesamtdeutschen Interesse aufs Haupt geschlagen. Dr. Ludwig Feuchtwanger (München). n: einet Gefangenenhilfe waren Israeliten, und der größere Teil der persönlich geleisteten Dienste kan: von israelitischer Seite. Die Folgerung aus alledem ist so offenbar, daß ich nicht weiter darauf einzugehen brauche. Nicht nur im Interesse unserer eigenen Arbeit, sorrderr: der schwer unter der niederträchtigen dummen Hetze leidenden Personen und ihrer Wirkung auf die internationale Lage sollten wir alles tun, um unsere Ansichten in die Oesfentlichkeit zu bringen." Das sind Worte von so echter sittlicher Größe, daß es verständlich ist, wenn der Leiter der Stuttgarter Volkshochschule, Direktor Bäuerle, seiner: Nachruf aus den Verstorbenen mit dem Ausdruck der stolzen Freude schließt: „Denn er war unser!" 8tadtraddiner Dr. Rieger (Stuttgart). Ehrung eines fluskan-s-eutfchen Dr. med. Max Meyerhos. in Kairo (Aegypten), unser langjähriges Mitglied, ist vor kurzen: aus der Jahresversammlung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart durch Verleihung einer Ehrenurkunde sür Verdienste um das Auslandsdeutschtum neben einer Reihe anderer bekannter Deutscher, wie Hans Grimm, dem Verfasser des ,-Volk ohne Raum", Pastor Theodor Frank in Melbourne (Australien), ausgezeichnet worden. Zahlreiche Freunde werden sich mit uns über diese Ehrung freuen, die, wie jeder unterrichtete Besucher Aegyptens weiß, einem Mann zufällt, den einmal ein scharfsichtiger Beobachter des deutsch-ägyptischen Lebens den „ehrenamtlichen Kulturattache der deutschen Gesandtschaft" in Kairo genannt hat. Dr. Meyerhof, der aus Hannover stammt, ist auch als Arabist und Kenner der arabischen Medizin in der Gelehrtenwelt hoch geachtet. Seine zahlreichen Abhandlungen über Krankheiten, ärztliche Behandlungsmethoden, Medikamente, aber auch Textausgaben berühmter Abhandlungen arabischer Aerzte aus den: Gebiete der arabischen Medizin sind in Fachzeitschriften und selbständigen Werken erschienen. In Anerkennung dieser wissenschaftlichen Verdienste, die naturgemäß stark in die Orientalistik übergreifen — Meyerhos kann wohl heute als einer der besten Sachverständigen der Geschichte der orientalischen Medizin angesprochen' werden —, hat ihr: in den letzten Jahren die philosophische Fakultät der Universität Bonn zum Ehrendoktor ernannt. Möge unser Freund Meyerhof — übrigens eir: viel konsultierter Augenarzt —, dessen wissenschaftlicher Arbeitseifer, dessen starkes Eintreten sür deutsche Kulturarbeit im Auslande so lebendig ist' wie je, noch lange Jahrzehnte zum Segen des deutschen Vaterlandes im Lande der Pharaonen wirken und arbeiten. A. WV

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