Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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so solcher jüdischen Sonderlinge; wir fbmicit ne in der Armut und den: Kulturverfall ver Gegenwart wahrlich brauchen! Welche Lücken aber würden entstehen, wenn sie fehlten! Unb was bedeuten itebeit diesen Knlturleistungen die Feblleisturtgen einzelner jüdischer Radikaler! Gerade als Kultur Politiker kann ich den jüdischen Beitrag zu unserer Kultur nicht missen. Ich werde daber stets für unser Kulturjudentum eintreten, auch wenn ich jüdische Auswüchse und Schädlinge ablehne. Wer aber das Gute an bcu Juden annimmt und anerker:nt, ist kein Antisemit mehr. Wer dagegen die Rassenideologie auf die Spitze treibt, muß auf die Kultur verzichten. Um Gerechtigkeit ringt Deutschland heute in der Welt. Sie gebührt-auch den deutschen Juden." Hierin weift ich mich auch mit den Bestrebungen des C. V. einig , und wünsche ihm weitere Erfolge seiner Aufklärungsarbeit zum gemeinsamen Nutzen aller deutscheil Staatsbürger, mögen sie christlichen oder jüdischen Glaubens. oder Freidenker sein. tums, vom Glauben des auserwählten. Volkes, abgefallene Juden. Es ist nicht zu verkennen, daß Curtius die Anzahl dieser letzteren zweifellos zu Unrecht höher einschätzt, als sie in Wirklichkeit ist. Denn man darf bei dieser Erwägung nicht von einigen wenigen bekannt gewordenen Personen ausgehen, sondern muft in dieser Beziehung die deutscher: Juden überhaupt als Gesamtheit iit§ Auge fassen, und hierzu ist doch gegenüber Curtius zu sagen, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden bestimmt und bewußt deutsche Kultur bejaht und die ideellen Werte deutscher Vergangenheit direkt oder indirekt in sich aufgenomrnen hat und ihr Leben in diesen: Geiste lebt. So ist der Wunsch von Curtius, daß das deutschsprechende Judentum sich zu einer deutschen Kulturgesinnung bekennen möge, in Wirklichkeit schon längst in Erfüllung gegangen. Curtius weist noch darauf hin, daß in dieser Hinsicht uns vor allem Gundolfs großes Beispiel vorleuchten möge, der doch wie kaum ein zweiter die deutsche Geistesgeschlchte geliebt hat und gerade in ihrer Durchdringung mit den Ideen des Altertums das typische und wertvolle deutsche Element in der Geistesgeschichte überhaupt gesehen hat. Wir deutschen Juden wissen mit Bestimmtheit, daß das Beispiel dieses großen Menschen in uns nie vergessen sein wird. Rechtsanw. Dr. Walter Strauss II (Stuttgart). „Was wir vom Nationalismus erwarten. Zwanzig Antworten." Heransgegeben von Albrecht Erich Günther. Verlag Engen Salzer, Heilbronn 1932. Zum geistigen Vortrupp des Nationalsozialismus ift in den letzten Jahren an der Spitze einer ganzen Reihe von nationalistischen Gruppen und Verbänden der Kreis geworden, der sich als. Mitarbeiter und Leser um die Zeitschrift „Deutsches Volkstum" gebildet hat. Die Herausgeber, Wilhelm Stapel und AlbrechtErich Günther, sind auch entscheidend beteiligt an einen: soeben erschienenen Buch „Was wir von: Nati onalsozi alism u s erwarten. Zwanzig. Ant - Worten." H e r a u s g e g e b e n von A l b? recht Erich G ü n t h e r. Es will eine Sammlung überparteilicher Bekenrcknisse sein, die in der Hitler-Bewegung eine große Hoffnung sehen und sich von ihrem Sieg die Aufrichtung einer echten Obrigkeit im Gegensatz zu dein heute noch herrschenden Parteienstaat erwarten. Es handelt sich, voll Stapels hier entscheidendeul.Beitrag abgesehen, nur um ernst gemeinte, von einen: guten, nie unedlen Willen beseelte Aeutzerungen jenseits der Propaganda rmd der nationalistischen Hetze, aber auch jenseits von Gründen, jenseits von der u n s llvch lebenswichtigen Haltung der Gerechtigkeit, die für uns immer der Prüfstein geistiger Zucht bleibt. Für die zwanzig Antworten ist dagegen der. Glaube die höchste 'Lebensmacht, das. andere nur Meinung, Wunsch, Illusion und Doktrin, „das vor denl ernsten Allblick der Notwendigkeit wie Spreu zerstiebt". Der Geist, aus denl das Buch entstände!: ist, wird nach dml Vorwort des Herausgebers anl bester: vor: -beim einleitellden Aufsatz voll August Winnig ausgedrückt. Winnig schildert den „Weg zur nationalen Arbeiterbewegung" und als ihre notwendige Wesenszüge „rücksichtsloses Känlpfertunl" und „leidenschaftliche Ablehnung der Inder: in der Politik". Allen Antworter: liegt dementsprechend die gleiche Deutung des deutschell Geschichtsablaufs seit 1918 zllgrunde. „Ministerialbürokraiie und Börsenfinanz teilten unter sich die tatsächliche Herrschaftsgewalt der durch Parteiftnarchie zerrütteren, vom Geiste des Liberalismus unb des Marxismus beherrschten Staatswesens, das vorgab, eine soziale Demokratie zu sein." Dem „rmchnovemberlichen Parteien staut" stellt der llene Nationalismus ben „Aufbau einer neuer.: Bolksorhuung" unter striktester Ablehnung der „liberalen Gleichheitsvorstellung" gegenüber.. Das alles kehrt wie im „Deutschen Volkstum", der „Tat" und bcu kleineren Blättern, die die lite- Zum Problem des r " J" ' /g& itzrn st Robert Crirtirrsr „Deutscher Geist in Gefahr." Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Preis 3,50 Mark, broschiert 2,25 Mark. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß sich in der letzten Zeit immer mehr geistige Führer daülit beschäftigt haben, den eigentlichen Wesenstzehalt der nationalsozialistischen Bewegullg zu untersuchen. In den allermeisten dieser Fälle war das Ergebnis das, daß der Rechtsradikalisjnus eine ungeheure Gefahr für den deutschen Geist und für geistige Kultur überhaupt bedeutet. Bezeichnend hierfür war auch die große Anzahl geistiger Führer Deutschlands, die ihre Unterschrift unter den Wahlaufruf gegen Hitler allläßlich der Reichspräsidentenwahl gesetzt hat. Wie erbärmlich wirkten dagegen die wenigen weist gänzlich unbekannten Namen, mit deneil die Gegenseite diesem Aufruf entgegenzutreten versuchte. Diese Einstellung geistiger Mellschen kann auch den nicht weiter verwundern, der sich schon einmal mit den geistigen Grundlagen und Zielen des Nationalsozialismus näher befaßt hat. In erster Linie ist hierbei auffallend die grundsätzliche Verachtung und Verächtlichmachung des Geistes überhaupt. Ernst Robert Curtius, der früher in Heidelberg, jetzt ill Bonn wirkende Ordinarius für romanische Sprachen, hat null ebenfalls vor kurzem einen flammenden Ausruf all das deutsche Volk erlassen, in dem er vor allem auf die ungeheure Gefahr hinweist, die der Rechtsradikaliswus für die gesamte deutsche Geisteskultur bedeutet. In dieser Schrift, die den bezeichnenden Titel führt „Deutscher Geist in Gefahr", nimmt der Verfasser seinen Ausgallgspunkt von einigen ihm vor allem bezeichnend erscheinenden Stellen des „nationalen" und „sozialen" Kreises in der bekannten Zeitschrift „Die Tat". Die eine Stelle lautet: „Der Intellekt ist eine Gefahr für die Bildung des Charakters." In dieser Hinsicht weist Curtius mit vollem Recht darauf hin, daß dieser Appell gegen den Verstand und für das reine Gefühl eine sehr zweischneidige Waffe sei, da hierunter nicht nur das, was höher ist als alle Vernunft, sondern auch das Untervernünftige und Unvernünftige verstanden werden nlüsse. Als genauer Kenner vor allem der romanischell Kulturen ist gerade dieser Verfasser in der Lage, in tiefgehenden Untersuchungen zu zeigen, wie ein solcher Abbau von Vernunft und Traditions- Werten in Deutschland uns im geistigen Wettkampf der Nationen an inneren Werten beraubell würde, so daß diejenigen, die heute in Deutschland gegen den Geist auftreten, die nationale Sacke nicht im allermindesten zu fördern imstande sind. Vor allem wendet sich Curtius gegen die bewußte Traditionslosigkeit unserer Rechtsradikalen. Als bezeichnendes Wort aus ihrem Kreise führt er folgenden Satz an: „Tradition, Programm, Weltanschauungen und Bindungen, Fiktionen und Vorbehalte, das alles wird im Strudel der Entwicklung untergegangen sein." Hier lveist der Verfasser in seiner Eigenschaft als Geschichtswissenschaftler überhaupt darauf hin, daß irgendeine Kulturgesinnung ohne erlebnismäßige Bindung an die Vergangenheit nicht möglich sei, und dieses Erleben der Vergangenheit seht nun einmal unbedingt notwendig die genaue Kenntnis der Vergangenheit, d. h. aller der kulturellen Strömungen, denen der deutsche Geist irgend etwas für seine Entwicklung verdankt, voraus. Und gerade in dieser Hinsicht bringt Curtius den genauen Nachweis dafür, daß es unmöglich ist, die deutsche Kultur allein auf sich selbst, d. h. auf ihre eigene bloße Gegenwart, zu stützen, sondern daß es gerade für den deutschen Geist erforderlich sei, ihn in ewiger Bewegung und Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, vor allein mit der Antike und dem Humanismus, zu halten. So ist es selbstverständlich, daß die Schrift ihre Krönung erhält in einem Hohelied des Humanismus überhaupt, der einen unbedingten, vielleicht den wesentlichsten Bestandteil einer echten deutschen Kulturgesinnung ausmacht. Bei einem so glühenden Enthusiasten, wie es Curtius ist, wird unter Humanismus natürlich nicht etwa eine bloß wissensmäßige Erfassung des klastischen Altertums verstanden, vielmehr die immer wieder sich erneuernde lebendige Auseinandersetzung mit dein ewigen Gedankengehalt dieser vergangenen Zeit. Es handelt sich um die ewige Frage, was ist Menschentum und wie kann das menschliche Leben seinen tiefsten Gehalt gewinnen? Man kann hier dem Verfasser nur in jeder Hinsicht zustimmen, wenn er den Humanismus von dieser Seite her bedroht sieht. Nicht nur, daß die eigentliche Kenntnis der Antike gering geachtet wird, die humanistische Idee ist es vor allem, die heute äußerst . gefährdet erscheint. Diese Idee ist, kurz zusammengefaßt, die der Achtung vor jedem Menschen als Mensch. Beim Nationalsozialismus gibt es hiergegen außer dem Führer nur den Begriff der Masse, die zu gehorchen hat. Der einzelne hat da keinen Anspruch mehr auf Achtung, er gilt nicht mehr als Persönlichkeit, sondern nur noch als Bestandteil der Maste. Da demnach der einzelne nicht mehr geachtet wird, bringt es der Nationalsozialismus auch über sich, den Juden, die doch wohl auch mit dem Begriff „Menschen" zu bezeichnen sind, irr den Grundlagen seines Programms die staatsbürgerlichen Rechte zu nehmen, die sie in aller: anderen Staaten der Erde besitzen und die Voraussetzung sind für die kulturelle Bildung und geistige Freiheit des einzelnen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, lvelln Curtius an einigen weniger: Stellen seiner Schrift den zurzeit herrschender: Antisemitismus der rechtsradikalen Kreise aufs schärfste bekämpft. Curtius wendet sich vor allem gegen die beliebte Entgegenstellung von Judentum und Deutschtum, da diese eine wesentliche Tatsache übersehe, die nämlich: daß es ein deutsches Judentum gibt. Er ninunt allerdings auch gegen diejenigen Juden Stellung, die in Opposition gegen die kultureller: deutschen Werte stehen- und bezeichnet diese Juden als von der Idee des Juden¬ 72078854