Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zehn Jahre C.V.-Zeitung Die C.V.-Zeitung, das Organ des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, hat am 1. Mai d. J. ihren 10. Jahrgang abgeschlossen. Eine grosse Reihe von Politikern, Gelehrten und anderen Persönlichkeiten, die in der gleichen Richtung wie der Centralverein an der inneren Befriedung Deutschlands arbeiten, hat der C.V.-Zeitung aus diesem Anlass Glückwünsche übersandt. Aus der Fülle dieser Schreiben geben wir nachstehend einige wieder: Dr. Hans Driesch Professor an der Universität Leipzig Gerade wer, wie ich, weder selbst Jude noch mit Juden verwandt ist. Hat wohl einen nüchternen objektiven Blick für den Wert und die Aussichten Ihres Kampfes, wie er in der „C. V.-Zeitung" zum Ausdruck kommt. Der Antisemitismus ist eine s e e - lische Krankheit, entsprungen dem Gefühl allgemeiner Verzagtheit, das nach einem „Schuldigen" sucht. Wie alle heilbaren seelischen Krankheiten kann auch diese nur behoben werden durch u n - ablässigeklareundruhigeFeststellung der wahren Sachverhalte. Solches leistet Ihre Zeitschrift in einer stets gerechten und vornehmen Weise. Sie werden Erfolg haben, dessen bin ich sicher. Schnell freilich wird der Erfolg nicht kommen; dazu sitzt die Krankheit bei uns zu tief, obwohl sie, wie die Geschichte anderer Länder zeigt, heilbar ist. Vielleicht aber bedeutet ein langsam errungener Sieg mehr als ein rasch und leicht errungener. Dr, Ernst von Aster Professor an der Universität Giessen Wer, wie der Verfasser dieser Zeiten, das Glück hat, als deutscher Universitätslehrer und Vertreter der Philosophie die Erforschung und Darstellung der deutschen Geistesgeschichte in ihren schönsten und höchsten Schöpfungen und Leistungen und in ihrer tiefsten Verknüpfung mit der Geistesentwicklung des gesamten Abendlandes zum Beruf und zur Lebensaufgabe zu haben, der muß ganz besonders schwer tmb schmerzlich den Zustand der Unkultur und Verrohung empfinden, in den der politische Kampf heute bei uns gesunken ist. Gibt es doch keinen schneidenderen Gegensatz als zwischen den Humanitätsidealen unserer klassischen Zeit, zwischen den Ideen der Menschenwürde und Gerechtigkeit und dem Verhalten gerade derer, die bei uns heute das Wort deutsch am häufigsten im Munde führen. An meinem bescheidenen Platz habe ich seit vielen Jahren versucht, in der Bekämpfung dieses undeutschen, unseren heiligsten Traditionen wesensfremden, den Haß gegen den andersgläubigen oder -stämmigen Volksgenossen predigenden Nationalfanatismus meine Pflicht All tun. Eine Genugtuung ist es mir dabei, daß ich mich in diesem Kampf gegen die Herabwürdigung der Begriffe Patriotismus und nationale Gesinnung, auf die der heutige Gebrauch dieser Morte hinansläuft, mich auch durchaus einig weiß mit dem christlich-konservativen Geist meines Elternhauses, einer preußischen Offiziersfamilie, so weit mich auch in anderen Hinsichtell meine Entwicklung von mancher Ueberzengnng jener Ulllwelt entfernt hat. Als e i ne der schl immften Ersehe i ll nnge n dieser V a r b a r i s i e - r u n g u ns e r e s ö f f e n t l r ch e n Lebens, dieser V e r k tt m m e r u n g des Gefühls für Menschenwürde und Ge- Der Präsident des Reichstages schreibt: Die Bemühungen der „C.V.-Zeitung" um Berlnittlung der Wahrheit im politischen Ringen, ihre Suche nach Gerechtigkeit im Kanrpfe, ihre Abwehr jeder persönlichen und Rassenhetze habe ich seit dem Entstehen Ihrer Zeitschrift verfolgt und kann Ihnen zum zehnjährigen Jubiläum nur meinen Dank dafür übermitteln. Möge bald die Zeit kommen, wo in Deutschland die ritterliche, vornehme und menschliche Auseinandersetzung unter Politischen Gegnern eine Selbstverständlichkeit ist — bis dies aber der Fall ist, wird Ihre Zeitschrift auch weiterhin eine wichtige Mission zu erfüllen haben.. r e ch t i g k e i t, habe ich st e t s den A n t i - semitismus empfunden. In allen seinen Formen und Nmkleidungen —- voll den: groben demagogischen Hetzwort der Gasse bis zu der scheinwissenschastlichen Begründung einer oilettanrischen Nassentheorie oder der Scheintiefe einer mit ad hoc erfundenen Begriffen arbeitenden llationalen Mystik. Was hier an Psendophilosophie und -Wissenschaft geboten wird und leider auch auf Leser rechnen kann, ist im Grllnde lloch schlimmer und gefährlicher als jene Dernagogie der Gasse und Gosse: es zeigt sich daran, wie sehr der sonst gerade als deutsches Erbteil gerühmte Geist der Gründlichkeit und der schlichte, nüchterne Wahrheitsflnn in weiten Kreisen gerade der Gebildeten nachgelassen haben. Wer sich vorurteilslos in die deutsche Geistesgeschichte vertieft, der kann nicht übersehen, wieviel der deutsche Geist dem Judentum verdankt, von der Bibel übör Spinoza zu den vielen Namen, die heute in der deutschen Wissenschaft xtnb Kunst eine ehrenvolle Nolle spielen. Das jüdische Element ist teilt „Fremdkörper" im Deutschtum, sondern ein wertvoller und befruchtender Bestandteil, es Herausreißen, es abspalten — wenn das überhaupt möglich wä're — würde einen schweren Verlust für das Deutschtum bedellten —, ebenso w i e es de m deutschen I udentu m ei n großes Stück sein es lebendigen Gehalts, seiner Seele n e h m e n würde. In dieser Ueberzeugung fühlte ich mich stets einig mit den Männern und Frauen des Centralvereins sowie mit seinem Organ und dem zugleich entschiedenen und vornehmen Geist, in dem es geleitet wurde und wird. Darum habe ich stets gern dem Wunsch entsprochen, in seinen Spalten mitzuarbeiten, tutb wünsche ihm heute von Herzen, daß es auch in dieser schweren Zeit, in der wir stehen und die uns noch bevorsteht, den Mut und die Kraft zum Kampf und zur Arbeit für die uns gemeinsamen Ideale sich bewahren möge. Dr. h. c. Friedrich von Oppeln - Bronikowski Als deutscher Kulturpolitiker konservativer Richtung, d. h. im Sinne des gemäßigten, aufbauenden Fortschritts, habe ich mich auch mit dem jüdischen Problem immer wieder auseinandersetzen müssen und die Tendenzen der verschiedenen jüdischen Gruppen verfolgt, unter ihnen besonders des E. V., dessen aufklärende Tätigkeit auf kulturpolitischem Gebiet mit der meinigen vielfach übereinstimmt, auch wenn unsere Ausgangs- und Zielpunkte nicht dieselben sind. Aufklärung, wie der C. V. sie treibt, nicht lärmende Propaganda, erscheint mir als das beste Mittel zur Ueberwindung bestehender und noch bevorstehender Schwierigkeiten, wenn auch nicht gegenüber den Unbelehrbaren und gefühlsmäßig Voreingenommenen, so doch bei der großen Masse derer, die Vernunftgründen zugänglich sind, aber vielfach in Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse leben. Erst kürzlich hatte ich Gelegenheit, im Rundfunk auf die Kultnrleistungen der deutschen Juden hinzuweisen und zahlreiche Beispiele anzuführen. Meine Schlußworte möchte ich hier im Druck wiederholen: „Wenn das „jüdische Sonderart" ist, so wünsche ich unserem Volke noch viele