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Central-Verein-Zeitung · 1932-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1932) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 5-6 (Mai 1932)
Date
1932-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27 Der Erzbischof von Köln für inneren Frieden Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Heinrich Frank, gleichzeitig Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Köln, der Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in Köln sowie der Syndikus des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin, Dr. Alfred Wiener, wurden kürzlich von dem Generalvikar des Erzbistums Köln, Dr. David, empfangen. Sie unterbreiteten eine Reihe von Materialien über die Zügellosigkeiten des politischen Kampfes gegen die Juden. Der Herr Kardinal hat daraufhin Herrn Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in Köln das nachfolgende Schreiben zugehen lassen: Euer Hochwürden! Von den überaus rohen und jeder Gesittung hohnsprechenden Beschimpfungen Ihrer Glaubensgemeinschaft, namentlich von den Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen, worüber Sie meinen Herrn Generalvikar — da ich verhindert war — persönlich und nachher mich durch Geberreichung von gedrucktem Material unterrichteten, habe ich mit tiefstem Bedauern Kenntnis genommen. Ich kann Ihre innere Empörung und Entrüstung nur teilen und sehe in diesen Vorkommnissen eine neue ernste Mahnung an alle Gutgesinnten, der zunehmenden Verwilderung der Sitten in unserem Volke ohne Säumen und mit aller Energie entgegenzuwirken, In grösster Hochschätzung bin ich Ihr stets ergebenster Kardinal Schulte, Seiner Hochwürden Erzbischof von Köln. Herrn Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in Köln, Roonstrasse 50. Der Erzbischof von Köln. Da aber Fürst Metternich, der damalige österreichische Minister und Lenker der Geschicke Westeuropas, als ausgesprochener Reaktionär jede freiheitliche Bewegung haßte und 'in den Farben Schwarz-Not-Gold das Sinnbild fortschrittlicher Freiheitsbewegung erblickte, zumal nach dem studentischen Wartburgfest 1817 und dem Attentat des Studenten Sand auf den Dichter Kotzebue in Mannheim rm Jahre 1319, Verbot er sie. Von nun an war Schwarz-Not- Gold, zum Märtyrer geworden, das Symbol der Freiheit. Kein Fürst duldete diese Farben. , Nur die Landesfarben waren zu tragen erlaubt. Deutschland aber, das als Deutscher Bund auf dem Wiener Kongreß im Jahre 1815 wieder lose zusammengefügt worden war, hatte keine einheitliche Flagge, und wenn es einmal eine solche brauchte, so galt wieder dafür das Gelb-Schwarz Oesterreichs, das auch im Deutschen Bund wieder Präsidialmacht geworden war. Da kam eine neue Freiheitswelle infolge der französischen Julirevolution im Jahre 1830. Auf dem „H a m b a ch e r F e st" zu P f i n g st e n 1 8 3 2, bei dem auf der Pfälzer Maxbury aus allen Teilen Deutschlands Frecheitsfreunde, vor allem Studenten, zusammenkamen, um gegen den absolutistischen Druck der Jürstenmacht zu opponieren, wurde Schwarz-Rot-Gold als Neichsfarbe ausgerusen, und das sich nach Freiheit sehnende Volk jubelte dem Beschlüsse zu. Daß diese Farben von der Reaktion nun noch mehr gehaßt und verfolgt wurden, ist natürlich. Um nur ein Beispiel anzuführen: Der bekannte plattdeutsche Dichter Fritz Reuter, der als „vaterlandsgefährlicher Demagoge" sieben Jahre im Gefängnis schmachten mußte, war dadurch seines hochverräterischen Treibens überführt worden, weil er „am hellichten Tage" das schwarzrotgoldene Burschenband auf der Brust Zu tragen gewagt hatte. Da kam endlich das Jahr 1848, das die Fesseln des Polizeistaates durchbrach. Unter seinem Eindruck erlaubten die deutschen Fürsten jetzt nicht nur die Farben, sondern der Bundestag erklärte sie sogar für die offiziellen Farben des Reichs. Am 9. März dieses Jahres flatterten die Farben Schwarz-Rot-Gold auf der Arbeitsstätte des Bundestages in der Eschenheimer Straße in Frankfurt a. M. Und am 31. März erklärte der preußische König Friedrich Wilhelm IV., daß er „diese alten deutschen Farben angenommen und sich unter das ehrwürdige Banner des Deutschen Reiches gestellt hatte". Alle deutschen Bundestruppen wurden jetzt mit dieser „deutschen" Kokarde versehen. Damals sang der wegen „hochverräterischer Absichten" in der Verbannung in London lebende Dichter Ferdinand F r e i l i g r a t h : „In Ki'nnmernis und Dunkelheit Da mußten wir sie bergen! Nun haben wir sie doch befreit. Befreit aus ihren Särgeni Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt! Hurra, du Schwarz, du Not, du Gold!" Während der Tage des Frankfurter Parlaments wehten die Farben Schwarz-Rot-Gold von den Häusern der alten Reichsstadt. Aber als das Parlament kläglich endete, hob die Reaktion im Jahre 1850 ihr Haupt wieder und die Farben Schwarz-Rot-Gold wurden geächtet. Doch wehte vom Jahre 1869 an wieder ein freiheitlicher Wind durch die deutschen Gaue, als der italienische Krieg und die bedeutsame Jahrhundertfeier von Schillers Geburtstag im Jahre 1859 eine mächtige nationale Welle auslösten, die durch die Ereignisse in Schleswig- Holstein noch anwuchs. Die Burschenschaften trugen jetzt wieder öffentlich ihre alten Farben, und andere Organisationen ahmten ihnen nach, Säuger, Turner, Schützen. Und die Fürsten sahen das ruhig mit an. So begrüßte zum Beispiel der jugendliche Großherzog Friedrich I. von Baden im Jahre 1862 die unter Schwarz-Rot-Gold tagende Lehrerversammlung in Mannheim. Und im Jahre 1864 schlug König Ludwig I. von Bayern — allerdings ohne Erfolg — die Farben Schwarz-Rot-Gold wieder als Vundesfahne vor. Als der Krieg zwischen Preußen und Oesterreich im Jahre 1866 ausbrach, hißte der Deutsche Bundestag in Frankfurt die „deutschen Farben", und die gegen Preußen kämpfenden Kontingente der süddeutschen Staaten trugen schwarzrotgoldene Armbinden. Das Jahr 1848 hatte, allgemein gesprochen, die ersehnte Freiheit der Persönlichkeit geboren; das Jahr 1871 brachte durch Bismarcks politische Tatkraft dann auch noch die Einheit des Reiches. Noch wehten während des Deutsch- Französischen Krieges bei Siegesnachrichten fast überall die schwarzrotgoldenen Flaggen, noch wurde auch nachher der „Sedaustag" mit Schwarz-Rot-Gold gefeiert. Aber als das neue Reich geschaffen war, da gab man ihm neue Farben. In der Verfassung von 1871 heißt es: „Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist Schwarz-Weiß-Not." Um die Vorherrschaft Preußens auch äußerlich kundzutun, hatte man das hohenzollerische Schwarz-Weiß gewählt, dem man dann (da die preußischen Farben allein auf Widerstand gestoßen wären) als Ergänzungsfarbe das Rot hinzufügte. Ob das hinzugefügte Rot nur gewählt wurde, weil es die Flagge weithin deutlich sichtbar machte, oder ob es die alte brandenburgische Farbe ist, so daß damit die Vormachtstellung Brandenburg-Preußens symbolisch verewigt werden sollte, das hat Bismatck niemals gesagt und ist auch bis heute noch nicht entschieden. So wurden Schwarz-Weiß-Rot die Farben des neuerstandenen Kaiserreichs, und sie haben über eine glorreiche Zeit des Aufschwungs und einer wissenschaftlich-künstlerischtechnischen Entfaltung geweht. Damit wurden sie Sinnbild des „Größeren" Deutschlands. Die Revolution des Jahres 1918 hat das Kaisertum wieder beseitigt, und die Weimarer Verfassung hat statt der sogenannten Kaiserfarben wieder die freiheitlichen Farben der Lützower, Jahns, Arndts, Uhlands zur Reichsflagge erklärt. Man kann darüber streiten, ob es nicht besser gewesen wäre, die Farben des Kaiserreichs — aber sie waren ja, genau genommen, nicht diese, sondern . sie waren zu den Farben Alldeutschlands geworden — bestehen zu lassen.. Auf jeden Fall aber ist es undeutsch, die neuen Farben zu beschimpfen. Sie haben eine ehrenvolle Vergangenheit, sie verkörpern den Teil der deutschen Geschichte, in dem das Volk mündig wurde . . . 'Darum sollte man/diese ehrenvollen Farben öffentlich zeigen. Mögen sie das Ideal, das sie verkörpern, wiederbringen: innere und äußere Freiheit! Professor Dr. Ferdinand Gutheim (Freiburg 1. Br.)

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