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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-01 · Heft 4 (April 1932) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 4 (April 1932)
Date
1932-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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d ie Revolution zu entfachen, so kommen.wir zu überraschendenResultatcn. Eswaren n r ch t d r eJ u d e n: Die ehemalige kaiserliche deulsche Rei gierung lieh Lenin 1917 im Salonwagen von der Schweiz durch Deutschland nach Ruszland fahren! Auch die russischen Juden hatten nicht das geringste Interesse daran, dein Bolschewisnuis in ben Sattel zu verhelfen; denn sie gehörten gerade den sozialen Schichten an, die von den Bestrebungen der Bolschewisten nichts 31t erwarten hatten. Tie russischen Juden gehörten, soweit sie begütert waren, der Kadettenpartei an, standen also politisch rechts. Soweit sie zur Arbeiterklasse gehörter!, waren sie meist Menscherviki (Sozialdemokraten) und wurde:: deshalb von den Bolschewiki grausam verfolgt. Tie jüdische Arbeiterschaft war außerdem in drei Gruppen Zusammengefaßt: im „Allgemeinen jüdischen A r - beiterbund für Litauen, Polen und Rußland", kurzweg Bund genannt, im „Serz" (sozialistische jüdische Arbeiterpartei) und in der „Poale Zion" (Zionistischer Standpunkt). Alle drei Arbeiterorganisationen kämpften hartnäckig gegen den Bolschewismus. Tie Schriftsteller, die Gewalt und Terror predigen, sind keine Juden. Die Befürchtungen, die die Juden in Rußland gegenüber dem Bolschewismus hegten, haben sich nur zu bald als begründet erwiesen. Er hat den jüdischen Mittelstand in Rußland vernichtet und das religiöse Judentum ebenso bedroht und verfolgt wie das Christentum. Es nniß anerkannt werden, daß der Bolschewisnuis in dieser Beziehung nur einer Konsequenz folgt, die seiner Theorie entspricht. Er ist nun einmal Gegner jeder Religion, während dem Judentum und ganz besonders den russischen Inden die Religion Lebeuselement ist. Daher ist es unsinnig, Judentum und Bolschewisnuis in Zusammensammcnhang zu bringen. Judentum und Bolschewismus haben ebensowenig etwas miteinander zu schaffen wie etwa Christentum und Bolschewismus. Einer der unsinnigsten Anwürse besteht darin, zu behaupten, daß die sogenannte „jüdische" Hochfinanz (die es, wie lvir gesehen haben, in diesem umfassenden Sinne gar nicht gibt), den Bolschelvisnms und das Chaos in Rußland gewollt und bewußt gefördert habe. Wie reimt es sich damit zusanunen, daß die erste siuauzielle Maßnahme der „jüdisch-lnarxistischen" Bolschewisten nach ihrer Machtergreifung die Annullierung sämtlicher Auslandsschulden, d. h. also, wenn man den Antisemiten Glauben schenken lvill, der Schulden, die Rußland bei der „jüdischen Hochfinanz" hatte, war? Dieser Unsinn hat sogar nicht einmal mehr eine Methode! Die Unglaubwürdigkeit der Anschuldigungen wird aber noch deutlicher, wenn man den zahlenmäßigen Anteil betrachtet, den die Juden in Rußlarld unter den Kommunisten einnahmen. Um nur eine amtliche Statistik herauszugreifen: Unter den 124 021 Mitgliedern, die die kommunistische Partei 1918 in Leningrad besaß, befanden sich sage ilnd schreibe, 2,6 Prozent Juden. Unter d e n 1 7 Volkskommissaren befand s i ch ein e i n z i.g e r Iude. der jetzt v e r s e m t e und verbannte T r 0 tz k i. Lenin, mit seinem-bürgerlichen Namen Wladilnir Jljitsch Uljanow, ist kein Jude, sondern Großrusse mit tatarischem Einschlag. Weder K a l i - n i n noch <St n l i n, noch irgendein anderer von ihrein Range ist Jude. Selbst in dem 200 Mitglieder umfassenden Zentralkoiuitee sitzen nur 7 Juden, darunter die in Deutschland bekannten Radek, Si 11 0 wjew, L i t iu i n 0 \v , K a - m c n e w. Ja, obwohl die russische!: Juden doch infolge meist besserer Schulbildung geradezu zu Führerrolleu in einen: Lande mit früher bis 90 Prozent Analphabeten vvrbestinunt sind, besetze,: sie kaum einen der ausschlaggebenden Posten. Unter diesen Umständen kann also von einer „Berjudung" oder jüdischen Führung des Bolschewismus überhaupt nicht die Rede sein. WÄ verständlich gibt es in Rußland wie äüW Deutschland jüdische Kounnunisten; jedoch geM diese Menschen haben zun: allergrößten M ihre letzten Bindungen zur jüdischen GeniW schaft gelöst und bekämpfen das Judentum aU heftigste. In jeden: Fall kann also festgeW lverden, daß Judentum und BvlschewisM' nichts miteinander zu schaffen haben, ja, M Ansicht vieler Juden verhalte!: die beiden M ,vie Wasser und Feuer. Weltkrieg und Revolution In dem furchtbarsten aller Kriege, die die Welt jemals erlebt hat, haben Juden und Richtjnden gleichermaßen teilgenonnnen; sowohl in Freud als auch in Leid; die allgemeine Kriegsbegeisterung der ersten Zeit erfaßte Juden wie Richtjuden. In wie hohem Maße sich gerade die jüdischen Deutschen mit dem Schicksal ihres Vaterlandes identifizierten, ersieht man ans dem Gedicht des deutschen Juden Ernst Lis sauer „Haßgesang gegen England", das sich in allen Kreisen des deutschen Volkes einer ungeheuren Beliebtheit erfreute. Wie viele junge Menschen, insbesondere der Jugendbewegung, singen mit dem Gefühl wehmütiger Begeisterung das wunderbare Reiterlied ..Truden an: Wegesrand sitzen zwei Dohlen", ohne sich darüber klar zu sein, daß der Verfasser der Jude Herinaun Zucker mann war, der seine innige Liebe zu Deutschland mit den: Tode vor den: Feinde besiegelt hat! Wie wenige Deutsche rvissen, daß das deutsche Judentum zwölftausend seiner besten Söhne dahingegeben hat, die in selbstverständlicher Pflichterfüllung ihr Leben einsehten und dabei sicher nicht geahnt hadeu, daß Jahre später ihr Andenken von unwürdiger Hand beschinutzt lverden würde. Wenn das Judentum etwas mit dem Weltkrieg zu tun gehabt hat. dann als eine Gemeinschaft, die freudig ZN Lp fern für das Vaterland bereit war. Wer aber waren denn die Kriegshetzer ans beiden Seiten? Wahrlich keine Juden: Auf E n t en te sei te : Sasouvw, Greg, Poincare, Clemenceau, Nikolai Nikotajewcksch, Lord Northclifs. Kein einziger Jude! Als es aber schlecht für Deutschland stand, da setzten sich wohl einzelne Juden wie Richtjuden für einen ehrenvollen Frieden ein. To der englische Bankier Rothschild, der deutsche Reeder Albert Ballin, die alles versuchten, um von Deutschland das namenlose Elend abzuwehren, das nach den Worten Herrn von Jagows von Neid, Machtrvillen, den: Drang nach Rache und den: Anschwellen des Rationalismus in allen Ländern verursacht ivar. Kein deutscher Jude hat seine Heimat verraten. Im Gegenteil, deutsche Juden, wie Walther Rathenau, haben daran mikgewirkl, die sogenannte Kriegswirtschaft aufzubauen und damit die Widerstandskraft des deut- - schen Volkes zu stärken. Auch in der deutschen Diplomatie, die den Ausbruch des Weltkrieges nicht verhindert hat, saß kein Jude, ebensowenig im Generalstab wie in der kaiserlichen Negierung! Schuld am unglücklichen Ausgang des Krieges waren nicht die Juden, sondern die Ueberrnacht der unterschätzten Gegner und die Feindschaft der ganzen Welt. Der Deutschnationale Hergt sagte vor dem Eintritt Amerikas in den Krieg: „Die Amerikaner können nicht herfchwiinZ inen oder fliegen; — wir brauchen vor ihne'i^ keine Angst zu haben." Und weiter waren schuld^ der Abfall der zermürbten Bundesgenossen und)s die erbarmungslose Aushungerung Deutsche lands. Das Märchen vom Svlch-vK Wir sagten schon: mußte das deutsche Volk' schließlich der Uebermacht nachgeben, so tragendaran die vierjährige Blockade, verbunden mit einer ungeheuren technischen Ueberlegenheit unserer Gegner, die Schuld. Das beweisen Dokumente von Männern, die auch den mißtrauisch-- sten Rationalisten „unverdächtig" sein dürften. So schrieb der Kronprinz in einer Denkschrift im Sommer 1917: „Die ungeheuren Blutopfer der drei Kriegsjahre, Aussicht auf weitere Verluste, Gemütsdrcpression, Errrährungs- und Kohlcunot, Versagen des U-Boot- Krieges haben den monarchischen Gedanken in weiten Schichten zersetzt." „Führt der U-Boot-Krieg in bestimmter Frist nicht zum Ziele, dann must der Kampf abgebrochen werden: die Verluste sind nicht mehr zu ersetzen, der Feind führt ständig neue Reserven heran." Und der kaiserliche Staatssekretär, Chef des Zivilkabinetts Clemens von Delbrück,' schrieb in „Die wirtschaftliche Mobilmachung' Deutschlands" 1914: „. . ♦ Die Ansicht, das; der Krieg verloren und alsbaldige Friedeusver-tz Handlungen notwendig seien, konnte^ nur aus der Erkenntnis beruhen, datzi die Zahl und Beschaffenheit unsere^ Truppen sowie des verfügbarer^ Kriegsmaterials nicht ausreichterr^ Diese Erkenntnis konnte der Oberstes Heeresleitung unmöglich erst VM gestern ans heute gekommen sein! ./ ß Wenn man sich alles das vergegenwaH tige, mutzte man zu der Annahme kowI men, das; General L u d e n d 0 r s vorübergehend die Nerven v er loren habe." M Dennoch hat nun: sich auch in den KreiW in denen inan genau über die wahren BorgärM Bescheid wußte, nicht gescheut, zu den schmuMs sten antisemitischen Mitteln zu greisen, um D Monarchie zu retten. ..?m Als 1918 in Berlin bereits die AbdanküU des Kaisers gefordert wurde, schlug GenW S ch u l e n b u r..g, der Vertraute des KronW zen, in - der letzten Generalstabskonferenz M Kaiser folgendes als „letzte Rettung" vor: DM stät setzen sich an die Spitze Ihrer TruPpenM in Dauermärschen bis ins Rheinland und M das schon genügend bearbeitete Heer #9]$ innere Gefahr.

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