Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 4 (April 1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»sigkeit und Wirtschaftsnot, bei allen deutschen parkassen 9,989 Milliarden. Trotz all dieser ganz deutlichen Klarstellunjen finden sich immer noch Menschen, die es Kr möglich halten, daß die „jüdischen" Banken es in der Hand haben, große Industrien zu Men oder beliebig zu vernichten. Daher die iorwürfe gegen Jakob Goldschmidt, der durch Ifein Verhalten den Stinnes-Kvnzern zum Zu- ^ämrn'eul>n!ch getrieben haben soll. Dabei ist gerichtlich völlig eimvandfrei — für denjenigen, Ker sich überzeugen lassen will — festgestellt, aß der Stinnes-Konzern zugrunde gehen Kiußte, weil Hugo Stinnes während der Jnätion über tausend Industrie- und HandelS- ^lnternehmungen gekallft hatte, für deren Fortführung nach Beendigung der Inflation einfach Aas notwendige Betriebskapital nicht mehr ohne Schädigung des deutschen Wirtschaftslebens auf- ^ubringen lvar. Uebrigens: Was wäre D o h l geschehen, w e n n ein M a n n w i e |itgp Stinnes zufällig Jude gewesen wäre? Die Beantwortung dieser Fragen können nur getrost unseren Lesern überlassen. Zum Schluß wird es nötig sein, sich mit dem Worwurf anseinanderzusetzen, die mit ji'ldischem Wapital begründeten jüdischen Waren- Ehauser vernichteten svstematisch den deutschen Mittelstand. Auch dieser Kamps gegen die „jüdischen" Warenhäuser geht von falschen Voraussetzungen k-us. Während man von völkischer ^eite im altßgemeinen den Inden Wucher und Preistreiberei ^vorwirst, klagt man sie in diesem Falte an, daß Me durch Preisschleudern die kleinen Existenzen ^ruinieren. Aber man übersieht, daß bei dem tftrtrfni Anteil, den die Juden im Detailhandel -bestimmter Warengruppen bilden, ebenso sehr ^und nmhrscheinlich viel mehr jüdische Ladenbesttzer durch die Ausbreitung der Wareu- ^auskonzerne geschädigt werden als Nichtmiden! jt D<nüber hi na ns ist aber folgendes zu sagen: Wenn die Judenfeinde immer wieder darauf Hinreisen, daß die großen Warenhauskonzerne Aarstadt (dessen Anteile übrigens -nur zu Wem Teil in jüdischen Händen waren), Tietz, Alsberg usw. den Detailhandel beherrschen, W ist das zu einem gewissen Teile richtig. Auch Ae nichtjüdischen Warenhallsgrmppen haben sich : ebenso großen Maße vergrößert, wie z. B. e e ck, B r e n n i n d m c y e r u. a. Aber die onzentration im Warenhansgewcrbe ist sin einzigartiger Vorgang. Vielmehr ist die orrzentratiorr ein neues Wirtschafts- ^inzip, das sich aus allen Wirtschaftsbieten (z. B. Eisen, Kahle, Kali, Elelizität, Aluminium, Zucker usw.) ausirkt, und gerade auf denen am stärken, in denen überhaupt keine Inden Mtreffen sind. Uebrigens beträgt der sah der deutschen Warenhäuser höchns 5 vom Hundert des gesamten Nrrr- ^tzes des deutschen Einzelhandels. ^Außerdem ist der Handel völlig abhängig der Produktion, die auch in der Textilirtschaft beinahe ausschließlich in Händen von tjuden^ ist. Der Zusammenschluß und die reinigungen der Produzenten sind aber so eng. damit der Einfluß der Warenhäuser stark gedämmt wird. Mas Schtagwort vom „jüdischen Kapitalisist nicht nur unwahr, sondern dient .Mer hinaus dazu, das Augenmerk des Ars nationalsozialistischer und judenfeindlicher Zungen von den wirklichen Zumen h ä n g e n s h st e m a t i s ch a b z u - I ke n. Auch der Sozialismus soll „jüdisch" sein .m Demjenigen, der die Ausführungen des vorigen Kapitels mit Verständnis gelesen hat, wird es einfach lächerlich und Paradox erscheinen, daß Ulan' den Inden außer der Förderung des Kapitalismus mm ansgerechnet auch noch zum Vorwurf macht, sie seien die Begründer und Führer des Sozialismus und Bolschewismus. Ja die Theorie des modernen Sozialismus, der Marxismus, wird geradezu als eine jüdische Erfindung bezeichnet. Nach „jüdischem" Kapitalismus mm „jüdischer" Marxismus! Dabei sind diese „Bekämpfer" des Marxismus und seiner angeblich materialistischen Tendenzen sich meist ganz und gar im unklaren darüber, was nun eigentlich „Marxismus" wirklich bedeutet. Marxismus ist die nationalökonomische Theorie von Karl Marx, einem Manne jüdischer Abstammung, einem Schüler Hegels, der sein ganzes Leben hindurch auch nicht das geringste mit Juden und Judentum zu tun zu haben lvünschte. Im Gegenteil könnte man ihn, wenigstens in einigen seiner Äußerungen, geradezu als Krviizmgen gegen die Juden änführen. Der Marxismus, die Lehre, die Karl Marx in enger Zusammenarbeit mit Friedrich En gM 8 geschaffen hat, ist eine Darstellung des Entwtcklungsprozefses der Menschheit aus der Sklaverei und kapitalistischen Unterdrückung zur sozialistischen Gesellschaftsordnung, d. h. zur wirtschastlichen und sozialen Befreiung. Marx stellt als Forderung den berühmten Sah: ..Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Er bezweckt mit dieser Bereinigung die Organisierung des Kampfes aller unterdrückten Menschen gegen den Unterdrücker Kapitalismus, womit übrigens nicht einzelne Menschen, sondern das kapitalistische System gemeint ist. Marxismus ist also eine Theorie, die zur wissenschaftlichen Grundlage der sozinldcmokraiischen und koimimnistischen Bewegung geworden ist. Ss ist eine unbestreitbare Tatsache, baß im Mentum immer sozialer Geist lebendig gewesen Ist unb gewirkt Hai Die zehn Gebote, die gebotene Fürsorge für Knecht und Magd, denen ein Ruhetag (Sabbath) zukommt, die berühmte jüdische „Bodenreform" (nach 50 Jahren Rückgabe jedes gekauften Grundstücks an den ursprünglichen Besitzer!) der umfassende Schutz des Schuldners, die gesamte soziale Einstellung selbst dem Fremdling gegenüber, der nicht wie bei den hochstehenden Griechen als „Barbar" liezeichnet wurde, sprechen eine deutliche Sprache vom sozialen Geist des Judentums. Aber dies a l l e s h a t a u ch nicht das G e r i n g st e mit wissenschaftlichem S o - z i a l i s m u s n n d Ko m m u n i s m u s z u tun. Unter den Inden der Neuzeit, auch unter den deutschen Inden, gehen die Ansichten über die Gestattung des Staatsnwsens sowie über die Lösung der „sozialen" Frage völlig auseinander. Gerade die deutschen Iuden bilden politisch weder eine eigene Partei, noch gehören sie geschlossen einer bestimmten Partei an. Sie bilden in politischer Hinsicht überhaupt keine einheitliche Masse. Richtig und psychologisch erklärlich ist, daß in vielen Ländern die Juden sich lediglich wegen der ihnen in ihrer Eigenschaft als Juden vielfach zuteil gewordenen Zurücksetzung naturgemäß den Oppositiouspacteien anschließen. Ans diesem Grunde lvaren vor dein Kriege eine ganze Anzahl von Juden in verdeutschen Sozialdemokratie zu finden. Aber nicht wenige, wie Laster, Bamberger usiv., schlossen sich der N a t i o n a l l i b e r a t e u P a r - t e i (heute etwa Deutsche Volkspartei) an, und der Theoretiker und Mitbegründer der konservativen Partei, der wissenschaftliche Begründer der Lehre vom „christlichen Staat", war der Jude Julius S t a h l. So hat selbst ein Jude am Fundament der heute stark antisemitisch durchsetzten D e u t s ch n a t i o n a l e n V o l k s p a r - t e i mitgearbeitet. Dennoch ist es unbestreitbar, daß in Deutschland die sogenannten Rechtsparteien gerade wegen ihres Antisemitismus von den deutschen Juden zlvaugslüufig gemieden werden, gemieden loerden müsse n, da,es ja würdelos für einen Inden wäre, einer Partei mit judenfeindlichen Zielen beizustehen, auch wenn diese ihm nicht den Eintritt verböte. In England, wo den Juden die Türen keiner Partei verschlossen sind, wo der Judenhaß nur eine ganz untergeordnete Rolle spielt, ist die Zahl der ausgesprochen konservativen Politiker sehr groß; Rainen lvie Lord Melchett, Lord Reading als Staatsmänner der Gegenwart, Lord Beaconsfield (Benjamin Disraeli) als Begründer des englischen Neukonservativislnus und Vorkämpfer des britischen Imperialismus sagen uns genug. Wir sehen also, daß der Marxismus an sich absolut nichts Jüdisches darstellt, weder mit den Lehren des Judentums noch mit den Juden an sich etwas zu tun hat. Nur dort, wo die herrschenden Atächte sie am Aufstieg hinderten, ihnen die Gleichberechtigung vorenthielten, schlossen sich die Juden diesen Parteien an, um als Unterdrückte zusammen mit der unterdrückten Arbeiterschaft ihre Freiheit zu erkämpfen. M der russische Bolschewismus ein Machwerk der Juden? Zum ersten: Bolschewisuuis ist ein radikal gewandelter Marxismus. Er predigt im Gegensatz zur demokratischen Auffassung der Sozialdemokratie die. Diktatur des Proletariats, er verrät dadurch seine VerwandtsclMt mit dem russischen Nihilismus, der in der Vorkriegszeit hauptsächlich von Angehörigen des russischen Hvchadels gepredigt wurde und zu zahlreicherr. Bombenattentaten gegen WürdentrügM-tz-der ruffifefjeu Monarchie führte. „ Wenn wir uns fragen, wer es^d.e-NWKWU bo t sche w i sti sch e n R evo lu tioMML ermöglicht hat, öurFMMW8.E nach Rußland zu gela i '"