Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2571117-2571190-2571191--623-2571970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
19 14 Während des Krieges wurde eine Zählung der jüdischen Soldaten veranstultek, angeblich um der damals schon einsehenden antisemitischen Propaganda entgegenzutreten und über die Verteilung der jüdischen Soldaten an der Front und in der Etappe Feststellungen zu machen. Diese Zählung hat damals, als inan „keine Parteien mehr, nur noch Deutsche" zu kennen meinte, großen Unwillen hervorgerufen. Die deutschen Juden, die im Felde standen oder Angehörige als Gefallene betrauerten, empfanden und empfinden sie als ein degradierendes Ausnahmegesetz. Nachdem die Beschimpfungen der jüdischen Gefallenen von judenfeindlicher Seite nicht aufhören, müssen auch wir bedauern, das; jene Statistik nicht vollendet wurde. Sie hätte bie judenfeindlichen Verdächtigungen von vornherem als Verleumdungen entlarvt. Aber es war w klar, daß der Heeresorganismus für eine derartige wissenschaftlich-statistische Ausgabe mitten im Kriege denkbar ungeeignet war. Eine große Anzahl jüdischer Soldaten wurde überhaupt nicht ausgenommen oder ganz verkehrt registriert, worüber eine beträchtliche Zahl von Zeugnissen vortiegt. Diese Statistik, die ja eigentlich me vollendet wurde, die also ein Torso blieb, konnte daher auch nicht mehr bearbeitet oder gar veröffentlicht werden. Trotzdem wurde einige Jahre nach dem Kriege von privater Seite unter einem Pseudonym Otto Arnim (München 1919) dieser Torso veröffentlicht und als eine amtliche umfassende Statistik hingestellt. Auf Grund der . bis 1910 reichenden Zahlen dieses Torsos errechnet sie für den Weltkrieg die Zahl von 5827 gefallenen jüdischen Soldaten des deutschen Heeres. Einem großen Teil der nationalsozialistischen Presse genügt aber auch diese Entstellung noch nicht. Im „Völkischen Beobachter" hat Major a. D. Vaumann mehrfach die Behauptung aufgestellt, nach seinen Rechnungen ergäben sich „4697 Tote als jüdischer Gesamtverlust aus deutscher Seite. Und das ist hoch gerechnet!" Nachdem diese „Judenzählung" in so unzureichender Weise durchgeführt wurde, haben sich im Jahre 1917 die jüdischen Organisationen zusammengeschlossen, um für sich eine Wilhelm Frankl deutscher Kriegsflieger, E K I, E K 11, Orden Pour Ic Mlrite Deutsche Juden im Kampf private Statistik durchzuführen. Diese wurde 192t abgeschlossen. Sie ergab für Deutschland ohne die nicht uütau,fgeuvnunencn Gebiete von Posen, Elsaß-Lothringen und Hamburg die Zahl von 10 089 Gefallenen. Eine vorsichtige Schätzung der erwähnten nicht mitgezählten Gebiete ergibt hieraus die Zahl 2000, so daß man insgesamt mit einer Mindestziffer von 12 000 jüdischen Gefallenen rechnen kann. Die Ergebnisse dieser Zählung, die unter der Führung der Statistiker Professor Dr. Silbergleit und Dr. Jacob Segall durchgeführt umrbc, sind in einem Büchlein, das 1921 im Philo-Verlag erschien, niedergelegt. Es sind dann weiterhin für Einzelgebiete wie Bayern, Württemberg und eine Reihe von Städten wie Dortmund, Düsseldorf u. a. die Listen der dortigen Gefallenen mit genauen, jederzeit nachprüfbaren Angaben veröffentlicht worden. Die Gesamtzahl der in diesen Listen für die betreffenden Gebiete ausgenommenen Gefallenen zeigte immer wieder, paß jene Statistik von Silbergleit-Segall richtig war. Da die antisemitische Presse trotzdem nicht aushörte, für ihre Parteipolitik die alten Lügen immer wieder aufzuwärmen, hat der Reich s b u n d jüdischer Frontsoldaten es seit Anfang 1928 unternommen, nochmals die Namen der j ü d i s ch e n Gefallenen zu sammeln, um sie in einer zu veröffentlichenden L i st e zusammenzustellen. Das ist heute selbstverständlich ein außerordentlich schwieriges Werk. Von einer beträchtlichen Anzahl von Gefallenen sind die Angehörigen nicht mehr erreichbar oder überhaupt nicht mehr vorhanden. Auch die Register der jüdischen Gemeinden haben bei weitem nicht alle Gefallenen registriert. Trotz dieser Schwierigleiten ist es dem R. j. F. gelungen, eine Liste von 10 800 Rainen bis zum heutigen Tage festzustellen. Der R. j. F. hat dann diese Namen, soweit es möglich war, mit dein a m t l i ch e n Material, das im Zen - t r a l n a ch w e i s a m t in Spandau aufbewahrt wird, verglichen. Allerdings konnten dort nur diejenigen Namen gefunden werden, bei denen dem N. j. F. schon von den jüdischen Ludwig Haas später Mitglied des Reichstages; wurde während des Krieges zum Offizier befördert, E KI, E KII ■unumMmk Gemeinden Angaben über Truppenteile und dergleichen gemacht waren. Die genaue Liste ließe sich aufstellen, wenn nmn einfach aus dem Spandauer Material alle jüdischen Gefallenen herausziehen könnte. Das ist aber bis auf lveiteres technisch umuöglich, da bei den ungefähr 15 Millionen Karten eine Durchsicht viele Jahre dauern würde. Außerdem sind gewisse Materialien infolge eines Ministerialerlasses nicht zugänglich. Immerhin konnten von diesen" 10 800 Namen 97 7 4 in Span-, dau so i d e n t i,f l z i e r t werden, daß . der R. j. F. in der Lage ist, diese Namen mit der Nummer zu veröffentlichen, unter der sie in der amtlichen Verlustliste geführt werden, und unter der auch, falls es nötig ist, durch das Zentralnachweisamt auf Anfrage die genauen Personalien, Stammrollen usw. angegeben werden können. Weiterhin gelang es, bei den zuständigen Standesämtern noch 2 20 jüdische Kriegsgefallene der vom N.j.F. aufgestellten Liste zu identifizieren,, so daß also von der Liste insgesamt etwa 10000 Namen amtlich durch staatliche Behörden belegt und die Belege für jeden einzelnen dieser Namen auch jederzeit erreichbar sind.- Es ist wohl selbstverständlich, daß durch dieses Ergebnis nicht nur die nationalsozialistischen Zahlen nachdrücklichst erledigt sind, sondern daß damit auch die Statistik von Segall-Silbergleit mit der Zahl von 12 000 jüdischen Gefallenen voll bestätigt ist. Wenn es heute noch möglich ist, bei einer freiwilligen Zählung 10800 Namen festzustellen und von diesen sogar 10 000 amtlich beglaubigt und jederzeit amtlich belegbar zu haben, so darf man wohl annehmen, daß die Zahl '12 0 0 0 wahrscheinlich noch zu gering geschätzt war. Wenn nun von den 556 000 deutschen Juden, die es bei Ausbruch des Krieges in Deutschland gab. und deren Ziffer inzwischen noch zurückgegangen sein dürfte, 12 000 gefallen sind, so bleibt diese Zahl hinter dem Prozentsatz der Gesamtbevölkerung etwas zurück. Es ist aber dazu zu sagen, daß die verschiedenen Konfessionen in Deutschland, die verschiedenen Stände, die städtische und ländliche Bevölkerung auch verhältnismäßig verschiedene Anteile an den Leutnant d. R. Weil erfolgreicher, vielfach ausgezeichneter Kampfflieger, gefallen Sommer 1917 IIML±