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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1932) · page 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 1-3 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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9 Pioniere der Afrika- und Asienforsehung Emin Pascha (ermordet 18-2) Richard Kandt (gest. 1918), Hermann Burcliardt (ermordet 1909) Eduard Glaser (gest. 1908) Wie auf allen Gebieten der Kultur haben sich auch, was fast unbekannt, deutsche Männer jüdischer Abstammung als Forschungsreisende und Entdecker hervorragend betätigt. Der vielgenannte Emin Pascha, dessen Reisen im dunkelsten Afrika volkstümlich sind, war der Sohn jüdischer Eltern; er hiess Eduard Schnitzer und stammte aus Gleiwitz. Richard Kandt, der infolge einer Gasvergiftung während des Krieges starb, hat die Ergebnisse seiner „Empfindsamen Reisen zu den Quellen des Nils“ in seinem auch mit ungewöhnlich journalistischer Begabung geschriebenen „C a p u t Nil i“ (5. Auflage, Verlag Dietrich Reimer, Berlin) niedergelegt. Hermann Burcliardt drang in wiederholten Reisen in das Innere der arabischen Halbinsel. Er wurde dort von den Eingeborenen ermordet. Seine einzig dastehende P h o t o g r a p h i e n s a m in 1 u n g besitzt das Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin. Eduard Glasers Ziel war die Erkundung Südarabiens und seiner Bewohner. Es gelang ihm, grundlegende Inschriften für das Verständnis Südarabiens in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zu entdecken. Volk als solches erst durch die Gesetzgebung des Esra, den ,,neuen Bund" aus dem Jahre 444 v. Chr. Durch ihn wurde allerdings der Jude von dem Nichtjuden unterschieden, aber nicht auf Grundlage d e r A b st a m m u n g — von Nassei st ja überhaupt nicht zu reden —, sondern ausschließlich auf der der Neligion. Angehörige anderer Völker, die zum mosaischen Glauben übertreten wollten, wurden unbedenklich ausgenommen. Und solche Uebertritte erfolgten, zumal durch die weite Verbreitung des Judentums im ganzen Orient, in großer Zahl und gerade von geistig und sittlich hochstehenden Persönlichkeiten. Die streng monotheistische, durchgeistigte und gegenüber den meisten orientalischen Kulten auf hohem sittlichen Niveau stehende mosaische Neligion zog. gerade ernste, ideal empfindende, sittlich gefestigte Charaktere an. So kamen auch in den folgenden Jahrhunderten Perser, Syrer, Griechen, Römer in dieses Nassegemisch, und viel» leicht waren es nicht immer gerade die schlechtesten Elemente. Als dann im Jahre 70 n. Chr., nach der Zerstörung Jerusalems die palästinensischen Juden in alle Welt zerstreut wurden, nahm die Ausnahme fremder Bestandteile noch mehr zu. So wurden nachweislich ganze mongolische Stämme ausgenommen. Auch der Chan und die herrschenden Klassen des chazarischen Großreiches an der Wolga traten zum Judentum über. Es gibt sogar jüdische Neger. Zum Teil stammten diese aus Afrika, wo ebenfalls ganze Stämme zu den verschiedenen Zeiten den mosaischen Glauben nnnahmen. Zum Teil aber sind sie die Nachkommen von ehemaligen Sklaven in Jnselindien. Diese pslegten nämlich zur Neligion ihrer Herren überzutreten. Wenn also der Plantagenbesitzer ein niederländischer Jude war, so nahmen , seine Sklaven den mosaischen Glauben an. Ebensowenig wie eine jüdische Nasse gibt es einen besonderen, ausgesprochen jüdischen Typ. Unter dem Einfluß der Umwelt, des Klimas, der Beschäftigung, der sozialen Stellung der verschiedenen Völker, unter denen sie leben, haben sich bei ihnen die mannigfaltigsten^ Typen herausgebildet, ,die sich mehr voneinander unterscheiden als z. B. d> i e n o r d l s ch e u n d d ie o st i s che Rasse. Einiges zur Rassenfrage im allgemeinen Kant, Fichte und Hegel, die großen deutschen Philosophen, haben in ihren Werken gezeigt, daß die Würde des Menschen auf seiner guten Gesinnung, seinem sittlichen Wollen und sittlichen Handeln beruht. Ficht e verstand es, aus dieser Grundlage die deutsche Jugend für die Ideale des Vaterlandes und der Gemeinschaft zu begeistern, er hat dadurch an dem Wiederaufbau Deutschlands nach 1806 einen wesentlichen Anteil. Aber nicht allein die Philosophen sind für diese Gedanken eingetreten, die Erziehung zum sittlichen Menschen war auch für die klassischen Dichter höchste Aufgabe. Heute hat man sich von diesen großen Vorbildern abgewandt; man will von der Ausgabe der Selbsterziehung, vom Werte der sittlichen Gesinnung nichts wissen. Man sagt, der Wert eines Menschen liege nur in seiner „Nasse", seinem Blute; wie er sich verhält, sei gleichgültig. Diese Auffassung, auf der die völkische Rassentheorie beruht, ist materialistisch, d. h. sie hält das Körperliche, Stossliche für das allein Wirkliche und Wirksame. Die völkische Nassenthevrie behauptet, die Menschen seien auf Grund ihrer Abstammung in hochwertige und minderwertige einzuteilen, diese angeborene Minderwertigkeit könne . durch nichts beseitigt werden. /Die Wissenschaft hat demgegenüber f e st gest e ll t, daß es keine a n s i ch m i n Verwert i g e n Nass e n g.i b t. Der verstorbene Direktor d e s A n L h,r,o - pol og i schen M ü s eum 8 i n B e r tin , Lu schau, sagt mit Recht: ' - „Der Unterschied zwischen den verschiedensten Rassen.'-ist,'.'besonders' ^was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz : angeht, nicht entfernt so groß als der zwischen .: einzelnen Individuen derselben Nasse." Es gibt natürlich. Ber.schiedenheiten zwischen den einzelnen Völkersamilien —. aber es sind keine an sich bestehenden Wertunterschiede, und sie sind nicht unüberbrückbar. Durch die geschichtliche und vorgeschichtliche Entwicklung ist eine Blutmischung eingetreten. Heute sind nur noch einige primitive Volksstämme in Afrika und an den äußersten Rändern der bewohnten Erde relativ rasserein. Die an der Spitze stehenden Kulturvölker fr n d o h n e A us n a h m e das Produkt intensivster B l u t m i s ch n n g. In allen Nassen gibt es edle und unedle, gute und schlechte, begabte und unbegabte Menschen. Gänzlich unhaltbar ist die Behauptung, daß eine Nasse nur gute, eine andere nur schlechte Individuen besitze. Gerade ans diese Behauptung, die allen Tatsachen widerspricht, kommt es aber der völkischen Nassentheorie an. Immer wird „bewiesen", daß die eigene Nasse der Inbegriff des Guten, die zu bekänrpfende Gruppe die Verkörperung des Schlechten sei. So hält der Rasseforscher H. F. K. Günther nordischgermanisch für gleichbedeutend mit wertvoll, adlig, schöpferisch, genial, großzügig; die Nasseforscher auf seiten der Kriegsgegner Deutschlands „beweisen" das genaue Gegenteil. So sagt Mentschikoss: „Die Deutschen gehören zu den minderwertigen Nassen." „Daily Graphic", eine englische Zeitung, schrieb während des Krieges: „Die Deutschen sind Nachahmer, Ausbeuter fremden Geistes. Alle ihre Genies waren keine Germanen." Paul Marguerite führt aus: „Den Deutschen liegen religiöse Vorstellungen w fern wie den Höhlenbären." Man sieht leicht, daß hier derselbe Unsinn gegen die Deutschen vorgebracht wird, den die Judengegner in unzähligen Variationen über die Juden verbreiten. In beiden Fällen handelt es sich natürlich nicht um die Feststellung einer wirklichen Tatsache, sondern um willkürliche, den Gegner herabsetzende Werturteile, die zum Zwecke der Verhetzung verbreitet toerden. In seinen weitverbreiteten Büchern über Nassefragen glaubt H. F. K. Günther in der deutschen Bevölkerung fünf Nassen unterscheiden zu können (nordisch, ostisch, dinarisch, westisch und ostbaltisch). Nur das nordische Element sei wertvoll, alle anderen Nassen erhalten bei Günther schlechte Zensuren und sind „minder er-

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