Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Albert Ballin der deutsche Jude, der Schöpfer der Hamburg - Amerika - Linie, schied nach dem Kriegsende freiwillig aus dem Leben, weil er Deutschlands Niederlage nicht überleben wollte nehmen, daß nuf ihnen oft seitenweise fa ft ausschließlich die Insolvenzen jüdischer Geschäftsleute verzeichnet stehen. Wäre das möglich, wenn die Inden so reich wären, wie es der Volksmnnd bisweilen behauptet?Wird nicht das Märchen vom jüdischen Reichtum mit Absicht verbreitet? Will man nicht ans diese Weise eine Schicht des Volkes gegen die andere aushetzen, in einer Zeit, in der mehr denn je Einigkeit vonnöten wäre? Ist nicht heute die soziale A n g l e i ch u n g der j ü d i - scheu Deut s ch e n an ihre Umwelt längst vollzogen? Denn wenn sie sich noch im Jahre 1925 in der Berufsstatistik dadurch vor ihren nichtjüdischen Mitbürgern hervorhoben, daß unter den jüdischen Erwerbstätigen weit mehr Selbständige waren als Abhängige, nämlich 48,3 Prozent gegen 16,2 Prozent, so ist in den letzten sieben Jahren dieser Unterschied sehr stark ausgeglichen worden. Gewiß, damals trugen noch all die zahlreichen kleinen jüdischen KaufleuLe in Stadt und Land sowie die vielen jüdischen Handwerker dazu bei, dem deutschen Judentum den stark bürgerlichen oder mittelständlerischen Charakter zu geben. Aber schon 1925 war das st a r k e A n s ch w e l l e n der Ar me e der jüdischen Angestellten ein Symbol. Während sich nämlich die Zahl sämtlicher Angestellten in Preußen auf 17,1 Prozent aller Erwerbstätigen stellte, betrug sie unter den Juden, die im Wirtschaftsleben standen, 35,8 Prozent, war also fast doppelt so hoch. Dazu kam aber auch noch, daß sie sich seit 1907 verdoppelt hatte. Versteht man jetzt, wie schwer die Krise auf den Juden in Deutschland lasten muß? Glaubt jemand im völkischen Lager, daß die Tausende von jüdischen Angestellten und Arbeitern, die seit Monaten, ja oft seit Jahren ohne Arbeit sind, in dem Stadium der nervenzerreibenden Erwerbslosigkeit Schätze zu neuem Reichtum sammeln können? Oder etwa jene Menschen, die, durch den völkischen Boykott aus ihrer Existenz vertrieben, in der Großstadt versuchen müssen, sich ein neues Leben zu zimmern? Wie viele von den Inhabern einst stolzer jüdischer Unternehmungen sind heute gezwungen, von kärglichen Unterstützungen zu leben! Die Wohnung ist meist ihr letzter Besitz geblieben. Noch künden die samtenen Portieren von dem Glanz früherer Tage. Hinter einer künstlich aufrechterhaltenen Fassade birgt sich oft bitterste Not. Sind jene Gestalten nicht vergleichbar den Truppen einer geschlagenen Armee? Beraubt aller Macht, genau so von der Not der Zeit gepackt wie die übrigen Angehörigen des deutschen Volkes! Wer voll Aufrichtigkeit und im Geiste der Verständigung bereit ist zu erkennen, wie schwierig die Probleme sind, die das deutsche Judentum heute meistern , soll, der wird die Erzählungen vom jüdischen ' Reichtum in das Reich der Fabel verweisen. Ei« irreführendes Schlagworf „Die jüdische Rasse" Es wird immer wieder von einer jüdischen Rasse geredet, und diese wird dann meistens als ein Bestandteil der semitischen Nasse bezeichnet. Im folgenden mag nun klar dargelegt werden, was die exakte Wissenschaft zu solchem Gerede sagt. Namhafte Archäologen haben schon aus den Gräberfunden der älteren Steinzeit (etwa 10 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) den Eindruck gewonnen, daß bereits die damalige Menschheit ein unentwirrbares Rassegemisch dargestellt habe. Für die heutige Ethnologie steht fest, daß es jetzt ans der Welt kaum noch eine reine Rasse gibt. Ans formalen Gründen der Systematik unterscheidet man zwischen vier (L i n n 6) und 150 (Gliddon ) Menschenrassen. Professor' Engen Fisch er nennt sieben geographische Rassenkreise, unter ihnen den enrop ä i s ch-v o r de r a si a t i\ ch-med iterranen Kreis, de r ganz Europa, Asien bis Arabien und Persien und Afrika bis zum Wüstengürtel umfaßt. Er unterscheidet in ihm in Europa vier Nassen, die nordische, die alpine (heute meistens die vstische genannt), die dinarische, die mediterrane in den Mittelmeerländern, besonders Italien, denen Professor G ü n t h e r in Jena noch als fünfte die ostbaltische hinzufügt. Aus Asien gehören in diesen Kreis «die vorderasiatische und die orientalische, aus Afrika zwei ganz verschiedene hamitische Nassen. Die vorderasiatische Nasse umfaßte vor allem das große Kulturvolk der Hethiter, welches im 2. Jahrtausend vor Christo in Kleinasien und Syrien wohnte. Es war kurzschädelig, mit steilaufsteigender Stirn, sehr großer, vorspringender Nase, dunkler Haut, dunklem, schlichtem Haar, starkem Bartwuchs und mittlerem Körperbau. Die orientalische Rasse kam aus Arabien, sie hatte lange, schmale Schädel, einen kleinen, zierlichen Körper, hellere Haut und eine dünne, schöngeschwungene Nase. Manche Forscher setzen diese Rasse mit der mediterranen, also den heutigen Italienern, gleich. Außer diesen beiden ganz verschiedenen Nassen waren im 2. Jahrtausend vor Christo in Vorderasien nachweislich blonde, hochgewachsene, langschädelige Stämme. Aus diesen drei Rassen, Langschädeln und Kurzsch'ideln, dunklen und hellen, großen und kleinen, blonden und braunen, blau- und braunäugigen Menschentypen setzen sich die Völker des semitischen Sprach- und Kulturkreises zusammen. D i e Semiten sind also keine e r n h e i t - l i ch e Rasse, sondern was sie einigt, ist die Kultur- und die Sprachgemeinschaft. Und nun zu den Juden. Als die Hebräer im 15. Jahrhundert vor Christo von Aegypten her in Kanaan eindrangen, saßen dort die Charri, ein hethitisches Volk mit indogermanischer Sprache, die Philister, die von Kreta gekommen sein sotten, die Zakkaro, wahrscheinlich pelasgischer, also mediterraner Herkunft, und die blonden, blauänigen Amoriter. die „Enakskinder", zu denen auch Goliath.gehörte. Von einer Ausrottung der Ureinwohner kann, trotz mehrerer Stetten im Buche Josna, die davon sprechen, nicht die Rede sein, ebensowenig von einer kastenmäßigen Abschließnng der Eindringlinge. Das bisherige Nomadenvolk der Hebräer nahm nicht nur die höhere Kultur der Eingeborenen an, Ackerbau, Weinbau,. Städtebau, sondern stellte sie sich völlig gleich. Aus dem besonders kriegerischer Amoriterstamm: der Gethiter nahm David nicht nur seine besten Soldaten, sondern auch einer seiner drei Oberfeldherren, Ti'hai, war aus ihm. Die Hebräer vermischten sich völlig mit den Kananitern. Chamberlain nimmt sogar an, daß König Davids Mutter eine Amoriterin war, weil er selbst blond gewesen sei. (Luther übersetzt allerdings die betreffenden Stetten I. Sam. 16, V. 12 und 17, V. 42 mit bräunlich.) War also selbst in der Blütezeit des hebräischen Nationalstaates keine Einheitlichkeit der Nasse vorhanden, so war es später noch viel weniger der Fall. Das Nordreich (Israel oder Ephraim oder Samaria) wurde 722 v. Chr. durch die Assyrer zerstört, die Bevölkerung abgcsührt und das Land mit Fremden besiedelt. Die Evakuierung war so gründlich, daß selbst die mosaische Religion verschwand. Als sich nun in dem entvölkerten Lande die Raubtiere mehrten und die Sicherheit der Siedler ernstlich bedrohten, hielten diese das für die Rache des „Landesgottes" und bäten den König von Assyrien, ihnen einen israelitischen Priester ans der Gefangenschaft zu senden, der ihnen „die Weife des Gottes im Lande" lehre. Das geschah (II. Könige 17, V. 25 f.), und somit wurde eine große Anzahl von Nichtsuden zum mosaischen Glauben bekehrt. Als 586 v. Chr. auch das Südreich Juda aufgelöst und dessen Bevölkerung in die babylonische Gefangenschaft abgesührt wurde, strömten wiederum zahlreiche Elemente mannigfaltiger Nassen ins jüdische Land. Hat es somit eine jüdische Nasse überhaupt nicht gegeben, so entstand das jüdische Sind das Angehörige einer Rasse? Deutsche Jüdin Jüdischer Klempner Jude in Jerusalem aus Knt-fcn#-ftt - ’ }-■ '.Y'-rty