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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1932) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 1-3 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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schaftspläne Napoleon III. gerichtete Schrift des Pariser Advokaten I o l y. Die Fälscher haben die Weltherrschaftspläne Napoleons ersetzt durch die „Weltherrschastspläne" der Juden. Für den handgreiflichen Itnfum nur ein Beispiel: In den Protokollen (4. Auslage 1920, Seite 94) wird behauptet, die Untergrundbahnen seien von Juden angelegt, mit die ganzen Städte „mit den Staatsleittmgen, Aemtetn, Urkundensaunnlungen und den Nichtjuden mit ihrem Hab' und Gut in die Lust zu sprengen" (!!). Obwohl die Fälschung des Buches eindeutig ist, w erden die „Protokolle der Weisen von Zion" no ch i nt m e r i n u n - z ä h l i g e n Schriften zitiert und als Material gegen die Jtiden verwandt. Es sind Ausgaben in fast allen europäischen Sprachen erschienen, außerdem eine chinesische und arabische (!). Ganze Waggonladungen wurden zeitweise nach dem Südosten Europas versandt. Das Plagiat und sein Vorbild Nachstehendes Beispiel aus der kritischen Schrift „Die Protokolle der Weisen von Zion* vtfn B. Segel, Philo-V erlag, Berlin 1924, ermöglicht den Vergleich zwischen dem Text der „Weisen von Zion * und der Urschrift. Die Segelsche Schrift enthält auf 3f Seiten eine Gegenüberstellung derartiger Stellen aus den „Weisen von Zion* (links) und aus der Urschrift von Maurice Joly, Bruxelles 1868 (rechts). XIV. (93) Um die staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen der Nichtjuden nicht vorzeitig zu zerstören, sind wir mit grösster Umsicht zu Werke gegangen und haben zunächst nur die Enden der Triebfedern ergriffen, durch die alles im Gange gehalten wird . . . Auf diese Weise 'untergruben wir die Rechtsprechung, die Wahlordnung, die Presse, die Freiheit der Person und vor allem die Erziehung und Bildung des Volkes . . . Ueber die Gesetze hinweg, ohne sie zu ändern, haben wir ihren Sinn durch widerspruchsvolle Deutungen vollkommen entstellt . . . Zunächst wurden sie durch die vielen Deutungen verdunkelt, dann allmählich in ihr Gegenteil verwandelt . . . XIV. Ich werde darum nicht voreilig alle Einrichtungen zerstören, sondern ich werde eine nach der andern mit unmerklicher Handbewegung ergreifen und den Gang der Triebfedern stören . . . Auf diese Weise werde ich der Reihe nach die Rechtsprechung, die Wahlordnung, die Presse, die Freiheit der Person und die Erziehung und Bildung untergraben. Ueber die ursprünglichen Gesetze hinweg werde ich eine neue Gesetzgebung durchführen, ohne die frühere ausdrücklich zu ändern, sie wird zunächst entstellt, dann vollständig verdunkelt . . , Das Schlagwort als politisches Kampfmittel Der Antisemitismus bedient sich in ausgiebigstem Maße des S ch l a g w o r t s. Eine unbewiesene Behauptung wird in eine feste Formel zusammengefaßt, durch häufigen Gebrauch erhält sie allmählich den Charakter einer selbstverständlichen Wahrheit. Niemand prüft inehr, ob die Behauptung richtig ist. Das Schlagwort selbst wird als Argument benutzt. Durch seine kurze Form wird es schnell verbreitet, es prägt sich ein wie eine geschickte Geschäftsreklame, die von allen Litfaß-Säulen das Publikum anspringt. Das Schlagwort übt eine Suggestion aus die Menschen aus; es tötet das Selbstdenken und ist so ein Weg, auf dem sich Haß und Ungerechtigkeit einschleichen können. „Die Juden sind Materialisten" ist ein bekanntes Schlagwort. Es ist vieldeutig und daher besonders beliebt. Materialismus ist zunächst eine philosophische Weltanschauung, die behauptet, alles ist Materie (Stoff) und der Geist Produkt.des Stoffes. Diese Auffassung wird von vielen Philosophen vertreten, von Demokrit und Epikur im Altertum bis Zu Moleschott, Bogt und Büchner im 19. Jahrhundert. Unter ihnen ist nicht ein einziger I u d e. Die Juden haben stets den Kampf gegen die materialistische Weltanschauung geführt — von den Propheten über Spinoza bis zu den jüdischen Philosophen der Gegenwart. Unter „Materialismus" versteht man ferner im volkstümlichen Sprachgebrauch eine bestimmte Lebensweise: die Neigung zu körperlichen Genüssen, Glanz, Putzsucht. Auch von gegnerischer Seite wird den Juden nüchterne, sparsame und fleißige Lebensführung nachgerühmt. Materialismus in diesen: Sinne ist bei Juden nicht häufiger zu finden als bei Nichtjuden. Endlich versteht man unter historischem Materialismus die Geschichtsauffassung von Karl Marx; diese hat nichts mit den: Materialismus inr volkstünrlichen Sinne und nichts mit dem Judentum zu tun. Will man den h i st o r i s ch e n Materialismus als jüdisch bezeichnen, w e i l Karl Marx ein getaufter Jude war, dann müßte m a n auch die konservativen und deutschnationalen Idee:: als jüdisch bezeichnen, denn dev Theoretiker und Mitbegründer der Konservativen Partei, der Schöpfer der Lehre vom „christlichen Staat", war der getaufte Jude Julius Stahl. Die Dentschnationale Partei ist die Nachfolgerin der Konservativen Partei. Sehr häufig ist die Rede vom üdis ch e n M a r x i s n: u s" und „jüdischen K a p i t a - l i s m u s". Man sieht leicht, daß es sich bei beiden Vorwürfen nur um inhaltsleere Schlagwörter handeln kann; denn Marxismus und Kapitalismus stehen sich feindlich gegenüber; es ist also unmöglich, daß beide unter jüdischem Einfluß stehen. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, daß die Judengegner alles, was ihnen nicht gefällt, einfach als „jüdisch" bezeichnen; wird der Kapitalismus bekämpft, dann heißt es „jüdischer Kapitalismus", richtet man sich gegen den Marxismus, dann wird dieser „jüdisch" genannt. Die Negierungen der Nachkriegszeit werden häusig als „Judenregierungen" bezeichnet. In den 17Nachkriegskabinetten des Deutschen Reiches mit mehr als 200 Reichsministern waren sechs Minister jüdischer Abkunft, darunter vier, die aus der jüdischen Gemeinschaft ausgeschieden sind. In der Reichsregierung und in den. Landesregierungen gibt es heute keinenjüdischen,Minister. Der „j ü d i s ch e B o l s ch e w i s m u s" wird in vielen Zeitungen als feststehende Redensart gebraucht. Der Bolschewismus ist Gegner jeder Religion; dem Judentum ist Religion ein Lebenselement. Daher ist es unsinnig, Judentum und Bolschewismus in Zusammenhang zu bringen. Sie haben ebensowenig etwas miteinander zu tun wie Bolschewismus und Christentum. Unter den 17. Bolkskomissaren der Sowjetunion war ein Jude, Trotzki, der bekanntlich seit mehreren Jahren verbannt ist. Unter den 200 Rätemitgliedern waren sieben Juden. Neuerdings sind auch diese wenigen Juden aus den leitenden Stellen ausgeschieden. Lenin war Nichtjude, ebenso wie seine Nachfolger Kalinin und Stalin. Die Schriftsteller, die Gewalt und Terror Predigen, sind keine Juden. Ein großer Teil der Synagogen in Rußland wurde enteignet und für P a r t e i z w e ck e verwandt. Der jüdische Mittelstand, der aus Kaufleuten, Aerzten, Gelehrten bestand, ist durch den Bolschewisums völlig aufgerieben worden. Die jüdischen Arbeiterorganisationen waren alle antibolschewistisch und kämpften hartnäckig gegen die Sowjets. Es wird behauptet, die „jüdische Hochfinanz" habe den Bolschewismus und das Chaos in Rußland gewollt — das ist schon deshalb unsinnig, weil als erste Maßnahme die Bolschewiken sämtliche Auslandsschulden annullierten. Ein besonderes Wort verdient noch die Behauptung von der „Berjudung" im allgemeinen. Jede mißliebige Erscheinung wird als „verjudet" bezeichnet. So erklärte Theodor Fritsch im „Hammer" die Deutschnationale Partei als „verjudet"; Artur Dinier behauptet dasselbe von L u d e u d o r s f. Die „Schlesische Volksstimme" stellte sogar fe st,daß Karl der Große „v e r j u d e t" war. Eine Broschüre, die 1928 anonym unter dem Titel „Die Entlarvung der Weisen von Zion" im Reichswartverlag erschien, sucht zu beweisen, daß alle geschichtlichen Bewegungen, alle politischen und sozialen Revolutionen von Juden inszeniert seien, ebenso hätten sie den Islam, den Jesuitenorden und die deutsche Reformativl: ins Leben gerufen.

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