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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1932) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1932
Issue
Heft 1-3 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Am Rdihf de& ttaiöei'h Kon&fantin in Konstanfinopel 6>n die Juden Kölns anno 321 n.(be Codicis Theodosiani UM Oe Judaeh» mp CONSTANT1NUS A. ÖCCURlONIBüS AQmppiNI6NSI6U9. CUNCTIS ORÖlNIßUS qoi€&AU ueqe concgöioius IUÖA609 VOCAR6 AÖ CURIAOI vKRum ut aliquiö ipsiB aö SOLATlUm PR15T1NAC OB3€RV?AT!ON15 R6UNQUATUR, BINOS 1>CU T6RNOS pRMueqto penpen pATimuR nulus NOCH I NATION 1 BUS CKCUPARK Mainzer Grabstein aus dem Jahre 840 Mochten die Wunden, die man ihm schlug, noch so sehr brennen, trotzdem durchzittert Liebe zur heimatlichen Landschaft die ergreisende Dichtung des jüdischen Minnesängers Süßkind v o n T r i m b e r g. Welches war, so fragen wir weiter, die mächtigste deutsche Völkerbewegung des Mittelalters? Der Zug nach dem Osten, Erwerb und Besiedlung des deutschen Kolonialbodens, die Ausweitung des Volks ohne Raum in einen neuen Lebensraum. Bei jener Auseinandersetzung zwischen Deutschtunr und Slawentum, die zwischen Kamps und Ausgleich hin imb her pendelte, hat der jüdische Deutsche als Mitkämpfer und Mittler eine gewaltige Nolle gespielt. Im Gefolge jener westdeutschen Pioniere, die nach Ostland ritten, foiib im späteren Mittelalter die große deutsch-jüdische Einwanderung tu Polen statt. Nach Osten wies der gevpolitische Pfeil. Wie unlöslich aber die jüdischen Einwanderer sich dem alten deutschen Mutterboden verwachsen fühlten, beweist der Umstand, daß sie die Sprache der Heimat, das Mittelhochdeutsch, bis auf den heutigen Tag als lebendige Sprache erhielten. Ihr Kleidungsstück, der Kaftan, ist nichts anderes als der deutsche Bürgerrock im Zeitalter Kaiser Karls IV. Bis ins ferne Rußland vermittelte der Jude deutsches Kulturgut. Darum sollte der*judenfeindlich frevelnde Mu.nd bedenken, daß er auch deutsche Art und Sitte schmäht, wenn er vstjüdisch-polnische Lebensart verunglimpft. Der jüdische Rabbiner Israel ben Manasse Radierung yon Rembrandt 1636 Folgt das Zeitalter der N e f o r - nr a t i o n. Hat man hier wohl beachtet, daß Gerhart Haupt nr a n n s Meisterhand in seinem Nationaldrama „Florian Geyer" für den jüdischen Deutschen jenes Zeitabschnitts Zeugnis abgelegt hat? Gewiß, der alte Jude Jöslein ist nur eine Nebenfigur, die sich überdies nicht durchweg vorteilhaft ausnimmt. Jedoch wesentlich bleibt, daß der Dichter in die enge, gedrückte Seele des umhergeworfenen Matmes die S e h n - sucht nach der bürgerlichen Gleichstellung des deutschen Juden hineingestaltet hat. Der Zeitglaube an die seelische und namentlich soziale Reformation Hilst ihn: über die Nöte des Tages hinweg. . Florian Geyer, der Vorkämpfer des geheimen, besseren, weil volkhaft freien Deutschlands, begrüßt ihn als Helfer. Mit dieser Figur gab die geniale Einfühlung des Dichters der Forschung einen Fingerzeig. Denn hätte wohl der herrliche Neuchlin seine Existenz für die Sache der Juden in die Schanze geschlagen, wenn er nicht wußte, daß es ein Lebenswertes zu verteidigen galt? In beut flackernden Helldunkel des Barockzeitalters gewinnt der jüdische Deutsche dank neuerer Bemühungen sestumrisfene Kontur. Seit Spenglers kühnem Vorgang hat sich unter ben Geisteshistorikern immer mehr die Meinung befestigt, daß wir in jenem Zeitalter die Gipfelung der abendländischen Kultur zu erblicken haben. Als das besondere Kennzeichen des Barocks gilt die mit Machtstreben und Energie geladene Einzelpersönlichkeit, die der Mitwelt ihren Stempel aufdrückt. Wallenstein auf der einem August der Starke oder Ludwig XIV. auf der anderen Seite liefern das Beispiel. Es wird nun tticht überraschen, daß der jüdische Deutsche des Barock, den die Woge der Geschichte emporriß, sich als eilt Mann des gleichen Forntats erweist. Inmitten der Reihe gleichgearteter Hoffaktoren erhebt sich die imponierende Gestalt des Jüd Süß. Jeder Zoll eine echte Figur des deutschen Barock: herrschsüchtig, aber nicht aus Eigennutz, Prachtliebend, aber keineswegs ein Protz, gigantisch planend, aber im Dienste eitles StaatZganzett, rücksichtslos, aber nicht ohne sittliche Größe. Das hellere und heitere Süddentschland, die Eittbrtlchspforte der französischen Rokokokultur, bestintmte.seine Lebensweise. In der Folgezeit verkörpert die bürgerlich bescheidene Gestalt Moses Mendelssohns den nüchternen Wirklichkeitssinn der Prenßischsriderizianischen Aufklärung. Die romantische Mainzer Grabstein aus dem Jahre 986 Ertteuerttttg auf Preußisch-deutschem Boden findet in R a h e l B a r n h a g e n die Seelenkünderin. Die Geheimnisse der romantisch-mütterlichen Landschaft enträtseln Heine und Felix M ende l s s o h n. Börne beginnt das Werk der deutsch-frartzösischen Verständigung, von Frankfurt a. M. ausgehend; während Meyerbeer und späterhin MaxLieHermann den künstlerischen Austausch einleiten. Von Ostpreußen und von Schlesien her erwecken Johattn I a c o b h und Ferdinand Lassalledie beiden folgenreichsten Bewegungen jenes deutschen Jahrhunderts: die bürgerlich-demokratische und die nationale Arbeiterbewegung. Aus der Völkerebene des Rheins stammt der Ahnherr des modernen Weltgeschehens: Karl Marx, während der Frankfurter Friedrich Julius Stahl die Grundlagen der Konservativen Partei schuf. Wir hoffen gezeigt zu haben, wie sehr der jüdische Deutsche ntit den Schicksalsfragen und Problemen der deutschen Landschaft und ihrer Geschichte verwachsen ist. Eine solche raumhaftgeopolitische Betrachtung, deren bruchstückartigen Charakters wir uns nur zu gut bewußt sind, liefert das wirksamste Gegengift gegen die seelische Ansteckung des Judenhasses. Mag daher die Haßflut des Judenhasses noch so hohe Wellen treiben, an dem Felsen unseres deutschjüdischen Bewußtseins wird sie zerschellen. ^sTmtWW‘. Der Minnesänger Süsskind vonTrimberg vor einem Stiftsherrn (Nach einer Miniatur der Manessischen Handschrift. 13. Jahrhundert, Heidelberg)

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