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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-01 · Heft 11 (November 1931) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 11 (November 1931)
Date
1931-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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73 Die jüdische Frau im Spiegel der nationalsozialistischen Presse Der abgrundtiefe Haß, den der Nationalsozialismus gegen alles Jüdische hegt, macht natürlich auch vor der jüdischen Frau nicht halt. Die gleichen Verleumdungen, die gleichen Zerrbilder der Wirklichkeit, die gleiche Verallgemeinerung werden auch ihr zuteil, und wenn man sie aus den Bildern, die die nationalsozialistische Presse jahraus, jahrein von ihr entwirft, kennenlernt, so stellt sich ein Scheusal sondergleichen der Leserschaft dieser Presse vor. Faul und träge, protzig und üppig, anmaßend und herrschsüchtig, von mißgestaltetem Aeußeren ist in der völkischen Zeitung jene Jüdin. Daß gerade die jüdische Frau eine vollkommene Umschichtung ihrer Existenz erlebte, daß sie, in früherer Zeit laut Religionsvorschrift nur im Hause tätig, jetzt durch die Verhältnisse gezwungen, den Kampf ums Dasein mit aufnehmen muß, ist dieser sonderbaren Sorte von Zeitungsschreibern scheinbar entgangen. Daß die meisten Jüdinnen als Verkäuferinnen, kleine Angestellte, als allerbescheidenste Gewerbetreibende ein proletarisches Dasein führen, ist den Völkischen offenbar unbekannt. Wo aber eine Jüdin kraft ihrer Leistungen und Fähigkeiten einmal in eine gehobene Stellung kommt, da darf sie überzeugt sein, in kürzester Frist der Gegenstand wütender antisemitischer Angriffe zu werden. Das kann durch eine Fülle von Beispielen, die einer einzigen nationalsozialistischen Zeitung entnommen sind, treffend belegt werden. Da wird eine jüdische Schulärztin in maßloser Weise angepöbelt, weil sie den Kindern geraten hat, aus gesundheitlichen Gründen abgeschnittene Haare zu tragen. Sogar das Kultusministerium jenes Landes wird gegen diese „Verbrecherin" aufgerufen, weil sie bei einem „deutschen" Kinde Plattfuß festgestellt hatte — ein Gebrechen; das bekanntlich, laut völkischer Heilslehre, nur bei Juden vorkommt. Jüdische Beamtinnen sind Gegenstand ständiger Angriffe in der völkischen Presse. Gibt z. B. eine Dozentin an einer Volkshochschule einen Kurs über „Die Frau von heute" und behandelt darin etwa die Kameradschaftsehe und die Verhütung der Fruchtbarkeit, so wird ein Schmutzkübel übelster Sorte über sie ausgegossen und Stadt und Staat gegen sie mobilgemacht. . In Wohlfahrtsämtern setzt die Hetze ebenfalls gegen die Jüdin ein. Man warnt die deutschen Eltern, ihre Kinder der Fürsorge der „Fremdrasstgen" anzuvertrauen und prophezeit die schlimmsten Folgen, wenn man sich der jüdischen „Pestgefahr" aussetzt. Aber auch vor einem Privatkindergarten, der von jüdischen jungen Mädchen geleitet wird, versucht man die Eltern zu warnen. „Die Seelen der Kleinen werden dort vergiftet." Unnötig zu sagen, daß auch jüdische Aerztinnen der Boykottauffordeung: „Laßt euch nicht von jüdischen Aerzten behandeln" unterworfen sind. Die Wohltätigkeit, die der jüdischen Frau seit Urväterzeiten im Blute liegt und die sie stets und ständig auszuüben bemüht ist — gleichviel welcher Religion die Bedürftigen angehören —, wird in der völkischen Presse ebenfalls gehörig angekreidet. Natürlich sind es nur unlautere Motive, die die Jüdin veran- .lasten, hungernde Kinder in ihrem Hause zu verpflegen, bedürftige alte Leute zu unterstützen, Armut und Elend zu lindern zu versuchen. Hilst sie bei großen Notstandsaktionen mit, so „drängt sie sich in echt jüdischer Weise vor"; bleibt sie, angewidert durch dieses Kesseltreiben und mancherlei trübe Erfahrungen, von solchen Veranstaltungen fern, so wird ihr Hartherzigkeit und Scheu vor jeder Art von Arbeit vorgeworsen. Man hat es erlebt, daß die Inhaberin eines jüdischen Unternehmens, die ständig Kinderspeisungen in großem Maßstab unterhielt, verdächtigt wurde, dies nur aus geschäftlichen Reklamezwecken unternommen zu haben. Es ist zu bewundern, daß die jüdischen Frauen trotz dieser schmählichen Verdächtigungen immer wieder da zu finden sind, wo es gilt, den notleidenden Mitmenschen zu helfen. Ein Kapitel für sich bildet die Behandlung christlicher Dienstboten in j ü d i s ch e n Häuser n. Es ist längst sestgestellt, daß gerade in jüdischen Familien die Hausangestellten auf besonders lange Dienstzeiten zurückblicken, und wer etwa die Prämiierung treuer Hausangestellter verfolgt, dem wird es auffallen, wie viele davon im Dienste jüdischer Arbeitgeber stehen. Liest man aber die völkische Presse, so erfährt man zu seiner Verwunderung von den unmenschlichen Grausamkeiten, die jüdische Dienstherrinnen ihren christlichen Hausangestellten antun, und um die Hetze voll zu machen, taucht immer wieder die Nachricht auf, daß ein dergestalt mißhandeltes Dienstmädchen Selbstmord beging. Den Wahrheitsbeweis für derlei Behauptungen blieb man schuldig. Ein beliebtes Thema der völkischen Barden ist die Unreinlichkeit und Unsittlichkeit in jüdischen Häusern. Während die Hausfrau „im raffinierten Morgenkleid Zigaretten rauchend und Romane lesend auf dem Sofa liegt", muß ihr armes Dienstmädchen die in der Wohnung herumliegenden Schmutzhausen wegräumen. Dabei wird es natürlich vom Ehemann belästigt, was die Hausfrau aber weiter nicht tangiert. denn laut völkischer Darstellung gilt ja bei Juden der Umgang mit einer Andersgläubigen nicht als Ehebruch. Gerade diese Version, die an Gemeinheit wohl den Gipfel darstellt, findet man immer und immer wieder in völkischen Zeitungen. Daran wird jedesmal die Mahnung geknüpft: „Deutsche Mütter, gebt eure Töchter nicht in jüdische Häuser!" Auch die harmloseste Betätigung jüdischer Mädchen entzieht sich nicht völkischer Kritik. Wenn ein solches bei der Vorführung in einer Tanzschule besonderen Erfolg erringt, so verdankt sie dies „ihrem jüdischen Bastardblut, das sich für diese negerische Betätigung besonders gut eignet". Macht sie, wie heutzutage alle jungen Leute — die Hitler-Jugend nicht ausgeschlossen —, mit gleichaltrigen Kameraden fröhliche Sonntagswanderungen, so zeiht man sie der Schamlosigkeit und Unsittlichkeit. So stellt' sich ungefähr das Bild der jüdischen Frau, des jüdischen Mädchens in der nationalsozialistischen Presse dar. Seien wir von Herzen froh, daß dieses Hohngebilde nur in der Phantasie jener Verleumder, aber nicht in der Wirklichkeit existiert. Ties bedauerlich bleibt nur, daß die Vergiftung der breiten Massen mittels solch verlogener Darstellungen nicht durch entsprechende Aufklärung über das wahre Wesen der Jüdin hintangehalten werden kann. Veritas. Wieder Synagogenschändungen In der Nacht zum 6. November d. I. wurden in der Synagoge in Freystadt in Ostpreußen neun Fensterscheiben eingeworfen. Die Polizei ist um die Ermittlung der Täter, von denen bisher jede Spur fehlt, bemüht. Im Anschluß an eine nationalsozialistische Versammung wurde die Synagoge in Rimbach i. Odenwald von bisher unbekannten Tätern mit Hakenkreuzen und Sprüchen wie „Juda verrecke" beschmiert. „Deutsch ist, wer deutsch fühlt“ In Gleiwitz fand kürzlich die soziologische Tagung des Katholischen Akademiker- Verbandes statt. Die „Ostdeutsche Morgen- Post" gibt ausführliche Berichte über diese Tagung, an der Männer wie Oberpräsident Dr. L u k a s ch e k, Landeshauptmann Woschek> Generalkonsul Graf A d e l m a n n, Prälat Ulitzka u. a. m. teilnahmen. Bei einer einleitenden vertraulichen Aussprache über „Begriff und Praxis des Minderheitenrechtes" wurden Bilder aus der Praxis des Minderheitenschutzes gegeben, die die Tragödie der deutschen Schule und die Bedeutung der deutschen Seelsorge im polnischen Gebiet schilderten. Der Führer der deutschnationalen Katholiken, Fabrikbesitzer Dr. Doms (Ratibor), Studienrat Dr. I a g l a (Leobschütz), Graf P r a s ch m a, Oberregierungsrat Gras Matuschka u. a. erläuterten die These „Volksgemeinschaft ist Gesinnnrigsgemeinschaft". Prälat Ulitzka erörterte an Hand der deutschen Geschichte Oberschlestens, wie die „Ostdeutsche Morgenpost" in Fettdruck hervorhebt, „daß die Gleichung Sprache Nationalität für Oberschlesien grundfalsch ist und für die Volkszugehörigkeit hier keine objektiven Merkmale gegeben seien und deutsch ist, wer deutsch fühlt und wer eben deutsch sein will". Diese Auslegung „deutsch ist, wer deutsch fühlt und wer deutsch sein will" ohne Rücksicht auf die Muttersprache, ist, aus so stark nationalem Mirnde voll größter Bedeutung. Wagen doch Kreise des deutschen Volkes uns deutschen Juden, die wir deutsch fühlen, deutsch sein wollen und außerdem noch seit alter sh er deutsch sprechen, ja sogar bedeutende Förderer der deutschen Sprache zu den Unseren zählen, das Deutschtum abzusprechen! Von sehr großem Interesse für unsere Arbeit sind auch die Ausführungen, die Dom-, kapitular Professor Dr. Schmidt (Wien) zu dem Thema „Die Stellung der Religion zu Rasse und Volk" machte. Er ging davon aus, daß „bie Rasse durch die Natur, das Volk durch die Kultur zustande kommt", verneinte die Behauptung, daß seelische Eigenschaften als Rasseeigenschasten vererbt werden könnten, und wies nach, daß die Nassen bei aller Verschiedenartigkeit doch nur geringe Variationen gegenüber der menschlichen Grundform darstellten. „Er hob", so berichtet die „Ostdeutsche Morgenpost", „hervor, daß es eine absolute Wertigkeit einer einzelnen Rasse nicht gebe und daß auch die Führerrassen, wenn sie nur herrschen und andere Nassen nicht hochkommen lassen, sich zugrunde richten. Ein Merkmal der Völker sei es, daß mehrere Nassen sich zusmnmenfinden und in dieser Volksgemeinschaft auch der einzelne wurzele. Einheit des Lebensraumes, Einheit der Sprache und Einheit der Geschichte seien die Grundlagen des Volkes..."

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