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Central-Verein-Zeitung · 1931-10-01 · Heft 10 (Oktober 1931) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 10 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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63 An dir Mkämpsec Lettvw-Bvrbelks Der „Schild", das Organ des N e i ch 8 b u n d e 8 jüdischer Frontsoldaten, teilt in seiner letzten Nnmmer mit: „Für ein Gedüchtniswerk zur Ehrung des Andenkens der im Afrikafeldzug des Weltkrieges gefallenen Kameraden werden die näheren persönlichen Angaben, wie Borname, Geburtsort, Geburtsdatum, ' sowie die Angaben des Todestages und -ortes benötigt. Wir nennen nachstehend die Namen der uns bisher bekannten gefallenen jüdischen Afrikakämpfer: Max Levi, Rothschild, Schwarz, Fritz S i m e n a u e r, Alfred Wolfsohn. Wir geben nachstehend der Bollständigkeit halber auch die Namen der übrigen jüdischen Kämpfer an, die unter Lettow- Borbecks Fahnen gestanden haben: Leutnant Neu mann, Oberarzt F r ä n k e l, Oberarzt P e r l - m nun, Oberarzt Wolf, Vizewachtmeister H o h e n st e i n, Sergeant Alfred F r e u d e n b e r g e r, Landstnrnunann Theodor F r e u - denberger, Landsturmmann Levi, Landstnrnunann O e ster - reicher, Sanitätssreiwilliger U l l tn a lt n, Landstnrnunann Paul Wolfs ohn. Wir bitten alle Afrikakämpfer und die Hinterbliebenen der Gefallenen urn Angabe ihrer Adresse." Auch nur sind bereit, der Bundesleitung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten Nachrichten, die an uns gelangen, weiterzugeben. Alferde und Torbagy Verleumdungen des „Völkischen Beobachters" Als in Leiferde durch ein verabscheuungswürdiges Verbrechen Menschm durch ein v-Zug-Attentat zu Tode kamen, meldete sich bald die nationalsozialistische Presse mit Angriffen auf das Judentum. Einer der Attentäter, Schlesinger, mußte zum Juden gestempelt werden, und der „S t ü r m e r" brachte f angebliche Talmud-Zitate, die ihn zu der Schlußfolgerung verleiteten, daß der Jude Schlesinger durch sein Verbrechen ein Gebot im Sinne des Talmud ausgeübt habe. Schlesinger war nie Jude, auch seine Vorfahren nicht. Die Zitate, die der „Stürmer" brachte, waren gefälscht.. Aber der Zweck der Nationalsozialisten war für einen gewissen Kreis und für einige Zeit erreicht: Juden und Judentum waren als verbrecherisch gekennzeichnet. Das Spiel wiederholt sich jetzt aus Anlaß des Eisenbahnattentats in T o r b a g h. Der „Völkische Beobachter" bringt einen ausfallend gesetzten Artikel mit der Behauptung^ daß das Attentat aus geheim-religiösen Gründen am Roschhaschono und von Juden verübt worden sei. Der des Attentats Verdächtige sei jüdischer Abstanunung. Das nnißte dem „Stürmer" genügen. Um diese Behauptung zu stützen, fügte er hinzu, daß der Zug von Juden nicht benutzt worden sei — selbstverständlich, weil die Juden wußten, welckws Verbrechen geplant sei — em einziger Jude sei mitgefahren und auch schwer verletzt. Die bewußte Böswilligkeit dieser Verleumdung muß niedriger gehängt werden! Inzwischen ist der Attentäter ermittelt worden: Er ist ein ungarischer Katholik, es heißt, er sei Weißgardist, wahrfcheinlich ist er ein geisteskranker Mann. Niemand wird es wagen, etwa „die Katholiken" oder „die Christen" oder „die Ungarn" für feine entsetzlichen Untaten verantwortlich zll machen — aber der „Völkische Beobachter" und der „Stürmer" durften es ungestraft wagen, „das Judentum" für das vermeintliche Verbrechen eines einzelnen Juden verantwortlich zu machen und schon, ehe überhaupt der Täter ermittelt war, eine Jndenhetze dadurch zu entfachen! «mnlviisttil Das 20. Kapitel des fünften Buches Mose schildert eingangs den Zug der Israeliten in den Kamps. Die Führer sollen vor den: Aufbruch in den Krieg vor die Front treten und diejenigen wieder nach Hause ziehen lassen, die nach der Anschauung von damals zwingende Grünoe haben, nicht in den Krieg zu ziehen. Man mag über diese Maßnahmen denken wie man will, das eine aber geht doch mit Sicherheit hervor: Wie stark war der kriegerische Geist im alten Israel, daß man es wagen konnte, freiwillig eine größere Anzahl Heerespflichtiger nach Hause zu entlassen, und daß man sicher war, mit denen, die keinerlei Veranlassung hatten, zu Hause zu bleiben, den Kampf siegreich zu überstehen. Ein Tatbestand, klar für jeden, der einsichtig genug ist, die Wahrheiten der Bibel so zu lesen, wre sie gelesen sein wollen. „Der F r e i h e i t s k a m p f", herausgegeben von dem Reichstagsabgeordneten Martin Muts ch m a n n, anitliche Tageszeitung der NSDAP. Gau Sachsen, hat die Schamlosigkeit, in seiner Nummer 187 vorn 13. August d. I. diese Stelle mit einer geistlosen Witzelei zu versehen und dieser Witzelei die Ueberschrist zu geben: „Wie man sein Vaterland los wird! Satzungen des Bundes jüdischer Frontsoldaten vor 3000 Jahren." Er hat weiter die Geschmacklosigkeit, eine Reihe Fragen für den Briefkasten der „C.-V.- Zeitung" aufzustellen, die den Beweis anscheinend erbringen sollen, daß sich die Juden schlecht und recht vom Kampf für ihr deutsches Vaterland gedrückt haben. Ist es schon empörend, daß das Andenken der 12 000 jüdischen Gefallenen immer wieder von Nationalsozialisten mit Schmutz beworfen wird, so ist die Art, in der oiesesmal das Organ des Abgeordneten Mntschmann vorgeht, ganz besonders verwerflich. Wir halten es unter unserer Würde, aus die Einzelheiten dieser Anwürse einzugehen, zumal ^ja die Nationalsozialisten in rhrem teutschen Manuesmut sich hüten werden, der Wahrheit die Ehre zu geben, die wahren jüdischen Gefallenenzisfern zu neunen und Bücher, etwa wie das Gefallenengedeulbuch der jüdischen Gemeinde Nürnberg, wie die Württembergische Gefallenenliste, wie Ecksteins: „Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht?", wie Theilhabers: „Jüdische Flieger", in ihren Zeitungen gerecht zu erwähnen. FriMvfk- und' . " . Sortnilmd In der Nacht vom 10. zum 11. September wurden auf dem Israelitischen Friedhof zu Dortmund-Wickede die Grabsteine von zwei Kindergräbern gewaltsanr umgeworfen. Die Kriminalpolizei ist mit der Verfolgung der Täter befaßt. Die Ortsgruppe Dortmund des Centralvereins hat auf die Ergreifung der Täter eine Velohnuiig ausgesetzt. Kirchen Vor einiger Zeit wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kirchen bei Lörrach Grabsteine durch Würfe mit schweren Steinen zerstört und Jnschristtafeln beschädigt. Die Tat auf dem abseits gelegenen Friedhof wurde erst spät entdeckt, so daß sich die Verfolgung der Täter schwierig gestaltet. Auf ihre Ergreifung ist eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt worden. Nach bekannter Taktik behauptet das Karlsruher nationalsozialistische Blatt „Der Führer", Juden seien die Täter, natürlich ohne auch nur die Spur eines Beweises erbringen zu können. Westerkappeln Auf dem jüdischen Waldfriedhof in Westercappeln in Westfalen wurden vier Grabsteine gewaltsam beschädigt und der Versuch gemacht, weitere Grabsteine umzuwerfen. Auf die Ergreifung der Täter hat die Jüdische Gemeinde Westercappeln eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. RaftaU In der Nacht vom 3. zum 4. Oktober wurden die Fensterscheiben der Synagoge zu Rastatt eingeworfen und die Blumenbeete vor dem Gotteshaus Zerstört und beschmutzt. Am Tage vor der ruchlosen Tat hatte die jüdische Gemeinde Rastatt das 25jährige Bestehen ihrer Synagoge gefeiert. Strafanzeige gegen die Täter, von denen bisher jede Spur fehlt, ist erstattet worden. Gleichzeitig wurde eine Belohnung für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Die „Rastatter Zeitung" schreibt über die Shnagvgenschändung u. a.: „Zu wundern braucht mem sich ja über derartige Unanständigkeiten nicht mehr bei der Hetze, die Tag für Tag in unglaublichster Weise getrieben wird. Dagegen muß sich eine starke Front der anständigen Leute bilden." Der in Karlsruhe erscheinende „Volksfreund" glaubt, daß die Täter mit großer Wahrscheinlichkeit unter Rastatter Helden des Dritten Reiches zu suchen sind. Die Übeltäter von Aegenhof- Nationalsozialisten Wie uns aus Danzig gemeldet wird, sind die Täter, die am 11. September in die Synagoge von Tiegenhof eindrangen und den Boden der Synagoge sowie eine Tuchdecke des Almemors mit Farbe besudelten, festgestellt worden. Es sind drei etwa 20 Jahre alte Nationalsozialisten: ein reichsdeutscher Arbeiter aus Elbing, ein mehrfach vorbestrafter D a n z i g e r Handln n g s g e h i l f e und e i n Student der p ü d a g o gisch en Akademie in Elbing, der aus Tiegenhof stammt und Danziger Staatsbürger ist. Zwei von ihnen sind flüchtig. Die Staatsanwaltschaft in Danzig hat das Verfahren eröffnet. Fung-Stahlhelmer bei dm Kurstirstenbammunruhen Nach den Gerichtsverhandlungen, die sich mit den groben Ausschreitungen im Berliner Westen befaßten, scheint es keinem Zweifel mehr zu unterliegen, daß ein Berliner Jung-Stahlh e l m f ü h r e r und m ehre re I u n g - S t a h l h e l m e r an den üblen Vorgängen irgendwie beteiligt waren. Von gewissen Nationalsozialisten wundert einen dergleichen nicht. Von Berliner Jungstahlhelmern sind uns bisher derartige „Heldentaten" nicht bekanutgeworden. Wenn der Stahlhelm schon als Frontkämpferverband, dem doch alle Kriegsteilnehmer unterschiedslos angehören sollten, jüdische Frontkämpfer ausschließt, und wenn neuerdings gar Jung- Stahlhelmer in für den Stahlhelm sehr peinliche Beziehungen zu feigen Nebersällen am Kursürstendanun gebracht werden müssen, so sollte doch dem Stahlhelmführer S e l d t e nicht unbekannt sein, daß einst, bei der Gründung des Stahlhelms, Namen wie Katz, Stern, K a tz m a n n und G o l d st e i n wohlgelitten waren. ^999993845^

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