Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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-»75 Kocl Heinrich Zreiherr vom Stein Hum lOO. To-estage am 2-. Juni 1931 „Unsinniger Kopf", „Natterngefchmeiß", Jakobiner", „widerspenstiger Staatsdiener", „lieber drei Schlachten von Auerstädt als ein Lktoberedikt", „kommunistische Revolution" — „Iudenstaat" ... daS sind einige besonders kennzeichnende Anwürse, die gegen den größten deutschen Staatsmann der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von seinen adligen Gegnern, von Fürsten und Bürokraten, den Vertretern jämmerlicher Mittelmäßigkeit, gerichtet wurden. Ehrentitel für einen Mann, desien schöpferische Persönlichkeit das neue Preußen formte und den Freiheitskampf durch innerliche Freiheit und Selbstverantwortung vorbereitete. Stein war ein überaus scharfer Kritiker, ein eifernder, grimmiger, strafender Prophet, desien leidenschaftdurchglühte, durch und durch sittliche Natur gleichzeitig ankänrpfte gegen die Vo r rechte eines bequemen, ahnenstolzen Feudaladels — obwohl er selbst reichsritterlichem Geschlecht entstammte —, gegen eine geschäftig-müßige Bürokratie, die Akten auf Akten türmte, gegen die selbstherrlichen, beschränkten Kleinsürsten des zerrissenen Deutschen Reiches, gegen den eigenen König, desien absolutistische Kabinettsregierung und Günstlingswirtschaft die Minister einfach ausschaltete. Aber sein Reformwerk wäre nie gelungen, hatte er sich wie so viele andere und wie so viele Heutige nur aus negative Kritik beschränkt. Er ging, als er endlich im schlimmsten Jahre des Tilsiter Friedens (1807) wieder Minister geworden — welche Ironie: aus Napoleons Vorschlag! —, sogleich zu Taten über. Mit gewaltigen Hammerschlägen, in fieberhafter Eile, schuf er den zerrütteten Staat völlig neu. Indem er von der französischen Revolution die fruchtbaren Gedanken der Freiheit und Selbstverantwortung übernahm, verjüngte er Preußen wie mit einem Zauberstabe. Emanzipierte die Bauern, die, feit Jahrhunderten leibeigen, den hochmütigen Junkern und steuerfreien Grundbesitzern fronen mußten, nahm ihnen die Sklavenlasten ab, und wenn er sie auch nicht zu Besitzern ihres Grund und Bodens machen durste, so doch zu freien Männern, die, nicht mehr zu zwanzigjährigem Militärdienst unter Spießruten und Prügelstrafen gezwungen, freiwillig zu den Fahnen eilten, als Stein, nicht der König, sie rief. Die halbfreien Bürger wurden den unwürdigen Fesseln staatlicher Bevormundung entrisien: Stein gab Gewerbefreiheit, hob den Zunftzwang auf, ordnete Selbstverwaltung an, schuf die erste parlamentarische Zelle in Deutschland durch die Mahl der Stadtverordneten, des Magistrats, der Bürgermeister. Der wichtigste aller Stände, der Bürger, dem nach Steins treffender Kennzeichnung alle Fortschritte der Aufklärung, der Kultur zu verdanken sind, war mündig geworden, ergriff jetzt selbst den Herrschastsstab. Mitten in feinem segensreichen Wirken, da eben erst der Grundstein gelegt, traf ihn die Entlastung, nachdem ein unvorsichtiger Brief an den Fürsten W i t t g e n st e i n (1808) in die Hände der Franzosen gefallen oder — gespielt war. Tie Vollendung zum deutschen Einheitsstaat wurde leider nicht erreicht. Friedrich Wilhelm III. erfüllte nicht einmal das Versprechen einer landständischen Verfassung. Wie bitter mußte dem großen Staatsmann zumute sein — nach den Freiheitskriegen! Der Mohr, das Volk, hatte seine Schuldigkeit getan, wie der Führer. Und konnte gehen. Ohne Tank, ohne Amt, als Sannnler altdeutscher Geschichtsquellen in der Stille wirkend, aber politisch kaltgestellt blieb der da zu sagen gewagt hatte: „Ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland; mir sind die Dynastien . . , vollkommen gleichgültig." Was Wunder, daß bei Ausbruch der Demagogenverfolgungen — nur fünf Jahre nach dem glorreichen Ende der Freiheitskriege! — auch sein Name in die amtlichen Verleumdungen hineingezerrt wurde! Wenn man es auch nicht wagte, ihn selbst zu strafen, wie hart traf ihn doch die Absetzung seines treuesten Mitarbeiters und Mitstreiters, deS unerschrockenen Vaterlandsdichters und Geschichtsprofcffors Ernst Moritz Arndt! Gewiß ist der Freiherr Karl vom Stein kein reiner Demokrat gewesen. Dazu lebte er noch zu tief in der Mentalität seines Stands. Seine Dorstellungswelt war seltsam gemischt auS Ideen der Aufklärung und ihrer großartigen Humanität —. und mittelalterlicher Romantik, aber seine kühnen Neformidecn, durchgesetzt gegen äußere und innere Feinde, gegen eine Welt von Vorurteilen, Dünkel und Tunkl, gegen Borniertheit, Unfähigkeit, Schranzen, und Drohnentum, haben erst den richtigen Weg — im doppelten Sinne — ins Freie gewiesen. Ltuckieurnt Dr. Emil Behrens. Laßt mich mein Herz aussihütten! Um allen falschen Mutmaßungen die Spitze gleich zu Begmn abzubrechen, erkläre ich, daß ich weder im jüdischen Solde gestanden habe, noch von einem Juden zu der nachfolgenden Abhandlung veranlaßt wurde, noch irgendwelche Vorteile aus der Veröffentlichung dieses Artikels erstreben will. Zwei Gründe veranlasien mich als aktiven Katholiken, die nachstehenden Ausführungen der Öffentlichkeit zu unterbreiten. Erstens: Ich verlange Gerechtigkeit einem unterdrückten Volksteile gegenüber. Im Deutschen Reiche leben nachweisbar mehrere Millionen Menschen, direkt oder indirekt, von den Juden. . Würden alle Juden, deutsche und ausländische, ihr Kapital aus der Wirtschaft, aus den Banken und der Industrie zurückziehen, würden die Juden alle christlichen Angestellten, die in ihren Betrieben arbeiten und für sich und die Ihrigen ihr Brot vom jüdischen Tisch nehmen, entlassen, dann ständen Tausende morgen auf der Straße! Und wenn einige mir bekannte jüdische Chefs manchen ihrer Angestellten und Arbeiter Plötzlich seine Mitgliedschaft zur Hitler-Partei brühwarm unter die Nase hielten und ihnen dann den Stuhl glatt vor die Tür setzen — wer wollte es ihnen verargen? Welche Ernüchterung würde es bedeuten! Aber diese Juden haben eine erstaunliche Langmut und befolgen damit bewußt oder unbewußt das Wort unseres christlichen Religionsstifters, der bekanntlich zum himmlischen Vater betete: „Herr, vergib ihnen, denn sie wisien nicht, was sie tun!" Diese Juden wollen offenbar nicht, daß jene Verhetzten mit ihren Kindern untergehen, sondern daß sie leben! Weiter möchte ich den Judenfeinden ins Stammbuch schreiben, daß aus jüdischen Kreisen jährlich ganz beträchtliche Summen in die christlichen Armenkassen fließen. Unsere Klosterfrauen und Arrnenvertreter wisien davon ein Lied zu singen. Nur einige Beispiele: Eine Rundfrage bei nicht weniger als 73 kirchlichen Anstalten, die arme Waisen, verwahrloste Kinder und Mädchen, ferner alte mittellose Leute in ihre Häuser aufnehmen, ergab, daß keine Schwester, der die Sammlung von Almosen für genannte oder ähnliche Zwecke oblag, vergeblich an die Tür eines Juden geklopft hat. Als Schreiber dieser Zeilen während des Krieges eine Zeitlang im Reservelazarott A. zu München, später in der dortigen Poliklinik tätig war, hatte er Gelegenheit, die bittere Armut von Frauen, Kindern, Vätern und Müttern, die ihre Lieben dem Vaterland gegeben und nun entweder an ihren Schmerzenslagern oder in den Totenkellern an der Bahre standen,' mitzuempfinden. Mich «trieb es innerlich zu helfen. Es ist ja auch leichter zu bitten für andere als für sich selbst, zu geben als zu nehmen. Und so ging ich auch zu den Juden. Und habe Gelegenheit gehabt zu erfahren, wie so manche „Iudenfirma" hier nur ein gutes Werk tun wollte — unter Ausschaltung aller Jntereffenerwägungen. Und nun noch ein Wort über die pädagogische Seite meiner Erlebniffe mit Juden. Nach dem Tode meiner Eltern lebte ich. als nicht einmal Fünfzehnjähriger, in einer Pension, ohne zu ahnen, daß die Inhaberin eine Jüdin war. Eines Sonntags las sie einige Stellen aus der Bibel. Wir Jungens verstanden damals nicht, was uns die Jüdin damit auf den Lebensweg mitgeben wollte, erst später leuchtete es uns ein. Vor dem Kriege reiste ich auf einem englischen Dampfer von Südafrrka nach Europa. Kamn hatten wir Turban verlaffen, als wir in große Seenot gerieten. Nervenerschütterungen und sonstige Krankheiten warfen viele von uns auf§ Bett. Auch ein alter Jude war mit einer Verwandten auf dem Schiff, der nach 30 Jahren seine Heimat Wiedersehen wollte. Selbst schwer krank, hatte er sich bei dem englischen Arzt nach den übrigen Passagieren erkundigt und erfahren, daß eine arme Italienerin mit fünf Waisenkindern, deren Vater in Johannisburg gestorben war, an Bord und deren Söhnchen schwer krank sei. Man benötigte zu seiner Gesundung ein Serum, das nahezu fünf englische Pfund kostete. Kaum hatte der Arzt seine Kabine ausgesucht, da erschien die Verwandte jenes Juden und brachte nicht fünf, sondern 10 englische Pfund für die arme Italienerin. Der Arzt machte dem Kinde einige Einspritzungen mit dem nötigen Serum und rettete es so. Der Jude, der so ein junges Leben gerettet hatte, erholte sich langsam von seiner Erkrankung, und morgens und abends betete die italienische Mutter mit ihren Kindern für den unbekannten' Wohltäter. Ter Jude wollte nicht wisien lasien. wer da Gutes getan. Diese beiden Erlebnisie mögen für den Augenblick genügen, um manchem etwas gerechter und unparteiischer über die Juden urteilen zu lassen. Wohl wird mir der eine oder andere entgegnen: „Ja, das mag alles gut sein, aber die Juden beherrschen alles"? Nun, all' denen antworte ich: „Wer hält uns ab, es ihnen nachzutun?" Wer zum Beispiel hindert den Studenten an der Universität, den gleichen Fleiß wie jüdische Kollegen aufzubieten, um etwas ganz Vortreffliches im Examen zu leisten? Dann: Haben wir Christen nicht auch Kartelle und Warenhäuser? Hatten Krupp und Thyssen nicht den eisernen Fleiß, der sie Tag und Nacht ringen und ihr großes Unternehmen schaffen ließ? Man scheint in Deutschland in den verantwortlichen Stellen nicht zu sehen, welche geradezu katastrophale Wirkungen im Auslande da8 Treiben gewisier politischer Parteien für die deutsche Wirtschaft und das deutsche Volk gehabt hat. Seit den letzten Reichstogswahlen können deutsche Geschäftsleute, die in Frankreich chre Waren aubwten, ihre Koffer packen!! Wann endlich findet sich der starke Mann, der den Hetzern und Verderbern unserer Jugend das Handwerk legt? Dr. Adolf Schmidt (Paris.)