Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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46 blättern noch unterboten wird. Hier muh ein derbes, klares Wort gesprochenwerden: daß man so unsäglich gemeine Machwerke wie den »Stürmer* M^nberg) duldet, ist allerdings eine Schmach, für die eS keine Entschuldigung gibt. Wenn in dieser Hinsicht nicht Wandlung geschaffen wird, so droht freilich der Bewegung eine schwere Gefahr: wer eS wagt, solche Gesinnungsroheiten unter der Flagge deS Deutschtums bewußt mitsegeln zu lassen, der verwirkt vor reifen Menschen das Recht, dessen Namen für sich tn Anspruch zu nehmen! Aber auch daS durchschnittliche Niveau, auf dem man die überaus unklaren und schwer zu ordnenden Rasienprobleme zu erörtern beliebt, ist reifer Menschen unwürdig, auS der Feder von Gebildeten an sichtbarer literarischer Stelle jedoch beschämend . . . So gewiß eS ein erwägenswertes Problem ist, ob wir nicht Sicherungen finden sollten, die uns Schiversälligere. an ein Volkstum Gebundene gegen die rasend schnell in kaum zwei Generationen geschehene Ueberslutung mit jüdischem Geist zu schützen, so verwerflich ist eS, oie eigene Unfähigkeit zum Nachdenken und Klären dieser Sache zu verbergen hinter einem Appell an Pöbelinstinkte — die ja leider auch iu gebildeten Kreisen leicht zu wecken sind . . . Wir wollen un3 aber gegenwärtig halten, daß das Judentum keineswegs allein den Vorzug hat, vom Nationalsozialismus gehässig und verächtlich behandelt zu werden. Tie neuerdings wieder verschärfte Haßpropaganda gegen die politischen Mittelparteien ist kaum weniger unduldsam, roh und überheblich. Zu jeder radikalen Kritik — die eine gute und belebende Tat sein kann — gehört als Hauptfaktor der UeberzeugungSkraft entweder offenbare geistige Ueberleaenhert oder aber der Tatbeweis, daß man die kritisierte Leistung bester zu vollbringen vermag. Müsten wir in dieser Beziehung National auch Nachsicht an dem Auftreten der Nationalsozialisten üben. weil sie zu solchen: Tatbeweis bislang zu wenig Gelegenheit bekommen haben, so gibt eS doch selbst bei weitherzigstem Verständnis für die biologische Phase der Flegeljahre eine Grenze, an der Sympathien leicht ersterben: da nämlich, wo die Tonart der Befehdung dauernd geistlos, unreif, anmaßend — kurzum infantil flegelhaft ist, ohne irgendeinen versöhnenden Reiz. An dieser Grenze der Duldung sind viele Zeitgenosten heute angekonunen. ES ift dringend notwendig, daß die nationalsozialistische Bewegung sickneue Sympathien und neues Vertrauen eriverbe, sonst wird die Gefahr bedrohlich, daß sie zu einem Privatunternehmen zur Förderung und politischen Ausnutzung ungebildeter Nationaleitelkeit entartet! So weit nur würde die mehrfach erwähnte gute Mastentaktik nämlich reichen. Nicht aber genügt sie zur Verschmelzung und fruchtbaren Entfaltung der ringsum harrenden kultursähigen Substanzen unseres Volkstums. Wem es um diese zu tun ist — und niemand hat Anspruch auf öffentliche Geltung, der sich nicht aus das sorgsamste um jene Substanzen kümmert —, der darf Verdummung und Verrohung nicht dulden. DaS kann man gar nicht scharf genug aussprechen. Jede Bewegung hinterläßt in ihrem Schrifttum ein Dauerdokument ihres Geistes, den greifbaren Niederschlag der Grupvcngesinnung. Deshalb ist ihre Gesamtheit, einschließlich der Führer, verantwortlich für alle Veröffentlichungen!" Herr Dr. Prinzhorn kündigt an, sich demnächst mit den bekannten Aufsätzen in der „Deutschen Rundschau" über den „jüdischen Geist" zu befassen. Das ist begrüßenswert. Eine Kenntnis unserer Stellungnahme in der „C. V.-Zcitung" und in den Schriften des Philo- Derlages werden wir dabei voraussetzen dürfen. Gtto von Sismarck spricht zur Gegenwart Jeder, der heutiger Zeit in politischen Kämpfen gestanden hat, wird die Wahrnehmung gemacht haben, daß Parteimänner, über deren Wohlerzogenheit und Rechtlichkeit im Privatleben nie Zweifel aufgekommen sind, sobald sie in Kämpfe der Avt gerathen, sich von . den Regeln des Ehrgefühls und der Schicklichkeit, deren Autorität sie sonst anerkennen, für entbunden halten und aus einer karikierenden Uebertreibung deS Satzes salua publica suprema lex die Rechtfertigung für Gemeinheiten und Rohheiten in Sprache und Handlungen ableiten, durch die sie sich außerhalb der Politischen und religiösen Ctreitigkeiteen selbst angcwidert fühlen würden. Die Lossagung von Allem, was sch'cklich und ehrlich ist. hängt undeutlich mi-t dem Gefühle zusammen, daß man im Interesse de.: Partei, das man dem des Vaterlandes unterschiebt, mit anderm Maße zu messen habe als im Privatleben, und daß die Gebote der Ehre und Erziehung in Parteikämofen anders und loser auszulegen seien als selbst im Kriegsgebrauch gegen ausländische Feinde. Die Reizbarkeit, die zur Ueberschreitung der sonst üblichen Formen und Grenzen führt, wird unbewußt dadurch verschärft, daß in der Politik und in der Neligion Keiner dem Andersgläubigen die Richtigkeit der eignen Ueberzcugung, des eignen Glaubens concludent Nachweisen kann, und daß kein Gerichtshof vorhanden ist, der die Meinungs- Verschiedenheiten durch Erkcnntniß zur Ruhe verweisen könnte. In der Politik wie auf dem Gebiete des religiösen Glaubens kann der Conservative dem Liberalen, der Royalist dem Republikaner, der Gläubige dem Ungläubigen niemals ein andres Argument entgegenhalten, als das in tausend Variationen der Beredsamkeit breitgetretene Thema: meine politischen Ueberzeugungen sind richtig iutf> die deinigen falsch: mein Glaube ist Gott wohlgefällig, dein Unglaube führt zur Verdammniß. ES ist daher erklärlich, daß aus kirchlichen Meinungsverschiedenheiten Religionskriege entstehen und durch politische Parteikämpfe, so lange nicht ihre Erledigung durch Bürgerkrieg stattfindet, doch ein Umsturz der Schranken herbeigeführt wird, die durch Anstand und Ehrgefühl wohlerzogener Leute im außerpolitischcn Lebensverkehr aufrechterhalten werden. Welcher gebildete und wohlerzogene Deutsche würde versuchen, im gewöhnlichen Verkehr auch nur einen geringen Theil der Grobheiten und Bosheiten zur Verwendung zu bringen, die er nicht ansteht, von der Rednertribüne vor hundert Zeugen seinem bürgerlich gleich achtbaren Gegner in einer schreienden, in keiner anständigen Gesellschaft üblichen Tonart ins Gesicht zu werfen? Mer würde eS außerhalb des politischen Parteitreibens mit der von ihm selbst beansprllchten Stellung eines Edelmannes von gutem Hause verträglich halten, sich in den Gesellschaften, wo er verkehrt, gewerbsmäßig zum Colporteur von Lügen und Verleumdungen gegen andre Genossen seiner Gesellschaft und seines Standes zu machen? Wer würde sich nicht schämen, auf diese Weise unbescholtene Leute unehrlicher Handlungen zu beschuldigen, ohne sie beweisen zu können? Kurz, wer würde anderswo als auf dem Gebiete Politischer Parteikämpse die Rolle eines gewissenlosen Verleumders bereitwillig übernehmen? Sobald man aber vor dem eignen Gewissen und vor der Fraction sich damit decken kann, daß man im Parteiinteresse auftritt, so gilt jede Gemeinheit für erlaubt oder doch für entschuldbar. (Aus Band II „Gedanken und Erinnerungen Kap. 25, Abschnitt 5J. Studenten als ünruheWtt H.G. Hamburg, August 1931. Der „Nationalsozialistische Stndentenbund an der Universität Hamburg" hatte für Montag, 20. Juli, die g e s a m t e Studentenschast zu einem DiSkussionsabend über das Thema „Stalin oder Hitler" ins Studentenhaus eingeladen. Schon während der zweiten Diskussionsrede erschienen ans ein Zeichen eines am Vorstandstische sitzenden Nationalsozialisten mehrere, teilweise uniformierte, nichtstudentische S.A.-Männer unter Führung des SturmstthrerS und umstellten einen Zwischenrufer. Der Leiter der Versa m m - l u n g, darauf a u f m e r k s a m g e m a ch t, wies die N i ch t st u d e n t e n n i cf) t aus dem Saal. Im Bruchteil einer Sekunde entstand eine wüste Schlägerei, bei der ein jüdischer Student eine Wunde am Kops und an der Schläfe davontrug, ein älterer Student — Kriegsteilnehmer, schwer kriegsvMetzt — von vier S.A.-Männern mit Schlagringen bestialisch behandelt wurde. ) 15 Mark Geldstrafe „Wenn das Inden-lut vom Messer spritzt..." Unter den gewiß nicht zarten Marschgesüngen der nationalsozialistischen Liederbücher zum Gebrauche ihrer Üandsknechtstruppen findet nran ein Lied nicht, sogar die Parteileitung scheint sich des strasbaren Charakters dieses Liedes bewußt zu sein! Trotzdem wird es gesungen, obwohl es unverhüllte Morddrohung bedeutet. Denn der zweite Vers des schönen Liedes lautet folgendermaßen: „Wenn der Sturmsoldat zu Felde zieht, Tann hat er frohen Mut! Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt. Dann geht's noch mal so gut!" Gegen Mitglieder der S. A.-Abteilung, die vor kurzem, dieses Lied singend, durch Derendingen (Württemberg) hindurchmarschierten, ist Strafantrag gestellt worden. Nicht nur auf Grund des 8 130 StGB., für dessen Anwendung dieser Schulfall einer Aufreizung zum Klassenhatz gewiß genügend Handhabe bot, sondern vor allem auf Grund des 8 2, Ziffer 2 der Notverordnung schien eine strenge Verurteilung geboten und sicher zu sein. Was aber tat das zuständige Schöffengericht? Weder der Staatsanwalt noch der Amtsrichter hielten es für notwendig, die Notverordnung auch nur zu erwähnen. DaS Gericht hat lediglich groben Unfug angenommen und denrgemäß gegen einige der Angeklagten Geldstrafen in Höhe von 15 Mark (fünfzehn!) verhängt. Zumindest ist die Annahme „groben Unfugs" beim Absingen solcher Lieder ein staatsgefährlicher Irrtum, und so lächerliche Geldstrafen wirken geradezu wie eine Prämie für die erfolgreiche Aufreizung zum politischen Mord. Ka. Eine Billion Dollar wird gestiftet Aber -er S. A.-Mann darf ven Spender nicht kennen Dem „Völkischen Beobachter" wird aus Berlin unter dem 31. Juli gemeldet: „Durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters Sackett wurde dem Oberbürgermeister Sahm mitgeteilt, daß die Stadt Berlin eine Stiftung in Höl-e von einer Million Dollar von privater Seite erhalten soll. Die Stiftung ist für die Errichtung e i n e r Z a h n k l i n i k für Kinder bestimmt. Es ist sicherlich nur ein Zufall, daß der. „Völkisck)e Beobachter" den Namen des hochherzigen Spenders verschwiegen hat. Es ist nämlich der bekannte jüdische Philanthrop Jakob Nosenwald aus Chicago.