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Central-Verein-Zeitung · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3g Religion, Raffe, Volkstum Völkisch« Bibelaben»«. Dem Nationalsozialisntus kann man eine gewisse Vielseitigkeit nicht absprechcu. Er sncht es möglichst allen Schichten der Bevölkerung recht zn machen — wenigstens in seinen Worten. Er weiß den reaktionärsten Großindustriellen mit der Versicherung zn beruhigen, daß seinem „schassenden Kapital" auch im Dritten Reich nichts geschehen wird. Das schließt nicht ans, daß den bekümmerten Erwerbslosen wiederum der „Angriff" (Nr. 84 vom 22. I. d. I.) versichert: „Die kapitalistische Weltanschauung ist geistig tot und wird eben machtpolitisch niedergeNingen." Wie auf wirtschaftlichem Gebiete, so auch auf religiösem. Den Wotans-Anbetern wird die verweichlichende Wirkung des „orientalischen" Christentunis bestätigt; kirchlich gesinnte Kreise aber sucht man int Nahmen „völkischer Bibelabende" zu gewinnen. Welche Lehren bei solchen Gelegenheiten verkündet werden uno wie entfernt diese vom Geiste christlicher Nächstenliebe sind, zeigen uns die Berichte des „Glauchauer Tageblatts und Anzeigers" und der „Glauchauer Zeitung" vom 12. Februar d. I. Sie beschäftigen sich mit dem fünften „Bölkischert Bibelabend", den Superintendent L i n d n e r über das Thema „Wie stellt sich die Bibel zu Nasse und V o l k s t u ttt" gehalten Hai. Nach den Berichten der genannten Zeitungen hat Herr Lindner ausgeführt, man stoße plötzlich mitten im deutschen Volkskörper auf eine frembc Nasse, die Semiten, der die Schuld an der Verelendung der deutschen Nation beizumessen sei. Das Volk empfinde, daß diese fremde Nasse aus dem deutschen Volkstum herausmüfse, wenn es wieder ein deutsches Volk werden wolle. Adolf Hitler habe diesen: Kampf mit den Worten Ziel und Richtung gewiesen: „Wir brauchen einen germanischen Staat deutscher Nation." Das Judentum sei keine Religion, sondern eine Nasse, und Hitlers Parole sei berechtigt, die deutsche Judenschast als politische Minderheit unter Fremdenrecht zu stellen. Herr Lindner wärmt auch die alte, längst widerlegte Legende auf, daß 1918 die deutsche Negierung zu 83 Prozent aus Juden bestanden habe. (Durch die so wenig abgerundete Zahl 83 soll diese Behauptung offenbar an Wahrscheinlichkeit gewinnen; wahrer wird sie darum nicht.) Diese Stichproben aus den Auslassungen des Herrn Superintendenten genügen zur Kennzeichnung des Geistes, der aus seinem Vortrag sprach. Gegen diese Art religiöser Betrachtung hat sich nun Rabbiner D r. Fuchs (Chemnitz) in einem „Eingesandt" gewandt, das das „Glauchauer- Tageblatt. u::d Anzeiger" vom 4. März d. I. veröffentlichte. Ihm entnehmen wir folgendes: „Herr Superintendent sagt ferner: .Nasse ist Sache der Körperlichkeit, Volkstmu Sache der Geistigkeit/ Sehr richtig! Wie aber verträgt sich damit, wenn er nachher Juden t u m als Masse hinstellt. Judentum ist doch etwas Geistiges (wie Deutschtum die geistige Art der Deutschen!). Manche nennen-tatsächlich Judentum etwas Volkshaftes; aber das ist offensichtlich schief. Zum Volkstum fehlt ihm alles Wesentliche: Land, Sprache, Recht und Sitte. Die jüdische Geistesart (also etwa geschichtlicher Sinn, abstraktes Denken, Feinnervigkeit, Beweglichkeit u. dgl.) beruht auf Welt- und Lebensanschauungen, also auf religiöser Einstellung. Abgesehen davon, daß diese ganze Unterscheidung recht fraglich ist! — Mit Rasse ist vielmehr gemeint: die körperliche Gemeinschaft der Juden heit. Diese existiert natürlich: die Juden sind keine Germanen! Sie sind aber trotzdem keine Nasse. Zur Nasse fehlen ihnen stark ausgeprägte Körpermerkmale, wie Indianer, Neger, Mongolen usw. sie haben. Es gibt vielmehr sehr verschiedene Judenthpen, und diese gehören meistens (nicht alle, zum Beispiel die chinesischen Juden!) zur Weißen Nasse. Tie Juden sind vielmehr eine Stammesgemeinschast. Sie erhalten sich als solche wegen der Religion, weil die religiöse Erziehung in der Familie beginnen, muß. Seit 1600 Jahren wohnen sie in Deutschland und sprechen deutsch. Die im Mittelalter nach Polen verjagten Juden nahmen in echt deutscher Treue die deutsche Sprache mit und haben sie in: letzten Jahrhttndert bei ihren Wanderungen von dort aus über die Welt verbreitet. In Frankfurt sind mehr Juden als Christen, beten Ahnen nachweisbar seit 300 Jahren in der Stadt ansässig sind, — m:d das sollen keine Deutschen sein? Aber dieser ganze Nassenschwindel ist ja total nndeutsch! Er ist aufgebracht von den: Franzosen Gobineau (ein Erbfeind) und den: Engländer Chamberlain (Nur haben alle nur einen Feind — England!). Er beurteilt die Menschen wie Vieh nach Körpermerkmalen; entspricht das der Würde des Volkes der Dichter und Denker? Die Linkseinstellung, die so viele Inden heute habe::, rührt von der Judenseindschaft der Rechtskreise seit den Tagen des Tivoli-Programms her. Würde diese aushören, so würden viele Inden auch heute den Anschluß nach rechts wieder finden, — ebenso wie in Posen, Schlesien und Böhmen lange Zeit die Juden die Bannerträger des Deutschtums waren, aller Undankbarkeit der Deutschen zun: Trotz. Sie haben dort jahrzehntelang die Judeuseindschaft mit Feindesliebe vergolten. In den Wegen zu Gott verschieden von: Christen, in der Liebe zir unserem Vaterland von keinem Nichtjnden übertroffen, glauben wir jedoch an die Weissagungen Jesaias (32,17): Der Frieden und das Heil ist in Deutschland wie in: Weltgvttesreich, wenn cs einmal kvnunt, immer nur möglich als Wirkung der Gerechtigkeit." Mathilde Ludendorffsphilosophie Ist es auch ein schwacher Trost, so ist es doch innnerhin ein Trost, wenn ein Prügelknabe Leidensgenossen siltdet. Heil uns, Uür haben einen solchen gefunden! Und wem danken wir dieses Glück? Dem in echtester Arbeitskameradschaft verbundenen Ehepaar Erich und Mathilde Ludendorfs, das ja nicht zum ersten Male die ftaunenben Zeitgenossen mit seinen geschichtlichen, völkerkundlichen und anderskundlichen Entdeckungen überrascht. Dieses Mal ist es seinen tiefschürfenden Forschungen gelungen sestzustellen, daß nicht die Juden die schwärzesten Teufel auf Erden sind, sondern die Katholiken, genauer gesagt: die Jesuiten. Wir dankett es der katholischen „S a n r b r ü ck e r L a n d e s z e'i t u n g" (durch Vermittlung der katholischen Zeitschrift „Der Fels", Hest 4), daß sie uns auf die religions-philosophi schon Werke der Frau Dr. med. Mathilde Ludendorfs (Chentnih), die nach dem. Urteil ihres Gemahls „das Größte bringen, was seit Kant bis Schopenhauer geschrieben ist", hingewiesen hat. Frau Mathilde Ludendorsf beschuldigt die römische Kirche, daß sie „an den Grundfesten unserer deutschen Auffassung der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit in allen Dingen in Familie und Staat rüttelt". Sie stellt folgende katholische Moratgrundsätze fest: Man darf andere zun: Meineid auffordern; ganz allgemein ist der Meineid erlaubt; auch Bruch des Eidversprechens ist erlaubt. Auch die sittlichen Grundsätze der Kirche bezüglich des Eigentums sind schädlich. „So wohnt denn an Stelle von Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Rechtlichkeit erlaubte Lüge, Betrug und Diebstahl nach Weisung des heiligen Liguori «auch in der heiligen Halle des Deutschen, in seinen: Hein:". Noch schlimmer steht es nach Frau Mathilde Ludendorff tut: die Sexualmoral der Kirche. Sie kvnunt zn dem Ergebnis, daß die ganze katholische Moral nur eine „mattere Ausgabe des Talmuds" sei, aber in manchen Punkten unter die jüdische Moral tzerabsinke. — Die politischen Sünden der Jesuiten enthüllt das Ehepaar Ludendorff in einem anderen Werk:- „Das Geheittuns der Jesuitenmacht und ihr Ende". Da kommt es denn an den Tag, daß „der Jesuit heute unter den überstaatlichen Mächten, mit denen er in Reih' und Glied im Kampfe gegen das Leben der Völker steht, nämlich den Finanzmagnaten, dem jüdischen Volke, der Freimaurerei mit all ihrer Abarten, der G e f ä h r l i ch st e". Der naive Leser fragt sich, wie Jesuiten und Juden zusammengekonnnen sind; -auch daraus weiß das Ehepaar Ludendorsf eine klare Antwort zu geben: Durch das Auftreten Luthers nämlich sahen sich die beiden' großen Mächte des Mittelalters, das Judentum und das „jndenblütige Papstttuu", in ihrer Existenz bedroht. In dieser gemeinsamen Not schlossen sich beide zusammen und gründeten beit Jesuitenorden. „Judentum und Papsttum traten unter der Fahne des Kreuzes zusammen." Nebel: die wirtschaftliche Weltherrschaft der Jude:: tritt nun nach den beide:: Ludendorsss die der Jesuiten, und daß es so gekommen ist, liegt „tief in den: jüdischen Ursprung des Ordens begründet". Ter Finanzmagnat Morgan wäre nichts anderes als der Vertreter und Verwalter von Jesuitenkapital. Das Zeitungslinternehmen von August Scherl ist mit Jefuitengeld gegründet worden. Das große Zeitungsinscratengeschäst ist zum großen Teile „in jesuitischen Händen und zwingt die Presse in den Witte:: des Ordens". „Das Aussaugeshstem des Jesuitengenerals lagert über der gesamten Wirtschaft aller Völker und greift mit seinen Saugarmen tief in alle Wirtschaftskreise ein . . . Tie deutsche Wirtschaft und die Wirtschaft aller Völker wird vou diesem kalten Riesenpolpp ausgesaugt, der noch gefährlicher - ist, weil verborgener als der jüdische Völkerschlächter." Damit sei es genug. Wir fürchten tun, daß wir mit den Entlastungszeugen Erich und Mathilde Ludendorsf nicht viel Staat inachen können. Reine Freude wird an den epochemachenden Entdeckungen des berühmten Ehepaares vielleicht nur Frau Ludendorsf haben, nicht etwa wegen der wissenschaftlichen Großtat, sondern wegen der treuen Anhänglichkeit ihres Gatten. Denn das Glück, einen solchen M... als größtes Geistesprodukt von Kant bis Schopenhauer vom eigenen Manne anerkannt zu sehen, dürste noch keiner Frau vor Mathilde Ludendorsf, ehemaligen von Kemnitz, beschieden sein. Bayerische Protestanten gegen den Nationalsozialismus Die „C. V.-Zeitung" hat bereits wiederholt darauf hingewiesen, daß man auch in evangelischen Kreisen immer mehr entsteht, welch große Gefahr der Nationalsozialismus für die Ktrche oedeiltet, wie es insbesondere ein beträchtlicher Schaden für sie ist, wenn Pfarrer sich in nationalsozialistischem Sinne betätigen. Auch ein Artikel der besonders in bayerischen Lehrerkreisen verbreiteten „D i e freie deutsche Schule": „Die bayerischen e v a n g e l i s ch e n G e i st l i ch e n u n d der N a t i o n a l s o z i a l i s nt u s" in der Nummer 8 dieses Jahrgangs verdient ans diesem Grunde Beachtung. U. a. heißt es dort: ,Nun kann es ja dem evangelischen Laien gleichgültig sein, welcher Partei sich der einzelne Geistliche aus persönlichen Gründen glaubt anschließen zu müssen, sofern er bei der i nnerpo li 1is chen Stellungnahme verbleibt. Anders aber lägen die Dinge,, wenn sich der Geistliche in völkischem Sinne in und außer seiner Amtstätigkeit werbend betätigt oder wenn versucht würde, die Mehrzahl der Glieder des geistlichen Standes für den Nationalsozialisnms zu gewinnen. Damit w ä r e d e r sichere Untergang d e r P r o t e st a n tisch e n K i r ch e u n d i h r e E r n i e d r i g u n g zur Sekte e i n g e l e i t e t. Sie genösse datut vielleicht noch das Vertrauen ihrer völkisch gefimtfen Gemeindeglieder, w ährend i h r alle anderen — und das ist heute die Mehrzahl — b e n Rücken kehrten. Es gibt Wohl keilte gefährlichere Ideologie als den Glauben völkischer protestantischer Pfarrer, durch ihren Beitritt zur Nationalsozialistischen Partei könnte deren weltanschaulich heidnische Grundlage irgendwie beeinflußt und geändert werden. Eine Partei, die a uriori dem Masten-, Blut-, Macht- und Gewaltprinzip huldigt, kann unmöglich mit dem Christentum unter einen Hut gebrächt werden." Wir würden die Wirkung dieser sehr klaren und eindeutigen Absage dem Nationalsozialismus gegenüber abschwächen, wenn wir dazu noch etwas bemerkten.

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