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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-01 · Heft 4 (April 1931) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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31 Israels Propheten religiös-soziale Senöboten an die Gegenwart öiblische Skizzen von Theoüor Nappstein V. Der ältere Jesaja Im Jahre 739 v. Chr. stand der mächtigste Prophet Israels auf, der ältere Jesaja — den wir wissenschaftlich unterscheiden gelernt haben von dem jüngeren oder zweiten Jesaja, der anderthalb Jahrhunderte später inmitten der Gefangenschaft Israels itt Babylon wirkte. Der erste Jesaja war wohl Jerusalemer von Geburt und mit der Hauptstadt verwachsen. So aufmerksam er auch das Geschick des Nordreichs bis zu dessen Untergang verfolgte, so blieb ihm doch Jerusalem im Mittelpunkt seines Blickfeldes. Das ungeteilte Reich hatte das Heiligtum als Sammelstätte für den Gottesdienst geschaffen, vom Zwnshügel her erging Gottes Stimme über das Land. Die Priesterschaft beiin Tempel hütete den Vollzug der frommen Bräuche und wahrte ihr Ansehen bei Fürst und Volk. Die erbliche Monarchie gab dem Gemeinwesen Glanz und Dauer. Eines Hauptes höher als alles Volk reckte sich die Gestalt des kirchlich und politisch einflußreichen Jesaja. Kraft durchwaltet seine Rede, ein verschwenderischer Reichtum von Gedanken wird vornehm-leicht bewegt, Blitz und Donner fehlten selten ihres Zieles. Menschliche Kraft, Uebermut, Gedankenlosigkeit dürfen sich gegen Gottes Hoheit nicht behaupten. Nach vierzigjähriger Wirksamkeit überbrachte dieser prophetische Oberhofprediger dem assyrischen Welteroberer die Botschaft, sein Gott werde ihm wie einer gefangenen Bestie den Ring durch die Nase ziehen und ihn von Jeru- , salem hinweg den Weg znrücksühren, den er kam. Doch wer vom Allherrn Kunde hat, darf sich nicht erniedrigen, dis Götzen der eigenen Hand aus Holz und Gestein anzubeten! lleberwältigend anschaulich und mit bebendem Spott halt er unerbittlich seinen Stadtinenschen ihre gottlose Kulturvöllerei vor: Eine Fichte hat man gepflanzt, der Regen ließ sie wachsen. Sie dient dem Menschen zur Feuerimg, ja er zündet auch an, um Brot 31t backen,, und macht einen Gott daraus und fällt vor dein Schnitzbild nieder, daß er es verehre! Die Hälfte hat er im Feuer verbrannt, er ißt Fleisch und sättigt sich und spricht: Aha, ich werde warm, ich spüre die Glut! Den Ileberrest erhebt er zu seinem Gott, vor dem er niedersällt und anbetet. Nichts merken und verstehen sie, würde man sonst einen Holzklotz um Errettung bitten? Mer Asche hütet, den hat ein betrogenes Herz irregeführt, und er wird seine Seele nicht erretten! Tie kteinselige Schlaffheit seines Königs bringt es nicht zu hochgemutein Vertrauen, die verzagte Majestät verkriecht sich hinter Ausflüchten und plant in ihrer Angst bereits ein assyrisches Bündnis. Ein Zeichen soll er sich wählen, sein Hofprophet geht jede Wette mit ihm ein auf Gottes Durchhilse! Und der Gottesmann . folgt einer Eingebung des gespannten Augenblicks und sein Auge blitzt: Sieh das junge mannbare Weib da vor uns unten in der Menge! Sie ist schwanger und wird einen Sohn gebären, und sie nennt seinen Namen Immanuel, Gott mit uns! So bald wird das Land verlassen sein, vor dessen beiden Königen dir graut! Das ist keine sogenannte „messianische Weissagung" aus den Christus als den Jungsrausohn; um so anschaulicher wirkt das Genrebildchen: nicht lange mehr währt die Belagerung; bricht das Kind aus bm Mutterschoß ans Licht dieser Welt, so versieht sie den kleinen Mann mit einem Rufnamen, der den Dank für den wiedcrgewonnenen Frieden in sich trägt. Sie darf sich schon vor der Geburt solchen glücklichen Namen für ihr Kind wählen. Wie der Landmann der Gottesordnlmg lauscht und folgt im Naturlauf, in ebenso sicherer Ordnung schreitet Gott hinweg über die ärmliche Klugheit der Voltsnarren, die mit der Heimlichkeit politischer Dolchstiche vorwärts zu kommen trachten. Mit dem Abraum für die Fledermäuse und Maulwürfe werden sie hingeworfen werden. Tie Würde des Weltgerichts hüllt sich in undurchdringliches Schweigen, bis ihre erhaben-e. Stunde richtend und erbarmend sich selber meldet. Jesajas G e s ch i ch t s p h i l 0 s 0 p h i e erkennt das Walten Gottes im- Weltgeschehen — wie noch in unseren Tagen der schwedische Dichter August Strindberg seine einseitige Skizze entwarf zu dem Buche, das er nicht mehr schrieb: „Der bewußte Wille in der Weltgeschichte." Man mag auch an Schillers Geschichtsstudien erinnern und an die männlichherben Arbeiten unserer Dichterin Ricarda Huch mit den religiösen Gedankengängen ihrer letzten Schriften. Jesajas lyrischer Hochschwung, den Luthers Uebersetzung durchaus nicht immer voll erreicht, wird uns anschaulich an Probestücken in rhythmischer Uebertragung nach dein Grundtext: Ein Tag für der Heerscharen Herrn, wo alles Hohe fällt, wo was stolz erhaben, versinkt; wo des Bergwaldes Zeder zerbricht^ wo des Fruchtlands Eiche zerbirst; wo im ^turm stolze Höhn schnell vergehn, wo der Berggipfel Pracht im Nu zerkracht'» wo der Türme Fallen grollt, wo das starke Bollwerk zerrollt! Wo das Schiff auf dem Meer versinkt und der Goldschmuck, so schwer, nichts mehr bringt. Weh, güldener Reis der trunkenen Schar! Samarien welk wie Blumen im Haar, hoch fettem Tal zu Häupten der vom Weil: Betäubten! Schon ruft der Herr eines Necken Faust, der den Sturmwind schlägt, wie Wetter braust! Ter tritt knatternd und prasselnd des Stirnreiss Glanz, der Trunkenen Kranz, den. blinkenden Schmuck, das welkende Laub mit Füßen nieder in Staub. Und hoch ragt der Allherr allein, wann kommt sein Tag ... Einern einflußreichen Wichtigtuer V>on damals hat Jesaja ohne Feierlichkeit öffentlich angesagt: Männlein, Männlein, nimm' dich in acht! I. .. e packt dich, wickelt dich, schnürt dich und wirft dich gleich einem Ballen ms Land! Dann fahr' hin, du Prahlhans, Großmaul und Schandfleck! Sein Gott ist der höchste Rechtswart, der die Treue unbedingt wahrt, jeder Not ein Wallgraben, sicherer als die breiten Ströme, unter deren Deckung die Weltherrscher ihr Hoflager errichten. Und er gibt die goldene Regel aus für jeden Volksgenossen: Halte auf dich und bewahre Gelassenheit, der nichtige Mensch fürchtet Gott und sonst nichts auf der Welt, er verharrt in der Stete redlichen Vertrauens. Der soziale. Niedergang brach von den führenden Schichten aus; die Ehrlichkeit war verachtet, und der kleine Besitzer konnte sein Erbe nicht behaupten gegen die Vermögenden. Die Schwelger haben dem ansgeplünderten Volk auch die Seele ausgedörrt; selbst des Vaterlandes Niederlagen galten tonangebenden Schichten der Hauptstadt nur als würzende Tagesnettigkeit. Wehe dem, der für Wahrheit und Recht eintrat! Wie später Savonarola in Florenz, hat Jesaja den modijdjeu Damen der Gesellschaft an ihrem Putztisch für die neuesten Eingänge ans der großen Welt diesen Gewandspiegel befestigt: Jerusalems Frauen, wie stelzt ihr geziert und blickt so frech! Gott wird euch, ihr stolzen Schönen, aller Schöne entblättern! Herunterreißen von euren Schuhchen die Schnallen, Schrittkettchen und Bänder, von euren Gürteln die Täschchen und Fläschchen, von euren Armen die Reifen und Ringe, aus eurem Haar Schleier, Schleifen und Kämme, aus eurem Ohr allen blitzenden Schmuck! Herunter vom Leib die Festgewänder und Rüschen und Spitzen, Flitter und Gebräm! Bis ihr arm und kahl dasteht und nackt! Dann könnt ihr Gestank für Balsam nehmen, ein lausiges Strohseil für einen Prunkgürtel, enge Säcke statt fliegender Abendmäntel, Glatzgrinde für weiches welliges Haar. Feuer frißt Stoppeln unb Feuer frißt Halm, Gottes Zorn frißt euch! Das ist allerdings feine stilvolle Kanzelrede mit Chorgesang und Orgelklang und mit dem Ausgleich aller Probleme Himmels und der Erde bis znm Schlußg.'bet und Segen. Als Bänkelsänger sammelt Jesaja an einer Straßenecke die Müßiggänger um sich und trägt ihnen die Stadtschnurre von dem Weinbergsbesiher vor, der seinen Weinberg mit Edelwuchs bepflanzte und ihn hiugebend pflegte, und der ihm Säuerlinge trug. Und die Rede schlägt um: So will ich den Zaun wegreißen, lue Mauer zerstören; mag er zerfallen,'zum Schutthaufen werden, mich kümmert's nicht! Das Volk peinigt sich, einer den andern und jeder seinen Nächsten; trotzig bäumen sie sich auf, der Bube wider den Greis und der Lump gGgen den Ehrenmann. Bis sie euren anpacken: Dil hast noch einen Rock, tut mußt unser Richteramt annehmen, dieser Trümmerhaufen sei deiner Hand besohlen — urtb der nicht den Arzt spielen mag- und die Berufung zum Volksrichter ablehnt. Nach Gerechtigkeit soll der Kömg herrschen, die Negierenden sollen nach Recht fahnden; jeder soll sein wie eine Bergung vor dem Stttrm, Schutzdach wider den Regenguß, wie Wasserbäche in der Dürre und Schatten eines -wuchtenden Felsens int lechzenden Lande. Jesaja sieht die Volkswohlfahrt mtr verbürgt in einen: geordneten und gegliederten Zustande des Volksorganisntus, nicht in dem blassen Zukunftstraum voneiner treibenden Masse gleichartiger Volksteilchen. Nur die Besten im Volke dürfen die Volksleitung als Verhinderung jedes Rechtsschadens und als sürsorg ende Treue in die Hand nehmen. Wenn der alte Königsstamm bis auf den Wurzelstumpf niedergehauen sein wird, seiner Herrlichkeit entkleidet nur noch ein weltverborgenens Dasein führt, dann wird I ... e, so hat es dieser politische Prophet Israels geschaut, nicht durch Erbkönigtum und nicht durch Wahlkönigtum, vielmehr aus den: Geheimnis heraus, mit dem alle genialen Führerpersönlichkeiten, wenn ihre Zeit erfüllt war, in die Geschichte eingetreten sind, seinen Geistrepräsentanten entsenden. Beglaubigen wird ihn der in ihm waltende unb aus ihm wuchtende Geist der Einsicht und des Verstandes, des klugen Rates und der tapferen Hand. Der wird die Spannungen lösen und ~ die Entfremdungen' überwinden; unter seinem Zepter soll das Friedensvolk erblühen. Der Wolf wird Gastfreund des Lammes sein, der Panter lagert beim Böcklein, Kuh und Bär gehen auf die Weide, und der Löwe frißt Stroh wie das Rind; nach dem Leuchtschildchen des Basilisken streckt das Kind sein Händchen aus. Gott spricht zwischen den Völkern das ewig gültige Recht. Sie schmieden ihre Schwerter um zu Pflugmessern und ihre Spieße zu Winzerhippen. Der wahre Völkerbund tötet die Kriege ... Was wollen wir Menschen von heute dazu sagen?! ' _ Zur Geschichte der Königsberger Mische« Gemeinde Anläßlich einer Führung durch die Königsberget Synagoge, an der aus Einladung der „Jungdemokraten Königsbergs" zahlreiche christliche Hörer teil-« nahmen, machte Gemeinderabbiner Tr. Lewin interessante heimatrechtliche Mitteilungen. Er berichtetedaß der' Ansiedlung von Juden in Königsberg aus alten Vorurteilen die allergrößten Schwierigkeiten gemacht wurden. Dennoch seiet: zur Zeit des Ordens-- staates bereits Jttden in Preußen und damit in Königsberg feststellbar. Herzog A l b r e ch t von Preußen berief um das Jahr 1520 die ersten Juden nach Königsberg, nämlich die beiden Aerzte M a y und A b r a h a nt. Während der Ordensstaat, von diesen Ausnahmen abgesehen, Juden in Königsberg nicht duldete, ließ der weitblickende . Große Kursürst sie in Königsberg dauernden Wohnsitz nehmen. Mit ihrer Ansiedlung war die Grundlage zur Schasfttttg einer Gemeinde, der ersten Synagoge, gegeben; sie wurde im Jahre 1680 in detn Palais Eulenburg in

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