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Central-Verein-Zeitung · 1931-04-01 · Heft 4 (April 1931) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30 M MM MM WWr Im März-Heft der „Abwehrblütter" ist ein Vortrag, den Professor Walter Goetz (Leipzig) in der Senckenbergifchen Gesellschaft in Frankfurt a. Main über das Thema „Die Nasse in der Geschichte" gehalten hat, verössentlicht. Diesem bedeutsamen Vortrage entnehmen wir folgende Gedankengänge: Der alte Nassenbegriff zerbröckelt, weil er unhaltbar und reichlich unklar geworden ist. Man wird Klarheit über ihn erst wieder ge« Winnen können, wenn die Tatsachen gehört werden anstatt nationaler und politischer Vorurteile. Unzweifelhaft ist es ja, daß die „Nassenforschung" ein Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein kann. Aber was an ernster Forschungsarbeit geleistet worden ist, hat den alten Begriff der Nasse freilich immer zweifelhafter gemacht. Nirgends zeigt sich die körperliche Einheit in einem solchen Umfange, daß man von großen einheitlichen, ganze Völker umfassenden Nassengruppen sprechen könnte. Auch die Untersuchung der Nassen nach der geistigen Seite hin hat wissenschaftlichen Wert. Aber gerade hier stellen sich die Vorurteile breit und anmaßend in den Weg, und es ist ein Kennzeichen des Dilettantismus in der deutschen Nassenfovfchung, daß der Satz von der germanischen Edelrasse ebenso festgehalten wird wie der Glaube an das große Erbteil dieser Nasse. Hier allein erbe sich alles Große und Echte der Menschheit von Generation zu Generation weiter, lediglich bedroht vom Eindringen des Judentums. Der Historiker kann einer solchen Meinung gegenüber nicht den Vorwurf zurückstellen, daß die geschichtlichen Tatsachen darin verfälscht werden, wenn von reinen Rasier: gesprochen wird. Die Beweise sind erdrückend, daß alle Völker der Erde durch Mischungen hindurchgegangen sind. Die Jndogermanen vor allem treten bereits als ein Mischvolk aus der Vorzeit in die Geschichte ein und mischen sich immer von neuem mit anderen Völkern. Wenn es aber keine Nassen gibt, so kann unmöglich von einer nur zu konstruierenden Urrasse der Jndogermanen ein Werturteil über die Nassen abgeleitet werden. Trotzdem muß untersucht werden, ob in der Rasse etwas Konstantes liegt und ob sich der Geist einer Rasse immer gleichwertig vererben kann. Das Ergebnis einer solchen Untersuchung ist, daß die Nasse geistig nicht konstant rst, sondern daß die Umwelt, das Klima, das Verhältnis der Volkszahl, die kulturelle Ueberlegenheit beim Zusammenstoß verschiedener Nassen entscheidender sind als das körperliche Erbteil, obwohl nun auch dieses keineswegs konstant ist. So gilt neben der Tatsache der allgemeinen Rassenmischung als historische Tatsache, daß die Umwelt und geschichtliche Entwicklung die Völker formen, gleichviel ob sie von der einen oder anderen Nasse abstammen. Der verdiente Nassenforscher P. Schmidt (Wien) behält recht, wenn er sagt: „Die Seele als solche hat keine Nasse." Immerhin könnte ein Streit darüber entstehen, ob die Rassenmischung wertvoll ist, und es wäre zu fragen, wie sich diese geschichtliche Tatsache answirkt. Viele Forscher halten jede Mischung für möglich und vorteilhaft, der Historiker jedoch kann diese Fragen nicht entscheiden, sondern muß dem Anthropologen die Entscheidung darüber überlassen. Aber ohne Zweifel sind die Mischungen im abendländischen und vorderasiatischen Bereich, wo alles Volkstum vermischt ist, die Grundlage zur höchsten Entwicklung der Menschheit geworden. Und wenn sich der leidenschaftliche Kamvf der völkischen Nassentheoretiker z. B. gegen die angeblich schädliche Vermischung mit dem Judentum richtet, so sei darauf hingewiesen, daß unantastbare Forscher die These ausgestellt haben, daß Jndogermanen und Semiten-Hamiten aus gemeinsamer Wurzel entstanden seien. Wenn die völkischen Nassentheoretiker ihre Tätigkeit anstatt unhaltbaren Vorurteilen bctt Tatsachen der Geschichte tmb der Anthropologie Allwenden lvürdell, so könnte sich wenigstens für jene, die ein wissenschaftliches Verantwortungsgefühl allfzllbrillgen imstande sind, ein reiches Feld der Betätigung eröffnen. Zullächst aber bleibt nichts anderes übrig, als das Tlin dieser völkischen Nassentheoretiker als Dilettalltismus zu bezeichnen und gegell die Besetzung voll Universitätslehrstühlen mit Mänllern dieser Art bcn schärfsten Einspruch zu erheben. Hut gegeben ... Ausländer über deutsche Antisemiten Der „Haag'schen Post" vom 31. März 1931 entnehmen wir solgende Notiz: „Im vergangeneil Sommer war ich mit meiner Frall cmsder Durchreise nach Wien einige Tage in Miillchen. Wir saßen abends bei einem Glas Bier in einem großen Cafe, als der Kellner uns eine Karte überreichte. Verwundert nahm ich sie an. Es waren die folgenden Worte darauf gedruckt: „Nach Jerusalem und nicht zurück. Ein deutscher Mann." Ich ließ meine Frau das Kärtchen tefen, worüber sie herzlich lachen mußte. Ich blieb ernst, rief den Kellner und fragte ihll, wer lnir diese Karte verehrt hätte. Daraus beutete er aus drei als Herren gekleidete Deutsche, die einige Tische entfernt saßen. Ich holte meinen Füllfederhalter hervor und schrieb auf die Rückseite der Karte: „Nach einer Irrenanstalt und gesinld zllrück. Meine Gattin wünscht Ihnen gleich alls gute Besserung. Ein holländischer Herr? — Ich gab die Karte dem Kellner und bat ihn, dieselbe den deutschen Mannen zu überreichen. So geschah es. — Darauf blasse Gesichter bei den Deutschen, heftiges Flüstern und überlegen böse Blicke in meine Richtung, während meille Frall noch immer lachte und ich die Herreil kühl betrachtete. Eillige Minuten später lvarell sie fort. Daß ich, ohlle meine Kleider zu zerreißen, davongekommen bin, habe ich wahrscheinlich der Tatsache zu verdanken, daß ich Ausländer bin." Die „Haag'sche Post" fügt hinzu, daß die Ahnen des holländischen Elnsellders mit äußerlich „jüdischem" Typ katholisch sind. feilte wie öazumal.. . Wenn im mittelalterlichen Abendland das „ausgebeutete Volk" die „jüdischen Blutsauger" wieder cinnlal totgeschlagen oder davorlgetrieben hatte, so mußte es nicht selten die Erfahrung machen, daß es aus dem Regen in die Trause gekommen war. Sittenprediger und Geschichtsschreiber berichten nämlich immer wieder, daß die Christen — heute würde man sie die „weißen Juden" nennen — es schlimmer trieben als die jüdischen Wucherer, und es soll vorgekommen sein, daß man die Juden als Netter vor christlichen Wucherern herbeirief. Aehnliches spielt sich, wie die „Jüdische Telegraphen-Agentur" lneldet, zurzeit in Palästina ab. In einen: Aufruf, der von zehn hervorragenden m o h a m m e d a n i s ch e n u n d ch r i st l i ch e n A r a b er n in der arabisch geschriebenen jüdischen Zeitung „Al Salaam" veröffentlicht wurde, wird an die „Jüdischen Vereinigungen" der Appell gerichtet, sich in Nazareth anzusiedeln, um die jetzt 'dort ansässigen Händler, die übertriebene Preise fordern, aus ihrer dominierender: Stellung zu verdrängen und den Kamps gegen die arabischen Geldverleiher und Wucherer auszunehmen. Wie in dem Aufruf ausgeführt wird, hat die Bevölkerung von Nazareth viele Jahre hindurch immer wieder ihre Stimme gegen das Treiben der Geldverleiher in dieser Stadt erhoben. Sie hat sich von Heit zu Zeit vergeblich an die Behörden um Abhilfe gewandt und ist nunmehr zu der Erkenntnis gekommen, daß die Einwanderung von Juden die einzige Möglichkeit zur Rettung der Stadt darstellt. Heinrich Heine auf völkisch Eine niedrige Fälschung des „Völkischen Beobachters" Der „Völkische Beobachter" braucht „noch unbekannte antisemitische Gedichte". Woher nehmen und nicht stehlen? Also stiehlt und fälscht der „Völkische Beobachter". Er nimmt ein Gedicht von Heine, klebt es in den 1831 erschienenen „Rosengarten deutscher Poesie" ein und schreibt es W. K. Grimm zu. Und dann hat er „ein „prachtvolles Bekenntnis zum Siegfried-Kampf gegen den jüdischen Drachen",und „dieser machtvolle, von tiefster Vaterlandsliebe und heiligem Haß flammende Gesang klingt so, als wäre er eben er st he ute deutsch er Brust entquollen und nicht vor gerade hundert Jahren". (Wer es nicht glaubt, kann es im „Völkischen Beobachter" vom 17. April 1931 in gleicher Wuse gesperrt lesen.) Dieser Haßgesang aus deutscher Brust sicht so aus: M e i n D e u t s ch l a n d, w a ch' a u f! Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme, Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie sÜugt's mit teutonischer Flamme. Es ist ein cheruskisches N i e s e n k i n d, Reißt aus dem Boden die Eiche Und schlügt den Juden den Rücken wund Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht es, den: jungen Fant, Von dem wir singen und sagen: Der hat m i t seinen: deutschen Schwert Den Amboß entzweigeschlagen. Wach' auf, du wirst einst wie Siegfried sein, Z e r s p e l l e n den jüdischen Drachen, Und st r n h l e n d vom d e u t s ch e n Hi m - ' mel herab Gr üß t Germania dein Erwachen. Ebenso macht es der „Völkische Beobachter Grillparzer - " ~ ... von Karl Krauß. Das Deutschlandlied des Juden Heinrich Heine aber so: Deutschland. Deutschland ist noch ein kleines Kind, Doch die Sonne ist seine Amme, Sie säugt es nicht mit stiller Milch, Sie säugt es mit wilder Flamme. Es ist ein täppisches N i e s e l e i n, Reißt aus dem Boden die Eiche Und schlägt e u ch damit den Rücken wund Und die Köpfe windelweiche. Dem Siegfried gleicht er, dem edlen Fant, Von dem wir singen und sagen: Der hat, nachdem er geschmiedet sein S ch w e r t, Den Amboß entzweigeschlagen! Ja, du wirst einst wie Siegfried sein Und töten den häßlichen Drachel:, Heisa! w i e freudig von: Himmel herab Wird d e i n e F r a u Amme lachen! v . -- ,. . (J (¥. . nut einem angeblich „ungedruckten" Gedicht von das m Wahrheit nichts :st als die tendenziöse U m dichtung eines Gedichtes W:r ersparen unseren Lesern die Lektüre dieses „echten"" Grillparzer - ri Es muß schlecht bestellt sen: nut den dichterischen Fähigkeiten der Nationalsozialisten, wenn sie ihre teutonischen Kampsgesünge ails Fälschungen Heinescher Gedichte herhvleii müssen. Oder sollte gar nur die geistig überragende Redaktion des „Völkischen Beobachters", die Sachwalteriil deiltscher Bildung, den: Streich eines Bösewichts zun: Opfer gefallen sein, der ihre Ilnbildung. nicht unterschätzt hat? Wie dem auch sei: Wir sind gespannt zu erfahren, wann und auf welche Weise der „Völkische Beobachter" diese Fälschung entlarven wird.

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