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Central-Verein-Zeitung · 1931-03-01 · Heft 3 (März 1931) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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22 Eines deutschen Beamten Antwort Briefwechsel /wischen dem Landesverband. Oherschlesien des Centralvereins und dein (früheren)Oberpräsidenten von Oberschlesien Dr.Proske Bisher unveröffentlicht. ten slawischen, tatsächlich mongoloibcn und uftbaltischen Zügen. Menschen mit aristokratischem (sprich: nordischem!) Aeußeren sind dort sehr viel seltener anzutrefsen", stellt er stirnrunzelud sest. Dazu bemerkt er mit Entsetzen, daß sich die rassisch minderwertige Bevölkerung des Ostteiles bedeutend stärker vermehrt als die aristokratischnordische der Westkreise. Darin sieht er eine große Gefahr nicht nur für die Zukunft der Kultur Oberschlesiens, sondern für ganz Deutschland, da Oberschlesien einen großen Teil seines Geburtenüberschusses -an die anderen deutschen Gebietsteile abgibt. In der Parole „Oberschlesien den Oberschlesiern" sieht er den Versuch, die hochwertigen nordischen Elemente ans Oberschlesien hinauszuwerfen, den „Kampf der unterrassigen Schwarzalben gegen die Söhne des Lichtes". Nun, konsequenter kann man wohl die Günthersche Rassenwertungstheorie nicht durchführen. Für die Oberschlesier aber, überhaupt für alle Bewohner der Ostmark, sollte dieses Buck eine Lehre sein. Nach völkischer Irrlehre nützt es nichts, heldenhafte Leistungen zu vollbringen; hat es keinen Sinn, sich unter dem Druck französischer Bajonette und den Gewalttaten polnischer Insurgenten für Deutschland zu entscheiden und sein Leben für die deutsche Nation einzusetzen; hat es keinen Zweck, hier auf schwerstem Posten deutsche Kulturarbeit zu leisten. Wenn man Zufällig einen runden Schädel hat, bleibt man doch „unterrassiger Schwarzalbe" und ist immer em Fremdkörper im deutschen Volke. Es war ganz im Sinn dieser „nordischen Aristokraten", wenn vor 1918 in Oberschlesien alle einflußreichen Stellen mit Westdeutschen beseht wurden. Oberschlesien sollte eben nur eine Kolonie sein, in der die Eingeborenen nichts zu sagen hatten. Deshalb muß man es als Heuchelei bezeichnen, wenn die nationalsozialistischen Günther-Anhänger jetzt den Abstimmungssieg feiern. Zu ihrer Theorie hätte es wohl gepaßt, wenn alles Land östlich der Kreise Neisse—Grottkau ohne Abstimmung an Polen abgetreten worden wäre, wie es Frankreich mit allen Mitteln durchsetzen wollte. Das wäre dann im Sinne der völkischen Nassentheorie ein Schritt zur Nassenveredelung des deutschen Volkes gewesen. Was sagt aber die wissenschaftliche Anthropologie dazu? Gewiß, es gibt verschiedenartige Rassenmischungen in Deutschland; die Oberschlesier haben im Gegensatz zu den vorwiegend nordischen Bewohnern Nordwestdeutschlands einen starken, ostischen Einschlag. Es ist auch nicht zu bestreiten, daß, wie oben erwähnt, in Oberschlesien, wie in der Ostmark überhaupt, zahlreiche Menschen mit mongolischer Rassenbeimischung zu finden sind. Aber auch zwischen den ostischen Schwaben oder Alemannen und den nordischen Friesen gibt es Ja rassenmäßig Unterschiede. Es sei auch zugegeben, daß es unter den einzelnen Bevölkerungsgrupven Deutschlands gewisse geistige Verschiedenheiten gibt, die man mit den Rassenforschern Fischer (Berlin) und Lenz (München) als seelische Rassenmerkmale bezeichnen kann. Es ist aber unsinnig und gefährlich, die verschiedenen Nassen in ihrem Werke für die deutsche Nation gegeneinander a b z u w ä g e n. Wie die wissenschaftliche Rassenkunde zu derartigen Versuchen steht, ist am besten aus dem wissenschaftlichen Vermächtnis des großen Berliner Rassenforschers Felix von Luschan zu ersehen, in dem er verkündet: „Es gibt keine an sich minderwertige Rasse. Der Unterschied zwischen den einzelnen Nassen i st, besonders was die moralischen Eigenschaften und die Intelligenz a n g eh t, nicht entfernt so groß als der zwischen einzelnen Individuen ein und derselben Rasse." Aber wir „unterrassigen Schwarzalben" lassen uns nicht die Zugehörigkeit zur deutschen Kultur nehmen. Wir lassen Deutschland nicht durch die völkische RlTssentheorie in das alte Erbübel der deutschen Zwietracht zurückfallen. Alle deutschen Volksstämme sind trotz ihrer rassischen Verschiedenheit aus ihre Art wertvolle Bestandteile der deutschen Nation. Hier ein Werturteil zu fällen, ist anmaßend und letzten Endes ein Verrat an der Einheit des deutschen Volkes. Ccnlralvercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Oberschlesien. ' Beuthen, den 28. März 1929. Herrn Oberpräsidenten Dr. Proske Oppeln. Hochgeehrter Herr Oberpräsident! Nach dem Kriege und der Abtretung von Ostoberschlesien drohte unsere engere Heimat ein Tummelplatz von unfriediertigen Elementen zu werden, denen mehr an Ausschreitungen und Gewalttaten gegen politische Gegner als an Vertretung ihrer eigenen politischen Meinung und Durchsetzung ihrer politischen Rechte gelegen zu sein schien. Unter ihrem Treiben hatten nicht zuletzt wir oberschlesischen Juden zu leiden. Um so dankbarer erkennen wir es an, dass Sie, hochverehrter Herr Oberpräsident, bei allem Verständnis für andersartige politische Einstellung Unruhestifter in die durch die Staatsgesetze gebildeten Schranken zurückzuweisen gewusst haben. Die Tatsache, dass bei Ihrem Scheiden politische Exzesse in Oberschlesien glücklicherweise kaum noch zu verzeichnen sind, ist um so höher anzuschlagen, als zu gleicher Zeit der Herr Minister des Innern in Preussen sich genötigt gesehen hat, in einem Erlass gegen den in den übrigen Gebieten sich ständig steigernden Radikalismus Stellung zu nehmen. Von einer inneren Befriedung, wie sie sich dank Ihrer Tätigkeit in den letzten Jahren in Oberschlesien anzubahnen begonnen hat, versprechen wir im Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der grössten jüdischen Organisation Deutschlands, vereinigten Juden uns nicht nur eine Besserung unserer eigenen Lage, sondern wir erhoffen von ihr vor allem auch den Wiederaufstieg unseres grossen deutschen Vaterlandes. Es ist uns als Deutschen und als Juden daher ein Bedürfnis, Ihnen bei Ihrem Scheiden aus Oberschlesien für Ihre aussöhnende und der Gerechtigkeit dienende Politik auf Ihrem bisherigen Posten herzlich zu danken. Wir wissen uns im Geiste dabei einig mit unserem leider zu früh dahingeschiedenen Führer, Rabbiner Dr. Braunschweiger in Oppeln, der gerade diese Seite Ihrer Tätigkeit stets dankbar anerkannt und hervorgehoben hat. In vorzüglicher Hochachtung Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Oberschlesien Dr. Skalier, JusLizrat. Der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien. Oppeln, den 29. März 1929. An den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Landesverband Oberschlesien Beuthen O.-S. Für das mich mit grosser Genugtuung und Freude erfüllende Schreiben vom 28. d. M. danke ich herzlichst. Die von Ihnen mir gegenüber zum Ausdruck gebrachte Befriedigung über meine Tätigkeit in Oberschlesien ist mir die wertvollste. Die Achtung vor der Persönlichkeit eines jeden Volksgenossen, die unterschiedslose praktische Einreihung aller Staatsbürger innerhalb der staatsbürgerlichen Volks- und Rechtsgemeinschaft, ja ein unbegrenztes Eintreten für die durch unwürdige Intoleranz und Kulturlosigkeit — oder sozial — zurückgesetzten Bürger, das ist mein persönliches Ideal und auch der Grundgedanke für meine Beamtentätigkeit. Mit meinen besten Wünschen bin ich Ihr stets ergebener Oberschlesiens deutsch-jüdische Helden Von Dr. Lakobotvih (Beuthen O.-G.) Auf die Tage heiligen Gedenkens an die nationale Einigkeit des Jahres 1921 wirft der Parteihader seinen Schatten. Hakenkreuzfahnen sollten, so wurde bei der Vorbereitung für die Gedenkfeiern bekannt, in den Zügen mitgeführt und dadurch einem Teil der Oberschlesier die Teilnahme an der Aeier in Gleiwitz unmöglich gemacht werden. Die Juden Hütten bei diesen Feiern nichts zu suchen, denn sie seien keine Deutschen. Das wagte der nationalsozialistische Vertreter bei der Vorbesprechung offen zu sagen. Und tu den anschließenden Auseinandersetzungen schrieb „ein ehemaliger Selbstschntzkämpfer", der die geschichtlichen Tatsachen wirklich besser kennen sollte, in einem bürgerlichen Blatt: „Unter der Fahne Schwarz-Weiß-Rvt und derbes Hakenkreuzes kämpften und starben oberschlesische Arbeiter, Bauern und Bürger für ihre Heimat Schulter an Schulter mit den Brüdern ans dem Reiche, die ausnahmslos das Hakenkreuz trugen ..." Durch das Eingreifen der Negierung ist erfreulicherweise ein Verlauf der Feiern sichergestellt, der jedem Deutschgesinnten die Teilnahme ermöglicht. — Diese Blätter geben in kurzer Uebersicht ein Bild von der selbstverständlichen Begeisterung für Deutschland, die den oberschlesischen Juden vor zehn Jahren wie heute die Entscheidung für Deutschland diktierte. Jene haßerfüllten Gegner, die den Burgfrieden der Oberschlesien-Feier zu stören versuchten, machen es notwendig, daß wir — als Beispiel für viele — einige der Opfer aufführen, die deutsche Juden an Gesundheit und Leben für die deutsche Sache in Oberschlesten gebracht haben. In der Nacht vom 19. zum 20. August 1919 wurde die Familie des Kaufmanns W a ch s n e r in K a r f wegen ihrer deutschen Gesinnung überfallen und der Sohn R u d o l f W a ch s n e r, ein 18jähriger Gymnasiast, erschossen. Der' Gasthausbesitzer Simon Aschner in Nikolai wurde ausgeplündert und zu Tode gequält. Max Tr. aus der gleichen Stadt wurde ausgeplündert, mißhandelt und Vertrieben. Gastwirt Markus Z. aus S ch o p p i n i tz wurde unbekleidet aus dem Hause gezerrt, schwer mißhandelt und verschleppt. Erst nach

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