Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 General Hoefer, der Führer des Obersdilesisdwi Selbstschutzes (O.S.S.S.), an die „C.V.-Zeitung“ KT^j^VMu*. ah£5**. , -UkSßo. dlau|«t||C«Ml.iu». v -jSS^K. “üöi^ CuX 't***^_ ^>KaZ>waJ»X” E jvuuUMU^tj^iuk j i)>^||«ltHUt> ö"*^*’^*^* t=)t6A^<h. j jiiMt^fUsQBMiJL 4«*^ •» drei Dutzend fern geblieben, und in jedem Falle war die Abwesenheit durch schwerste Krankheit oder durch unüberwindliche physische Hindernisse gerechtfertigt. Tausende der jüdischen Gäste benutzten den Aufenthalt, um die uralten jüdischen Landesfriedhöse von Langend o r f, Ciesowa, Zülz und Beuthen aufzusuchen, wo die Ahnen und Großeltern bestattet wären, und füllten am Sonnabend, den 19. März, die Synagogen Oberschlesiens, in denen ergreifende Predigten und heiße Gebete die Rettung Oberschlesiens für das Vaterland erflehten. In den lebten Monaten vor der Abstimmung hatten eine Reihe von oberschlesischen Männern, darunter solche in namhafter Stellung, für die Entscheidung über das Schicksal. Oberschlesiens eind neue Lösung vorgeschlagen und eifrig dafür agitiert. Es sollte außer der Alternative: „Deutschland oder Polen" noch eine dritte Möglichkeit, nämlich die Bildung einer neutralen unabhängiger: Republik Oberschlesien, einer Art Belgien im Osten, zur Abstimmmrg gestellt werden. Sehr einflußreiche Kreise unterstützter: diesen Vorschlag, der schließlich aus einen landesverräterischen Separatismus hinauslies, wenn auch bei einzelnen Befürwortern die Motive nicht ganz so übler Art wie bei den rheinischen Separatisten gewesen sein mögen. Die gesamte jüdische Bevölkerung bekämpfte die Idee des souveränen Oberschlesiens aus das schärfste. In der großen dafür gebildeter: Organisation befand sich nicht ein einziger Jude, was mit um so größerer Genugtuung bemerkt werden darf, als darnals nicht wenige rechtsgerichtete Männer, die sich heute sehr nationalistisch geben und nicht gern an die Haltung von darnals erinnert Werder: mögen, offen in Wort und Schrift für das „freie Oberschlesien" eingetreten waren. Der - Vorschlag wurde sowohl von der (Entente, wie von Deutschland und Polen abgelehrck. Das Ergebnis Das Plebiszit vom 20. März 1921: Drei Fünftel der S t i n: m e n s ü r Deutschl a n d und zwei Fünftel für Pole::. Der Jubel über das Ergebnis war groß, aber immerhin durch die Befürchtung gedämpft, daß es den Polen gelingen könnte,, für ihre 460 000 Stimmen doch gewisse Gebietszuweisungen zu erlangen. Die Entscheidung der Mächte über die Auswertung des Abstimmungsresultats zog sich über ein halbes Jahr hin, und innerhalb dieser Zeit verstanden es die Polen, durch einen großangelegten Ausstand soviel wie möglich vor: dem Abstimmurrgslande an sich zu reißen. Dieser Aufstand stellte sich wegen der Fülle der an den Deutschen verübten Grausamkeiten und Marterr:, weger: der Ermordung und Mißhandlung von vielen hundert Deutschen und der unzähliger:, ebensosehr auf das Konto der Franzosen wie der Polen zu setzer:der: Untaten als das blutigste Blatt in der Geschichte Oberschlesiens dar. Auf dem Lande wurden deutsche Exekutivbeamte massakriert, in den Städten erschossen und mißhandelten Polen im Verein mit der französischen Soldateska nicht nur die tätig Widerstand Leistenden, sondern auch alle Verdächtigen, gleichviel welchen Standes, Alters und Geschlechts. Ir: Beuthen allein wurden acht unschuldige Kinder von der: Kugel:: der Franzosen und Poler: getroffer:. Der Selbstschutz Der heimlich, aber mit gewaltiger Energie und Schleunigkeit formierte S e l b st s ch u tz rvurde vvn der deutschen Bevölkerung, die aus dem Reiche militärische Hilfe nicht erlangen konnte, als Retter begrüßt. Ein großer Teil der waffenfähiger: junger: Leute ohne Unterschied der Partei und Konfession trat zum Schutze der Heimat und des Vaterlandes in die Reihen der Kampsverbände ein. Edelste Vaterlandsliebe und lauterste Gesirumng beseelten diese Scharen, und wenn auch im weiteren Verlaufe der Kärr:pfe vor: emzelnen Selbstschutzleuten verurteilenswerte Dinge begangen sind, so handelt es sich hierbei imnrer um Ausschreitungen einzelner landfremder Söldner, die lediglich rohe Landsknechtgesinnung und sonstige üble Beweggründe vor: auswärts nach dem Schauplatz der oberschlesischen Kämpfe geführt hatten. Die eirrheimischen Oberschlesier Haber: ihren Kampf mit heiligem Ernst und untadeliger Gesinnung geführt. Zahlreiche jüdische Jünglinge und Männer, besonders i n der: zernierten größeren Städten, rvaren aktiv im Selbstschütz, u n b eine A nzahl von i h n e n h a t mit dem Helden tode ihre Liebe für Oberschlesien in den: Entscheidungsgesechte auf dem An n aber ge ur:d in den Treffen an anderen O r t e rr b e s i e g e l t. Es ist bezeichrrend, daß bei einem der Straßenkämpfe in Beuthen das srarrzösische Militär das Gebäude des dortigen jüdischer: Altersheims als Schlupsw i n f e I von S e lb st s ch u tzkä mp s e r n a ns a h und das Haus durch ein einstünoiges Maschinengewehrseuer bestrafte. In dem ö st - lichen Te:l des Ausstandsgebiets w urden in erster Reihe jüdische P e x} o n e n ihre r Habeberaubt, mißhandelt u ii b verstümmelt, und in t: icht wenigen Fällen wurden diese M e r: s ch e u von den wütenden I r: s u r g c n t c n niedergemach t. Aus all diesen: Heldentum und den furchtbarster: Leider: erblühte den deutschen Bemülumgen, Oberschlesien vor der Errtreißrmg zu retten, keir: Erfolg. Das Genfer Diktat zerriß und verstürmnelte das Land, desser: unnatürliche Grenzer: die Wirtschaft lähmen und pressen und eine Erholung des schwergeprüften Landes hindern. Aber Leiden, Bedrückurrg und Kampf haben die Seele des Obersckilesiers gestählt und die Herzen der Merrschen dieses Landes zu einer Einheit geschrrrolzerr, ir: der Heirnatsliebe und Vaterlandssinr: aller: Versuchen unseliger: Parteigeistes und konfessioneller: Hasses letztlich widerstehen, rnögen auch Zweifel daran in dieser: politischen Sturnrzeiter: einer: oft überkorrrmeu. „wir können auf üie Juden nicht verzichten" Während der Vorbereitungen zur Abstimmung richtete der damals äußerst rührige völkische Arckisemit Dr. H e i n r i ch P u d o r an der: Vorsitzenden der Verbünde heimattreuer Oberschlesier, Landgerichts rat Ernst, die Aufforderung, die Juden von der Mitarbeit auszuschließen und auf ihre Stimmen zu verzichten. Diese ungeheuerliche Zumutung lehnte Landgerichtsrat Dr. Ernst in einem Schreiben ab, in dem es heißt: „Mehr als 99 v. H. der oberschlesischeu Juden widersetzen sich dem Anschluß an Palen, nrr§> es steht fest, daß wir die feste Unterstützung nach Aussage unserer Kreisgruppenvorstände gerade seitens der Inden erfahren, während andere Kreise, die sich sonst gern als national bezeichnen, sich ängstlich znrückyalten. Darum kann auf die Mitarbeit der Inden auf keinen Fall verzichtet werden." „Mein armes Deutsthlanö!" Der Tod des Leutnants Sack Leutnant Sack aus Myslowitz fuhr mit erneu: Oberleutnant von Arnim, der in Kreuzburg eine Selbstschutz-Kompagnie aufgestellt hatte, in einem offenen Auto von Namslau her auf dem Wege nach Kreuzburg durch Kronstadt. Hier waren an diesem Tage eine Menge Leute, ganz junge und ältere Männer, mit Gewehren und Munition ausgerüstet worden und waren nun in Gruppen auf den Straßen unterwegs; eine Unterweisung über ihrePflrchten hatten sie wohl noch nicht erhalten. Bei ihrer Fahrt durch die Stadt wurde auf das Auto geschossen. Eine Kugel durchschlug die Rückwand des Wagens und traf Leutnant Sack in die Lunge. Leutnant Sack wurde in das städtische Krankenhaus gebracht. Dort starb er trotz sofortigen ärztlichen Beistandes am nächsten Tage. Als Leutnant Sack kurz vor seinem Hinscheiden gefragt wurde, welcher Geistliche gerufen werden sollte, verlangte er einen jüdischen. Erst dadurch wurde bekannt, daß Sack Jude war. Die Jüdische Gemeinde wurde sofort benachrichtigt. Er starb mit den Worten: „Mein armes Deutschland." Leutnant Sack wurde unter großer Beteiligung der gesamten Bevölkerung zu Grabe getragen. Auch seine Kompanie gab ihm das letzte Geleit. Sein Narne wurde in das Gefallenendenkmal in Konstadt eingemeißelt