Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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nossenschaften des Schultze-Delitzschen Systems die Grundlagen des Kreditverkehrs." 1813. 1864, 1870/71. An dein Ruhme oberschlesischer Soldaten-. tüchtigkeit und Heldenmuts, den die Kriege von 1813 bis 1871 gezeitigt haben, haben die Juden ihren nicht geringen Anteil. Es ist hier nicht der Ort, dies in Einzelschilderungen zu erhärten. Es seien nur drei in weiten Kreisen des Vaterlandes besonders bekannt gewordene Beispiele hervorgehvben. Der Grenadier Siegfried Adler a n s L o s l a n, den ans dem Schlachtfelde von Düppel 1864 König Wilhelm I. eigenhändig für seine Tapferkeit anszeichnete, ferner der „Held von Bourget", wie in der Kriegsschilderung eines Preußischen Generals der Beuthener Kommis Adolf Karsunkel stein genannt wird, der, die Regimentsfahne rettend, von zahlreichen Franzosenkngeln durchbohrt, den Heldentod fand. Unter den drei Angehörigen des Mannschastsstandes aus Oberschlesien, die im Feldzuge 1870/71 die damals so seltene Auszeichnung des Eisernen Kreuzes erster Klasse erhielten, war der Gleiwitzer Ludwig Rawitz. Und was den Weltkrieg anbetrifft, so finden wir die beredtesten Dokumente oberschlesischjüdischen Heldenmuts in den zahlreichen Gräberreihen der jüdischen Kriegerfricdhöfe in den oberschlesischen Städten. Gegen das Versailler Diktat! Bei solcher Verbundenheit mit Heimat und Vaterland mußten Oberschlefiens Juden es als den grausamsten Schlag ihres Lebens empfinden, als die im Frühjahr 1919 verkündeten Friedensbedingungen die Lostrennung Oberschlesiens von Deutschland und die Einverleibung an Polen bestimmten. Unter den Männern, die sich hiergegen aus der Tiefe ihres Schmerzes aufbäumten und die Leitung der Demonstrationen und Propaganda gegen dieses gewaltige Unrecht übernahmen, befanden sich in vorderster Reihe drei Juden: der Beuthener Sanitätsrat D r. Bloch, der Oppelner Rabbiner D r. Braunschweiger und der Beuthener Oberrabbiner Dr. Kopfst e i n. Ihnen war es nicht mehr beschieden, den nunmehrigen zehnjährigen Gedächtnistag der Abstimmung zu erleben. Aber ihre Taten und Verdienste sind in der neuen oberschlesischen Geschichtschreibung dem Andenken ihrer oankbaren Landsleute überliefert. Zusammen mit den Führern der deutschen Intelligenz und Wirtschaft in Oberschlesien organisierten sie den Protest des Volkes gegen das unerhörte Friedensdiktat, das ganz Oberschlesien ohne Abstimmung Polen ausliesern wollte. So zog in den ersten Tagen des Mai 1919 in großartigen Demonstrationszügen in Beuchen, Gleiwitz, Ovpeln, Ratibor und vielen anderen Orten die Deutsche Bürgerschaft, die ihre Geschäfte und Werkstätten verlassen hatte, auf die großen Plätze vor den Stadttoren und beschwor leidenschaftlich die Entente, das alte deutsche Land nicht, ohne es selbst zu befragen, den Polen zu überlassen. Dr. Bloch schritt mit der schwarzrotgoldenen Fahne an der Spitze des Beuthener Demonstrationszuges und forderte, umjubelt von den Deutschen und umtobt und bedroht von dem durch die Gegner in die Stadt geschafften polnischen Pöbel, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung für Oberschlesien. Die machtvollen Kundgebungen fanden rhr Echo in der ganzen Welt und verfehlten nicht ihre Wirkung auf die Entente. Jn dem endgültigen Friedensdiktat von Versailles wurde 'an Stelle der unbedingten Annexion Oberschlesiens eine Entscheidung auf Grund eines Plebiszits in diesem Lande Vorbehalten, aber zugleich bis zur endgültigen Entscheidung den Feindmächten die Sequestrierung und Besetzung Oberschlesiens anvertraut. Die Besatzung kommt! Die Negierung des Landes wurde einem aus den drei Mächten Frankreich, England und Italien zusammengesetzten Aus- Oberrabbiner Dr* M. Kopfstein (Beuthen O.-S.) „Ueber die Grenzen der jüdischen Gemeinde aber wuchs er hinaus in seinem treuen Bekennen zu dem Oberschlesien, das ihm eine zweite Heimat geworden war... Unvergessen muss ihm sein Mühen bleiben, wie er keine beschwerliche Reise, keine zeitraubenden Besprechungen scheute, keine Müdigkeit kannte, keine Unlust in ihm aufkam in den schwersten Jahren, der Vorbereitung der Abstimmung und der gewaltsamen Zerreissung seine« geliebten Oberschlesiens.“ (Aus dem Nachruf von Dr. D. Braunschweiger in der „C. V.-Zeitung“ vom 13. Sept. 1924.) K unter französischem Präsidium über- „ in, und die fremden Truppen — bis auf "einen geringen Teil Italiener, anfangs nur Franzosen, zu denen später auch englische Abteilungen hinzukamen — rückten in Oberschlesien ein. Schon die Szenen, die sich bei dem Einzuge der Franzosen abwielten, machten klar, daß die französischen Treuhänder eine mehr oder weniger offene Begünstigung der Polen planten. So kam es in Beuthen schon am Tage des Einzuges selbst zu Straßendemonstrationen gegen das französische Militär; ich habe noch jetzt jenen Zug jugendlicher Sportsleute vor Augen, den ein junges jüdisches Mädchen mit der deutschen Fahne führte, bis französische Soldaten ihn durchbrachen und Vertrieben. Die Polen, vielleicht enttäuscht über die Haltung der Juden, gebärdeten sich in diesen Zeiten besonders antisemitisch und denunzierten mit Vorliebe jüdische Bürger und junge Leute den französischen Machthabern. So mußten sich Zahlreiche Personen Arretierungen und Haussuchungen gefallen lassen. Wenn es in Beuthen z. B. zu den dort sehr häufigen nächtlichen Straßenkämpfen kam, war die stete Folge die Durchsuchung der Wohnungen nach Waffen vorwiegend bei den jüdifcTjen Mitgliedern der deutschen Ausschüsse. vor der Abstimmung. Selbst die Schützlinge der Entente, die Polen, fanden die lange Vesatzungsdauer unb unaufhörliche Spannung unerträglich. Schließlich wollten der „K ochnde r" und das andere Organ der polnischen Abstimmungs- Propaganda, die von Kvrsanty gekaufte „Obers ch le s i s ch e G re nzz e i t u n g", in der Hinausschiebung der Abstimmung eine „jüdische Mache" sehen, zu dem Zwecke, mit Hilfe Eng- Rabbiner Dr. D. Braunschweiger (Oppeln) „Hier soll der Vergessenheit entrissen werden, was unser vorbildlicher C. V.-Landesverbandsvorsitzender während der Abstimmungszeit für sein deutsches Vaterland geleistet hat; . . Nie hätte er mit solch heiligem Feuer für die deutsche Sache eintreten können, hätte er nicht die tiefgegründete Ueberzeugung gehabt, dass deutsche Juden auf Grund ihrer geschichtlichen und kulturellen Entwicklung nur eine Heimat, Deutschland, haben können, und dass das Schicksal der oberschlesischen Juden untrennbar mit dem ihres deutschen Vaterlandes verbunden sein muss . . (Aus dem- Nachruf von Dr. Lustig in der „C. V.-Zeitung“ vom J 1. Mai 1928.) lands allmählich das Verbleiben Oberschlesiens bei Deutschland durchzusetzen. So gab es in jener Presse wiederholte judenfeindliche Ausfälle, und der „Kochnder" gefiel sich darin, die Zydowka, die jüdische Dame der deutschen Abstimmungsausschüsse, als ständige Witzblatt-Type ihren Lesern vorzuführen. Freilich hatten die Polen allen Anlaß, die von Sachkunde und Mut getragene schneidige Polemik der deutschen Abstimmungspresse, insbesondere der von Dr. Bloch gegründeten „Oberschlesischen Landeszeitung", zu fürchten. In diesem Blatte hatte der Verfasser dieses Artikels aus wissenschaftlicher Grundlage ausgeführt, daß die Grenze zwischen Polen und Deutschland in Oberschlesien überhaupt die älteste Grenze Europas wäre. Dieses Schlagwort von der ältesten Grenze in Europa verstimmte die Polen um so mehr, als auch Lloyd George sich zugunsten Deutschlands das Argument der ältesten Grenze zu eigen machte. Der 20. März 1921. Der 20. März 1921 wurde endlich zum Abstimmungstage bestimmt. Im ganzen Reiche hatten die O b e r schle - s i e r v e r b ä n d e, die vielfach erst von Huden gegründet worden waren, den vaterländischen Dienst der Heranziehung und Heranschafsung der im Reiche zerstreut lebenden Oberschlesier zur Abstimmung vorbereitet und durchgeführt. Eine ganze Woche vor dem 20. März rollten die Eisenbahnzüge mit den Abstimmungsgästen von Norden her über die Oder in Oberschlesien ein. Von den j ud i sch e n Ab st im m ungsberechtigten, die gegen 16000 Zählten, w a r e n w o h l n o ch nicht