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Central-Verein-Zeitung · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13 jüdisch-siatiorialen Kreisen Klatzkin noch sehr ablehmn. Die konsequenten Nationalisten halten also, stellt der objektive Psychologe fest, das Bewußtsein ihrer Fremdheit aufrecht, sie propagieren es, schärfen es, rufen cs aus, und sie tun damit nur. was folgerichtig und aufrichtig ist.! Hier aber mutz der Psychologe nmehalteu. Denn von hier an tun sie, was nicht mehr folgerichtig, sondern ein unrecht und eine Unwahrheit ist. Unrecht und Unwahrheit beginnen dann, wenn sie nicht in ihre m Namen, d. h. im Namen ihres Erlebnistyps, sondern im Namen 'aller Juden sprechen. Wenn sie den Juden -schlechthin als den „Fremden im Wirtsvolk" ausgeben, der infolgedessen notwendig „die Quellen der fremden Kultur trüben, verflachen" mutz, auch wenn er „tief in ihnen zu bohren scheint", der die „Ursprünglichkeit fremder Kultur verletzen", ihre „Urwüchsigkeit verkümmern" mutz. Hier ist zweierlei verkannt: Zum ersten, daß jede Volkskultur synthetisch geworden ist, auch die altjüdische, auch die deutsche, die aus vielen Nafse-elementen sich bilden mutzte, und aus der immer wieder gelingenden Umwertung und Einformung fremder Einflüsse in nationales Eigengut. Urwüchsigkeit bewährt eine Kultur gerade iu der Fähigkeit zur Synthese. Die Kraft zur organischen Synthese ist die urwüchsigste biologische Volkskraft. Vermöge ihrer erst wird alle große Leistung der Erde Zugleich zur nationalen Leistung und Produktivität eingeformt. Zum zweiten ist hier verkannt oder besser: verschwiegen, daß Fremdsein oder Beheimatet-- sein eben allein im Erlebnis gegeben ist und vernommen wird. Weil der jüdische Nationalist nicht das Heimaterlebnis, sondern das Fremdheiterlebnis bat, ist gar nichts ausgemacht über andere, die eben deshalb andere sind und bleiben, weil sie gegenüber Deutschland nicht das Fremdheit-, sondern das Heimaterleb n i s haben. Oder doch: es ist etwas damit ausgemacht über die echten jüdisch-deutschen Volksgenossen. Daß nämlich ihr Heimaterlebnis nicht durch die jüdisch-nationalistische Leugnung beeinträchtigt wurde, sondern u n b e s ch a t t e t und unversehrt blieb — gerade das zeigt, datz dies deutsche Heimaterlebnis eben ein ganz urwüchsiges seelisches Element im deutschen Inden ist. Der Psychologe vermerkt ferner, daß in diesem Erlebnisthp der jüdischen Nationalisten nicht nur Indifferenz, sondern eine gewisse starke Neigung zur Aggression besteht sowohl gegen das „Wirtsvolk" wie gegen diejenigen Stammes- und Glaubensgenossen, die kraft des unvertretbaren Heimat- und Volksverbundenhoiterlebnisses echte deutsche Volksgenossen sind. Es ist da ein Wort im Umlauf von CH. Z. Klötzel: „Wie wir Juden von jedem Nichtjuden wissen, daß er irgendwo in einem Winkel seines Herzens Antisemit ist und sein muß, so ist jeder Jude im tiefsten Grunde seines Seins ein Hasser alles Nichtjüdischen. In Wirklichkeit ist nichts in mir so lebendig, als die Ueberzeugung davon, daß, wenn es irgend etwas gibt, was alle Juden der Welt eint, es dieser große-, erhabene Haß ist." Auch von Klötzel sagen die Nationalisten wieder, er sei ein Außenseiter, der zu weit gehe. Er habe als junger Mann unbedachte und unüberlegte Worte geschrieben, und sie lehnen ihn deshalb durchaus und grundsätzlich in der schärfsten Weise ab. Aber ich sage noch einmal: das wissen die a n - deren nicht. Und dies ist nicht ein verborgenes Wort, irgendwo aufgestöbert, sonderu ein Wort in lebhaftestem Umlauf, ein wirklich volkstümliches Wort. Man kann es bei Günther ebenso lesen, wie man es in den Diskussionen der Primaner hören kann. Und also ein verhängnisvolles Wort, denn hier ist der alte Aberglaube von dem ewigen Hätz oer Juden bestätigtvon einem Juden selber, und wie soll etwa ein Nichtiude etwas dagegen sagen? Kann er besser wissen, ob die Inden die „Hasser alles Deutschen" sindals die Juden selber? Abermals entsteht hier die böseste Verwirrung daraus, datz die beiden Wahrheiten nicht wahrhaftig unterschieden werden, datz hier ein Nationalist nicht für seinen besonderen Erlebnistyp spricht, sondern für die Juden schlechthin. Er spricht sein Erlevnis aus und tut so, als ob es gar kein anderes Erlebnis in jüdischen Menschen gäbe. Das ist das Unrecht und die Unwahrheit. Aber da sitzen dieses Unrecht und diese Nn-- wahrheit nun im öffentlichen Bewußtsein, und deshalb ist es Zeit, daß man beginne, mit derselben Leidenschaft, mit der die Nationalisten ihren Erlebmstyp zeigen, ins öffentliche Vewutztsein des Volkes den anderen Erlebnistyp zu Prägen , der dennoch deutsch ist, ganz deutsch, weil er Deutschland als seine Heimat erlebt und nicht aufhören kann, sie so zu erleben, obgleich sie ihm alle Tage und alle Stunden Schmerz unb Ungerechtigkeit anlut. * Das deutsche Volk will nicht Unrecht tun. Auch nicht mit dem Antisemitismus. Haltet es nicht für so gering. Es ist verblendet. Aber habt ihr es erhellt? Viel zu. lange habt ihr geduldet, datz beide Wahrheiten durcheinandergeworfen und also zur Unwahrheit verwirrt wurden. Das Volk glaubt, was es steht und hört. Was soll es anderes tun? Die Stimme des jüdischen Nationalisnms ist sehr laut/ sehr leidenschaftlich, sehr eindringlich. Sie bekräftigt uralten ererbten Aberglauben immer wieder im Volk. Sie ist da. Sie ist echt. Denn sie ist die Stimme eines wirklichen Erlebnisses. Aber warum ist der andere Erlebnistyp des deutschen Heimatbesttzes nicht mit derselben Kraft und demselben Reichtum, derselben Eindringlichkeit, derselben Unaufhörlichkeit, derselben künstlerischen Plastik dem Volksdenken hörbar, sichtbar, unausweichlich vernehmbar gemacht worden? Warum ist nicht zum allgemeinen Wissen gemacht worden, daß es zwei Erlebnistypen der deutschen Juden gibt, und datz gar keine Wahrheit und Einsicht haben kann, wer nicht zuvor diese Grundwahrheit hat? Das Volk glaubt, was es sieht und hört. Es kann nicht anders sein. Und es hat die Stimmen der einen Gruppe mehr gehört, ihre Verkündigung ist sinnfälliger gewollt und gelungen. Und diese Stimmen haben alten Aberglauben neu gestärkt, erweckt, bekräftigt und —- zur Volksüberzeugung gemacht. Die Idee der Fremdheit des jüdischen Menschen ist befestigt worden im Volksdenkerl. Es ist zu wenig geschehen, die andere Wahrheit vom Erlebnis der Volksverbundenheit mit der gleichen Energiegeladenheit ins Volksbewußtsein einströmen zu machen. Das hat uns Nichtjuden die Mitarbeit oft so schwer gemacht, so viele gute Anfänge im Keim Zerstört. Man kann nicht ernten, was man nicht gesät hat. Aber wenn nicht alle Zeichen trügen, rüsten die deutschbewutzten Juden zu neuer Saat der Wahrheit, der Entscheidung, der Selbstentscheidung und der Verkündung auf dem Boden einer Gemeinschaft aller derer, die guten Willens sind. Zu einer Saat der Entwirrung, die der Anfang aller volkstümlichen Aufklärung ist. Keinem der beiden Erlebnistypen soll Unrecht geschehen. Jeder hat seine Geltung und sein Eigenrecht. Aber keiner soll dein anderen Geltung und Eigenrecht bestreiten. Hier ist der Weg zum Frieden, der Weg echter Humanität, die sich niemals im „engsten Kreise", sondern in der unerbittlichen Wahrhaftigkeit zu sich selber und der ritterlichen Wahrhaftigkeit zum Andersdenkende» bewährt. Nachwort üer Schriftleitrnig Wir haben iunerjüdische Auseinandersetzungen in diesen Blättern bisher stets vermieden. Aber der „Völkische Beobachter" zwingt uns dazu, auf diesem Forum unsere Weltanschauung wieder einmal klar festzustelleu. Sie heißt: Wir sind Deutsche und lassen uns von niemandem, Inden oder Mchtjuden, unser deutsches Heimatrecht und Heimaterlebnis rauben. Dem „Völkischen Beobachter" ist das wohlbekannt, denn er gehört zu den eifrigsten Lesern unserer Wochenausgabe. In ihr haben wir in den letzten Monaten wiederholt — wie auch im vorstehenden Aufsatz — unsere Entscheidung eindeutig klargestellt. Trotzdem nimmt der „Völkische Beobachter" in seiner. Nummer vom 22./23. Februar eine — auch in unserer Wochenausgabe besprochenen — Diskussion zwischen dem von uns wie von dev überwiegenden Zahl der Zionisten als theoretischen Außenseiter abgelehnten Jakob K l a tz - kin und Helmuth von Gerlach zum Anlaß einer Kritik, in deren Schluß es heißt: „Das ist klar gesprochen. Klatzkin brandmarkt den faulen Zauber der Assimilanten (und ihrer Gönner), als könne sich der Mensch seines Volkstums entledigen wie eines zerschlissenen Hemdes. Klatzkin führt eine stolze Sprache. Er will das Volk im Volke, also ein gedoppeltes Recht. Er wird Verständnis für unfern Stolz haben, mit dem wir sagendem Volk im Volke bedeutet ein Geschwür im Organismus; wir ' wollen die leibliche und geistig-seelische Gesundheit unseres eigenen Volkes, um das allein wir uns zu sorgen haben, darum verweigern wir, was ihr fordert: weder könnt ihr Volljuden und Volldeutsche mit einem sein, noch seid ihr als „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" möglich und erträglich. Es gibt nur eine Lösung, einfach und klar und zwingend: reinliche Scheidung." In seiner folgenden Nummer nimmt der „Völkische Beobachter" in einer Beilage „Das jüdische Problem", eine Denkschrift der Deutsch-jüdischen Jugend, Ham« bürg. Zum Anlaß einer Kritik. Der Inhalt dieser Denkschrift, die der „Völkische Beobachter" ausführlich zitiert, sollte ihm bewiesen haben, daß die Deutsch-jüdische Jugend sich zu einer Erlebensgemeinschaft bekennt, die die Klatzkinschen Methoden eindeutig ad absurdum führt. Wenn der „Völkische Beobachter" S e n t a Meyer zitiert: „Wir sind Deutsche! Die deutsche Sprache ist unsere Muttersprache, in der wir nicht nur miteinander reden, an der wir mitgesormt und mitgebildet haben. Die deutsche Kultur ist unsere Kultur; wir sind bewußt deren stolze Träger" und dazu bemerkt: „Das Mitformen und Mitbilden der Inden an der deutschen Sprache ist der deutschen Sprache nur zum Uebel ausgefallen, und wenn die Juden die deutsche Kultur für sich beanspruchen'und sich als ihre,stolzen Träger* erklären, so rufen sie uns damit zum schärfsten Abwehrkampf aus", so haben sie damit zwar eins ihrer alten Steckenpferde geritten, können aber an der Tatsache und an dem täglichen Geschehen, daß Juden' in Deutschland als hundertprozentige Deutsche leben, wirken und schaffen, nichts, ändern. Wir verzichten darauf, an dieser Stelle wieder mit einer Liste jüdisch-deutscher Kulturträger und Sprachsormer zu antworten, denn der „Völkische Beobachter" will offenbar nicht belehrt sein. Vorurteilslose Leser werden diese Methode des „Völkischen Beobachter" durchschauen!

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