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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Moses sagt: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib und: lver die Ehe bricht mit seines Nächsten Weibt der ist des Todes schuldig. Strafbar ist also bei den Juden nur der Ehebruch an des Nächsten Weib, d. h. des Judenweib, das Weib des Nichtjuden ist ausgenommen (Sanh. 52 b). Rabbi Bechai, Levi ben Cerson und andere lehretu dass die Ehe der Nichtjuden in den Augen der Israeliten keine Gültigkeit habe und dass der Jude kArieti Ehebruch begehe, wenn er ein nichtjüdisches Weib schändet. Die Schändung einer Nichtjüdin han/r für Juden niemals Ehebruch seitu dagegen ist ein Sohn Noas, d. h. ein Nichtjude, der mit einem israelitischen Weibe Ehebruch getrieben hat, des Todes schuldig (R. Mosche 20a). Zur Aufklärung des Irrtums oder besser der Fälschung müssen wir etwas Grundsätzliches vorausschicken, das auch zum Verständnis weiterer Punkte, die im Laufe unserer Untersuchung zur Sprache kommen, von Wichtigkeit ist. Das biblische Strafrecht wird durchgehends in einschränkendem Sinne gedeutet. Hierzu gehört auch die nicht zu verkennende Jnterpretationsrichtung, daß man im Gegensatz zu zivilrechtlichen Bestimmungen dem Strafrecht nur Jnlandsbedeutung gab und auf Inländer zugeschnitten wissen wollte. Was den Ausländer anbetrifft, so sollte der Fall entweder nach dem Gesetz des Ausländers oder nach einem getroffenen Uebereinkommen bzw. nach der herrschenden Sitte beurteilt werden. Ausführliches hierüber vgl. M. Guttmann, „Judentum und Umwelt", Abschnitt 2. — Wir wollen daher bei Beurteilung unseres Problems — der Sünde wider eine oder mit einer Nichtjüdin — zunächst von den Texten absehen, wo von der Strafe selbst die Nede ist (es handelt sich ja um Todesstrafen, die der Talmud auch sonst einzuschränken bestrebt ist), und uns fragen, wie hielt.man es in der talmudischen Literatur mit solchen Sünden? Nach Mitteilung der Mischna (Sanhed. 9, 6) gab es drei Sünden, die schon außergerichtlich bestraft wurden, und zwar so, daß sich „Eiferer" über den Sünder machten und ihn totschlugen. Heute würde man diesen Vorgang Volksjustiz nennen; als bekanntes Gegenstück darf wohl das in Nordamerika' übliche Lynchen genannt werden. Eine der Sünden, die so geahndet wurden, ist der Geschlechtsverkehr mit einer Nichtjüdin. Diese Volksjustiz ist nach Naschi (ebenda 8Id) ein sinaitisches (d. h. sehr altes) Recht. Die öffentlichen Gerichte tasteten das alte Volksrecht nicht an, unterstützten es aber auch nicht, obwohl che die Sünde als eine sehr schwere bezeichnen (ebenda 82a). Wo die Volksstrafe wegblieb, besteht die göttliche Ausrottungsstrase, außerdem hat das Gericht die Geißelstrafe angewendet. Man vgl. Berach. 68a und Taan. 246. In nachtalrnudischer Zeit wurde die Sache noch verschärft, besonders nach der Richtung hin, daß dem Sünder harte Bußen auferlegt wurden. Tykocinsk?) bringt über unseren Gegenstand folgende auf (S. 174 k.) die gaonäische Zeit zurückgehende Mitteilung: „Die Lehrer der Hochschulen in Babylon haben verordnet: Wer einer Nichtjüdin beigewohnt hat, muß 49 Tage fasten, entsprechend den 49 Regeln, nach denen die Tora ausgelegt wird. Und er soll den Bann aus sich nehmen und an jedem Abend 40 Geißelhiebe bekommen. Nachdem er 49 Tage zu 24 Stunden gefastet hat, soll er ein volles Jahr entfernt von seinem Wohnorte in der Verbannung leben, und während der ganzen Zeit seiner Verbannung hat er am Montag und Donnerstag zu fasten." — Diese Buße zeigt am sprechendsten, wie inan in jüdischen Kreisen über den verbotenen Geschlechtsverkehr mit nichtjüdischen Frauen dachte. In § 29 haben wir bereits gesehen, daß das kabbalistische Buch „Emek Hamelech" für dieselbe Sünde eine Buße von 216 Fasttagen auserlegt. Es sind also darin alle Richtungen gleich, daß der Geschlechtsverkehr mit einer Nichtjüdin als eine der schwersten Sünden eingeschätzt wurde?) *) „Die gaonäischen Verordnungen" Akademiederlag 1929. In gemeinsamer Zront. Von befreundeter katholischer Seite gehen uns folgende Ausführungen zu: Zu den schwersten Sorgen, mit denen wir Deutschen die Schwelle in das neue Jahr hinein überschritten haben, gehört zweifellos das Anwachsen des Radikalismus, die Zusammenballung jener radikal-revolutionären Kräfte, die die äußere und innere Notzeit unseres Volkes zmn Anlaß nehmen, die äußerst schwierige Aufbauepoche nicht nur zu stören, sondern in unverantwortlicher Weise den gegenwärtigen Staat, sein Grundgesetz und seinen Wesensgehalt zu verunglimpfen suchen. Wir sind dingst darüber hinaus, in der Gegenbewegung des Kommunismus auf der eilten Seite, des Nationalsozialismus auf der anderen Seite nur parteipolitische Auseinandersetzungen zu sehen. Die Führer beider Flügelgruppen und ihre fanatisch blinde Gefolgschaft haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß man in diesen: Kampf auch an eine revolutionäre Umgestaltung des deutschen Menschen in seiner Zugehörigkeit zur Nation und in seinem seelischen und religiösen Gehalt denkt. Gerade diese Elemente sind es, die beit Kern der Bewegung darstellen. Der Kommunismus rnacht daraus kein Hehl. Er kündigt offen und bewußt den Kampf gegen den Gottglauben in jeder religiösen Gestaltung an. Er will ihn durchführen weniger mit dem Mittel des äußerlichen Protestes, als vielmehr — und darin liegt das Gefahrvolle seines Handelns — in der intensiven Bearbeitung von Mensch zu Mensch. Die Kirchenaustrittsbewegung muß als äußerlich sichtbares Zeichen dieser Arbeit beachtet werden. Betrachten wir diese revolutionären Bewegungen von rechts und links in bezug auf ihre Stellung zur Religion, so zeigt sich, daß auch der Nationalsozialismus sich anschickt, seinen Haß vor allem gegen das Judentum und gegen den Katholizismus auch auf der religiösen Ebene auszutragen. Man sollte sich daher bemühen, in diesen Bewegungen, denen wirtschaftliche Notzeit und soziale Wirrungen willkommenen Fruchtboden liefern, viel stärker als bisher auch die religiösen G efah r en mom e n t e zu sehen und sich auf Aufklärung auch nach dieser Seite hin einstellen. Dieser Einbruch in unsere Kultur, die Entstellung und Vernichtung religiösen Glaubensgutes ist weit schwerer wieder gutzumachen als die gegenwärtig bedingten politischen Verzerrungen, deren Gesicht doch letzten Endes von der weltanschaulichen Haltung jedes einzelnen und von der Geschlossenheit der Gruppen abhängt. Die )ie Erkenntnis dieser Situation fordert g e m einsames Handeln, und es wäre zu wünschen, daß vor allem auch in protestantischen Reihen stärkere Besinnung auf dieses Gebot der Stunde zu einer geschlossenen Abwehrfrage erfolgte; denn hier, so scheint uns, ist der gefahrenvollste Einbruch nationalsozialistischer Irrlehren erfolgt. Wir müssen uns in dem finden, was unsere Geschlossenheit in der Abwehr fördert. Selbstverständlich sind und bleiben die in Geschichte und Gehalt begründeten Grenzen zwischen uns. Ohne Zweifel ist auch, daß der Jude in bestimmten Einzelfragen einen anderen Weg der Abwehr' beschveiten muß als der Katholik oder der Protestant. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten in der inneren Haltung. Weltanschauliche und konfessionelle Unterscheidung, die niemand verwischen oder vertuschen will, darf nicht Hindernis sein, wo es um Religion und, aus ihr schöpfend, um irdische Gestaltung der Dinge geht. Dazu sind wir nebeneinander auf diese Erde gestellt. Zum gemeinsamen Werk gehört gegenseitige Achtung. die nur auf der Kenntnis des einen und des anderen werden und wirken kann. Schon seit Jahren bemühen sich katholische Theologen und namhafte literarische Führer im Christentum, auf die fundamentalen Irrlehren des Chauvinismus und des R a s s e n k a m p f e s, und nur auf ihre llnver.einbarkeit mit Christi Gebot und Lehre hinzuweisen. Es kommt daher nicht von ungefähr, daß katholische Kirchenführer gerade in letzter Zeit zu ben schärfsten kirchlichen Abwehrmitteln gegriffen — wir erinnern an das Vorgehen des Mainzer Bischofs — und auch neuerdings in ausführlichen Darlegungen von höchster Stelle aus unzweideutig zu den Forderungen des Nationalsozialismus Stellung genommen haben. So weist der Papst in seiner Weihnachtsansprache auf den Irrwahn und die Gefahren des Nationalismus hin, indem er sagt: „Noch schwerer, wenn nicht gar unmöglich, ist ein dauernder Friede zwischen den Völkern, wenn an Stelle der wahren unb ursprünglichen Vaterlandsliebe ein egoistischer und harter Nationalismus vorherrscht, der an die Stelle des gegenseitigen Wunsches nach Wohlergehen Haß und Neid setzt und den Ehrgeiz nach Hegemonie und Vorherrschaft an die Stelle der Wahrung und des Schutzes der Rechte aller." So sehr dieser Satz Allgemeingut im Katholizismus darstellt, so lächerlich ist die Auffassung in nationalsozialistischen Kreisen, daß der deutsche Nationalsozialismus davon nicht betroffen sei. Diesem Fanatikern sollte denn wenigstens das „offene Wort in ernster Stunde am Jahresschlüsse 1930" von dem Breslauer Erzbischof, Kardinal Bertram, zu denken geben; denn er spricht unmittelbar aus deutscher Gegenwart heraus. Auch Kardinal Bertram anerkennt einen berechtigten Nationalismus: „Sein Kennzeichen rst Liebezur Muttersprache, Liebe und Anhänglichkeit zum Volks stamm,, zu heimischen Sitten, Dank gegen Gott für alle ererbten Vorzüge. ... Berechtigt, wenn man nicht Selb st Vergötterung treibt, sondern offenes Auge hat, auch für die Vorzüge anderer Stämme und Nationen, Achtung für andere Eigenart." Aber er lehnt „den übertriebenen. Nationalismus, die Nassenverherrlichung" ab: „W i r katholische C h r i st e n kennen keine Nassen- Religion, sondern nur Christi weltbeherrschende Offenbarung, die für alle Völker den gleichen Glaubenssatz, die gleichen Gebote und Heilseinrichtungen gebracht hat. Möge jedes Volk und jeder Stamm alles Edle seiner Eigenart in diesem Reiche des Königs Christus voll und ganz zur Erfüllung bringen. Gut so. Doch niemals kann Rasseneigenart über irgendeine der Wahrheiten und Gebote Christi zu Gericht sitzen." „Zerschlagen ist leicht, aus Trümmern ..Neues aufbauen, ist unsagbar schwer. Darum hütet euch vor falschen Propheten, deren Hauptwaffe aufreizende Schlagwörter sind. Stehet zusammen zu einer festen. Mauer zum Schutze unserer heiligsten Erbgüter. Seid eingedenk eurer Verantwortung. Bewahrt die Treue zur staatlichen Ordnung, deren Hut in erfahrener und fester^ Hand liegt. Weiset jene zurück, die in aufreizenden: Tone zu Gewalttaten ausstacheln, selbst aber keineswegs jene Erfahrung, Weisheit und Selbstlosigkeit besitzen, um Mißständen Abhilfe schassen zu können!" Gewiß wenden sich diese Worte in erster Linie an das katholische Volk. Aber, wenn wir Menschen auch in unserer weltanschaulichen und' religiösen Eigenart verschiedener Auffassung sind, dort gehören sie zusammen, wo gemeinsame Gefahren für den geistigen und religiösen Gehalt unseres Volkes, unseres Vaterlandes, drohen.

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