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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-01 · Heft 12 (Dezember 1930) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 12 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Israels Propheten religiös-soziale Sendboten an öie Gegenwart öiblifche Skizzen von Theoöor Nappsteln u. Mose, volksführee un- Volkswirt Mag nran den ältesten Bolkssührer Mose, AU deutsch: Wassermann, ums Jahr 1500 vor unserer Zeitrechnung ansehen, also etwa 900 Jahre früher als Solon in Athen; mögen ihn die Forscher früher oder später oder noch vrel später datieren, je nach oem wechselnden Stande der Grabungen und der verglichenen Texte: die geschichtliche Persönlichkeit Moses wird heute von 'keinem namhaften Gelehrten mehr bestritten sei n. Die hebräischen Stämme hatten den südlichen Kulturrand Palästinas verlassen, sie traten aus ägyptisches Grenzgebiet über und fanden im Lande Gosen Nahrung für sich und ihr Vieh. Eine Generation später begann Namses II. im östlichen Nildelta zu bauen, der Pharao zog auch die Israeliten zur Sklavensron heran. Die freigeborenen Söhne der Wüste ertrugen das Joch widerwillig; doch die Masse ließ sich schieben. Da schwang sich der junge Mose zum Führer auf, er riß ferne Landsleute mit sich und organisierte den Widerstand, zur heimlichen Flucht rüstend. Die Aegypter schickten den Flüchtigen eine Heeresabteilung für die Sklavenjagd nach. Am Schilsmeer drohte ihnen Tod oder Gefangenschaft. Israel wird gerettet durch den Gott, der sich Mose in der Nähe auf dem Sinai .im heiligen Dornbusch offenbart hatte. Im Geist des Mose blitzte der Gedanke auf: dieser starke Gott, den wir hier erleben, hat Israel zu seinem Volk erkoren, so küren wir ihn zu unserm Stammesgott! Mose hat Israel aus Aegypten befreit und durch die Wüste geleitet, doch er hat zuhöchst die israelitische Gottanschauung als neue Religion begründet. Dieser Gott hatte die bisherigen Götter verdrängt; als Israel nach Palästina kam, war die Erinnerung all sie bereits fast erloschen. Natürlich zeigt sich diese Jahvereligion, als ausschließender Eingotbglmrbe, durch viele Fäden verknüpft mit einer uralten midianitischen und hebräischen Vergangenheit des Gottesbildes. Der Berggott des Sinai löste sich von seiner altgewohnten Stätte, zog mit Israel und wuchs zum Landesgott Palästinas — bis er sich auch von- Israel und Palästina befreite, durch die Propheten die Welt eroberte und zuln Gott des Universums wurde. Doch Mose hat, als der Stifter dieser Volksreligion, den Grundstein zur Weltreliglvll gelegt, als er in den Feuergluten des Vulkans Gott und Israel zusammenschweißte. Der geborene Volksköllig Mose schuf die überkommene Jahvereligion zu einer durchaus sittlichen Religion, die sich nicht auf die Außenseite des Kultus beschrällkt, sondern das Herz und den Willen des Menschen fordert, um das ganze Leben zu durchwalten. Darunl war Mose als Führer des Volkes auch der Mittelpunkt seiner Rechtsprechung. Wenn die letzte Entscheidung in schwierigen Fällen bis in unsere Tage durch den feierlichen Eid als Anrufung der Gottheit sichergestellt wird, so trat das Recht geschichtlich durch MosezuerstaufdenVodenderReligion. Das Fundament für das künftige Staatswesen wurde gelegt. Kein Staat kann bestehen ohne die sittliche Würde des Rechtes. Der göttliche Ursprung der Gesetze ist, als Idee und Ideal, unentbehrlich. Mose ist von Gott selber im Kultus und im Recht unterwiesen worden. Und der Gott beschenkt seinen Vertrauensmann sinneufällig für alle mit den beiden Gesetzeshälften, die sein allerhöchster Finger in den Stein eingrub. Das Bundesbuch (2. Mose 20 bis 23) enthält noch heiliges und profanes Recht ungeschieden. Gott erwählt die Priester, die in fernem Namen die unwiderruflichen Orakelsprüche verkünden; er setzt auch die Laienrichter, die „Aeltesten", ein und begabt sie mit seinem Geist. In der Mose-Zeit pflanzte sich das Recht nur mündlich fort, auch wenn ein Gewohnheitsrecht sich bereits zu bilden begann. Vorschriften über die Altäre, die Blutrache und das Verbot des Wuchers, die der: Sitten und dem Recht der Wüste entsprechen, galten wohl schon für die mosaische Zeit, also nicht erst für Kanaan. Die Aufstellung der verschiedentlichen Zelmgebote, als schriftliche Fixierung aus den Tafeln, hält nran für jünger als Mose. Wir werden ein mündliche Thora schon in der Zeit des Mose voraussetzen dürfen. Wurde Mose in der Ueberlieserung, die sich zäh erweist, zum Verfasser aller Gesetzgebungen für alle Zeiten, so muß Mose der entscheidende Gesetzgeber für seine Zeit wirklich gewesen sein. Dre jüdisch-christlichen Zehngebote harurorrieren auch rrach meinem Urteil durchaus mit der Religronsstiftung Moses, dessen Bundesgott den Jsraeliterr die neuen Pflichten cinprägen ließ. Mose, schon in seiner Jugend von leidenschaftlichen Zornwallungen geschüttelt, erlebt die Untreue des zügellosen Volks ln seinenr Tanz um das goldene Kalb. Mose läßt sie den Goldstaub des zermalrnten Götzenbildes saufen, er will alle Götzendiener mit der Wurzel austilgen. Mose, der die Gesetzestafeln zerschmettert, die er von der Gottheit für sein Volk empfangen hat, dieser Femrkopf des Michelangelo, ist seines Feüergottes würdig als Volksführer von titauenbafter Urkraft. Rach der schönen Sage starb Mose „am Munde Gottes'" und der Gott, der sich so oft mit seinem Erdenkanzler besprach, wie der Herr mit seinem Freunde redet, er lies; den Vielbewährten das Land der Verheißung von der Nebohöhe ahnend schauen, und er begrub ihn selber, so daß kein Mensch Moses Grab kennt. Mose als Volkswirt, als genialer W i r t - schaf tsPolitiker ist von selbstsicherer Originalität. Es klingt schlicht und umspannt em gewaltiges Programm, „daß das Volk genug zu Äsen habe und im Lande sicher w.ohne" (3. Mose 25, 19)1 . In der israelitischen Göttes- Herrschaft oder Theokratie war Gott allein der Kömg. Daher empfand später Samuel das Volksbegehren nach einen: Menschenkönrg (Zunächst) als Abfall von Gott. Gottes war das Eigentumsrecht am Boden als der Grundlage der nationalen Existenz seines Volkes. Nur Nutznießer sind die Juden in Jahves Eigentum Und dieser Boden ist das gemeinsame Erbe aller „Ihr sollt den Boden nicht verkaufen ewiglich; denn mein ist das Land, ihr seid nur Gäste und Lehnsträger vor mir", sagt in erhabener Weisheit 3. Mose 25, 23. Die Opfer von den Feldsrüchten. und den Erstlingen der Herde, die den „Zehnten" bedeuteten von der Gesamternte, betonten die Lehnspflicht des Volkes gegen der: göttlichen Bodenherrn beständig. Die Priester empfingen am Altar diese Gaben für den Gott — und sie standen sich nicht kärglich bei dieser Kirchensteuer. Die Abgrenzung der einzelne:: Felder durch Grenzsteine wurde als göttliches Gebot eingeschärft. Nach den Familienreihen in den einzelnen Stämmen wurde jedem Stmnm ein bestimmter Teil des Landes übergebe::. Wenn der Priesterftamm Levi ohne Grundbesitz blieb, so geschah d:es, weil sie den Boden nicht selber bebauen konnten. Rentner, auch Priesterliche Rentner, wurden ausgeschlossen. Die Gefahr des Grundeigentrnns der Priester hatten die Juden in Aegypten beobachtet. Adolf Damaschke, der Patriarch .der Bodenreform, Frühjahr wieder der Trostlosigkeit ihres grauen Lebens überlassen zu müssen. Diesen Frauen Erholungsmöglichkeiten im Sommer zu schassen, war ihr letzter Lieblingswunfch, und ihre Worte, die aus der Wärme und Tiese ihres gütigen, nie versagenden Herzens geflossen waren, fanden wieder ein Echo. In Z i l l e r t h a l int R i e s e n g e b i r g e steht das schlichte Haus, das den Namen der gütigsten und vorbildlichsten Frau, der selbstlosesten, hingebendsten Menschensreundin trägt. Seit drei Sommern finden über 30 vereinsamte, kränkelnde, durch schwere Schicksale vergrämte und verbitterte Frauen jeder Konfession dort völlig kostenlos Erholung und Genesung. Liebevoll werden sie von den Besitzern des Hauses uinsorgt und gepflegt und es ist, als hätten die rnütterlichen Hände von Franziska Mann segnend aus diesem kleinen Liebes:vcrk, das ihrem Gedächtnis gewidmet ist, geruht. Nahe beim Haus, vor einer waldigen Anhöhe, mit dem Blick aus die Kette des Jser- und Niesengebirges, steht eine Bank. Hier ruhen die alten Damen zur Abendzeit aus, froh und dankbar den drückenden Pflichten ihres grauen Alltagslebens für einige Wochen wenigstens entronnen zu sein, lieber der Bank, in den Felsen eingelassen eine Tafel, die in Holz geschnitten die Inschrift trägt: „Franziska Mann zum Gedächtnis." Nein, Franziska Mann ist nicht tot: im Gedächtnis der vielen Enterbten, Entrechteter: lebt ihr Bild, ihr gütiges Lächeln weiter. Lucic Avellis. Deutschland! (Weimar 1919.) Julias B a 1), das hochverehrte Jiauptvorstandsmitglied des Centralvereins, stellt uns nachfolgendes Gedicht, das bisher nur im Privatdnick erschienen war, aus Anlass seines 50. Geburtstages zum Abdruck: Und liebst du Deutschland? Frage ohne Sinn! Kann ich mein Haar, mein Blut, mich selber lieben? Ist Liehe nicht noch Wagnis und Gewinn?! Viel wahllos tiefer bin ich mir verschrieben und diesem Land, das ich, ich selber bin. Du, Boden, bist’s, auf dessen Brot ich wuchs — du armer Boden, furchtbar nun durchschiittert. Du Stadt, ihr Städte, die ihr irren Flugs erschreckt an dieser Tage Küste zittert, ihr bleibt mein Sichres in der Welt des Trugs. Ihr Menschen, die auf Strassen wild geschrien, verstört, verhetzt in Elend und Verbrechen, die man bespien hat, die sich selbst bespien — ich kann mit Gott nur eure Sprache sprechen! Ich kann vor keinem andern Gotte knien* Ihr, die ihr wahnsinnkreischend um euch schlagt, ich weiss von jener stummen grossen Güte, die ihr geduldig wirkend in euch tragt — so klug, so kühn, so gotteins im Gemüte, dass meine Ehrfurcht kaum zu folgen wagt. Der Böse, dem sie alle heut gehörten, hat euch aus allzu tiefem Traum geschrien, zu blutigen Schrecken folgtet ihr Verstörten, nun tragt ihr Schuld der ganzen Welt für ihn —: und bleibt mir besser als die Hochempörten. Du Kreideküste, Heide, Kiefernwald, Schwarztannensee, geliebter Ackerboden, du Lied, das über Wanderstrassen hallt, du Dorf, bedeckt von süssem Lindenodem, du Stadt, in Münsterschatten hingeballt Du Sang durch Herden über grüne Weiden, du Buch, das um der Dinge Anfang ringt du gütiges Lachen, du verstandenes Leiden, Gebet, das um die breite Erde schwingt — mein Geist, mein Leibi wie wollten wir uns scheiden?! Du, meine Heimat — hohes Gut der Welt! Heut doppelt mein, vom Unglück ausgespien. Von Leid und Laster heute noch entstellt — neu reine Kraft wirst du aus Krankheit ziehen und stehst — den Völkern köstlich zugesellt: „Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen!"

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