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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-01 · Heft 12 (Dezember 1930) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 12 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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charakterisiert in seinem bahnbrechenden Buch Üver die Bodenreform („Zur Erkenntnis nnd steberwindmig der sozialen Not") die grundsätzliche Bedeutung des Mose für jedes Laudwirtschastsministerium, auch innerhalb der deutschen Republik. Bor Mose und den Volks- Häuptern erschienen die Aeltesten des Stammes Manasse mit der Frage: Dürfen Jungfrauen, tote Anteil am Landbesitz haben, dies ihr E:be Söhnen anderer Stämme bei ihrer Heirat mitbringen, oder sollen sie, es dem Stamm zurück- Kben? Entschieden würde, daß diese Mädchen M Erbteil am Boden verlieren, sofern sie nicht Männer des gleichen Stammes heiraten. In jedem siebenten Jahre sollte verzichtet werden auf die gewohnte Arbeit im Acker, Weinberg und Oelgarten. Alle selbstwachsenden Früchte (ohne Menschenhand) sollten den Besitzern wie den Armen in diesem Sabbathjahr der Ruhe des Bodens gleichmäßig zugute kommen. Das Brachliegenlassen, der Grundstücke war genau geordnet, so daß stets nur ein Teil des Bodens die Sabbathruhe genoß. Aber welche Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit bei Mose dem Volkswirt! Raubbau hätte den ertragsfähigen Boden des nur durch seinen.'Grundbesitz wirtschaftlich unabhängigen Bürgers geschädigt. Feld uno Haus sollten mög.ich.t lange rm gleichen Besitz bleiben, nur äußerste Not gestattete die Trennung vom Grundbesitz — Kapibalansammlung ourch Grundstückshandel und Bodenverschiebung war verboten. Und im fünfzigsten Jahre, den: Hall- oder Jobeljahr, welches das Widderhoru (Jobel) am Bersohnungstage einleitete, sollte jederin den Besitz des Bodens zurückkehren, der cinft seiner Familie gehört 'halte. Somit war der LandverLauf nur Mrkauf des Landert'rages^bis zum nächsten Halljahre. Also eine Pacht, deren Pachtsumme einmalig, als Verkaufspreis, zu entrichten war. Doch auch in der.Zwischenzeit konnte der Verkäufer seinen Grundbesitz zurückerwerben. Auf jedem Felde mußte als „Ecke" der 60. Teil dem Armen zum Abernten überlassen bleiben, auch die Nachlese war eine soziale Freundlichkeit, Und der vollkommene Gerechte stiftete ein Zehntel seines Vermögens für die Armen seines Volkes.- Die kurhesfisthen Iu-en in den Freiheitskriegen 1513—ISIS In dem „Hanauischen Magazin, Monatsvlätter für Heimatkunde", 9. Jahrgang, 1930, Nr. 4 nnd 5, finden wir einen Aufsatz von Max Schwa br „Die Freiheitskriege von 1813—15 und die knrhesstschen Inden." Wir setzen hier den in der Oktober-Nummer dieser Zeitschrift begonnenen Abdruck dieses wichtigen Beitrages zur Heimatgeschichie der deutschen Inden fortr Premierleutnant Leon Wertheim. Als französische Truppen am 6. März 1758 -Hanau und Umgegend besetzten, warfen sie vom Nürnberger Tor bis zum Mt'chltor Wälle auf, risien auf Befehl des französischen Kommandanten Contillars alle Zäune an den Gärten und dem dort befindlichen israelitischen Friedhof ab, warfen die Grabsteine um und verwendeten diese zu ihrem Schanzenbau. Wohl versuchten die Mitglieder der israelitischen Gemeinde nach Abzug der Franzosen, diese Grabsteine wieder in Ordnung zu bringen, fanden ste jedoch sämtlich zertrümmert. Damit ist auch die Haupterklärung gefunden, weshalb auf dem alten Teil dieses Friedhofes, der bereits seit 1603 besteht, verhältnismäßig wenig Grabsteine zu'sehen sind. Allerdings haben die vielen Hochwasserfluten ebenfalls in erheblichem Maße ihren Anteil an dieser Vernichtung gehabt. Bei meinen Nachforschungen auf dem alten Teil des israelitischen Friedhofes, wo seit nahezu 3 Jahrhunderten meine Vorfahren die letzte.Ruhestätte gefunden haben, entdeckte ich unter anderem ein von Trauerweiden sanft beschattetes Grab, dessen Inschrift folgendermaßen lautet: „Süß ist der Schlaf des Arbeiters, Hier schläft Leon Wertheim, dessen Leben treue Pflichterfüllung, Gerechtigkeitsliebe und fromme Ergebung in den Willen Gottes zierten. Seinem Vaterlände Kurhessen widmete er in Krieg und Frieden als wackerer Offizier und tüchtiger Beamter (Hauptzollamtskvntrolleur) 44 Jahre» hindurch seine treuesten Dienste. Er war geboren am 6. Oktober 1776 und starb am 17. 7. 1848 zu Hanau. Er ruhe sanft bis zum Tage der Auferstehung!" Aus Gründen der Kameradschaft und Pietät habe ich seit der Auffindung dieses Grabes für dessen Unterhaltung in aller Stille Sorge getragen, um so mehr, als ich zu jener Zeit nach langjährigem Kriegsdienst aus dem Weltkriege 1914/18 wieder in die Heimat zurückkehrte. Nachkommen der Familie Leon Wertheim waren in Hanau nicht mehr bekannt. Ueber diesen Freiheitskämpfer konnte ich folgendes in Erfahrung bringen: Leon Wert heim trat am 10. Mai 1809 als Freiwilliger in das Königliche Westfälische 7. Linien-Jnfanterie-Regiment ein. Am 2P. Mai wurde er Fourier, am 20. März 1810 Sergeant, am 17. Mai 1813 Sekondeleutnant im 3. Linien-Jnfanterie-Regiment, am 31. Dezember 1813 Adjutant im kurhessischen Regiment „Kurprinz", am 16. Januar 1817 Adjutant im 2. Infanterie-Regiment und am 13. April 1822 Premierleutnant. Am 31. Dezember 1831 wurde er in den Zivilstand versetzt und kam als Hauptzollamtskontrolleur nach Philippsthal, am 30. März 1634 nach Carlshafen und am 6. Januar 1842 nach H a n a u. Er war nicht nur ein tüchtiger. Beamter, sondern auch als wackerer Offizier von seinen Vorgesetzten und Kameraden sehr geschätzt, machte die Feldzüge 1813 in Sachsen und Schlesien mit (Schlacht bei Dresden, Ausfälle in Magdeburg) und kämpfte 1814/15 gegen Frankreich. : Seine Ehefrau Glückhilde, die Schwester des berühmten Miniaturmalers I. D. Alexander Fiorino aus Kassel, kehrte nach dem Tode ihres Mannes nach Kassel zurück. Sie starb im Jahre 1883 und wurde ebenfalls auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt. Sein Schwager, Dr. Joel Fiorino, machte die Befreiungskriege als Arzt bei den 11. hessischen Jägern in Kassel mit und verblieb dort als Bataillonsarzt bis zu seinem am 18. 4. 1841 erfolgten Tode. Nach einem Bericht der Herren Gemeindeältesten von Eschwege, welchen ich für freundliche Bemühungen besten Dank sage, stand Leon Wertheim dort ebenfalls in großem Ansehen. Sein einziger Sohn Nikolaus hatte in Moskau ein Bankgeschäft und war amerikanischer Konsul. Er verlegte später seinen Wohnsitz nach London und wurde dort Mitinhaber der Firma Hardy u. Sohn. Ein Sohn von Nikolaus Wertheim mit Namen Rudolf lebt heute noch in London. Der Neffe und Verfasser der sehr interessanten Genealogie des Miniaturmalers I. D. A. Fiorino und seiner Familie, Herr Alexander Fiorino, lebt in seltener körperlicher und geistiger Frische als 87jähriger in Kassel. Die jüdische Wachtmeisterin Ester Manuel. Die meisten Leser haben sicherlich von Eleonore Prochäska (alias August Renz) gehört, die seinerzeit mit edler Begeisterung in das Lützowsche Freikorps eintrat, um dort für die Freiheit unseres Vaterlandes zu kämpfen. Sie fiel am 16. 9. 1813 im Gefecht an der Göhrde, und Friedrich Nückert hat ihre Heldentaten in einem Gedicht besungen. Höchst wunderbar, beinahe unglaublich klingt die Geschichte einer jüdischen Frau, die gleich der Eleonore Prochaska die Feldzüge von 1813/14 als Reiter im Ostpreußischen Ulanen-Negiment mitgemacht hat. Es ist dies Ester Manuel, eine Hanauerin, welche den Ulanenwachtmeister Grafemus heiratete und im russischen Heere Dienst genommen hatte. Als ihr Mann ins Feld zog, war sie Mutter von zwei Kindern, einem zehnjährigen Mädchen und einem achtjährigen Knaben. Nach einiger Zeit kam ihr Mann mit dem russischen Heere nach Deutschland, und sie entschloß sich infolgedessen, ihn aufzusuchen. Auf ihrer weiten Reise kam sie jedoch nur bis Berlin und nahm deshalb dort im 2. Ulanen-Negiment Kriegsdienste. Der „Russische Invalide" vom 26. 1. 1815 und die „Vossische Zeitung" vom 9. 12. 1815 schilderten ihren Mut und ihre Tapferkeit folgendermaßen: ^,Mit dem Wechsel des Gewandes lebte auch in ihr der Mannesmut auf und sie stand in keiner Weise dem stärkeren Geschlecht hierin nach. Sie kämpfte bei Jüterbock, wurde verwundet, machte den Marsch Bülows von Dennewih nach Frankreich mit und erhielt für ihre Tapferkeit das Eiserne Kreuz. Am 29. März 1814 traf sie mit ihrem Manne zusammen, konnte sich aber nur einen Tag des Wiedersehens erfreuen, denn schon am anderen Tage wurde er burd) eine feindliche Kugel getötet. Sie selbst wurde nochmals verwundet und kehrte mit dem Dank ihres Königs zu ihrer Familie nach Hanau zurück." Der Bericht schließt mit den Worten: „Sie bat durch ihre Tapferkeit und Geistesgegenwart sich die Bewunderung aller erworben." (Weitert Aufsätze folgen) Verlag:. Lernkralvereln deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Emser Stratze 42. Haupdschriftleiter: Dr. L u d w i g H o l l ü n d e r. Verantwortlich: Dr. Mur gare to Edelheim. Beide Berlin W. 15. Druck: Rudolf Mosse, Berlin SW 100;

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