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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-01 · Heft 12 (Dezember 1930) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 12 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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gegenüber) immer nach seinen: eigener: Gesetz Recht sprechen müsse. Ebenso scheint es mir, daß man solchen Nichtjuden gegenüber dieselben Sitten und Humanitären Vorschriften einhalten müsse wie Juden gegenüber. ,Feäes m'ektjüärsebs. Mäeben ist als Hure m betrachten (Eben, haezer § 37, I)." Hierzu ist folgendes zu bemerken: Die eben zitierte Eben Haezer-Stelle ist in der obigen Form stark entstellt. An der betreffenden Stelle, ist von den Eheverboten des altjüdischen Priesters (Kohen) die Rede. Von einem nichtjüdischen Mädchen wird hier (an der Eben Haezer-Stelle) überhaupt nicht gesprochen, sondern von einer Proselytin, und der hebräische Ausdruck „zona“, der gewöhnlich mit „Unzüchtige" übersetzt wird, hat hier die Spezialbedeutung „Unebenbürtige" oder „Fremdstämmige" Da es sich um em biblisches Gesetz handelt, wollen wir es kurz erwähnen uut der im Talmud^) gegebenen traditionellen Erklärung. ^tach Lev. 21, 7 sind es drei Arten von Frauen, die der einfache Priester nicht nehmen darf: „zona“ (Unzüchtige im kultischen Sinne), „ehaläla“ („Geschwächte" im kultischen Sinne, d. h. eine Frau, die das priesterliche Ehegesetz bereits einmal übertreten hatte), und „gentscha“ (Geschiedene). Bezüglich der ersten Gruppe („zona“} enthält der Talmudtraktat Jebamoth (Mischna VI, 5; 61a) folgende Bestimmung: „Es soll (ein Priester) kein unfruchtbares (physiologisch verbildetes) Weib nehmen, weil das die in der Tora (Lev. 21, 7) genannte „zona" ist. Die Weisen aber meinen, unter „zona“ sei nichts anderes zu verstehen als eine Proselytin, eine Freigelassene, und eine, die einen, verbotenen Geschlechtsverkehr hatte." Diese Stelle zeigt, daß die im Priestergesetz genannte ,,zona“ wohl auch „Unzüchtige" bedeuten könne, und zwar „unzüchtige" im kultischen Sinne des Wortes (denn nur der Geschlechtsverkehr mit bestimmten, vom Gesetze aus verbotenen Männern macht die Frau zur „zona"). Das Wort bedeutet aber auch nach der Tradition der „Weisen" Fremdstänunige, d. h. eine Frau, die Nicht israelitischen Stammes ist — die erst als Proselytin dem Jsraelitentum angegliedert wurde. Daß es sich bei Fremdstämmigen um moralisch Unzüchtiges nicht handeln kann, geht schon aus der Bestimmung hervor, daß die Fremdstämmige auch dann verboten St, wenn sie als ganz, kleines Kind in das udentum ausgenommen worden war, so daß sie von ihren: ersten Geburtstag ab Jüdin ist. Die Tatsache der Fremdstämmigkeit liegt auch philologisch im hebräischen Ausdruck „zona". Man vergleiche Gesenius-Buhl: „Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament", 15. Ausl., S. 199. Der Stamm „Zana" nach Winkler, „Geschichte Israels" 2, 271, wird auch aus den Mann bezogen, der nicht im Stamme des Weibes lebte. Ed. Königs) sagt: „überhaupt die eigene Kultur verleugnend, zu anderen Nationen in Beziehung tretend". Bei Priesterehen haben auch die Griechen ähnliche Bestinmumgen^). Nun kommen wir zu der Stelle in Eben Haezer 6, 8—9; sie lautet wörtlich: „Welche ist ,zonac (d. h. die in Lev. 21, 7 genannte, dem Priester verbotene pom* *)? Jede, die nicht die Tochter eines Israeliten ist, oder die Tochter eines Israeliten, oie Verkehr hatte mit einem Manne, den sie nicht hätte heiraten dürfen . .. die Proselytin und oie Freigelassene, selbst wenn sie Proselytin bzw. sreigelassen wurde, bevor sie das Alter von drei Jahren erreichte, heißt ,zonaf und ist dem Priester verboten" (da hier der Ausdruck „zona“ nicht ausschließlich im Sintte von geschlechtlicher Unstttlichkeik, also nicht im Sinne von „Unzüchtige" oder „Hure" genommen wird, sondern in: 3} Der Talmud muß hiev als Quelle des Eben Haezer berücksichtigt werden. *) Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zrmi Alten Testament, S: 91 unter 2b. b) Vgl. H. Swoboda, „Griechische Staatsaltertllmcr", 17 ff., der die Frage eingehend behändest. Sinne von „Unebenbürtige" oder „Fremdstämnüge"). ' Die sachliche Darstellung der genannten Stelle ergibt folgendes: a) Weder der Schulchan Aruch (Eben Haezer) noch seine Vorlage, der Talmud, spricht hier von der Nichtjüdin schlechtweg — die Ehelichung einer Nichtjüdin ist ja nicht nur ei::em Priester, sondern auch einem Israeliten verboten —, es ist hier vielmehr von einer sremdstälnmigen Jüdin die Rede, von einer Proselytin, deren geschlechtssittliches Verhalten genau so zu beurteilen ist wie das einer geborenen Jüdin. Diese wird hier „zona“ genannt, was man fachlich richtig mit „Nnebenbürttge" oder „Fremdstämmige" zu übersetzen hat. Die Uebersetzung „Hure" ist in: Zusammenhang des Textes aus jeden Fall falsch, weil der Gesetzestext lediglich von priesterlichen Eheverboten spricht. b) Die dem Priester verbotene „Unebenbürtige" oder „Fremdstämmige", von der im Texte die Rede ist, darf von einem Israeliten geehelicht werden. Dem Israeliten gegenirber Kt sie also dieselbe Bedeutung wie eutc gerene Jüdin. A 4 * germanischer Stämme Bilder aus der Zeit der Völkerwanderung Von Dr. Knrt Oppenheim Als die Germanen in die alten Provinzen des Römischen Reiches eindrangen und aus den Tri'tmmern der alten Cäsarenmacht ihre Stämmeskönigreiche errichteten, trafen sie dort neben Römern und den romanisierten Urbewohnern auchaus Ungehörige des jüdischen Stammes, die in zahlreichenzum Teil bedeuten-' den Gemeinden in den Städten Italiens, Galliens und Spaniens seit Jahrhunderten saßen. Teils als freie Einwanderer, teils ursprünglich als Kriegsgefangene in diese Länder gelangt, hakten sie sich bedeutend vermehrt, trieben Handel und Schiffahrt und befanden sich in den ersten Jahrhunderten der römischen Kaiferherrschask trotz der blutigen Aufstände und Kämpfe ihrer Stammesbrüder in der alten Heimat in Palästina und den anderen Ländern des Orients in erträglichen Verhältnissen. . Erst mit dem Erstarken des Christentums und mit dessen endgültigem Siege begann die Aera der Bedrückungen mit Ausnahmegesetzen und Versuchenzur Zwangsbekehrung. Die Ost- und Westgoten standen als Arianer, d. h. als Anhänger der christlichen Lehre, die Jesus nur als gotkähnlich, nicht als gottgleich gelten ließ, im Gegensatz "zu den athana finnischen Römern, deren Lehre die Gotkgleichheit Christi behauptete. Beide Sekten standen sich feindlich gegenüber, und so kam es, daß die germanischen Machthaber die von der akhcmafianischen Geistlichkeit und Bevölkerung verfolgten Juden in ihren Schutz nahmen. Theoderich der Große hatte keineswegs besondere Sympathien für die Juden. Auch er mahnte sie, von ihrem angestammten Irrglauben zu lassen und die Heitslehre des Hristentums anzunehmen. Aber er wünschte keine Gewaltanwendung hierbei und zeigte sich, als kn der Stadt Rom ein Aufruhr gegen die Juden kosbrach, als strenger und gerechter Richter. Der römische Senat bekam eine ernste Rüge und den Auftrag, die Schuldigen zu ermitteln und zu bestrafen, und als man die Aufrührer nicht finden konnte oder wollte, mußte die Stadt Rom den angerichteten Schaden bezahlen. Die Juden vergalten den königlichen Schutz mit anhänglicher Treue an das gotische Herrscherhaus. Als Justinian zur Wiedereroberung Italiens schritt und Belisar, der Feldherr Ostroms, im Jahre 536 vor Neapel erschien und sich dort zwei Parteien bildeten, deren eine die Stadt übergeben wollte, waren es die Juden, die, unter keinen Umständen gewillt, unter die Herrschaft des ihnen besonders feindlichen oströmrschen Reiches zn kommen, darauf drangen, daß mit aller Kraft Widerstand geleistet wurde. Die Furcht der Bevölkerung Neapelsausgehungert zu werden, beschwichtigten sie, indem sie sich anheischig machten, die nötige Verpflegung herbeizuschafsen, und damit nicht genug, griffen sie selbst zu de:: Waffen und verteidigten die Seeseite der Stadt mit solcher Tapferkeit,, daß die Byzantiner hier völlig abgewiesen wurden. Als es schließlich Belisar gelang, durch die Wasserleitung einzudrlngen mb weiterer Widerstand nutzlos schien, kämpften die Juden noch immer werter fort, so zeigend, daß die alten kriegerischen Tugenden, die sie in früheren Jahrhunderten den Römern furchtbar gemacht hatten, noch nicht erstorben waren. Im südlichen Gallien finden wir jüdische Krieger an Der Seite der dort ansässtgen Westgoten im Kampf mit dem Frankenkönig Chlodwig. Im Jahre 608 belagerten die Franker: Arles, bei dessen Verteidigung die Juden tapfer mitkämpfken. Auch hier nrfe m Neapel war eine Partei, die es mit dem Belagerer hielt.. Die katholischen Stadteinwohner, an ihrer Spitze Bischof Cäsarius, wollten die Stadt den frisch zum Katholizismus bekehrten Franken in die Hände spielen. Die arranischen Westgoten und die Juden beschuldigten den Bischof offen des Verrats und wollten ihn aus der Stadt verbannen. Der heimtückische Cäsarius aber wußte den Verdacht auf einen der jüdischen Verteidiger abzulenken, da seine Leute angeblich einen mit einem Stem beschwerten Brief fanden, in dem dieser gegen Zusicherung des Lebens der jüdischen Einwohner dem Frankenkönig versprach, ihm Einlaß in die Stadt zu gewähren. Der verleumdete Jude verlor sein Leben, aber Cäsarius mußte sich später für sein zweideutiges Verhalten vordem Ostgotenkönig Theoderich, dem Beschützer der gallischen Westgoten, der zu ihren Gunsten gegen Chlodwig eingrifft verantworten. Auch in Spanien lebten die Juden, solange die dortigen Westgoten der arianifcheu Lehre anhingem unangefochten im Lande. Am Fuße der Pyrenäen waren zahlreiche Inden angesiedelt, die wir dort in der Rolle der militärischen Grenzer finden. Wie Juden schon einst im ägyptischen Ptolemäerreich die Grenzgarnisonen in Elefantine und Pelusium innehatten, so verteidigten sie hier in Spanien die Pyrenäenpässe gegen Franken und Burgunder, und als später nach dem Uebertritk der Westgoten zum Katholizismus Bedrückungen und Glaubensverfolgungen einsetzterft machte man mit diesen kriegerischen Grenzstämmen eine Ausnahme. Noch im Jahre 693 wollte Kötng Egika die die bürgerliche Freiheit der übrigen spanischen Juden einschränkenden Gesetze ans sie nicht angewandt sehen. Wenn auch schließlich religiöser Fanatismus eine Kluft zwischen Goten und Juden ausritz, so sehen wir doch daß anfangs weder bei Ostnoch Westgoten etwas von Rassenhaß zu verspüren war.- Trotz der in diesen Zeiten weit mehr als heute in Westeuropa hervortretenden Unterschiede im Aeußeren, in Sprache und Sitten lebten sie nicht nur friedlich miteinander, sondern in Kriegszeiten verband sie, wie wir sehen, Waffenbrüderschaft. Der Jude aber war in dieser Zeit noch' nicht der unterdrückte und verfolgte Unglückliche des späteren Mittelalters, sondern er verstand es, die Waffen zu führen und an der Seite jener edlen Germanenkrkeger sich mit dem Schwert m der Hand gerneinsamer Feinde zu erwehren. 22460961

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