Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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$7 Ntk-ttchMAr Stellungen des „MlkilAen StobniWetf Der „Völkische Beobachter" bringt ln seiner Ausgabe vom 1./2. Dezember dre Meldung über einen groß angelegtenkommunistischen Attentatsplan gegen die nationalsozialistische Bewegung, der -die Polizei in der Pfalz auf die Spur gekommen sei. Die Pirmasenser Polizei habe bei Haussuchungen Bomben und größere Mengen« Sprengstoffe beschlagnahmt, die dazu dienen sollten, die nationalsozialistische Geschäftsstelle in Kaiserslautern in die Luft zu sprengen. „Nach einer anderen Version soll auch ein Anschlag auf Adolf Hitler anläßlich seines Besuches in Kaiserslautern geplant sein." Die ganze, in Fettdruck gegebene Meldung ist mit Worten, wie: „dem Vernehmen nach", „wie man hört", „soll gewesen sein", „die Annahme scheint bestätigt zu sein", durchsetzt. Sie würde uns also, da es sich offenbar nur um Gerüchte und nicht um Tatsachen handelt, nichts weiter angehen, wenn nicht der Kommentar zu dieser Meldung eine Drohung gegen die Juden, enthielte. Der „Völkische Beobachter" schreibt: „Die alarmierenden Nachrichten aus der Pfalz über die verruchten Pläne der Moskowiter beweisen nun wohl auch dem schläfrigsten Stammtischpolitiker, dag die Entscheidung nun nicht mehr aüfzuhalten ist, ob Deutschland deutsch fein wird oder — bolschewistisch! Das sind mm die .politischen Kinder* des Herrn Severing, die in ganz folgerichtiger Weise vom Dolch und Revolver zum Saure- und Giftattentat, vom Schlagring zur Bombe übergehen. So, wie cs eben die jüdischen Hirne ihrer Hintermänner ausgesonnen haben. Der geplante Anschlag ans unseren Führer Adolf Hitler zeigt blitzartig, das; Juda gewillt ist, jedes Mittel in Anwendung zu bringen, um die verhasste Freiheitsbewegung der Deutschen zu vernichten. Aber auch hier wird der gewünschte Erfolg ins Gegenteil verkehrt werden. Wir wollen keine Judenpogrome, aber wehe den jüdischen Drahtziehern, wenn auch mtr einem einzigen Führer ein Haar gekrümmt werden sollte! Einen solchen Sturm der Volksempörung wird Deutschland noch nicht gesehen haben, wie er dann über die Häupter der Schuldigen kommen wird! Es gibt nun keine Wahl mehr als die, Deutschland besinnt sich in letzter Stunde, oder das Chaos bricht unweigerlich herein." „Dem Vernehmen« nach" sind die Verhafteten, bei denen man Sprengstoff gefunden haben soll, Kommunisten. Kommunisten aber sind für den „Völkischen Beobachter" selbstverständlich Juden, und wenn auch die Verhafteten nicht Juden sind, so sind eben die Verhafteten nur die Opfer von Drahtziehern, und diese sind — ohne daß Nachprüfung nötig wäre — natürlich Juden! AuS lauter Gerüchten —-- in dem Kommentar ist aus der „Version" bereits der fertige Plan geworden — wird so ein Tatbestand zusammengeschmeißt, der nun die Rechtfertigung gibt, mit Judenpogromen zu drohen! Herr Goebbels hat kurz nach der Wahl, am 19. September, in einer Versammlung im Kriegervereinshaus, Berlin, gesagt: „. . . Mir ist gesagt worden, die Juden haben jetzt nur noch e i n Mittel gegen uns, und zwar unsere Führer einzeln abzuschieben. Wenn auch nur ein einziger unserer Führer so fällt, werden wir mit einem Pogrom antworten . . ." Es handelt sich hier also nicht um einen Einzelfall, sondern man sucht offenbar Vorwände, um Ausschreitungen gegen- Juden zu rechtfertigen. Für uns erübrigt sich die Feststellung, oaß wir ausgesprochene Feinde aller Gewalttaten sind, gleichgültige ob sie sich gegen rechts oder gegen links wenden. Aber es ist unsere Pflicht, dieses gegen die Juden gerichtete, vorläufig nur geistige Vombenattentat des „Völkischen Beobachters" hier in aller Oeffentlichkeit festzustellen. Der „Völfische Beobachter" wird sich der Verantwortung nicht mehr entziehen können, wenn aus diesem Geist eines Tages Taten erwachsen. Terror gegen Heine Nationalsozialisten sprengen eine Versammlung in Düsseldorf An: vergangenen Montag sollte der bekannte Marburger Heine-Forscher, Geheimrat Profeffor Dr, Elster, aus dessen Feder wir in der letzten Nummer unserer Zeitung einen Beitrag veröffentlichen konnten, in der Aula dev Hrndenburg-Schule in Düsseldorf einen Vortrag halten, zu dem vom. Geschichtsverein, dem Freihochschulbund und dem Ortsausschuß für die Errichtung eines Heine-Denkmals eingeladen worden war. Profeffor Elster wollte über Heines Stellung in Dichtung und Geistesleben sprechen. Während der Begrüßungsrede des Beigeordneten Dr. H e r o l d, der den Heine-Forscher im Namen des Oberbürgermeisters begrüßte, war es noch ruhig, aber bald nach den ersten Sätzen des Referenten erfolgte aus den ersten Reihen des Saales ein ungezogener Zwischenruf, der wohl das Signal zur Sprengung der Verantaltung bilden sollte. Wie nach Verabredung kürzten plötzlich aus dem zahlreichen Auditorium etwa zwanzig Burschen hervor, die die völlig überraschten Zuhörer in. der unglaublichsten Weise beschimpften, ihre „Kampflieder" anstimmten und immer wieder „Deutschland erwache, Juda verrecke" brüllten. Unter den Zuhörern, die dieses Spektakelstück mehr erstaunt als erschreckt über sich ergehen ließen, befanden sich vor allem geistig interessierteKreise,darunter HerbertEulenb e r g. Ein Appell des Gelehrten, ihn erst einmal anzuhören, wurde verlacht. Auch die ersten eintreffenden Polizeibeamten konnten die Ruhe nicht wiederherstellen, auch von der Straße her ertönte jetzt der bekannte Schlachtgesang. Erst nachdem das Ueberiallkommando erschienen war, konnte der seltsame Kreis von „Heine-Jntereffenten" entfernt werden. Fast eure halbe Stunde lang wurde eine völlig unpolitische, großenteils aus Damen bestehende Zuhörerschaft, unter der sich nur vereinzelt jüdische Bürger befanden, terrorisiert. — So wütet nationalsozialistischer Terror gegen Kunst und Wissenschaft! Liebe imdRassenschandt Auch wenn es nicht wahr sein sollte, daß die Liebe vom Zigeuner kommt, so ist eS doch eine alte und ewig neue Geschichte, daß sie nicht nach Recht, Gesetz und Macht fragt, und so haben junge Menschenkinder es seit Urväter Zeiten versucht und oft verstanden, die Hemmnisse, die Familien- und Nationalstolz, soziales Vorurteil und religiöse Satzung den Trieben deS HerzenS entigegensiellen, mit List oder Geivalt «aus oem Wege zu räumen. Die Literaturen aller Zeiten und Völker wissen von solchen Liebeskämpfen zu berichten, und die ernste wie die t-eitere Muse haben sie zu den unvergänglichsten Blüten der Dichtung gestaltet. Immer also hat der fühlende Mensch in dem Herzenskonflikt das Schicksal erkannt, vor dem er sich ehrfürchtig beugte oder gegen das er in heiliger Empörung aufbogehrte. Denn es ist zweierlei, ob ein höheres Gesetz, das Wollen und Wünschen des einzelnen den Notwendigkeiten der Gemeinschaft unterordnet, oder ob Borniertheit es einem Wahn zum Opfer bringt. Wenn darum die religiösen Gemeinschaften ohne Ausnahme die Mischehe grundsätzlich verdammen, so kann kein objektiv denkender Mensch dem Sinn der Satzung seine Achtung versagen. Verlangt das Wohl der Gemeinschaft in so vielerlei Hinsicht das Opfer des Individuums, warum soll dann nicht die Erhaltung der Glaubensgemeinschaft den Verzicht auf persönliches Glück fordern dürfen? So erhält auch das Verbot der Mischehe im Judentum durch den religiösen Sinn seinen Wertakzent. Nienrals und nirgends aber war und ist damit eine Minderbewertung des abgelehnten Teiles verbunden. Anders jedoch stellt sich das Problem im Lichte des neu-deutschen Rassenfanatismus dar. Wenn die „Deutsche Studentenschaft" vor einigen Jahren ihren Mitgliedern die Verbindung mit einem „farbigen ooer jüdischen Weibe" untersagte, dann verriet schon die Zusammenstellung der ausgeschlossenen Ehepartner den Sinn und den Wert der Satzung: die gewollte Diffamierung ohneethische Grundhaltung. Noch klarer tritt diese Absicht in einem Aufsatz des Jngolstädter „Donauboten" vom 2. Dezember, betitelt: „Rassenschande in Ingolstadt" zutage. Dort heißt es: „Derjenige, der die Rassenfrage kennt, weiß, daß die Vermischung deutschen Blutes mit dem Blute der jüdischen Köterrasse einer Verurteilung zum Tode gleichkommt... Es ist bekannt, daß der Jude eine angeborene Gier nach der blonden Frau hat. Während die gleichblütige Jüdin die Fortpflanzung seiner Rasse gewährleistet, sucht der Jude sich das höher geartete arische Weib für seine asiatischen Triebe dienstbar zu machen. Es kommt sebr vereinzelt vor, daß der Jude eine Christin heiratet. Hier sprechen meist Die 97* Friedhofsschändung In Hattingen a. d. Ruhr wurde der jüdische Friedhof in furchtbarer Weise verwüstet. Vierzehn Grabsteine wurden umgestürzt und zum Teil zertrümmert* Polizeiliche Ermittlungen sind eingeleitet; die Täter konnten trotz Aussetzung einer hohen Belohnung bisher nicht ermittelt werden.