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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-01 · Heft 11 (November 1930) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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so Moskaus Kampf gegen Gott Am 16. November fand ' im Berliner Sportpalast eine außerordentlich stark besuchte Versammlung des Deutschen Bundes zum Schutze der abendländischen Kultur als Protest besonders gegen religionsfeindliche Maßnahmen des^.Bolschewismus statt. Die Veranstaltung, die' unter Leitung des Präsidenten G r a f Ke y s e r l i n g k - C a m e r a n und des Fürsten L ö w e n st e i u stand, brachte Reden voll Vertretern aller religiösen Gemeinschaften. Für die jüdische Religionsgemeinschaft hielt Gemeinderabbiner Dr. R o s e n t h n l (Köln) eine Ansprache, die wir nachstehend auszugsweise lviedergeben. Rabbiner vr. Rofenthal führte u. a. aus: In den jüdischen Gotteshäusern haben, wir gestern vor vierzehn Tagen die alte biblische Erzählung wiederum vernommen, darin cs heißt: „Da sagten sie einer zum andern: Wohlan, wir wollen Ziegelsteine backen linb im Brand sie brennen; nur wollen uns eine Stadt bauell und einen Turm; seine Spitze sott bis in den Himmel reichen, und einen Namen wollen wir lins machen. Gott aber sagte: So steigen wir beim hinab und verwirren ihre Sprache, daß einer beit andern nicht mehr versteht." — Darum nennt man den Namen dieser Stadt: Babel K — Verwirrung." (1. V. M. 1. 3—8.) Das ist ein Bild ans der Ferne des Ostens nnb der Ferne der Zeit, groß und gigantisch, phalltastisch und geheimnisvoll; und das ist eill Bild aus der Nähe des Ostens und der Nähe der Gegenwart, gleich gewaltig in feinem Ausmaß, wie im Drohen stiller Furchtbarkeit. Das ist das Werk Moskaus, zu den: es im Blutbad des Weltkrieges sich gerüstet und „gereinigt" hat; das ist sein Kampf gegen Gott nnb gegen die Menschheit. In Professor Ludwig Bergs: „Was sagt Sowjet-Nußland von sich selbst?" fand ich ein Zitat aus dem Buch von Stepanow: „Selbst ben Blinden wird es klar sein, daß ein entschiedener Kampf gegen den Pfaffen, gleichgültig, ob er sich nun Pastor, Abbe, Patriarch, Mullah, Ulema oder Papst nennt, bis zum ällßersten notwendig ist." Der Rabbiner bleibt aus dem Spiele; er hat Gnade gefunden oder ist vielleicht gar nicht wichtig genug. Wenifs aber weiter heißt: . . und daß es ebenso unvermeidlich ist, diesen Kamps in einen Kampf gegen Gott auszndehnen, sei es nun der des Alten Testaments, Jesus, Buddha oder Mah": so ist die Gleichberechtigung wieder her gestellt und auch der Vertreter des Judentums in biefent Streitfall zur Gegenrede legitimiert. „W ir w ollen einen T u r m bis i n den Himmel bauen!" sprach Babel. Wir stürnien gegen den Himmel an und stinell Gott und fällen beide — spricht Moskau. Jhnr ist, kaum wage ich den Frevel zu wiederholen, „Gottsuchen die schlimmste Forni der Selbstbespeiung". „Ziegel brennen wir uns im Feuer" — wir brauchell keine gelvachsenen Steine und keine gewachsenen Menschen> wir formen und backen unser Material im Gluthauch der Weltrevolution, wir schichten Stein auf Stein, Zelle auf Zelle, Gruppe auf Gruppe, und türmen einen Bau, der die Welt umfaßt und sie erfüllt, restlos ausfüllt mit unseren Chanukka Ein Siegesfest -er sittlichen Idee Von Fabius Schach Chanukka ist dem Wortklange und der zugrundeliegenden Idee nach ein echt jüdisches Fest. Es feiert die Wiederweihe des heiligen Tempels zu Jerusalem, der durch den frivolen Uebermut des Feindes entweiht worden war. Damit feiert es aber auch den Sieg der sittlichen Idee aller Religionen: die Reinheit, W a h r - h e i t u n d Gerechtigkeit. Das geschichtliche Ereignis ist sehr all und daß es im religiösen Bewußtsein der Judenheit lebendig geblieben ist, kann nur darauf zurückgesührt werden, daß es einen Markstein in der Geistesgeschichte Israels bildet und deutlich zeigt, daß die Religiosität die erhaltende Lebenskraft des Judentums stets gewesen ist und bleiben wird. Das große historische Drama mit dem tragischen Hintergrund spielt in den Jahren 165 bis 160 v. Chr. Längst war der Glanz des jüdischen Staates gewichen, und von seiner Selbständigkeit war nicht viel übriggeblieben. Palästina war ein Vasallenland, und die Oberherrschaft hatten die Syrer. Ein Königtum gab es nicht mehr, und die höchste geistliche Würde, das Hohepriestertum, das Symbol göttlicher Hoheit und Reinheit, wurde zu einem käuflichen Objekt. Es'brach eine schwere Zeit über Israel heran. Bedroht von außen, uneinig und zerfetzt im Innern, schien es dem Untergange geweiht zu sein. Jegliche Freiheit wurde dem Volke geraubt, und der beherrschende Feind, eine Mischung von asiatischer Roheit und griechischer Raffiniertheit, weidete sich mit perverser Grausamkeit am Seelenschmerz des unterdrückten Volkes. Das schlimmste aber war, daß der syrische König Antiochus Epiphanes, der Typus des Cäsarenwahnes, sich zum Ziel setzte, die Juden der Religion ihrer Väter abwendig zü machen und an die Stelle des rein geistigen Monotheismus den griechischen Götterkult, voll Sinnlichkeit, zu setzen. Das Heiligtum wurde durch Götzenbilder entweiht, und auf dem Altar wurden Schweine — für Juden das Sinnbild der Unreinheit — geopfert. Man verbot alle religiösen Ausübungen und zwang das Volk zur Anbetung griechischer Götterbilder. Viele wurden bereits dem alten Glauben untreu, und die anderen erlitten Martyrien. Wie es immer ist, verzweifelten die Massen und glaubten nicht mehr an Rettung. Don der furchtbaren Not dieser Zeit künden uns die Psalmen 44 und 74. In dem einen heißt es: Verlassen hast Du uns, o Herr, Nicht mehr streitest Du für uns. Zur Schande wurden wir unter den Nachbarn, Zum Svott und Hohn der Umgebung. Ewig ist meine Schmach vor mir lieber den Spruch des frechen Hohns Das furchtbare Lästern des Feindes, Deinetwegen, Gott, werden wir alle Tage hingemordet. Gleich Schlachttieren sind wir geachtet. Erwache! Warum schläfst Du? Siehe, in Staub gebeugt ist unser Leben. Der andere Psalm klagt: Feuer haben sie an Dein Heiligtum gelegt, Entweiht und erniedrigt Deines Namens Stätte, Opfer dies Feuers sind alle Gotteshäuser im Lande, ' Unsere Sinnbilder sind nicht mehr. Keine Propheten und Künder sehen wir. Wie lange, o Gott, soll der Feind lüstern? Wie lange noch soll der Widersacher Deinen Namen höhnen? Da, in der Stunde höchster Not, bauchten die Makkabäer auf. schlichte, gottesfürchtige Männer, von königlichem Blute zwar, aber längst verarmt und unbekannt. Sie wagten den Verzweislungsschritt, sich gegen den Bedränger zu erheben. Ein kleines Häuflein tapferer Männer scharte sich um sie, und das Wunder geschah, die wahre Begeisterung für die heilige Sache gab ihnen Kraft und Größe, verlieh ihnen Heldentum und Ausdauer, und in diesem Zeichen siegten sie über den zahlreichen, gut gerüsteten Feind. Nach zwei Jahren hartnäckigen Kampfes gelingt das Merk, das Land ist wieder frei,, und — das ist echt jüdisch — demütig vor Gott ziehen die Sieger nach dem Berge Zion, um das Heiligtum wieder zu weihen unddeM- Gotte der Väter Loblieder zu singen. In den Gebeten des Festes gedenken auch die Juden von heute dieses großen Wunders der Geschichte. Der Jude ist ein geschichtliches Wesem und im Zusammenhang mit der Vergangenheit und der Zukunft ruht sein inneres Leben. Aber — und das ist wiederum charakteristisch-jüdisch — in unseren Gebeten werden die Sieger kaum erwähnt, gepriesen wird nicht das Heldentum, sondern der Sieg der Idee. Das entspricht der jüdischen Weltanschauung. Der Mensch ist nur Instrument in der Hand Gottes, sein Leben erlangt nur einen höheren Wert, wenn er seinem inneren Berufe dient, wenn er Träger einer sittlichen Idee ist. . Als Symbol des göttlichen Sieges — im Judentum ist Symbol Leben und Leben Symbol — zündet man in den jüdischen Häusern an den Abenden des Chanukkafestes Lichter an — bescheidene, kleine Lichter, still und innig, ohne Prrmk ttnb Glanz. Licht, und nicht Schwert ist uns zum Sinnbild des Lebens geworden. Das jüdische Familienleben zeigt sich in diesen Tagen in seiner ganzen Innigkeit. Man erfreut einander durch Gaben und man gedenkt der Armen und Dürftigen, namentlich der. Kinder bedrückter Familien. Man hat oft mit billigem Spott über die Idee der Auserwühltheit gehöhnt, man hat nicht begriffen, daß es eine Auserwühltheit zu Martyrien, zu heiligen Pflichten im Dienste der Gottesidee bedeutet.. Diesem inneren Berus hat die Judenhejj, soweit sie sich selber treu bleibt, immer gelebt. Was Israel der Menschheit gegeben hat, das ist die Lehre, wie man für eine Idee leben, leiden und sterben kann. Das i st der Sinn des C h a n u k k a f e st e s.

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